Archiv:Das alte Dorf und seine Entwicklung (Mein Dorf)

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Böken 1724
Böken 1770
Böken 1800
Böken 1870
Böken 1914

Des alte Dorf und seine Entwicklung.

Die älteste schriftliche Nachricht über unser Dorf stammt von 1440. Damals wurde die Nortorfer Kirche, zu deren Kirchspiel Böken bis 1893 gehörte, dem Itzehoer Nonnenkloster einverleibt. Es wohnten damals in Böken 7 Vollhufner. Ihre Namen werden nicht genannt. Sie gaben damals je zwei Scheffel Weizen (100 Jahre später war es Roggen) an den Pastor in Nortorf. Diese Abgabe bestand bis zur Reallastenablösung um 1880. Vor 1440 hatte Rode Clawes (Claus Rode) 5 Himpten Weizen zu seinen Momorien (Seelenmessen) gestiftet. Diese Abgabe, die später 3 Tonnen Roggen betrug, ruhte auf Hufe Nr. 5, der anliegenden Dorfkarten.

Von 1539 haben wir in einem Zehntregister des Kirchspiels Nortorf das in Itzehoer Klosterarchiv liegt, das älteste Einwohnerverzeichnis. Es nennt: Ratke Hintze, Claves Wittemacke, Marquart Eckmann, Hans Verst, Eler Titke, Marquart Volstede. Die älteste Amtsrechnung (Bruchstück) in Landesarchiv in Schloß Gottorp von 1540 nennt Eler Ratke, Olde Marquart Volstede, Ratke Hintze, Detlof Eckman, Hans Verst, Hans Wittemacke, Eler Wittemacke, Junge Marquart Volstede. In der nächsten Antsrechnung von 1589 erscheinen Tim Volstede, Marcus Barchfelt, Eler Titke, Rattke Hintzen, Hans Volstede, Eler Titke, Jochim, Titke mit je 12 Schilling (ß) Hubenschatt (Hufenschatz) und Jochim Godick(Göttsche) und Hans Verst mit 8 ß Verbittelsgeld und Maquart Hintze mit 4 Mark Dienstgeld, das sind 7 3/8 Hufen. Die 7 Vollhufen zahlten außerdem je 1 Mark 5 ß Rehe- und Hartschatt, 1 Schwein, 1 Lamm und 2 Hühner (Rauchhühner). Diesen Besitzstand finden wir bis um 1780.

Wo lagen nun die alten Höfe? (Vergl. die anliegenden Dorfkarten)

Namen der Besitzer 1948: Otte Lüthge (Nr. 4), Claus Glindemann (3), auf Glindemanns Hauskoppel lag Nr. 3, Rest Johannes Lahann, 1854 abgebrochen und an der jetzigen Stelle aufgebaut, Paul Greve (1). Auf Georg Bruhns Hauskoppel lag 7, Rest Viertshöhe, 1873 dorthin gebaut, Hans Runge (6), Willi Schmuck (8), Hermann Rathjen (5), Rest Rudolf Behrens, Maria Asmus (9) und Willi Reimers (10).

Für die Entwicklung der Besitzverhältnisse kann man in Böken vier Perioden unterscheiden.

1. Die Zeit der Flurgemeinschaft, (bis ca. 1780)

Neben den 7 3/8 Hufen ist wenigstens zeitweise eine kleine Kate vorhanden gewesen (Nr. 14). Die Lage der Hufen zeigt die Karte von 1724. (Nr. 1-10) Die Hufe war die Steuereinheit und mit ihrer Zertrümmerung ging die Steuersicherheit verloren. Deshalb wurde 1733 im Amte Rendsburg die Hufenteilung verboten und dem Bauervogt bei 20 Rthlr Brüche aufgegeben, jede Hufenteilung anzuzeigen. Aus diesem Grunde sind in der Zeit vor 1780 nur einige kleine Katen entstanden. Der Grund für ihre Entstehung war das Verlangen der Bauern nach Handwerkern, da die Vermehrung des Ackerlandes den Bauern keine Zeit für die weitere Selbstherstellung aller landwirtschaftlichen Geräte ließ. So ist die erste Kate (19) von einem Schneider und Schulmeister, die 2. von einem Schmied (20) errichtet worden. Das war um 1750. Bis 1780 sind nur 13 Häuser im Dorf.

2. Die Zeit der Feldaufteilung

Die hier 1773 beginnende Feldaufteilung und Verkoppelung stellte manche schwachen Hufen vor schier unlösliche Aufgaben; denn die Urbarmachung der neuen und die Umwallung aller Ländereien erforderte große Arbeitsleistungen und bedeutende Kosten. Freilich wurden 8 - 20 Jahre Steuerfreiheit gewährt, doch führte die Notlage zu Konkursen. So sah sich die Regierung genötigt, Hufenteilungen bis zu 1/4 Hufen zu gestatten. Dieses nutzte man auch bei uns aus. 1781 wurde die Hufe Nr.2 in 2 halbe Huren geteilt, kam aber 1784 wieder in eine Hand und gab dabei 1/4 an Hinrich Michaelsen ab (11). 1793 gab sie ein weiteres Viertel (12) an die Hirtenkate (21).

1784 wurde auch die Hufe 5 geteilt. 1/4 erwarb mit der Scheune, die er als Wohnhaus an einem andern Platz aufbaute, Hinrich Münts (13). Das zweite Viertel behielt Claus Wichmann, der dann die restliche Halbhufe verkaufte und von Peter Lefien (14) dessen Kate und 12 Tonnen aus der Gemeinheit kaufte. Auch die Verlehntskate verkaufte Lefien als neue Kate (16). Diese beiden Besitze sind 1831 nach einem Großfeuer verlegt (14, heute Hermann Carstens). Lafien baute 1787 Nr. 17 neu. Auf dem Stitshof verkaufte Claus Wichmann einen Bauplatz, auf dem eine kleine Kate entstand (18).

Eine Hirtenkate (21) erwarb Claus Wichmann und besaß sie neben seiner Viertelhufe. Um 1820 kam sie an die Halbhufe Nr. 2. 1840 erhielt sie ein jüngerer Hufensohn (jetzt Dibberns Scheune). 1782 entstand an der Stelle, wo Hein wohnt, die Schul- und Hirtenkate (20). 1802, als das gemeinschaftliche Weiden der Dorfkühe aufhörte, wurde sie mit dem Schulland als Kate verkauft. 1786 trennte Marx VoB (4) die Verlehntskate mit den Verlehntsländereien von der Hufe ab (22). 1799 wurde Nr. 19 nach dem Auberg verlegt (23, Heeschen). Auf dem freigewordenen Platz baute Jürgen Glindemann eine neue Kate (19).

Dann tritt eine Unterbrechung in der Gründung neuer Besitze ein. Die Verkoppelung und die Urbarmachung der neu erhaltenen Ländereien ist erledigt. Die Besitzer können sich rühren. Bald aber setzen die Kriegsjahre ein. Ihre Folgen und die Folgen der Mißwachsjahre um 1830 verhindern weitere Neubauten. Nur die Schule (24) wurde 1819 aus einer abgebrochenen Homfelder Abschiedskate errichtet. Konkurse sind so häufig wie nie zuvor und nie nachher. Erst die 2. Feldaufteilung von 1840-43 ließ einen neuen Besitz entstehen: Das eben genannte Schulhaus wurde mit 10 Tonnen Land aus der Gemeinheit von der Dorfschaft als Kate verkauft und ein neues Schulhaus errichtet (26).

Durch diese letzte Feldaufteilung hatten die Besitze soviel Land erhalten, daß Abtrennungen möglich wurden. Auch war durch die Vermessung der Ländereien eine Möglichkeit gegeben, die Steuern auf die abgeteilten Ländereien umzulegen. 1849 trennte Nr. 13 eine Kate ab (27, Schmiede). 1839 war ein Armenhaus mit 4 Wohnungen errichtet (25, jetzt abgebrochen). 1852 wurde von der alten Schmiede (15) ein Bauplatz abgetrennt an Ehler Rathjen (Ehler Discher 28). 1862 verkaufte der Schmied die Schmiede an Christian Kreutz, der sie neben der vorigen Kate wieder aufbaute (30). 1857 erwarb Jochim Horst von der Halbhufe 2 einen Bauplatz für Kate (29). 1866 baute Heestermann ein Wohnhaus (31, Michaelsen).

3. Neugründungen in der Heide

Die Zeit von 1860-70 ist für Böken, soweit es sich um Neugründungen handelt, das Jahrzehnt der Heidekultur. In den fünfziger Jahren war auf Wasbeker Felde die Kolonie Prehnsfelde entstanden. Da die Kolonisten leidlich fortkamen, wurde bei uns das Bestreben wach die weit entfernt liegenden Heideflächen, zwischen denen sich auch schon Acker- und Wiesenland befand, zur Neusiedelung zu benutzen. 1866 verkaufte Jargstorf (1) seinem Bruder Hans 30 Tonnen Land an der Wasbeker Grenze (33, jetzt Kütemann) und 1868 Hinrich Voß (3) seinem Bruder Hans 43 Tonnen am Mitbek (34). Beide sind auf der Dorfkarte nicht zu sehen, da sie zu weit entfernt liegen.

4. Die Zeit der Parzellierungen und Hufenteilungen

Die beiden nächsten Jahrzehnte sind auch für Böken die Gründerzeit. 17 neue Besitze entstanden in ihnen. So stark war der Besitzzuwachs noch nie gewesen, und auch nachher ist eine gleich schnelle Zunahme nicht mehr zu verzeichnen. Das preußische Steuersystem legte auf jedes Stück Land eine Grundsteuer und brach mit der Hufe als Steuereinheit. Nicht mehr die Hufe, sondern das einzelne Stück Land und die Gebäude bildeten die Grundlage der Steuer. Damit war der Weg für die Hufenschlächterei frei. Sie ließ nichts von dem Jahrhunderte alten Beharrungsstand bestehen.

1871 brannte die Dohrn'sche Halbhufe (5) ab, wurde nach dem Auberg verlegt und 1887 parzelliert. Den alten Hufenplatz mit dem halben Brandkassenwert kaufte Jochim Rathjen und erbaute dort eine neue Kate (37). Die alte Verlehntskate erwarben Friedrich Lohse und Christian Vollstedt (38), die neue Claus Vollstedt (39). Aus beiden sind neue Bauernhöfe entstanden.

1872 ließ Struve (4) seine Ziegelei auf dem Rüm eingehen. Er verkaufte die Zieglerkate (32) an den Dorfschäfer Jochim Schmuck. 1890 holte der Sohn ein abbruchreifes Haus aus Tappendorf und baute es neben der alten Kate auf (40). 1872 fand die erste Parzellierung statt. Die Gebäude der Hufe 7 wurden abgebrochen und auf Viertshöhe aufgebaut (41, nicht auf der Karte), dazu die halbe Hufe gelegt. Die Verlehntskate und die Tagelöhnerwohnungen erwarb Hinrich Bruhn (42), der 1885 seines Vaters Land (24) erhielt. 1874 entstand im Stratenhof[1] dieser Hufe durch Paul Greve die Kate von Willi Steffen (43). In den siebziger Jahren wurde 69 als Altenteilskate von 1 gebaut. 1885 verkaufte Jürgen Lobsien seine Altenteilskate an Max Carlow (44), und Claus Jürgens (9) seine an Claus Hinrich Rathjen. Im gleichen Jahre verkaufte Wörpel sein Haus (20) an Ludwig und baute in der Heide ein neues Gehöft (47). 1881 erwarb Schmied Kreutz sein jetziges Gehöft (27) von Sickelka, der 47 von Claus Rathjen kaufte, 1855 erbaut. Ebenfalls 1885 erbaute Swenn Peters auf einer vom Bahnbau abgeschnittenen Ecke des Rüm seine Kate (48).

Durch Zukauf bei Parzellierungen und durch vermehrte Urbarmachung der Heideflächen, die durch künstlichen Dünger und starke, auf ausländischem Getreide aufgebaute Schweinemast ermöglicht wurde, waren mehrere Besitze so groß geworden, daß sie eine Teilung gestatteten. So trennte Jürgen Lobsien (14) 1895 seine Ländereien in der Heide ab und baute dort seinem Sohn Jürgen einen neuen Besitz (52, jetzt Wiebold). 1896 machte Albert Friedrich (6) es ebenso für seinen Sohn Albert (53, jetzt Willi Behrens, beide nicht auf den Karten).

1896 entstand auf dem Grund der Lahann'schen Halbhufe eine neue Kate durch Theodor Stender (54). 1898 erbaute Hermann Lemke auf ehemals Hinselmann'schem Grund seine Bäckerei, die er noch betreibt (55). 1901 überließ Carsten Schmuck seinem Schwager August Stegelmann den Platz der abgebrochenen Zieglerkate (40) für ein Wohnhaus (56).

1902 wurde der Hesebecksche Besitz (1) parzelliert. Die Gebäude bekam Claus Greve. 1905 parzellierte man den Friedrich'schen Besitz (6). Die Gebäude erwarb Johannes Glindemann, der einen Teil der väterlichen Ländereien (3) dazu erhielt. Die Verlehntakate mit etwas Land kaufte Heinrich Runge (57). Auf der Brüggkoppel der parzellierten Hesebeck'schen Hufe erbauten Friedrich Lehmann (55) 1885, Harder Groth (59) 1905 und Carl Boldt (60) Wohnhäuser. 1908 baute Claus Glindemann sein Verlehntshaus (60) im Stratenhof, 1910 entstand das neue Schulhaus auf dem Auberg (62). Das alte (26) wurde an Paul Dibbern verkauft, der gegenüber wohnte (21). Im gleichen Jahre wurde Nr. 4 geteilt, den Stamm erhielt Claus Struve, den Neubau an Karkweg (63) Heinrich Struve. 1912 wurde 64 als Altenteil zu 15 gebaut und 65 als Wohnung von Heinrich Vollstedt. 1913 zweigte Claus Reimers (10) einen kleinen Besitz für seinen Sohn Johannes ab (66). Dann unterbrach der Weltkrieg die Entwicklung. Nachher sind zwei Siedlungen auf Viertshöhe entstanden und das 1940 abgebrannte Gehöft 39 dorthin verlegt. Im Dorf sind noch vier Wohnhäuser gebaut.

Außer den Bauern und Kätnern gab es im Dorfe Insten, d.h. zur Miete wohnende Leute, die Hirten, Handwerker oder Tagelöhner waren. Ihre Zahl stieg dauernd bis etwa 1870: 1700=3, 1726=5, 1742=8, 1796=17, 1864=17 Tagelöhner, 5 Weber, 3 Schneider, 2 Schuster, 1 Drechsler, 1 Schäfer. Sie wohnten in den Verlehntskaten oder in besonderen Tagelöhnerwohnungen. Meistens wohnten in solchen Katen die nur 2 Zimmer enthielten, zwei Familien.

Mit dem Aufkommen der landwirtschaftlichen Maschinen verschwinden die Tagelöhnerfamilien aus dem Dorf. Um 1900 hatten nur zwei Höfe noch Tagelöhner. Nun ist aber nicht allein das Aufkommen der landwirtschaftlichen Maschinen die alleinige Ursache des Verschwindens der Tagelöhner, sondern auch die Zerschlagung der Besitze, die Entwicklung Deutschlands zu einem Industrieland und besonders die vermeintlich bessere Stellung der Arbeiter in der Stadt mit ihren Zerstreuungen und dem frühen Feierabend haben ihren Teil dazu beigetragen. Aber auch der Bauer trägt einen Teil der Schuld.

Ihm wurden in der glänzenden Zeit vor 1914 die Tagelöhner zu teuer, obgleich die Löhne nicht der allgemeinen Preissteigerung, noch weniger den vermehrten Erträgen gefolgt waren, sondern eher als zu niedrig anzusehen sind. Noch heute ist der Bauer, der über die lange Arbeitszeit schilt, ein Hindernis für die Gesundung der ländlichen Arbeitsverhältnisse. Doch ist sein Schelten nur äußerlich, denn in Wirklichkeit liebt der Bauer seinen Stand und möchte mit keinem tauschen.

Beim Zerschlagen der Höfe (Parzellierungen, Güterschlächterei) bot sich für den Tagelöhner die Möglichkeit, die Verlehntskate des parzellierten Hofes und etwas Land zu erwerben, bei späteren Parzellierungen weiteres Land hinzuzukaufen und so in den Stand der Bauern hinaufzusteigen. Sein Bauer half dem tüchtigen Tagelöhner gerne mit Geld oder Bürgschaft. So sind sieben einstige Tagelöhner kleine Bauern geworden.

Die Folge davon war, daß trotz Verschwindens der Tagelöhner und Erliegens des Weberhandwerks, trotz der geringeren Kinderzahl in den einzelnen Familien die Einwohnerzahl unseres Dorfes mit Ausnahme der Jahre um 1875 auf der gleichen Höhe wie 1864 geblieben (325-350 Einwohner), die Familienzahl aber viel größer geworden ist[2].

Fußnoten

  1. Stratenhof = Straßenhof, war gemäß der geschilderten Bebauung (Nr. 43, später folgte Nr. 60) eine Fläche der parzellierten Hufe Nr. 7, die im Dreieck zwischen den Straßen Bäckerredder, Poststraße und Böker Straße lag.
  2. Im Manuskript folgt hier noch der handschriftlich gestrichene Absatz: "Aufgabe: Zeichne für Dein Dorf ähnliche Karten. Stelle durch Befragen alter Leute die alten Besitze fest. Für den Lehrer: Quelle: Schuld- und Pfandprotokolle bei den Amtsgerichten"