Archiv:Bodennutzung und Viehbestand (Mein Dorf)
Bodennutzung und Viehbestand
(Tabellen über Einwohnerzahl, Pferde, Schafe, Rindvieh und Schweine und Bodenbenutzung)
Die anliegenden Karten zeigen ein Bild der fortschreitenden Entwickelung der Bodenbenutzung und der Steigerung des Viehbestandes. 1666 waren etwa 70 - 100 Tonnen (ca.75 ha) Ackerland vorhanden und jede Hufe hatte durchschnittlich 25 Fuder Heu. Genauer sind die Angaben von 1724: 150 ha Acker und etwa 100 ha Wiesen waren in Gebrauch. Bis 1780 hatte man weitere 200 ha Acker und 30 ha Wiesen gewonnen. Es sollten weitere 360 ha Acker in Kultur genommen werden. Der Plan wurde aber nicht durchgeführt. Trotz der 1842/43 erfolgten letzten Feldaufteilung waren 1866 nur 10 ha Wiesen und 270 ha Acker hinzugekommen. 540 ha lagen noch als Ödland und Wege. Bis 1912 ändern sich die Zahlen auf 165 ha Wiesen, 47 ha Dauerweiden und 840 ha Acker und Wechselweide. Nur 250 ha sind Ödland sind nachgeblieben.
Die Zunahme des Kulturlandes war nur möglich um 1800 durch die 1780 im Aukrug eingeführte Bemergelung und von 1866 - 1912 durch die Einführung des Kunstdüngers und die große Schweinemast. Nach dem 1. Weltkrieg verschob sich die Bewirtschaftungsweise erheblich, da die Wechselweide durch Dauerweide ersetzt wurde, und sowohl Kühe, als auch Jungvieh das Sommerfutter auf der Dauerweide fanden. Es waren etwa 550 ha Dauerweiden, die z.T. ohne Pflügen durch Schweinedung, Balk und Kunstdünger aus der Heide, z.T. aus niedrigem Ackerland gewonnen waren.
Auch die Aufforstung wurde betrieben. Der Dampfpflug brach von 1865 ab große Heideflächen um, die mit Tannen bepflanzt oder als Ackerland genutzt wurden. Aus den Tannenanpflanzungen wurden große Mengen Weihnachtsbäume gewonnen. 1913 verschickte man vom Bahnhof Innien 70 Waggons Weihnachtsbäume zum größten Teil nach Hamburg und Berlin. Die Bestbestände ließ man als Wald heranwachsen. So waren 1940 auf der bisher waldlosen Feldmark 85 ha Nadelwald vorhanden, der leider durch Kahlschläge sehr vermindert wurde. Von dem noch vorhandenen Ödland geht eine große Fläche ab für Wege und Gewässer, so daß nur geringe Heideflächen und Moore bleiben.
In 200 Jahren ist die bebaute Fläche der Feldmark von 250 ha auf 1000 ha gestiegen. Eine gewaltige Leistung unserer Vorbesitzer in 8 Generationen!
Wie entwickelte sich nun der Viehbestand?
1. Pferde.
Auffällig ist die geringe Zunahme der Pferde: 1724: 85, 1940: 197. 1724 waren die Pferde weit kleiner und wenig leistungsfähig. 4-6 spannte man vor Pflug, Egge oder Wagen. Die Abnahme von 1927-1940 1st auf Lieferung an die Wehrmacht zu erklären, die Zunahme bis 1946 durch die Abgabe von Wehrmachtspferden und die Flucht des Geldes in Sachwerte, die nicht dem Ablieferungszwang unterlagen, auch der Grünlandumbruch erforderte verstärkten Pferdeeinsatz.
2. Schafe.
Die Schafzucht, die um 1800 mit fast 400 Stück ihren Höhepunkt erreichte, war 1880 fast auf die Hälfte gesunken und um 1900 restlos aufgegeben. Die bessere Ausnutzung des Bodens durch Rindvieh zucht und Ackerbau brachten sie zum Erliegen. Ausländische Wolle war in besserer Güte zu billigerem Preis zu haben. Während der beiden Weltkriege zwang der Wollmangel die Bauern, wieder einige Schafe für die eigene Wollerzeugung zu halten.
3. Rindvieh.
Am bedeutendsten ist die Zunahme des Rindviehbestandes. Sie zeigt den Übergang von dem überwiegenden Ackerbau zur Fleisch- und Milcherzeugung. 1724: 144, 1941: 888 Stück. Am stärksten war die Zunahme von 1885 - 1914. In der Zeit erfolgt mehr als eine Verdoppelung, fast eine Verdreifachung. Der 1. Weltkrieg brachte ein Herabsinken des Bestandes auf ungefähr 3/5. Im 2. Weltkrieg erfolgte anfangs noch eine Zunahme des Bestandes, da Zwangsablieferungen nicht nötig waren. Noch 1946 stand die Rindviehzahl über der von 1927, um dann stark abzusinken. Nach 1933 fand eine starke Vermehrung der Zahl der Milchkühe statt.
Auf ha berechnet war der Stand von 1796 mit 0,09 je ha am niedrigsten, der von 1941 mit 0,68 am höchsten. Eine Umrechnung auf ha der Kulturfläche ist nicht am Platze, da bis 1880 das Rindvieh, besonders das Jungvieh, auch auf den Heideflächen sich das Sommerfutter suchen mußte.
4. Schweine.
Eine erschreckende Tabelle ist die über den Schweinebestand. Die Zahlen von 1724 und 1796 dürfen nur die Zuchtsauen umfassen, da nur diese in den älteren Akten erscheinen, während die Mastschweine nur beim Auftrieb zur Mast im Walde gezählt wurden. Von 1883 - 1914 steigt die Zahl der Schweine von 180 auf 1543, eine 89fache Steigerung. Diese war nur möglich durch eine große Einfuhr von ausländischer Gerste und ausländischem Mais. Der 1. Weltkrieg drückte den Schweinebestand auf den Stand von 1883 herab. Da durchweg ein zweimaliger Absatz der Schweine im Jahr zu rechnen war und die Tiere gewöhnlich 100-125. kg schwer abgeliefert wurden, so hat Böken 1914 etwa 500 000 kg Schweinefleisch auf den Markt bringen können[1].
Durch die schwankenden Marktpreise (30 - 50 Mk je 50 kg) war der Gewinn oft unsicher, aber die riesige Menge Schweinedung ermöglichte starke Mistgaben an Acker, Wiesen und Weiden und glich dadurch das Risiko der schwankenden Einnahme, aus der Mast etwas aus. 1927 hatte der Schweinebestand wieder die Höhe von 1910 erreicht. Die Forderung der Regierung nach 1933, Schweine nur mit in eigener Wirtschaft erzeugtem Futter zu mästen, brachte auf den mageren Böden des Mittelrückens, wo Korn zur Mast fehlte, die Schweinemast zum Erliegen. Als "die Erzeugungsschlacht gewonnen war", bedeckten für Böken wenigstens 2000 nicht gemästeter Schweine jährlich das Schlachtfeld, denn die Schlachtreife erforderte mit dem veränderten Futter eine Verlängerung der Mastperiode auf 1 Jahr, statt sonst 1/2 Jahr[2].
Während des 2. Weltkriegs wurde durch Zwangsauflage von zu mästenden Schweinen ein Bestand nur wenig unter dem Friedensstand von 1938 gehalten. Nach dem Zusammenbruch von 1945 sank dię Schweinehaltung auf den Stand von 1918. Was bedeutet das für unsere Wirtschaft, abgesehen von den fehlenden Fleisch mengen? Die kleineren Dunghaufen auf den Bauernhöfen zeigen es.
Durch den zwangsweisen Weideumbruch muß auch der Rindviehbestand sinken. Vergrößerte Ackerflächen mit unverhältnismäßig geringerer Mist zufuhr, fast vollständig fehlender Kunstdünger müssen auf unserem mageren Boden unweigerlich ein Absinken der Ernte- und Milcherträge nach sich ziehen. Vergrößerte Ackerfläche kann uns nur Erfolg bringen durch auf Zufuhr von Getreide beruhender großer Schweinemast.
Nach dem Zusammenbruch 1945 und der Währungsumstellung ging das Dorf an den Wiederaufbau des Viehbestandes. Freilich sank die Zahl der Pferde von 117 (1950) auf 103 (1951) herab, da eine Anzahl Trekker angeschafft sind. Die Zahlen für Rindvieh 1946: 782, 1950: 858, 1951: 865, beweisen den Fortschritt der Rinderhaltung, Milchkühe mit 6000 L Milch im Jahr sind wieder erreicht.
Besonders die Schweinehaltung ist stark vorangetrieben. 1940: 205, 1946: 180, 1950: 761, 1951: 811.
Über die Kornerträge stehen aus älterer Zeit keine Zahlen zur Verfügung. Deshalb gebe ich auch keine neueren Zahlen.
Fußnoten
- ↑ Diese Menge Schweinefleisch genügt, um 1250 000 Normalverbraucher in einem Monat mit je 400 g zu beliefern. 24 solcher Dörfer könnten den Jahresverbrauch Schleswig-Holsteins decken.
- ↑ Für ganz Deutschland stimmen die Zahlen nicht, da eine Verlagerung der Schweinemast auf den schweren Boden erfolgte und dadurch ein gewisser Ausgleich geschaffen wurde.