Archiv:Dat ole Hus. Zur Geschichte eines privaten Freilichtmuseums
Annelie Stobinsky-Ataeli: „Dat ole Hus“. Zur Geschichte eines privaten Freilichtmuseums, in TOP24, Gesellschaft für Volkskunde in Schleswig-Holstein - Berichte, 12. Jg. Dezember 2002, S. 45
Nahe der B 430 zwischen Neumünster und Hohenwestedt liegt das Freilichtmuseum „Dat ole Hus“ in Aukrug-Bünzen. Das Museum ist auf Privatinitiative Edith und Werner Hauschildts entstanden und weiterhin in ihrem Privatbesitz. Sie haben in über 40jähriger Sammeltätigkeit die Museumsobjekte zusammengetragen, die Gebäude erworben und überwiegend selbst mit errichtet.
Begeistert von der Idee, alte Dinge zu sammeln, begannen die Hauschildts Ende der 1950er Jahre Möbel und Alltagsgerät aus dem Aukrug zusammenzutragen. Dabei kamen ihnen zwei Dinge sehr entgegen: 1. Der Zeitgeist. Die Menschen wollten nach Krieg und schlechten Zeiten alten Ballast abwerfen und endlich etwas Neues haben. 2. Der Beruf Werner Hauschildts. Als Malermeister kam er in viele Häuser und erhielt nach Bekunden seines Interesses oftmals die ausrangierten Dinge geschenkt. Zunächst konnten die gesammelten Sachen noch in der Malerwerkstatt untergebracht werden, doch schon bald war man gezwungen, einen Lagerraum anzumieten. Nach einem Besuch Edith Hauschildts in einer alten Kate entstand der Plan, in einem ähnlichen Gebäude ihre Sammlung unterzubringen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1961 konnten die Hauschildts die Altenteiler-Kate des Hofes Harms in Aukrug-Bünzen ankaufen, und bereits im Dezember 1961 eröffneten sie in dem nicht mehr bewohnten Teil der Kate ein kleines Museum. Schon in den 1960er Jahren wurde das Museum um zwei Gebäude erweitert. Seit 1966 nennt sich die Anlage Freilichtmuseum.
Aus Sicherheitsgründen und um Arbeiten im und am Museum unabhängiger erledigen zu können, verkauften die Hauschildts ihr Wohnhaus im zwei Kilometer entfernten Innien und ließen 1975 hinter dem historischen Gebäude ein privates Wohnhaus errichten. Danach folgten noch zwei weitere museale Bauten: ein kleines Wohnhaus und ein Wagenschuppen. Für ein stimmiges Gesamtbild sorgten unter anderem der Aufbau eines Brunnens, eine aufgestellte Eimerbank und gespannte Wäscheleinen sowie der leicht verwilderte, einen Bauerngarten assoziierende Garten. Integriert in diese Anlage ist der Museumskroog, für dessen Ausbau Edith Hauschildt 1984 vorzeitig ihre Berufstätigkeit aufgab. Er ist ebenso wie das Museum ganzjährig jeden Samstag und Sonntag sowie feiertags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.
Zentrum des Freilichtmuseums ist die im äußeren Bereich unter Denkmalschutz stehende, 1804 belegte, wahrscheinlich aber schon früher errichtete Altenteiler-Kate. Es handelt sich um ein niederdeutsches Fachhallenhaus, das für ein Altenteil von beachtlicher Größe ist und großen Wohlstand des Bauern vermuten lässt. In den Räumen der Kate ist in erster Linie das Konzept des Museums umgesetzt, Wohnen, Leben und Arbeiten der bäuerlichen Bevölkerung des Aukrugs im ausgehenden 18. sowie im endenden 19. Jahrhundert zu veranschaulichen. Dabei wird die ursprüngliche Zweiteilung des Hauses in Altenteil und Arbeiterwohnung mit der gemeinsam genutzten Diele ausgenutzt. Dafür wurden zunächst die „Modernisierungen“ rückgängig gemacht, Um- und Einbauten entfernt und der ursprüngliche Grundriss von 1804 annähernd wieder hergestellt. So stehen die beiden Haushälften für die Veranschaulichung unterschiedlicher Zeiträume.
Die ehemalige „Arbeiterwohnung“ gibt einen Einblick in die Zeit um 1800. Der Wohnraum ist vertäfelt und in die Wand sind zwei Alkoven mit einem dazwischenliegenden Schrank eingelassen. Daneben findet sich eine Truhenbank, die einen weiteren Schlafplatz bot. Der Raum wird mit einem Bilegger beheizt, die Wand dahinter ist mit holländischen Fliesen versehen. Brotschrank und Eckschrank sowie Geräte des täglichen Gebrauchs wie beispielsweise Öllampe, Teller und Handarbeitsgerät lassen einen ganzheitlichen Eindruck entstehen, in den auch der riesige Tisch mit Stühlen, an dem die Gaststättenbesucher Platz finden, mit eingebunden ist. Diesem Wohnraum zugeordnet ist die „alte Küche“ auf der Diele mit der offenen Herdstelle. Sie ist mit hauswirtschaftlichen Geräten wie Töpfen, Pfannen, Vorratsgefäßen, Käseformen, Buttermaschine und vielem anderen mehr ausgestattet. Zu diesem Teil des Hauses gehört auch eine kleine Speisekammer.
Die ehemalige Wohnung des Altbauern ist im Stil des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts eingerichtet. Sie besteht aus einer abgeschlossenen, voll ausgestatteten Küche, einem Wohnzimmer mit kaiserzeitlichem Interieur und aus einem weiteren Raum, der ursprünglich Platz für die Alkoven bot. In diesem letzten Raum lässt sich die Ausstattung nicht einheitlich einem Bereich zuordnen. Dem Konzept folgend, möglichst viele Objekte zu zeigen, findet man hier angefangen bei einem Seeländer über einen Waschtisch mit den zugehörigen Utensilien, einen Kinderwagen, unterschiedlichen Wandschmuck, Nähkästen bis zum Blech- Spielzeugherd eine Ansammlung verschiedenster betrachtenswerter Dinge aus dem häuslichen Bereich.
Die ehemals gemeinsam genutzte Diele bietet Exponaten aus dem bäuerlichen Arbeitsleben des 18, bis 20. Jahrhunderts Raum. In Gruppen zusammengefasst werden Arbeitsgeräte aus den Bereichen Fischerei, Ackerwirtschaft, Torfabbau, Weidewirtschaft, Flachsbearbeitung und mehr ausgestellt. In einer kleinen Vitrine sind zusätzlich Wechselausstellungen zu unterschiedlichsten Themen zu sehen. In den früheren Viehställen finden sich Exponate zu den Bereichen Militaria (Erster und Zweiter Weltkrieg) und Jagd. Obwohl thematisch nicht in das Konzept passend, stören sie das Gesamtbild der Kate nicht, da sie in „abseitigen“ Räumen untergebracht sind.
Auf Anregung des damaligen Leiters der Volkskundlichen Sammlungen in Schloss Gottorf, Prof. Dr. Arnold Lühning, erhielt die Kate den offiziellen Beinamen „Museum zur Volkskunde des Aukrugs“. Überhaupt holten die Hauschildts als volkskundliche Laien oftmals fachlichen Rat bei Prof. Dr. Lühning ein. Mit der Zeit eigneten sie sich aber auch selbst ein beachtliches volkskundliches Fachwissen an.
Eine Besichtigung der Kate ist nur mit einer Führung möglich, die fast immer der Museumsleiter Werner Hauschildt durchführt. Für 1,25 Euro für Erwachsene und 0,50 Euro für Schüler geht er mit den Besuchern durch die Museumsräume. Er öffnet hier und dort Truhen und Schränke, um „magazinierte“ Geräte von der Mäusefalle über eine Entwicklungsreihe des Bügeleisens bis zum Hörrohr vorzuzeigen und zu erklären. Bei den meisten Objekten genügen schon Gesten oder kleine Handbewegungen zur Verdeutlichung, bei einzelnen Arbeitsgeräten, zum Beispiel dem Mangelholz, führt er die Funktion sehr anschaulich und effektvoll vor. Er macht Feuer im offenen Herd, stellt den Bratrost darauf, bläst das Feuer an. Am Kesselhaken „legt er einen Zacken zu“, um am Ende mit der Gänsefeder wieder für Reinlichkeit am Herd zu sorgen. Auf diese Art werden Leben und Arbeiten der jeweiligen Zeit verlebendigt und für den Besucher anschaulich und nachvollziehbar vorgeführt. Fragen sind erwünscht und es wird ausführlich auf sie eingegangen. Eine Führung sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Sie ist originell, belebt das Haus und vermittelt Informationen, die für das Museum in schriftlicher Form über Info-Blätter oder Führer leider nicht vorliegen.
Die anderen Gebäude muss man sich selbst erschließen. Direkt neben dem Haupthaus steht die ebenfalls denkmalgeschützte „Klüterkammer“. Sie war ursprünglich ein in zwei Räume aufgeteilter Stall. Einer ist heute mit vorwiegend handwerklichem Arbeitsgerät bestückt, der andere mit Geräten rund um das Waschen. Der Stall stammt aus Aukrug-Innien und wurde 1965 ins Museum umgesetzt. Dabei wurde das Fachwerkgerüst als Ganzes vom Herkunftsort mit Trecker und Wagen nach Bünzen transportiert. Lediglich die Gefache wurden mit alten Steinen neu ausgemauert.
1973 erhielt das Museum die „Schäferkate“ als Geschenk. Das Haus stammt aus dem Nachbardorf Homfeld und ist 250 Jahre alt. Es erhielt seinen Namen durch einen seiner letzten Bewohner, einen Schäfer. Das 4 x 9 Meter große Haus wurde vollständig abgebaut und erst einige Jahre später auf dem inzwischen erweiterten Museumsgelände wieder errichtet. Es umfasst den ehemaligen Wohnraum, eine Schlafkammer, Küche und Speisekammer. Die Einrichtung heute entspricht nicht den ursprünglichen Gegebenheiten. Sie ist der Nutzung als Gaststätte untergeordnet, das Mobiliar ist zum Teil neu angefertigt, und die Räume sind hauptsächlich mit Objekten bestückt, die Atmosphäre schaffen und dem Besucher das Gefühl vermitteln, sich in einem Raum „wie zu Großmutters Zeiten“ aufzuhalten. Ein annähernd reales Abbild der Vergangenheit sind sie nicht. Die kleine Küche hier wird ebenso wie die in der Kate für den Gaststättenbetrieb genutzt: Auf den eisernen, mit Holz beheizten Öfen werden in alten Eisen Waffeln - eine Spezialität des Museums — gebacken. Da alle Gäste durch die Küche in die Häuser kommen, können sie schon beim Betreten der Gebäude das herkömmliche Waffelbacken miterleben.
Überhaupt ist die Symbiose Museum/Kroog eine Besonderheit im „Olen Hus“. Ursprünglich daraus entstanden, dass die Spender der Sammlungsgegenstände sonntags mittags als Dank zum Waffelessen eingeladen wurden, entwickelte sich daraus eine Gastronomie, die in das Museumskonzept mit eingebunden wurde. Obwohl der Kroog eine eigenständige Institution ist, sitzen die Gäste zwischen den Exponaten, verzehren Kaffee, Waffeln und Streuselkuchen und beleben zugleich das Museum. Im Winter wird das Haus für die Kroog-Gäste warmgehalten und mit den gusseisernen Öfen, die zugleich Museums-Exponate sind, beheizt. In der wärmeren Jahreszeit ist das gesamte Gelände in die Gastronomie einbezogen. Überall verteilt zwischen den gespannten Wäscheleinen mit aufgehängter (Museums-)Wäsche finden sich Sitzgruppen für die Besucher. Denn neben der Belebung des Museums dient die Gastronomie selbstverständlich auch seiner Finanzierung. Obwohl als förderungswürdig anerkannt, erhält das Museum keinerlei regelmäßige öffentliche Zuwendungen, wird allein von den Eigentümern mit viel Idealismus, Arbeit und Geld getragen. Lediglich besondere Projekte, wie zum Beispiel die Neueindeckung des Reetdaches oder die in den letzten zwei Jahren durchgeführte Inventarisierung der Bestände durch eine ABM-Kraft, werden bezuschusst.
Das Gebäude hinter der Schäferkate war ursprünglich die „Vörschüür“ ein Anbzw. Vorbau des Altenteilerhauses des Hofes Holm in Bünzen, Sie wurde vermutlich um 1804 kurz nach dem großen Brand in Bünzen errichtet und diente als Stall. Beim Wiederaufbau im Museum wurde das Gebäude äußerlich kaum verändert. Innen ist es, mit alten Stubentüren abgeteilt, zum Toilettenhaus umgebaut worden, und von der ursprünglichen Funktion ist nichts mehr ersichtlich.
Weitere Gebäude auf dem Museumsgelände sind das 1967 errichtete Bienenhaus und der Wagenschuppen. Die Imkergerätschaften und Bienenkörbe stammen überwiegend von einem örtlichen Imker aus den 1930er Jahren. Im „Wagenschuppen“, einem Unterstand, finden sich Milchkutsche, Erntewagen, Schlitten, größere bäuerliche Arbeitsgeräte bzw. kleinere Maschinen wie Windfege, Rübenschneider, Jauchefass, Eggen, Pflüge etc. Daneben hängen an den Wänden u.a. kleinere Geräte zur Feldbestellung, Aussaat und Ernte. Auch einige Kinderspielzeuge sind hier untergebracht. Zwar sind die Nebengebäude nicht in die Führung einbezogen und es gibt auch kein Informationsmaterial dazu. Jedoch ist der Museumsleiter stets gerne bereit, weitere Auskünfte zu geben.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass man im „Olen Hus“ vieles über das Leben und Wohnen in der Region in der Vergangenheit erfahren und „erleben“ kann und sich ein Wochenendausflug dorthin allemal lohnt.