Politische Einteilung des Aukrugs

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Das Stammesherzogtum Sachsen um das Jahr 1000, einschließlich der nordelbischen Gebiete.

Für die Politische Einteilung des Aukrugs liegt erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts geschichtliches Quellenmaterial vor. Georg Reimer sah als die erste größere politische Einheit, zu der der Aukrug gehörte, den Holstengau, der ihm zu Folge von der Gieselau bei Albersdorf bis an die Stör unterhalb Neumünsters und an die Bünzau reichte.

Die von Reimer auch noch 1959 verwendete Bezeichnung „Urholstein" hatte Hermann Hofmeister nach seinen Forschungen an der Kaaksburg im Kreis Steinburg geprägt. Die Ergebnisse seiner Arbeit veröffentlichte er 1932 in seinem stark ideologisch geprägten Buch „Urholstein", dessen Begrifflichkeit von Historikern nicht übernommen wurde.[1] Tatsächlich liegt der Ursprung der Holsten ebenso im Dunkel wie der Großteil ihrer Geschichte. Ihre wohl erste namentliche Erwähnung findet sich erst 1076 bei Adam von Bremen in der Geschichte des Erzbistums Hamburg: Es gibt drei nordelbische Sachsenstämme: (...) Zweitens die Holsten: Sie heißen nach den Holzungen, in deren Nähe sie sitzen; durch ihren Gau fließt die Stör; ihre Kirche ist Schenefeld. Als gesichert gilt, dass dieses Gebiet um 840 schon endgültig unterworfen und der Holstengau Bestandteil des Stammesherzogtums Sachsen im fränkischen Reich war.

Politische Einteilung des Aukrugs vor 1867

Herzogtum Holstein im 15. Jahrhundert
Schleswig-Holstein um 1650; die Herzogtümer sind einem Flickenteppich gleich in zahlreiche Hoheitsgebiete aufgeteilt, von denen die königlichen und die herzoglichen Anteile sowie die gemeinschaftlich regierten Güterbezirke die größte Fläche einnehmen

Kirchspiel Nortorf

Das heutige Kirchspiel Nortorf gehörte nach Einschätzung von Reimer wahrscheinlich nicht zum Holstengau, wohl aber der Aukrug. Als Beleg dafür sah er die noch Anfang des 20. Jahrhunderts beobachtbare Sprachgrenze zwischen dem Aukrug auf der einen und Gnutz, Timmaspe, Krogaspe und Wasbek auf der anderen Seite. In Aukrug, wurde Ko, Scho, Fot usw. gesprochen, in den genannten Dörfern aber Kau, Schau, Faut.

Wie die kleinere politische Einheit benannt wurde, wissen wir nicht. Sie dürfte sich aber mit dem Umfang der Kirchspiele gedeckt und die Bezeichnung Kirchspielvogtei erst erhalten haben, als das Christentum sich durchgesetzt hatte. Eine der ersten noch im Original erhaltene urkundliche Erwähnung eines eigenständigen Kirchspiels in Schleswig-Holstein ist in Brügge datiert auf das Jahr 1238.[2]

Das große Amt Rendsburg, das bei der Landesteilung von 1544 zum königlichen Anteil kam, bestand aus den sechs Kirchspielvogteien Raumort, Jevenstedt, Nortorf, Hohenwestedt, Schenefeld und Kellinghusen. Sitz des Amtmanns war bis ins 17. Jahrhundert das Schloss in Rendsburg, seitdem wohnte er in der Stadt, ebenso wie Propst, Amtsverwalter, Hausvogt, Aktuar und der Raumorter Kirchspielvogt.[3]

Der Kirchspielvogt leitete die Amtsgeschäfte in der Kirchspielvogtei und war damit auch für das Polizeiwesen sowie die Steuererhebung zuständig. In Nortorf war 1441 Johann Gottschalk (1)[4] Kirchspielvogt. Von 1594 bis 1719 waren Mitglieder der Familie von Würtzen Kirchspielvögte. Dem ersten richtete der König die Hochzeit (2)[5] auf Kosten des Amtes aus. Das Amt zahlte dafür 453 Mk 7 ß 6 Pf. Das wären nach der Kaufkraft des Geldes damals und 1938 = 5662 RM.

Durch den Übergang mancher Bauernhöfe in den Besitz des Klosters Itzehoe wurde der Umfang der Vogtei verkleinert. Diese Höfe standen unter Herrschaft des Klosters, und Amtmann und Kirchspielvogt konnten nur über die Klosterobrigkeit mit den Klosterbauern verhandeln. Sollte der Fußknecht des Amtmannes z. B. in Innien einen Amtsuntertanen verhaften, so brauchte der sich nur auf einen klösterlichen Hof zu begeben, und der Fußknecht mußte unverrichteter Sache abziehen. Königliche Untertanen durften um 1800 keinem Klostermann Holz oder Ochsen verkaufen (3)[6].

Zur Kirchspielvogtei Nortorf gehörten vom Aukrug Böken, Bünzen, Innien und Bucken. Bargfeld und Homfeld, die kirchlich zu Nortorf gehörten, unterstanden der Kirchspielvogtei Kellinghusen. Sie wurden jedenfalls in der Zeit, aus der keine schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen, von Nortorf abgetrennt. Pastor Dr. Kuß in Kellinghusen schrieb über diese Abtrennung (4)[7]. „Wahrscheinlich hat es damit folgende Bewandtnis. Ums Jahr 1650 war die Kirchspielvogtei Kellinghusen nur von geringem Umfang, und da es damals auch noch keine Zollstelle im Kirchdorf gab, so war der Kellinghuser Kirchspielvogt hinsichtlich seiner Einnahme auf die kleine Kirchspielvogtei beschränkt. Nun wurden aber 1650 dem Grafen Christian Rantzau zu Gefallen nicht nur die Dörfer Rensing und Mühlenbarbek von der Vogtei getrennt, sondern ihr auch 8 Tonnen Roggen entzogen, welche sie bis dahin jährlich vom Gute Rostorf und einigen Untergehörigen desselben bezogen hatte, und daß ihr für solche Verluste eine Schadloshaltung geworden, ist doch sehr wahrscheinlich. Nun enthalten die beiden der Vogtei entzogenen Dörfer 131/2 Pflüge, und die beiden zur Vogtei gehörenden Dörfer im Kirchspiel Nortorf ebenfalls 131/2 Pflüge."

Kuß' Überlegungen klingen recht wahrscheinlich. Aber sie stimmen nicht. Bargfeld und Homfeld gehörten schon 1538 zur Vogtei Kellinghusen (5)[8] Auch meine Vermutung über die etwaige Zugehörigkeit zum Gute Sarlhusen stimmt nicht. Das Haaler und Sarlhuser Dienstgeld (6)[9], auf das ich verwies, stammt erst von 1603. König Christian IV. hatte von Otto Sehestedt 1601 das Gut Sarlhusen gekauft (7)[10].

Erste kirchliche Nachricht 1142

Der Aukrug als "unorganisches Anhängsel" am Kirchspiel Nortorf

Die erste kirchliche Nachricht über den Aukrug haben wir von 1140. Erzbischof Adalbert II. hatte das Hamburger Domkapitel erneuert und ihm Einkünfte aus holsteinischen Dörfern, darunter Ennege, Bunzinge und Berchvelde (Innien, Bünzen und Bargfeld), überwiesen. Wenn also diese Dörfer Zehnten geben mussten, so ist sicher, dass damals das Christentum hier festen Fuß gefasst hatte.

Dass der Aukrug ursprünglich gleich zu Nortorf gehört haben soll, erschien Georg Reimer nach Sichtung der vorhandenen Quellen unwahrscheinlich. Die Karte zeigt ihn als angehängten Zipfel des Kirchspiels Nortorf, der eigentlich nicht dahin passt. Dazu kommt noch, dass der Aukrug und die großen südlichen Dörfer des heutigen Kirchspiels Nortorf (Gnutz, Timmaspe, Krogaspe und Schülp) mit einem Pfarrzehnt von zwei Scheffeln belastet wurden, während Nortorf und die nördlich von ihm liegenden Dörfer 3 Scheffel gaben. Dieser Zehnt von drei Scheffeln wurde vom Erzbischof Liemar (1072-1101) eingeführt, um den Holsten, die durch die vielen Wendeneinfälle schwer heimgesucht waren, ihre kirchlichen Lasten zu erleichtern. Bei dieser Nachricht ist verwunderlich, dass nur die nördlich von Nortorf liegenden Dörfer diesen größeren Pfarrzehnt hatten. Der Pfarrzehnt von zwei Scheffeln gab es auch im Kirchspiel Kellinghusen.

Reimer vermute, dass diese unterschiedliche Höhe der Pfarrzehnten ihren Ursprung in der Zeit ihrer ersten Fixierung hatten, dass also die Kirchspiele mit zwei Scheffeln Pfarrzehnt älter sein müssen als die mit drei Scheffeln, die Fixierung also vor Liemars Zeit gelegen haben muss, denn einmal festgesetzte Abgaben, auch staatlicher Art, blieben im Mittelalter stets auf ihrer einmal festgesetzten Höhe bestehen. K. H. Gaasch hat in seiner Untersuchung über die Pfarrorganisation in Dithmarschen und Holstein die Pfarrzehnten nicht berücksichtigt, da keine frühen Urkunden über sie bekannt waren.

Da nun der Aukrug als unorganisches Anhängsel am Kirchspiel Nortorf auf der Karte zu erkennen ist, da er zwei Scheffel Pfarrzehnten gibt, so vermute Georg Reimer, dass die später zu besprechende Kapelle in Innien längst vor der Gründung des Kirchspiels Nortorf bestanden hat und zu ihrem Bezirk auch die Dörfer Gnutz, Timmaspe, Krogaspe, Schülp und Borgdorf gehörten. Nortorf ist auf dem Grund Borgdorfs errichtet, da noch zur Zeit der Feldaufteilung um 1780 Borgdorf südlich von Nortorf Ackerländereien in Besitz hatte. Als nun die Herren von Westensee den Zehnten der genannten Nortorfer Dörfer erwarben, der Zeitpunkt ist unbekannt, war der Aukrug vermutlich zu klein, um einen Priester zu unterhalten. Die Kapelle blieb bestehen, wurde aber von Nortorf aus bedient.

Nortorf hatte seine größte Bedeutung in der Zeit der nach Norden vordringenden Kolonisation nach 1100. Es wurde für kurze Zeit, wie P. v. Hedemann—Heespen in seiner Geschichte der Güter Deutsch-Nienhof und Pohlsee schreibt, Mittelpunkt kirchlicher Propaganda, soweit sie nicht vom Neumünsterischen Kloster und dem Bornhöveder Adel ausging, sondern, auf Schenefeld fußend, mehr westholsteinischen Ursprungs war. Nicht lange blieb es in dieser Vorpostenstellung. In das menschenarme Gebiet bis an die Eider drangen die Holsten vor. Durch die Gründung der Reinoldsburg wurde ein fester Stützpunkt für das weitere Vordringen der deutschen Kultur und des Christentums gewonnen. Nortorf hätte einen solchen nach seiner ganzen ungeschützten Lage nicht geben können. „Nur eins ist Nortorf aus dem Jahrhundert seiner größten Bedeutung geblieben: hier liefen im Norden der Grafschaft die wichtigsten Straßen zusammen, von Rendsburg nach Neumünster, von Itzehoe nach Kiel und selbst über die Königsfurt von Eckernförde her."

Ein weites, aber dünn bevölkertes Gebiet umfasste dies Kirchspiel. Es stimmten die Kirchspiele durchweg mit den weltlichen Verwaltungsbezirken (Vogtei, Gobezirk, Hundertschaft) überein.

„Auch das große Nortorfer Kirchspiel scheint nicht mehr als 1204 Hufen umfaßt zu haben." Die weiten Heide- und Waldgebiete und der magere Boden bedingten eine geringe Bevölkerung. Der Anteil des einzelnen an der Feldmark, die Hufe, musste dafür von bedeutendem Umfang sein. Die weiterhin erwähnte Urkunde über die Einkünfte der Nortorfer Pfarrstelle gibt 138 zehntpflichtige Hufen an. Sie zeigt uns, dass das Kirchspiel in katholischer Zeit sich weiter nach Norden erstreckte. Pohlsee, Blocksdorf, Emkendorf, Rumohr, Sören und Blumenthal gehörten dazu. Das Kirchspiel erstreckte sich also von Bargfeld bis vor die Tore von Kiel.

Preußische Kreisordnung

Karte von Holstein (1866)

Nach einer erneuten Ausdehnung Preußens wurden 1867 preußische Kreise in den Provinzen Schleswig-Holstein und Hessen-Nassau gebildet und durch die Preußische Kreisordnung von 1872 die Organisation der preußischen Kreise neu geregelt. Bei der Einführung 1867 wurde das Kirchspiel Kellinghusen dem Kreise Steinburg zugelegt, die Dörfer Homfeld und Bargfeld aber kamen zum Kreise Rendsburg.

Nach der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen wurden 1889 der Amtsbezirk Innien (die heutige Gemeinde Aukrug sowie Meezen) im Kreis Rendsburg und der Amtsbezirk Wittorf (Gemeinden Arpsdorf, Ehndorf, Padenstedt, Wasbek und Wittorf) im Kreis Kiel gebildet. Nach der Auflösung des Kreises Bordesholm, wie der Kreis Kiel mittlerweile hieß, kamen die Gemeinden des Amtsbezirks Wittorf ohne Wittorf als Amtsbezirk Wasbek 1932 in den Kreis Rendsburg.

1948 wurden die Gebiete der Amtsbezirke zu den heutigen Ämtern. Das Amt Wasbek blieb bis zur Gründung des Amtes Aukrug unverändert gegenüber dem Amtsbezirk. Das Amt Innien gab Meezen an das Amt Hohenwestedt-Land ab. Der 1867 geschaffene Kreis Rendsburg behielt seinen Umfang mit Ausnahme der 1877 aus dem Kreis Eckernförde zu Rendsburg geschlagenen Hohner Harde mit 17 Ortschaften bis zur Kreisreform 1970, die eine Zusammenlegung der Kreise Rendsburg und Eckernförde zur Folge hatte.

Einzelnachweise

  1. Rundgang durch die Kaaksburg, 2012
  2. Geschichte der Kirchengemeinde Brügge
  3. Herzogtum Holstein bis 1867, Abt. 104: Amt Rendsburg
  4. Kloster Itzehoe, XI. Nr. 350.
  5. Rendsb. Amtsrechn. 1611. Die Heimat 1951, S. 990.
  6. Rendsb. Amtsrechn. 1622 (A. R.).
  7. Neues Staatsb. Mag. 8, S. 201.
  8. A. R. 1538.
  9. A. R. 1609.
  10. A. R. 1601.