Archiv:Der Erlenhof 1993

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Titelseite der Broschüre
Chronologie

Pastor Leberecht le Coutre (Hrsg.): Der Erlenhof, in: 25 Jahre Behindertenhilfe im Landesverein für Innere Mission in Schleswig Holstein 1993, Wachholz Druck, Neumünster 1993, Seite 42-69

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat

1. Petr 4, 10 Jahreslosung 1968

Unter dieser urdiakonischen Jahreslosung hat der Landesverein für Innere Mission 1968 mit dem Erlenhof und dem Eiderheim seine Behindertenhilfe begonnen. Am Anfang stand die Entdeckung, daß jeder Mensch von Gott Gaben zum Dienst an der Gemeinschaft empfangen hat. Es kommt allerdings wesentlich darauf an, diese Gaben zu entdecken und nicht zu verschütten und Bedingungen herzustellen, daß alle ihre Fähigkeiten auch entfalten und einbringen können.

Die Einrichtung von beschützenden Werkstätten, wie in Aukrug-Innien und Flintbek und inzwischen auch in Kaltenkirchen und Wahlstedt, setzt diese Entdeckung um unter den Bedingungen unserer Gesellschaft. Die dort Beschäftigten stellen Produkte her und bieten Dienstleistungen an, die gefragt sind. Auf diese Weise nehmen behinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach ihren Kräften und Fähigkeiten am Arbeitsleben teil. Inzwischen ist diese Integration in unsere Lebenswelt, z.B. durch die Einrichtung von Wohngruppen, weiter vorangeschritten, und auch im Freizeitbereich sind heute Dinge möglich, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren.

Dies ist nicht allein eine Frage des Selbstbewußtseins derer, die mit Behinderungen leben, sondern auch eine Frage an uns alle, ob wir ihren Dienst zulassen und annehmen wollen. Der Landesverein für Innere Mission und seine Mitarbeiter, die nach den Gaben der behinderten Menschen gefragt und sie gefördert haben, sind hier Vorreiter nicht nur für eine Aufgabe, die aus unserem christlichen Glauben erwächst, sondern zugleich Zeugen einer ungeheuren Chance und Bereicherung für uns alle: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!"

Ihr

Karl Ludwig Kohlwage - Bischof für Holstein-Lübeck

Grußwort des Diakonischen Werks

Der Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein – in seiner langjährigen Geschichte schon immer bekannt für zeitgemäße soziale Hilfsformen – hat vor 25 Jahren wieder einmal Mut und Weitsicht bewiesen, als er das Altersheim des Kreises Plön in Flintbek übernahm und zu einer Heim- und Arbeitsstätte für behinderte Männer – das Eiderheim – umgestaltete. Zur gleichen Zeit – und wie zur „Abrundung" seines Vorhabens in Flintbek – legte der Landesverein in seinem ehemaligen Mädchen- und Frauenheim in Innien einen weiteren Grundstock der Behindertenhilfe; im Erlenhof entstand ein Wohnheim mit Werkstatt für behinderte Frauen.

Beide Einrichtungen nahmen über die Jahre eine rasante und beachtenswerte Entwicklung. Heute arbeiten in den modern ausgestatteten Werkstätten des Landesvereins für Innere Mission in Flintbek, Aukrug-Innien, in Kaltenkirchen und Wahlstedt gut 550 Frauen und Männer mit Behinderungen. Mit einem jährlichen Umsatz von fast 4 Mio DM sind die Werkstätten ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor. Etwa 240 der Beschäftigten haben in den Wohnstätten mit ihren dezentralen Wohngruppen und Wohngemeinschaften ein Zuhause gefunden. Die Beschäftigten, Mitarbeiter und die Einrichtungen der Behindertenhilfe des Landesvereins für Innere Mission Schleswig-Holstein genießen hohes Ansehen in Fachkreisen, bei Betrieben und in der Bevölkerung. Ihnen gilt zum 25jährigen Jubiläum der Dank der großen Diakonie-Familie in Schleswig-Holstein.

Gottes Liebe und Nächstenliebe sind das Fundament unserer diakonischen Arbeit. Wir glauben an Jesu Botschaft einer vollkommenen Liebe, die alle Menschen, auch die ganz schwachen, einbezieht in das Miteinander, in die Arbeit, in das gesamte Leben. Die Liebe Gottes schließt niemand aus. Lassen Sie uns auf dieser Grundlage gemeinsam weiterarbeiten.

Jens-Hinrich Pörksen - Landespastor

Grußwort der Gemeinde Aukrug

Luftaufnahme Erlenhof
Skizze Hauptgebäude

zum 25jährigen Jubiläum des Erlenhofes am 01.04.1993

Solange ich in Aukrug wohne, und das sind gut 47 Jahre, gibt es in meinem Bewußtsein auch den „Erlenhof" als feste Einrichtung. Der Erlenhof gehörte und gehört einfach zu Aukrug. In den Jahren bis 1968 kannten wir ihn als das „Frauenheim". Ich besuchte zu der Zeit die gegenüberliegende Schule. 1968 veränderten sich Erscheinung und Aufgaben der Einrichtung. Der „Erlenhof" wurde eine Einrichtung zur Betreuung von behinderten Menschen.

Unsere Gesellschaft neigt immer noch dazu, Behinderte als nicht vollwertige Menschen zu betrachten, und vielen Menschen fällt es nicht leicht, mit Behinderten vorurteilsfrei und unbefangen umzugehen. Gerade heute treten solche negativen Tendenzen verstärkt wieder auf. Auch manche Aukruger haben erst lernen müssen, mit den behinderten Menschen des Erlenhofes richtig umzugehen. Ich bin sicher, heute nach 25 Jahren, ist das weitgehend gelungen.

Für diesen Prozeß des Einanderverstehens und Aufeinanderzugehens haben die Bewohner und die Mitarbeiter des Erlenhofes eine ganz große Bedeutung. Eine große Rolle für diesen Annäherungsprozeß mit Aukrug und den Aukruger Einwohnern haben auch die vielen Veranstaltungen des Erlenhofes gespielt, die den staunenden Aukrugern immer wieder vor Augen geführt haben, wie vielfältig die Neigungen und Begabungen von behinderten Menschen sind, und wie interessant und abwechslungsreich das Leben im „Erlenhof" gestaltet wird.

Ich freue mich, daß wir diese Einrichtung bei uns im Ort haben, und daß sich zwischen Gemeinde und „Erlenhof" ein herzliches, kooperatives Verhältnis entwickelt hat. Nicht zuletzt ist ja der „Erlenhof" auch deshalb von großer Bedeutung, weil viele Aukruger hier ihren Arbeitsplatz finden und viele Erlenhofbewohner in Aukruger Geschäften einkaufen.

Andererseits bietet der „Erlenhof" ja auch den Aukrugern durch die Produkte der Gärtnerei eine gute und preiswerte Einkaufsmöglichkeit. Es ist also eine Beziehung aus Geben und Nehmen geworden. Ich wünsche mir, daß sich Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Besucherinnen und Besucher der Einrichtung in Aukrug, dem Zentrum unseres Naturparks, auch in Zukunft wohlfühlen werden und spreche dem „Erlenhof" zum 25jährigen Bestehen meine herzlichsten Glückwünsche aus.

Bürgermeister R. Reimers

Dank und Besinnung

25 Jahre Arbeit des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein in der Behindertenhilfe ist zuerst Anlaß, den vielen Frauen und Männern mit Behinderungen zu danken, die in diesem Vierteljahrhundert sinnvolle, fleißige und gute Arbeit in ihren Werkstätten geleistet haben. Würden die. Früchte ihrer Arbeit fehlen, wäre die Lebensqualität vieler Menschen spürbar geringer. Aber nicht nur für die Arbeit ist Dank zu sagen. In den Wohneinrichtungen des Erlenhofs, des Eiderheims und in Wahlstedt setzen die Bewohner Beispiele für gemeinsames Wohnen und Leben, die für die gesamte Gesellschaft wichtig sind: Nachbarschaftshilfe, eintreten füreinander, sich gegenseitig stützen mit den Gaben, die jedem einzelnen von Gott gegeben sind.

An zweiter Stelle ist auch denen Dank zu sagen, die im Landesverein vor 25 Jahren den Schritt in die Behindertenarbeit mit wagten. Drei Namen seien hier für alle genannt, die im Lauf der Jahre in und für unsere Behinderteneinrichtungen hauptberuflich gearbeitet haben und noch heute arbeiten: Direktor Pastor Johannes Schmidt hat die Anforderungen der Zeit damals richtig erfaßt und die Aufnahme dieses Arbeitszweiges durchgesetzt. Die Diakonenehepaare Carla und Peter Schulz im Erlenhof und Gretchen und Günter Matz im Eiderheim haben die Arbeit aus kleinen Anfängen aufgebaut. Sie konnten das nur, weil viele Menschen in Behörden, Kirchen, Parteien, po- litischen Gremien und Betrieben ihre Bemühungen unterstützten und bis auf den heutigen Tag für diese Arbeit eintreten. Diese Jubiläumsschrift will vom Leben und Arbeiten in den Einrichtungen der Behindertenhilfe des Landesvereins berichten. Sie will deutlich machen, daß der Einsatz der vielen, die sich um diese Arbeit bemüht haben und weiterhin bemühen, gute Früchte getragen hat.

Alle Arbeit des Landesvereins geschieht als diakonische, kirchliche Arbeit. Darum sei an dieser Stelle zitiert, was schon 1978 in einer ökumenischen Konsultation in Bad Saarow über Leben und Zeugnis der Behinderten in der christlichen Gemeinde" gesagt wurde:

„Wenn wir uns zu der vollen Einheit aller Menschen in der Familie Gottes bekennen, stellen wir damit in aller Deutlichkeit fest, daß niemand aus ihr entlassen oder ausgestoßen werden darf, wie schwer auch die Behinderung sein mag. Keine körperliche, geistige oder sensorische Behinderung, gleich welcher Art und Schwere, darf zum Vorwand genommen werden, die Zusammengehörigkeit aufzukündigen. Eine Gemeinde ohne Behinderte gibt es nicht. Die Einheit aller Menschen, unbeschadet ihrer Behinderungen, ist ein Zeichen dafür, wie die Welt vor Inhumanität bewahrt werden kann. Die Gegenwart der Behinderten hält das Bewußtsein dafür wach, daß jeder Mensch ein gebrechliches, gefährdetes, defizitäres, ein von Gott geschaffenes und gesegnetes Wesen ist.“

Pastor Leberecht le Coutre - Direktor des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein

Die Behindertenhilfe

Ein Bild von der Einführungsfeier der Hauseltern Schulz 1968. Zu sehen sind von links aus gesehen: Rektor Thomsen aus Flensburg, Frau Karla Schulz, Pastor Johannes Schmidt, Diakon Peter Schulz, Frau Else Schmidt und die Diakonissen Schwester Frieda und Schwester Leni

Teil im Mosaik diakonischer Arbeit des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein

Der Arbeitsbereich Behindertenhilfe ist Teil der Diakonie des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein mit Sitz in Rickling. Dieser Landesverein wurde 1875 in Rendsburg gegründet. Seine Aufgabe da- mals war die Koordinierung verschiedener, vorhandener diakonischer Aktivitäten in Schleswig-Holstein. 1883 begann er selbst in dem zwischen Segeberg und Neumünster gelegenen Heidedorf Rickling mit diakonischer Arbeit. Es ging damals um die Linderung der Nöte der Arbeitslosigkeit. Eine Arbeiterkolonie wurde auf Anregung des Pastors Friedrich von Bodelschwingh errichtet. 1887 folgte dann die erste norddeutsche Station für suchtkranke Männer mit dem Namen „Salem".

Von 1902 bis 1932 wurde Erziehungsarbeit nach dem preußischen Fürsorgeerziehungsgesetz geleistet und nach Aufgabe dieser Arbeit in der Region Rickling psychiatrische Betreuung aufgebaut. 1928 wurde in Neumünster ein weiteres Arbeitsfeld erschlossen: die Altenpflege. Heute gehören zur Arbeit des Landesvereins die Bereiche Psychiatrie, Suchtkrankenhilfe, Einrichtungen der Altenhilfe und der Behindertenhilfe sowie ein Freizeitheim.

Im einzelnen sind das:

  • Das Psychiatrische Krankenhaus Rickling in drei Abteilungen mit insgesamt 1100 Plätzen.
  • Das Fachkrankenhaus Freudenholm-Ruhleben für suchtkranke Männer und Frauen mit 120 Plätzen.
  • Ein Verbund ambulanter und teilstationärer Suchtkrankenhilfe.
  • Alten- und Pflegeheime in Rickling, Neumünster, Bordesholm, Ruhleben am Plöner See und in Planung ein Sozialzentrum in Wahlstedt mit altengerechten Wohnungen, einem Pflegeheim und Angeboten zur Förderung sozialer Kontakte und Hilfen. Zur Zeit stehen insgesamt ca. 700 Plätze in der Altenhilfe zur Verfügung. In Rickling gibt es außerdem noch ein Freizeit- und Tagungszentrum mit 23 Übernachtungsplätzen und einer Tagungskapazität für maximal 300 Teilnehmer.
  • Die Einrichtungen für Behinderte in Aukrug-Innien, Flintbek, Kaltenkirchen und Wahlstedt.

In den Werkstätten werden z.Zt. ca. 570 und in den Wohnheimen ca. 240 Menschen mit geistiger, körperlicher und psychischer Behinderung sowie mehrfach Schwerstbehinderte betreut und gefördert. Im Dienst des Landesvereins stehen derzeit ca. 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Sitz der Hauptverwaltung dieser vielfältigen diakonischen Arbeit ist Rickling.

Mit weiteren Informationen steht Ihnen der Landesverein gern zur Verfügung.

Bitte wenden Sie sich an: Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein

Öffentlichkeitsarbeit

24635 Rickling

Telefon: 04328/18 205

Gehalten von Gott

Gehalten von Gott

Ein Kreuz aus Ton, gehalten von einem Holzkreuz, schmückt die Wand im neuen Eßsaal „Alte Wäscherei" des Erlenhofes. Bei näherem Hinsehen fällt mir auf, daß dieses Kreuz einige Besonderheiten an sich hat. Ein 82jähriger Pastor aus Leeste hat es uns geschenkt. Als seine Kraft in den Armen nachließ und er keine Holzarbeiten mehr ausführen konnte, um Zeichen seines Glaubens zu schnitzen, versuchte er es mit Ton. Es gelang ihm sehr gut, den Ton in eine Kreuzform zu bringen und zwei Personen darzustellen. Doch leider ist das Kreuz beim Brennen auseinandergebrochen. Er hat uns Einzelteile geschenkt mit der Hoffnung, daß wir etwas damit anfangen können. Eine Mitarbeiterin fügte die einzelnen Teile zusammen und gab ihnen Halt durch ein einfaches Holzkreuz. Es sind zwar noch die Bruchstellen erkennbar, aber nur, wenn ich genau hinsehe und meinen Blick von den beiden Gesichtern abwende.

Ich sehe einen Menschen am Kreuz, der einen anderen ganz in sich aufnimmt. Legt er beschützend seine Arme um ihn? Sie sind so eng miteinander verbunden, daß man es kaum sehen kann. Und doch ist zu erkennen, daß die hintere Gestalt die vordere schützt, ihr Halt gibt, vielleicht so wie das Holzkreuz den Tonteilen, vielleicht aber auch so wie viele von uns, die einen Teil ihres Lebens weitergeben an Menschen, die Hilfe brauchen. Nähe, Zuwendung, ein offenes Ohr, ein wenig Zeit sind oft mehr als große Worte, und wie leicht ist es, seinem „Nächsten" einfach einmal den Arm über die Schulter zu legen und ihm Halt zu geben.

Ein Kreuz, ein Zeichen für die Nähe Jesu, ein Zeichen dafür, daß er es ist, der uns in unserer Arbeit begleitet und uns immer wieder Hall und Schutz sein will. Wir sind dankbar, daß uns Gottes Segen in all den Jahren begleitet hat und freuen uns darüber, daß wir das 25jährige Jubiläum feiern können.

Volker Zimmermann

Der Erlenhof

Auf halber Strecke zwischen Neumünster und Hohenwestedt liegt der Erlenhof. Seit vielen Jahren gehört der Erlenhof zum gewohnten Dorfbild Aukrugs, einer Gemeinde, die aus mehreren Dörfern besteht: Böken, Bünzen, Homfeld, Bargfeld und Innien. Inmitten einer wunderschönen Naturlandschaft, am Ortsende von Aukrug-Innien, ist der Erlenhof zu finden; seit 25 Jahren eine Einrichtung der Behindertenhilfe mit Wohn- und Werkstätten. Seit 1900 jedoch schon eine Außenstelle des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein mit Sitz in Rickling. Vor 1968 bekannt unter dem Namen Frauenheim Innien, ist das Hauptgebäude des Erlenhofes vermutlich nicht nur der umliegenden Bevölkerung bekannt. Durch die Nachbarschaft zur Kurklinik Tönsheide und der Bildungsstätte Tannenfelde kommen viele Besucher und Gäste in die Ortschaft. Sie nehmen nicht nur das schöne Hauptgebäude wahr, sondern vor allen Dingen auch die Menschen des Erlenhofs beim Einkauf in der Ortschaft, bei Spaziergängen, oder auch bei einem Besuch in den Verkaufsstellen der Gärtnerei und Näherei. Wer die Entwicklung des Erlenhofes von außen beobachtet, sieht bei näherem Hinsehen nicht nur eine kontinuierliche Veränderung, Erweiterung und Verschönerung der Gesamtanlage. Er wird auch Entwicklungen und Veränderungen bei den Bewohnern, Beschäftigten und Mitarbeitern entdecken. Junge wie alte Menschen leben und arbeiten hier zusammen.

Bis 1968 wurde das Frauenheim Innien geleitet und betreut von Flensburger Diakonissen. Junge Frauen kamen im Rahmen der Fürsorgeerziehung in das Frauenheim. 1968 zog unter der neuen Leitung des Diakons Peter Schulz und seiner Frau Karla die Behindertenhilfe in den Erlenhof. Von diesem Zeitpunkt an sollten nur noch Frauen mit einer geistigen Behinderung im Erlenhof wohnen und Arbeit finden. Mit dem Leitungswechsel wurde so der Erlenhof auch Arbeitgeber für die umliegende Bevölkerung.

1975 wurden die Tore noch ein wenig weiter geöffnet und die ersten Männer wurden zur Betreuung aufgenommen. Heute arbeiten 176 Beschäftigte, nämlich 134 Frauen und 42 Männer mit einer geistigen, teilweise auch mehrfachen Behinderung, in der anerkannten Werkstatt für Behinderte. Von ihnen wohnen 106 Personen, das sind 92 Frauen und 14 Männer, in den Wohnstätten des Erlenhofes. Betreut und versorgt werden sie von 74 Mitarbeiterinnen und 21 Mitarbeitern in den verschiedenen Bereichen. Viele Menschen, Frauen und Männer, mit und ohne Behinderung, selbstbewußt oder schüchtern, lebensfroh oder traurig, bilden zusammen eine Gemeinschaft, den Erlenhof.

Mit seinen Außenstellen bietet er für Menschen mit einer Behinderung sichere und qualifizierte Arbeitsplätze in der Näherei, Wäscherei, Gärtnerei und im Industriebereich und daneben Wohnmöglichkeiten, die den Beschäftigten ein eigenes Zuhause ermöglichen.

Frauenheim Innien von 1900 - 1968

Das Gebäude des Frauenheims Innien
Flensburger Diakonissen im Frauenheim Innien
Titelseite November 1901
Bau des Hauptgebäudes 1900
Im Speisesaal
Luftaufnahme des Frauenheims Innien

Einige Bilder und Textausschnitte aus der damaligen Zeit seien hier zusammengefügt, um einen Einblick in die Geschichte des Frauenheims Innien zu geben. Das um 1900 gegründete Frauenheim war das erste in Schleswig-Holstein und schon damals eine Einrichtung des Landesvereins für Innere Mission. In den „Schleswig-Holsteinischen Monatsblättern für Innere Mission" ist folgender Artikel zu finden:{

Aufruf für ein Schlesw.-Holst. Frauenheim - Wir haben uns entschlossen, wie früher eine Arbeiterkolonie, so jetzt ein Frauenheim für Schleswig-Holstein zu gründen, und bitten unsere Landsleute, uns darin durch freie Gaben zu unterstützen. Ein Frauenheim ist eine Anstalt der christlichen Barmherzigkeit für obdach-, arbeits- und heimatlose Frauen und Mädchen. Es will den nicht wenigen gestrandeten Existenzen des weiblichen Geschlechts, die durch eigene oder fremde Schuld im Leben Schiffbruch gelitten, aber auch den Wunsch und den ernstlichen Willen haben ein neues Leben anzufangen, da zu verhelfen.“

Vom Beginn der Arbeit lesen wir:

Unser Frauenheim in Innien ist denn nun am 1. Mai zunächst mit einem Pflegling eröffnet. Eine feierliche Einweihungsfeier haben wir aus naheliegenden Gründen nicht veranstaltet: will's Gott, können wir über's Jahr dankbar das Jahresfest feiern. Dagegen haben wir im kleinsten Kreise miteinander gesungen, Gottes Wort gelesen und gebetet und unser Vorsitzender, Generalsuperintendent D. Kaftan hat uns im Anschluß an das letzte Sonntagsevangelium (vom guten Hirten) Psalm 23 ausgelegt. Vorläufig haben die Schwestern viel mit der Einrichtung zu thun. Fürs erste haben wir uns auf 8 Pfleglinge eingerichtet.“

Am 5. November 1901 wurde der Neubau (unser Haupthaus) eingeweiht.

Die Einweihung des neuen Frauenheims in Innien. Dienstag. den 5. November, ist unser neues Frauenheim feierlich eingeweiht und in Gebrauch genommen. Die Bauarbeiten waren den Sommer über bei sehr günstiger Witterung rasch gefördert. Herr Baurat Kosidowski hat den Bau dreimal eingehend geprüft, zuletzt jetzt nach seiner Fertigstellung, und sich sehr befriedigt über die Bauausführung ausgesprochen. Zuletzt mußten noch unsere Teiche ausgegraben werden, damit das schöne, reichliche Wasser durch die Widder uns möglichst rein in unsere Wasserleitung gefördert werden konnte. In den ersten Tagen des November richteten die Schwestern, deren Zahl inzwischen auf drei gestiegen ist, mit unseren neun Pfleglingen das Haus ein.

Am Nachmittag des 5. November versammelten sich die Gäste, zahlreiche Glieder der Gemeinde Innien und eine Anzahl geladener Damen und Herren aus dem ganzen Lande in unserem schönen neuen Hause. Das Eßzimmer und das anstoßende Wohnzimmer waren ganz gefüllt. Nach der Einweihung besichtigten die Gäste das Haus vom Keller bis zum Boden, Waschhaus, Trockenraum und Stall, in denen inzwischen eine Ziege und vier Ferkel Platz gefunden haben, und freuten sich darüber, wie schön und gut alles eingerichtet und ausgefallen ist: nun können wir 25-30 Pfleglinge aufnehmen, und es wird wohl nicht zu lange dauern, bis das Haus gefüllt ist, wenn die Anmeldungen weiter so zahlreich eingehen wie bisher.“

Monatsblätter für innere Mission, Nov. 1901

Eine Vorstellung von der Arbeit des Frauenheims bekommen wir in einem Artikel, den der erste Direktor des Landesvereins, Pastor Friedrich Gleiss, herausgab.

Schon damals sind die Vorgänger unserer Werkstattbereiche zu erkennen: Die Wäscherei, Nähstube, Hauswirtschaft und der Gartenbau. Natürlich gab es auch schon Freizeitgestaltung und Ausflüge. Lesen Sie selbst:

Das Frauenheim in Innien. Von Friedrich Gleiss. Als wir 1899 eine Hauskollekte für unser Frauenheim in Innien sammelten, standen viele treffliche Christenmenschen unserm Plan sehr mißtrauisch gegenüber. „Ein Frauenheim?" sagten sie, „das ist bei uns nicht nötig; ja vielleicht für Kiel und Altona, aber für das übrige Land nicht. Und wenn es denn notwendig sein mag, so wird es nicht möglich sein. Die Frauen und Mädchen, die ins Frauenheim gehören, werden nicht kommen. Und wenn sie kommen, werden sie nicht bleiben; ein Leben nach dem Wort: „Bete und arbeite" wird ihnen nicht passen. Und wenn sie bleiben, werden sie draußen bald wieder fallen!" Das waren viele und ernste Bedenken. Aber sie konnten uns doch nicht überzeugen, (und wir haben recht behalten.)

Wir mieteten am 1. Mai 1900 in Innien ein Arbeiterhaus, in dem zwei Flensburger Diakonissen einzogen, und acht Betten aufgestellt wurden zur Aufnahme gefallener, bestrafter, trunksüchtiger und vagabondierender Frauen und Mädchen jeden Alters, die sich helfen lassen wollten. Nach einem halben Jahr waren die 8 Betten besetzt. Am 5. November 1901 bezogen wir ein eigenes neues Haus mit 25 Betten, bald mußten wir noch 7 Betten aufstellen. 1906 haben wir angebaut und Platz für 36 Zöglinge geschaffen. Inzwischen ist die Zahl der Plätze noch mehr erweitert, so daß wir seit Jahren 45 Zöglinge aufnehmen. Sechs Flensburger Diakonissen und eine Gehülfin leiten die Erziehungsarbeit. Ein verheirateter Vogt, der im Nebenhause wohnt, besorgt die Landwirtschaft, Maschine, Wäscheholen usw. Ein Esel zieht die Lastwagen.

Zu dieser raschen Entwicklung hat das Fürsorgegesetz mit geholfen. Die Hälfte, bis zwei Drittel unserer Kinder" sind Fürsorgezöglinge; die anderen kommen freiwillig. Alle sollen in der Regel zwei Jahre im Hause bleiben. Dann bringen wir sie in Stellung, besuchen sie auswärts, und sie besuchen uns.

Das Kostgeld beträgt 520 M., außerdem wird ein einmaliges Kleidergeld von 100 M. gezahlt. Auf den Rat des erfahrenen Anstaltsleiters Pastor Isermeyer Himmelstür ist als Arbeit für die Frauenheimzöglinge zur Hauptsache Lohnwäscherei gewählt. Wir waschen für fremde Rechnung. Die Wäsche kommt zentnerweise aus dem ganzen Lande und weiter her, während des Krieges vielfach aus Lazaretten. 6, 42, 30 ha Land, ein Stück Wald und einige Fischteiche gehören zur Anstalt. Im Teich ist ein Freibad, das im Sommer fleißig benutzt wird, und auf dem Teich ein Boot zu kleinen Kahnfahrten. Im Wald ist ein Platz mit Tischen und Bänken hergerichtet, wo die Mädchen im Sommer den Sonntagskaffee trinken, wenn gerade kein größerer Spaziergang gemacht wird, was sonst an den Sonntag-Nachmittagen geschieht, nachdem am Vormittag der Gemeindegottesdienst in der Dorfkirche besucht ist. Die tüchtigsten Mädchen werden als Feinplätterinnen ausgebildet und können dann später als solche gutes Brot finden. Von zwei früheren Zöglingen wissen wir, daß sie eine eigene Plätterei eingerichtet haben, eine in Hamburg, eine andere in einer Kleinstadt; von einer verheirateten, daß sie als Vorplätterin in einer Wäscherei eine gute Stellung einnimmt.

Etwa ein Drittel der Mädchen, vor allem diejenigen, die wegen irgend welcher körperlichen oder geistigen Gebrechen in der Wäscherei nicht beschäftigt werden können, arbeiten in der Nähstube. Da wird alles, was in der Anstalt gebraucht wird, und außerdem auch die Ausrüstungen für die in Dienst zu bringenden Mädchen angefertigt, gelegentlich auch für fremde Rechnung genäht. Der Rest der Mädchen arbeitet in Haus, Küche und Landwirtschaft. Ehe ein Mädchen entlassen wird, macht es einen mehrmonatlichen vollständigen hauswirtschaftlichen Kursus praktisch durch, so daß die Entlassenen geschätzte Dienstmädchen sind und die Gewähr bieten, einmal tüchtige Hausfrauen zu werden. Unterricht erteilt die vorstehende Schwester, der Ortsgeistliche und der erste Lehrer des Dorfes in Religion, Elementarfächern und Singen. Der Regel nach bleibt der Zögling zwei Jahre in der Anstalt und wird dann in einer geeigneten Dienststelle untergebracht, von der vorstehenden Schwester besucht und überwacht. Sonntags, in den Festzeiten oder, wenn die Herrschaften verreist sind, besuchen uns die Entlassenen oft und haben im Frauenheim ihre Heimat. Nach den ersten Wochen des Aufenthalts im Frauenheim wird den Mädchen je nach den Leistungen ein kleiner Betrag gutgeschrieben, über den sie im Einvernehmen mit der Anstaltsleitung frei verfügen können, und aus dem auch Geldstrafen von 1 oder 2 Pfg. bestritten werden, eine Strafe, die schmerzlich empfunden wird und gut wirkt. Körperliche Strafen und Einschließungen werden nur ganz vereinzelt angewandt, etwa ein oder zweimal im Jahr. Die Personalfrage, die häufig so große Schwierigkeiten macht, ist dadurch in Innien glücklich gelöst, daß von Anfang an Flensburger Diakonissen die Erziehungsarbeit leiten. Von unsern sechs Diakonissen sind vier 7, 11, 14 und 15 Jahre im Frauenheim tätig.

Das Anlagekapital beträgt 112 664 M., davon 63000 M. fremdes Geld, das mit 3 3/4 Proz. verzinst wird. Der Jahresbedarf beträgt 38 975 M., davon 18 324 M. Einnahme aus Koste und Kleidergeldern.“

In zahlreichen Jahresberichten bis 1968 hin wird von den Diakonissen die Arbeit im Hause kontinuierlich beschrieben. Es geht jedoch auch aus den Berichten hervor, daß der Umgang mit den Frauen zunehmend problematischer und so eine Änderung der Aufgabenstellung des Frauenheims dringend notwendig wurde.

Eine Luftbildaufnahme aus dieser Zeit zeigt sehr gut den damaligen Stand der Einrichtung. 68 Jahre Frauenheim Innien gingen vorüber. Die Flensburger Diakonissen wurden nach Flensburg zurückberufen. Frauen, die durch die Fürsorgeerziehung nach Aukrug kamen, wurden nach Selent und Aumühle verlegt. So übergab die Diakonisse Frieda Bolten 1968 das Frauenheim an den neuen Leiter, Diakon Peter Schulz. Seine Frau und er begannen die Arbeit unter ganz neuen Gesichtspunkten.

Von den Bewohnern blieben nur 21 Frauen in Aukrug. Der Sinn und Zweck der Einrichtung änderte sich grundlegend. Aus dem Frauenheim Innien, einer Einrichtung der Fürsorgeerziehung, wurde der Erlenhof, ein Heim für geistig behinderte Mädchen.

25 Jahre Erlenhof im Rückblick

Einzutauchen in eine 25jährige Entwicklungsgeschichte einer Einrichtung, die für behinderte Menschen da ist, hat viele persönliche und interessante Aspekte. Im April 1968 standen die neuen Hauseltern, das Ehepaar Schulz, vor ihrer neuen Aufgabe, derm Frauenheim ein neues Gesicht zu geben. Aus einem Bericht des Jahres 1968/69 geht hervor, mit wieviel Schwung und Tatendrang die neue Arbeit in Bewegung kam. Hier einige Auszüge:

  • Von den früheren Mädchen wurden 21 mitübernommen, bis heute ist die Zahl auf 33 gewachsen. Es liegen Anmeldungen vor, so daß in Kürze die vorgesehenen 40 Plätze gefüllt sein werden.
  • Neben der Gärtnerei und der Wäscherei entsteht ein neuer Bereich. Es werden Ketten aus Perlen hergestellt.
  • Betriebsausflüge wurden durchgeführt nach Hamburg und in die südfünische Inselwelt.
  • Die Dampfheizung wird auf Ölbefeuerung umgestellt.
  • Ein neues Hühnerhaus wurde gebaut und 200 Hühner konnten in die neue Herberge ziehen.
  • In der Küche und im Garten wurde fleißig gearbeitet. Es wurden Gräben gezogen und 1000 Bäumchen gepflanzt.
  • Neue Zäune wurden angelegt und die Hausheizung wurde auf Warmwasser umgestellt.

Ein bestimmt großes Ereignis war 1969 der erste gemeinsame Ausflug mit Bewohnern des Eiderheims in Flintbek. Es ging mit dem Schiff von Eckernförde nach Maaßholm.

Zum 75jährigen Jubiläum der Arbeit des Landesvereins in Aukrug-Innien hielt Diakon Peter Schulz am 5. November 1976 die folgende, in Auszügen wiedergegebene, Ansprache:

Ansprache am 5. November 1976

Das Schwimmbad
Das Schwimmbad wird ausgeschachtet
Faschingsfeier
Verdienter Mitarbeiter im Ruhestand: ehemaliger Werkstattleiter Horst Winkel.
Ehrung der Heimeltern Karla und Peter Schulz durch den Direktor des Landesvereins Leberecht le Coutre.

beim Jubiläumsfestakt anläßlich des 75jährigen Bestehens des Frauenheims/Erlenhofes

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine Aufgabe ist es, Ihnen mit wenigen Sätzen über die weitere Entwicklung und über die jetzige Arbeit dieses Heims etwas zu sagen. Am 2. Juni 1969 begann der Neubau eines Gruppenhauses. Am 5. September 1969 konnten wir das Richtfest feiern. In den ersten Monaten der neuen Arbeit war vielen Bewohnern des Aukruges und auch den Behörden im Lande nicht klar, daß diese Einrichtung eine neue Aufgabe übernommen hatte. Um auch nach außen deutlich zu machen, daß ein neuer Abschnitt in der Geschichte dieses Heims begonnen hatte, wurde der Name geändert. Am 1. April 1969 bekam deshalb die Einrichtung den Namen „Erlenhof", Internat und Werkstätten für Behinderte.

Auch im personellen Bereich vollzogen sich große Umwandlungen. Während über Jahrzehnte die Arbeit in diesem Hause von Flensburger Diakonissen getan wurde, begann die Ablösung der Diakonissen 1968, und im April 1970 verließen uns die letzten drei Flensburger Diakonissen.

Inzwischen war die Zahl der im Erlenhof untergebrachten Mädchen und Frauen auf 45 Personen angestiegen. Sobald wir den Neubau bezogen hatten, begann der Umbau dieses Haupthauses. Es war ein sehr schwieriger Umbau, denn das Leben mußte ja auch in diesem Hause weitergehen. Verwaltung und Küche saßen oft zwischen Schutthalden und notdürftig abgedichteten Fensteröffnungen. Es tauchten immer wieder Schwierigkeiten auf, die bewältigt werden mußten, aber mit Hilfe von Herrn Lüthge, unserem leider schon verstorbenen Architekten, meisterten wir auch diese auftretenden Schwierigkeiten, so daß wir am 18.1.1972 dieses Haus einweihen konnten.

Nunmehr war Platz in unserer Einrichtung für 90 Bewohner. Es wurde jedoch immer weiter an der Verbesserung unserer Einrichtung gearbeitet. So konnten wir Himmelfahrt 1972 auch das heimeigene beheizte Schwimmbad in Gebrauch nehmen. Da der Erlenhof die Aufgabe hat, für unsere Heimbewohner vielseitige und gute Arbeitsplätze zu schaffen, wurde nun auch der Ausbau der Werkstätten in Angriff genommen.

Im Juni 1970 bezogen wir das neue Gruppenhaus. Im Juli 1973 konnte eine mit modernen Maschinen ausgestattete Großwäscherei in Betrieb genommen werden. Im Januar 1974 begann die Tätigkeit im neu erbauten Treibhaus. Auch die Arbeit auf dem 3,5 ha großen Freigelände konnte unter besseren Bedingungen geschehen, denn wir erhielten eine Beregnungsanlage für das ganze Freiland. Im Mai 1974 zogen wir dann auch in unsere neue Werkhalle ein. Eine nochmalige Verbesserung der Werkstätten geschah im Januar dieses Jahres (1976). Das zweite große Gewächshaus konnte in Betrieb genommen werden.

So bietet der Erlenhof zur Zeit 92 Mädchen und Frauen ein Zuhause und in unseren Werkstätten können 120 Behinderte arbeiten. 18 Externe besuchen zur Zeit unsere Werkstätten, darunter auch junge Männer. Aber nicht nur arbeiten sollen die Menschen in dieser Einrichtung, auch das Wohl und die Entwicklung der Persönlichkeit unsrer Heimbewohner liegt uns am Herzen. Deshalb sorgt ein reichhaltiges Freizeitangebot für die Möglichkeit sich fortzubilden oder Interessen zu entwickeln.

Es gibt Hobbygruppen für: Tischtennis, Handarbeit, Basteln, Volkstanz, Laienspiel, Korbball, Gymnastik, Chor, und mit einer Gruppe beginnen wir jetzt auch, mit Orff-Instrumenten zu spielen.

Auch Kulturtechniken wie Schreiben, Lesen und Rechnen werden geübt. Sie sehen, wir bemühen uns um die uns anvertrauten Menschen. 75 Jahre Geschichte dieses Heimes bedeutet, daß 75 Jahre versucht wurde, Menschen in ihrer Not zu helfen. Das Heim war ein Hilfsmittel dazu. Vielleicht sogar nur eine Notlösung, weil es nichts besseres gab oder gibt. Eine solche Einrichtung wie der Erlenhof kann und darf nie Selbstzweck sein, sondern ist um der Menschen willen da, die hier wohnen und leben müssen.

Wir haben uns deshalb ständig zu fragen, wie wir unsere Arbeit besser machen können, um unseren Heimbewohnern ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. Die Arbeit wird sich deshalb ständig weiterentwickeln. Das Heim wird sicherlich sein Gesicht weiter verändern müssen. Diesen Willen zum Verändern, das Nachdenken darüber, wie wir es richtig und besser weitermachen können, diesen Willen wünsche ich uns allen.".

Soweit das Zitat aus derr Feslansprache.

An einer zusammenfassenden Aufzählung der Neu- und Umbauarbeiten kann die Entwicklung und Ausweitung der Arbeit gut abgelesen werden:

WERKSTÄTTEN

  • 1973 Ausstattung der Wäscherei mit modernen Maschinen
  • 1974/76 Errichtung zweier 300 qm großen Gewächshäuser und einer Beregnungsanlage für das Freiland
  • 1974 Erster Werkhallenbau
  • 1980 Erweiterungsbau der Werkhalle
  • 1990 Zweiter Erweiterungsbau der Werkhalle auf 1600 qm Gesamtfläche
  • 1990/91 Neubau und Modernisierung der Wäscherei
  • 1991 Umbau der „Alten Wäscherei" zu einem Eßsaal und Veranstaltungsraum

WOHNSTÄTTEN

  • 1969 Neubau eines Bettenhauses für 40 Personen
  • 1972 Umbau und Renovierung des Haupthauses
  • 1981 Errichtung der Wohnstätte Nortorf für 14 Personen
  • 1984 Errichtung der Wohnstätte Bünzen für 6 Personen
  • 1988 Neubau zweier Wohnhäuser für je 20 Personen auf dem Erlenhofgelände (um diese Häuser bauen zu können, wurde von Herrn Butenschön aus Innien Land gekauft. Der nicht bebaute Teil – etwa 1 ha – wurde der Gärtnerei zugeordnet)
  • 1992/93 Kauf und Umbau einer neuen Wohnstätte in Nortorf

Anhand der aufgeführten baulichen Maßnahmen ist die kontinuierliche Weiterentwicklung des Erlenhofs gut ablesbar. Daß im Erlenhol nicht nur gebaut und erweitert wurde, davon erzählen Berichte über Tagesfahrten, z.B. in Hagenbecks Tierpark, zum Legoland in Dänemark, in den Heidepark Soltau, Dampferfahrten und Picknicks. Es scheint, daß wenig Ausflugsziele in Schleswig-Holstein ausgelassen wurden.

Die breite Palette von Urlaubsberichten erinnern ein wenig an Angebote eines Reiseunternehmens: Flugreisen nach Tunesien und Spanien und Urlaub in Finnland machen deutlich, wie unternehmungslustig man auf dem Erlenhof war und ist. Reisen innerhalb Schleswig-Holsteins, z.B. nach Sylt oder an die Schlei, Busreisen in den Schwarzwald, nach Österreich, Italien und die deutschen Mittelgebirge, trugen einen großen Teil dazu bei, daß die Bewohner nicht nur Aukrug und Umgebung kennenlernten, sondern weit über die Grenzen hinaus andere Gegenden und vor allen Dingen Menschen erleben konnten.

Zu den besonderen Ereignissen gehörten ganz bestimmt die vielen großen Faschingsfeste der letzten Jahre. Wie auch heute noch feiert man mit den befreundeten Einrichtungen: der Werkstatt am Drachensee aus Kiel, dem Freizeitclub Bordesholm, der Fröbelschule in Neumünster und natürlich mit den Bewohnern des Eiderheims. Hier ein Zitat aus einem Zeitungsartikel vom 3. März 1981:

„Der Schützenhof platzte aus allen Nähten, über 350 Behinderte, Betreuer und Eltern waren in Hochstimmung. Es wurde gesungen, geschunkelt und getanzt.......“

.

Geprägt waren die Jahre auch durch viele Veranstaltungen für die Eltern und Betreuer, und für die umliegende Bevölkerung. „Tag der offenen Tür", Basare und Jubiläumsveranstaltungen. Daß die kirchliche Arbeit ein wichtiger und fester Bestandteil der Arbeit auf dem Erlenhof war, wird nicht nur deutlich an der Anstalts­tradition, dem selbstverständlichen Tischgebet und dem Angebot zum Gottesdienstbesuch am Sonntag.

Es gab Bibelgesprächskreise, die einerseits vom Hausvater selbst, andererseits auch vom jeweiligen Pastor der Ortsgemeinde und den Seelsorger-Pastoren und -Diakonen des Landesvereins angeboten wurden. Ein besonderes Ereignis in diesem Bereich war sicherlich eine eigene Konfirmationsfeier in den 70er Jahren für einige Bewohner. Aufgrund guter Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde in Aukrug, wurden mit Eröffnung der Wohngruppe in Nortorf auch dort enge Kontakte zur Kirchengemeinde aufgebaut und ein Bibelgesprächskreis, begleitet von einem Nortorfer Pastor, ins Leben gerufen.

Zurückblickend läßt sich sagen, daß der Erlenhof in diesen 25 Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen hat und - wie die Luftbildaufnahme zeigt - sich zu einer bedeutungsvollen und ansehnlichen Einrichtung entwickelt hat. Ohne Zweifel ist diese Entwicklung dem langjährigen Einrichtungsleiter, Diakon Peter Schulz, und seiner Frau, die in all den Jahren die Hauswirtschaftsleitung innehatte, zu verdanken, Nachdem beide in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet wurden, übernahm im Januar 1991 der Diakon Volker Zimmermann die Leitung des Erlenhofs.

Unsere Andacht

"HERR, LASS UNSERE FÜSSE SICHERE TRITTE TUN,........"

Diese Bitte wird jede Woche in der Andacht ausgesprochen, es werden moderne wie traditionelle Kirchenlieder gesungen und über eine Bibelstelle nachgedacht.

Die wöchentliche Andacht gehört zu einer festen Andachtstradition auf dem ERLENHOF.

Mit dem Jahr 1968 begann eine feste Andachtsreihe. Jeden Morgen und jeden Abend kam man zusammen um gemeinsam zu singen, zu beten und Gedanken zur Tageslosung zu hören. Auch wenn man sich auf eine wöchentliche Wiederkehr der Andacht besonnen hat, so ist jedoch die liturgische Form bis heute geblieben.

Jeden Donnerstag um 8.15 Uhr stehen die Maschinen still und wer möchte, Mitarbeiter und Beschäftigte, kommen in den neuen Saal zur Andacht. Das Kreuz wird zum Mittelpunkt des Saals und somit zum Symbol für die Lebensgemeinschaft auf dem Erlenhof. Arbeit und Leben gehören hier zusammen und sind getragen von Gottes Segen, der uns sicher im Alltag begleitet.

"............DEIN WORT GELEITE UNS AUF ALLEN UNSEREN WEGEN"

Der Erlenhof heute

Titelblatt der Hauszeitschrift
Unsere Hauswirtschaftsleiterin empfiehlt:

Das Erlenhof-Fenster ist ein Heft des Erlenhofs, das einmal im Vierteljahr erscheint und vielen Lesern einen Einblick in das Leben der. Einrichtung ermöglichen will. Es wird berichtet über Wohn- und Arbeitsgruppen, über die Arbeit des Elternbeirats, über Ausflüge, Veranstaltungen und vieles mehr. Zu dem Leserkreis gehören Eltern, Geschwister, Betreuer, Bekannte sowie Mitarbeiter und die Beschäftigten.

Das Hauptaugenmerk ist auf den Wohn- und Werkstättenbereich berichtet. Heute, 25 Jahre nachdem der ERLENHOF sich der Aufgabe annahm, Wohn- und Arbeitsplätze für behinderte Mitmenschen zu schaffen, finden in der Einrichtung 176 Menschen einen Arbeitsplatz, von denen wiederum 106 den Erlenhof als ihr Zuhause bezeichnen. Die Beschäftigten, die nicht im Erlenhof wohnen, werden täglich durch einen Fahrdienst zur Arbeit gebracht und nach Feierabend wieder zu ihrem Wohnort gefahren.

Mit den 176 betreuten Mitarbeitern, arbeiten 95 Angestellte auf dem Erlenhof. Dadurch wird deutlich, daß diese Einrichtung des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein ein wesentlicher Arbeitgeber im Raum Aukrug ist. Gestern wie heute ruht das Hauptaugenmerk auf dem Bereich der Wohnstätten und der Werkstätten für Behinderte.

Um eine gute Koordination zwischen diesen Bereichen zu gewährleisten, sind zweifelsohne Kontaktpersonen nötig. Zum einen ist eine enge Abstimmung zwischen dem Wohnbereich und der Werkstatt von Bedeutung, zum anderen müssen die extern wohnenden Beschäftigten einen Ansprechpartner für ihre Probleme haben. Diese Funktion des Mittlers übernimmt auf dem Erlenhof der „Soziale Dienst". Er ist nur ein Teil des großen Bereichs der begleitenden Dienste", z.B. die Gewährleistung einer ständigen medizinischen Versorgung, Logopädie, Krankengymnastik oder die Sorge um das leibliche Wohl. So versorgt die Erlenhof-Küche täglich nicht nur die Bewohner mit Frühstück und Abendessen, sondern kocht am Tag auch über 200 Portionen Millagessen für Beschäftigte und Angestellte.

Mit der Hauptverwaltung des Landesvereins im Rücken sorgt der eigene Verwaltungsbereich im Haus für einen reibungslosen Ablauf sämtlicher Verwaltungs- und Finanzangelegenheiten. Unterstützend stehen den Mitarbeitern und der Leitung vier Ausschüsse zur Seite: der Elternbeirat, der Heimbeirat, die Beschäftigtenvertretung und die Mitarbeitervertretung.

Der Werkstattbereich des Erlenhofs

Im Haus Waldblick befinden sich im Dachgeschoß der Arbeitstrainingsbereich und Sport, Krankengymnastik und Logopädie
Laubsägen will gelernt sein.

Die Werkstatt des Erlenhofs untergliedert sich in vier große Bereiche: Die Wäscherei, die Näherei, die Gärtnerei und den Industriebereich. 176 Menschen finden hier einen Arbeitsplatz, in dem sie ganz ihren Fähigkeiten und ihrer Behinderung entsprechend einer geregelten Arbeit nachgehen können. Ein Vergleich mit Erzählungen und Berichten aus der Vergangenheit zeigt auf, wie sich der gesamte Bereich kontinuierlich entwickelt hat und zu einer Werkstatt herangewachsen ist, die gleichsam getragen ist von den vier Bereichen. Der Arbeitsalltag ist dem der freien Wirtschaft angepaßt und so gehören Verbindlichkeit, Pünktlichkeit, termingerechtes Arbeiten, qualitativ hochwertige Arbeit zum alltäglichen Erscheinungsbild.

Begleitend zum Arbeitsalltag stehen Sportangebote und individuell Logopädie und Krankengymnastik.

Der neue Saal "Alte Wäscherei", der durch den Neubau der Wäscherei entstanden ist, bietet jetzt die Möglichkeit, daß hier das Mittagessen für alle Beschäftigten angeboten werden kann und nicht wie in der Vergangenheit in den einzelnen Wohngruppen. Wer in der Kaffeepause am Nachmittag einen Kaffee oder etwas Kaltes trinken möchte, kann dieses in „Gerda's Laden" im Haupthaus kaufen und sich mit den Arbeitskollegen im Kaminraum treffen. Die Mitarbeiter des Bereiches, überwiegend aus handwerklichen Berufen kommend und mit sozialpädagogischer Zusatzausbildung, geben durch ihren persönlichen Einsatz jedem Bereich ein individuelles Gesicht und tragen einen großen Teil dazu bei, daß die Beschäftigten einer sinnvollen Arbeit nachgehen können.

Neue Beschäftigte, die noch nicht in einer Werkstatt gearbeitet haben, beginnen ihre Tätigkeit auf dem Erlenhof im Arbeitstrainingsbereich. Für zahlreiche Menschen sind die Dienstleistungen und die Einkaufsmöglichkeiten, die der Erlenhof bietet, inzwischen zum festen Bestandteil des wöchentlichen Einkaufs geworden. In der Zeit von 8.15 Uhr bis 16.30 Uhr kann man von Montag bis Donnerstag und am Freitag bis 13.45 Uhr den Erlenhof als Kunde besuchen, seine Wäsche abgeben bzw. abholen, sich das Angebot der Näherei ansehen und in der Gärtnerei Blumen oder frisches Gemüse kaufen. Besucher sind in den Verkaufsstellen der Werkstätten immer herzlich willkommen.

Der Arbeitstrainingsbereich im Erlenhof

Die Erlenhof-Schule

Zu den Aufgaben einer Werkstatt für Behinderte gehört wie in anderen Berufen auch eine Ausbildung, die hinführt auf einen festen Arbeitsplatz. Dieses bedeutet hier speziell eine Hinführung auf einen Platz in der Wäscherei, Näherei, Gärtnerei oder im Industriebereich. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, daß durch das Arbeitstraining der Weg auf den freien Arbeitsmarkt gefunden wird.

Seit dem Beginn des Jahres 1993 hat der ERLENHOF einen neu gestalteten Arbeitstrainingsbereich, der im Gegensatz zu früher nicht mehr in den Produktionsbereich integriert ist, sondern eine Verbindung von beruflicher Bildung für den behinderten Menschen mit kunsterzieherischen Maßnahmen ist. Neben dem Erlernen von Fähigkeiten, die am Arbeitsplatz von Nöten sind, wird in dem meist zweijährigen Programm neigungsbezogen gearbeitet. Individuelle Fähigkeiten sollen erkannt, gefördert und vertieft werden. So ist das Arbeitstraining individuell auf das Aufnahme- und Leistungsvermögen des einzelnen ausgerichtet. Zusätzlich findet eine Vorbereitung auf das tägliche Leben statt, indem z.B. sonst so selbstverständliche Dinge wie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, selbständiges Einkaufen, der Umgang mit Geld oder das Verhalten im Straßenverkehr geübt werden.

Wöchentlich werden z.Zt. 12 Personen des Arbeitstrainingsbereichs schulisch unterrichtet und beschäftigen sich außerdem mit den verschiedensten Projekten wie z.B. der Gestaltung einer Zeitung, mit Seidenmalerei oder der Frage: „Wie arbeitet die Polizei?" Nach Abschluß der Zeil im Arbeitstrainingsbereich nach einem bzw. zwei Jahren erfolgt die Übernahme in den Produktionsbereich. Ausschlaggebend für die Wahl des zukünftigen Arbeitsplatzes ist die Beurteilung der Zeit im Arbeitstrainingsbereich. Vorrangig jedoch ist der Wunsch des einzelnen.

Der Industriebereich im Erlenhof

Der Industriebereich des Erlenhofs hat sich im Laufe der Jahre immer mehr auf den Dienstleistungssektor konzentriert.

Mit insgesamt neun Arbeitsräumen und einem großen Lager stellt dieser Bereich den größten des Erlenhofs dar und es finden in ihm die meisten Männer und Frauen ihren Arbeitsplatz. Die termingerechte sowie qualifizierte Erledigung von Aufträgen führten zu langjährigen Kontakten mit namhaften Betrieben aus ganz Schleswig-Holstein und dem Hamburger Umland. Als flexibler und leistungsfähiger Partner der Industrie führt man im Industriebereich hauptsächlich Kontrollarbeiten, Konfektionierungsarbeiten, Zählarbeiten, Verpackungsarbeiten und Lötarbeiten durch. So werden z. B. Pullover nach Größen sortiert und auf Qualität geprüft. CD's verpackt und mit Heften versehen. Sie verlassen verkaufsfertig und palettenweise den Bereich. Zitzenschläuche werden auslieferungsfertig verpackt, Pfeffermühlen werden auf ihre Funktion überprüft, Karten gezählt und verpackt und vieles, vieles mehr.

Mit einem eigenen LKW ist es möglich, die zu bearbeitenden Produkte abzuholen und nach der erbrachten Dienstleistung wieder auszuliefern.

Die Wäscherei im Erlenhof

„Fiete II" erledigte die Wäschetransporte zur Bahn
Ein Blick in die neue Wäscherei

Vom Eselgespann bis zum modernen LKW

Wäsche wurde damals wie heute von den Kunden abgeholt und schrankfertig wieder ausgeliefert.

Die Wäscherei, die schon auf eine sehr lange Tradition im Erlenhof zurückblicken kann, befindet sich seit April 1991 in einem speziell für sie gebauten Gebäude. Ausgestattet mit einer modernen Maschinenanlage finden hier 22 Beschäftigte und 4 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Dank des Neubaus konnte die Kapazität der Wäscherei auf 20 000 Kilogramm Wäsche im Monat erweitert werden.

Zu dem Kundenkreis der Wäscherei gehören zahlreiche Hotels, Gaststätten, Massage- und Arztpraxen, öffentliche Einrichtungen sowie andere Einrichtungen des Landesvereins und natürlich die eigene Wohnstätte. So fährt der hauseigene LKW bei seinen Fahrten bis nach Plön, Bad Segeberg und Itzehoe.

Auch die Privatkunden, die direkt zur Abgabe bzw. Abholung ihrer Wäsche in die Wäscherei kommen, sind nicht nur im Raum Aukrug wohnhaft. Vielmehr stehen Adressen aus dem gesamten mittelholsteinischen Raum auf den Lieferscheinen der Wäschepakete. Bis auf Oberbekleidung und chemisch zu reinigende Textilien wäscht die Erlenhof-Wäscherei alles für den einzelnen Kunden. Fortschrittlich zeigt sich die Erlenhof-Wäscherei in allen Bereichen. Mit Schmutzwäsche kommen die Mitarbeiter und Beschäftigten gar nicht mehr in unmittelbaren Kontakt, befördert doch ein Saugrüssel die zu waschenden Textilien in die 45 kg fassende Waschmaschine.

Je nach Bedarf wird das Wäschestück danach getrocknet, gemangelt oder gepreßt.

Schrankfertig präsentiert sich dann die Wäsche, die für den Großkunden in Alu-Containern ausgeliefert und für Privatleute sauber verpackt bereitgelegt wird.

Die Gärtnerei des Erlenhofs

Duftende Beet- und Balkonblumen, knackige rote Tomaten, geschmackvolle grüne Gurken, Porreestangen, Grünkohl und viele Gemüsesorten mehr bestimmen je nach Jahreszeit das Bild der Gärtnerei im Erlenhof. Mit der Ausbringung von natürlichem Dünger und mit weitgehendem Verzicht unnatürlicher Mittel bewirtschaften die Beschäftigten dieses Bereiches 3,5 Hektar Freiland sowie 0,5 Hektar Schonfläche. Insgesamt finden hier 21 Beschäftigte und 4 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

In zwei Gewächshäusern und zwei Folienhäusern werden vor Wind und Wetter geschützt, auf 1 200 qm Grundfläche, verschiedene Blumen, Blattgewächse und Gemüsejungpflanzen herangezogen und gepflegt. Zu den angebauten Gemüsesorten gehören unter anderem Kartoffeln, von denen z.B. im Jahr 1992 vier Tonnen geerntet wurden, Wurzeln, Porree, Grün- und Rosenkohl.

Natürlich dürfen im Angebot der Gärtnerei die schmackhaften Erdbeeren nicht fehlen. Das Pflanzensortiment der Gärtnerei des Erlenhofs reicht von Gemüse- und Jungpflanzen bis zu Beet- und Balkonpflanzen. Ferner liefert die Gärtnerei auch in den gesamten mittelholsteinischen Raum Pflanzgefäße mit verschiedenen Bepflanzungen.

Für die Beschäftigten ist die Arbeit in den Gewächshäusern und auf dem Feld sehr abwechslungsreich. Sie beginnt mit der Aussaat der Pflanzensamen, setzt sich mit dem Pikieren fort und reicht dann vom Auspflanzen über die Pflege bis hin zur Ernte.

Nach erfolgreicher Ernte erfolgt der Absatz der Waren über den Groß- und Einzelhandel sowie durch den täglichen Kleinverkauf. Die Ware kommt frisch vom Feld oder direkt aus der Gärtnerei. Hierbei sind für die Beschäftigten die Be- suche durch Kunden sehr wichtig. Der einzelne Behinderte erlebt, wie das Resultat seiner Arbeit verkauft wird.

Die Erlenhof-Näherei

Vom Zuschnitt bis zur Fertigung wird in der Erlenhof-Näherei alles selbstgemacht. Drei Mitarbeiterinnen und 22 beschäftigte Männer und Frauen fertigen im Lohnauftrag überwiegend Krankenhausbedarf, wie z.B. OP-Bekleidung und Pathologiekittel. Daneben gewinnt der Anteil der in Eigenproduktion erstellten Artikel in der letzten Zeit immer mehr an Bedeutung. In optimaler Qualität werden Tischdecken, Blusen, Hemden, Schürzen, Kissen, Stofftiere und andere Deko-Waren hergestellt.

Talare für Pastoren und Chöre, Orchesterkleidung, Eurythmie-Kleidung und Bekleidungsstücke für Imker, gehören zu den Besonderheiten der Näherei. Weil wöchentlich bis zu 500 unterschiedliche Teile ausgeführt werden, war es in jüngster Vergangenheit nötig, die Näherei zu erweitern.

Ganz gleich, ob eine Decke 1,73 x 2,36 oder 0,5 x 0,5 m groß sein soll, ob eine Bluse lang, breit, kurz oder eng geschnitten sein soll, alle machbaren Kundenwünsche werden erfüllt. Der zu verarbeitende Stoff kann aus dem vorhandenen Angebot vom Kunden ausgesucht oder eigener Stoff kann mitgebracht werden. Dabei zeigt sich immer wieder, daß das Endprodukt oft preisgünstiger ist, als eine Textilie „von der Stange".

Die Verkaufsstelle in der Näherei bietet dem Kunden während der normalen Arbeitszeit ein großes Angebot der angefertigten Textilien zum Kauf an.

Der Wohnbereich des Erlenhofs

Das Hauptgebäude des Erlenhofes
Die Häuser Waldblick und Eichenhag
Das Haus Schwalbennest

Wohnen, wie in einer richtigen Familie


Die Wohnstätten des Erlenhofs bieten zur Zeit 106 Bewohnern in 12 Wohngruppen ein Zuhause. Dabei sind die 88 Frauen und Männer auf dem Hauptgelände des ERLENHOFS in Aukrug-Innien in 10 Wohngruppen untergebracht. Charakteristisch für die Gruppen von vier bis zehn Bewohnern, ist die ständige Betreuung durch qualifizierte Fachkräfte. Neben der Wohnstätte in Aukrug-Innien, sind dem ERLENHOF zwei weitere Außenwohnungen angegliedert. So bietet ein Einfamilienhaus im 12 km entfernten Nortorf 14 Frauen und eine Wohngruppe im Nachbarort Aukrug-Bünzen nochmals sechs Frauen die Möglichkeit zu einem selbständigeren Wohnen. Eine neue Wohngruppe in Nortorf für 10 Bewohner befindet sich zur Zeit im Aufbau. Ein neues Haus ist gekauft und muß zu diesem Zweck noch umgebaut werden.

Der Idealfall kann eine Entwicklung sein, die mit dem vollständig betreuten Wohnen auf dem ERLENHOF beginnt, sich über die teilweise Verselbständigung in einer Außenwohngruppe fortgesetzt und sich schließlich in einem Leben in einer eigenen Wohnung manifestiert. Für die Betreuung des gesamten Wohnbereiches sind z.Zt. 33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zwei Schichten rund um die Uhr im Dienst. Ein geregelter Tagesablauf zeichnet zudem die Wohngruppen des ERLENHOFS aus: Nachdem die Bewohner an Arbeitstagen um spätestens 6.45 Uhr aufgestanden sind, wird in den Wohngruppen gemeinsam gefrühstückt.

Wie in einer Familie, so müssen auch hier die Mitglieder in einer Wohngemeinschaft neben ihren Rechten bestimmte Pflichten wahrnehmen. Dazu gehört folgerichtig ein wechselnder Tischdienst und der gemeinsame Abwasch. Während die Beschäftigten in der Woche von 8.15 Uhr bis 16.30 Uhr (freitags bis 13.45 Uhr) ihrer Arbeit nachgehen, werden die Wohngruppen durch Raumpflegerinnen gereinigt, wobei die Einzel- oder Doppelzimmer von den Bewohnern selbständig sauber gehalten werden. Nach Feierabend findet wieder ein gemeinsames Abendessen statt. Über die Gestaltung der Freizeit wird von jedem Bewohner frei entschieden.

Ferner besteht die Möglichkeit, daß das Abendessen aus der zentralen Küche abbestellt wird und die Wohngruppe ihr eigenes Süppchen" kocht. Außerdem wird am Wochenende das Mittagessen in den Wohngruppen eingenommen und nicht, wie in der Woche, gemeinsam mit allen Beschäftigten. Das alles bedeutet in seiner Summe ein praktiziertes Familienleben in den einzelnen Wohngruppen, wobei der Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund steht, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gruppen als Bezugspersonen fungieren.

Urlaub und Freizeit auf dem Erlenhof

Am Lagerfeuer auf dem Erlenhof

Neben der Hauptaufgabe des ERLENHOFS, dem Wohn- und Werkstättenbereich, gibt es innerhalb der Einrichtung ein breites Spektrum von Angeboten, die den Urlaub und den Feierabend der Beschäftigten betreffen. Das Zusammenleben von Wohnheimbewohnern und extern Wohnenden und die gesamtgesellschaftliche Integration soll so gefördert werden. Da wären als erstes die Urlaubsfahrten, zu denen sich sowohl Mitglieder der ERLENHOF-Wohngruppen anmelden können wie auch Beschäftigte, die nicht ihr Zuhause auf dem ERLENHOF haben. So reicht die Angebotspalette der Fahrten von einer Reise an die Ostsee bis hin zur Flugreise nach Mallorca.

In verschiedenen Hobbygruppen wird gebastelt, lesen und schreiben erlernt, gerechnet, gesungen, Tischtennis gespielt, gekocht und seit kurzem Feldhockey gespielt. Einen besonderen Stellenwert hat die Basketball-AG im ERLENHOF. Zum wöchentlichen Training erscheinen immer zahlreiche Bewohner des ERLENHOFS in der Turnhalle des Ortes. Tradition hat auch das alljährliche Basketball-Turnier, das der ERLENHOF immer im Oktober ausrichtet und zu dem im letzten Jahr 24 Mannschaften aus ganz Schleswig-Holstein und aus dem Hamburger Umland anreisten.

Daß die Gemeinsamkeit weit oben im ERLENHOF ansteht, ist auch daran zu erkennen, daß die Beschäftigten, die nicht gleichzeitig auf dem Erlenhof wohnen, einen gemeinsamen Clubabend haben, zu dem man sich einmal im Monat trifft. Beliebte Aktivitäten sind Kino-, Theater- und Konzertbesuche, die gemeinsame Fahrt ins Hallenbad oder der Gang in die Disco. Die absoluten „Highlights" eines Jahres sind ohne Frage der Frühlingsball und der Betriebsausflug.

Ein Stück Vorgeschichte aus persönlicher Sicht

„Die Drei" mit dem Meßholz. Von links nach rechts: Gerda Meier, Anke Grunwald. Ilse Möller.

"Die Drei" verstehen sich gut und berichten von alten Zeiten. Es sind die Damen Ilse Möller, Anke Grunwald und Gerda Meier. Frau Möller wohnt am 9. April dieses Jahres seit 33 Jahren im Gelände des Erlenhofs, der früher Frauenheim Innien hieß. Frau Gerda Meier ist am 13. November sogar schon 40 Jahre im Hause und Frau Grunwald übernahm die Wäscherei im September 1967, bevor der erste Leiter des Erlenhofs, Diakon Peter Schulz am 1. April 1968 kam. Ilse Möller und Gerda Meier haben den Start der Behinderteneinrichtung Erlenhof als „Befreiung" erlebt. Sie waren vorher im Frauenheim Innien. Sie schildern heute ihre Erlebnisse mit den Flensburger Diakonissen zuweilen lachend und schmunzelnd. Deren fromme Strenge sollte aus ihnen tugendhafte Mädchen machen, doch war die Zeit dieser Art Pädagogik wohl abgelaufen.

Die Frauen arbeiteten im Haus und in der Wäscherei. Sie schliefen in Sälen mit 10 und 12 Betten. Der Zustand des Hauses war sehr schlecht. Es regnete durch. „Im Zimmer standen 3 Wannen und ein Eimer" für das Regenwasser. In der Küche gab es immer wieder Ratten und Mäuse." Den Tag, an dem der neue Leiter, Diakon Peter Schulz, kam, werden die Frauen nicht vergessen. „Wie üblich gingen wir am Sonntag zum Gottesdienst. Als dieser vorbei war, gab Diakon Schulz jedem von uns DM 5,00 in die Hand und sagte, daß wir jetzt freien Ausgang hätten. Wir konnten es gar nicht glauben, zum erstenmal hatten wir freien Ausgang."

Mit der Umwandlung des Frauenheims Innien in den Erlenhof war für viele Frauen ein Abschnitt ihres Lebens zuende. Etliche wurden einfach entlassen, die meisten wurden in eine Erziehungseinrichtung nach Aumühle verlegt. Viele Namen fallen Frau Möller und Frau Meier ein. „Thea und Stummel" gingen zum Ansgarstift in Neumünster", wissen sie. Die beiden hatten vor ihrem Dienst im Altersheim die Kühe des Frauenheims gemolken. Sie selber konnten im Erlenhof bleiben und führten ihre Arbeit in der Wäscherei fort. Früher war da ja die Dampfwäscherei. Ein großer Kessel mußte beheizt werden. Dafür war ein Diakon aus Rickling zuständig, der hieß Hans Ginnow. Der wohnte mit seiner Familie hinter dem Kessel."

Plötzlich fällt den drei Damen noch etwas ein. „Das muß noch da sein", sagt Frau Grunwald und sie holt einen Holzstock aus irgendeiner Ecke. „Das ist das Meßholz der Diakonissen für das Zusammenlegen der Wäsche." Nach diesem Stück Holz wurde alle Wäsche auf Maß gestapelt und kontrolliert. „Wir sind froh, daß wir heute die neue Wäscherei haben. Es gibt ein in jeder Hinsicht besseres Klima", sagt Frau Grunwald, die seit der Übergangzeit zum Stammpersonal des Erlenhofs gehört.

„Wir sind sehr zufrieden hier", sagen Frau Möller und Frau Meier." Sie wohnen heute in einer Wohngruppe in Nortorf. Besonders freut sie das breite Freizeitangebot und die Reisen. Noch einmal fällt der Name Peter Schulz: „Er hat für uns die erste Ausfahrt geplant. Wir fuhren mit dem Bus. Die Flintbeker kamen noch dazu und das ist bis heute so geblieben. Phantastisch!" „Die Drei stellen sich in der neuen Wäscherei für ein Foto auf. Das Meßholz darf nicht fehlen. Sie haben ihren Platz gefunden und Erinnerungen leben in ihren Gesprächen weiter.

Elternbeirat Erlenhof

Rückblickend auf die zurückliegenden 25 Jahre Erlenhof kommt man nicht umhin die 20jährige Mitarbeit des Elternbeirates zu erwähnen. Am 26.8.72 fand auf Einladung des damaligen Leiters Herrn Diakon Schulz die erste Elternversammlung statt, eine bemerkenswerte Neuheit in der Arbeit der Diakonie für Behinderte. 50 anwesende Eltern und Vormünder wählten an diesem Tag aus ihrer Mitte den damals aus 7 Personen bestehenden Elternbeirat. Der erste Schritt zu einer intensiven Elternarbeit war, daß in den darauf folgenden Elternbeiratssitzungen eine Geschäftsordnung erarbeitet wurde, die 20 Jahre Bestand hatte.

Zu erwähnen sind aus dieser Zeit die stattgefundenen Elternsprechtage und durchgeführten Versammlungen, in denen es um folgende Dinge ging wie: Vergrößerung des Werkstattbereiches, Beratungen über Erneuerungen und Neubauten, Angebote für Hobby und Urlaubsgestaltung, Themen des täglichen Lebens, wie z.B. Partnerschaften etc. Ein Umbruch in der Elternarbeit erfolgte dann 1991: Der Generationen-Wechsel fand nicht nur in der Leitung des Erlenhofs statt, sondern auch im Elternbeirat, z.Zt. bestehend aus 9 Personen. Damit verbunden erfolgten viele Erneuerungen, die sich auch wiederspiegeln in den Bemühungen, eine Gemeinschaft entstehen zu lassen zwischen den verschiedenen Personengruppen: Mitarbeiter / Beschäftigte / Bewohner und Angehörige / Betreuer.

Diese Förderung des Gemeinschaftsgefühls findet auch ihren Ausdruck in dem 1 mal jährlich stattfindenden Werkstattausflug unter Einbeziehung aller Mitarbeiter, Beschäftigten und deren Angehörige / Betreuer wie z. B.: Schiffsreise auf der Elbe – Besuch im Hansapark –.

1992 stand das Jahr unter dem Thema - Betreuungsgesetz -. Dieses Gesetz und seine Folgen haben uns stark beschäftigt, wie wohl alle Betroffenen. Es ist aber auch das Gründungsjahr für den Erlenhof-Fonds, dessen Ziel es ist, den behinderten internen und externen Jubilaren 10/20jähriges Jubiläum usw. ein möglichst persönliches Geschenk/Präsent zu überreichen. 1992 wurde die 20jährige Geschäftsordnung des Elternbeirates erweitert und neu formuliert. 1992 war aber auch das Jahr neuer Möglichkeiten der Gestaltung von Feiern und Zusammenkünften, hier konnte auch erstmals die Adventsfeier seit Bestehen des Erlenhof gemeinsam gefeiert werden. Das Bestreben seitens des Erlenhof Eltern / Geschwister und Betreuer zu informieren, hat zur Gründung des „Erlenhof-Fenster" im Juni 1991 geführt und wird durch uns als Informationsbrücke genutzt.

Durch diesen ständigen Informationsfluß ist eine Elternversammlung nicht bestimmt von endlosen Berichten, sondern thematisch bzw. gemeinschaftsfreundlich ausgerichtet, Referate etc. auch unter dem Gesichtspunkt des perönlichen Kontaktes. Diese neu geprägte Form der Elternarbeit kommt gut an, und an dieser Stelle unser Dank all denen, die daran mitarbeiten. Ein Dank auch den Mitarbeitern für den täglichen Einsatz.

Blicken wir alle hoffnungsvoll in die Zukunft, nehmen wir die ausgestreckte Hand der uns Anvertrauten in unsere eigene und gehen wir mit Ihnen durchs Leben, nicht um sie zu bevormunden, sondern ihnen hilfreich zur Seite stehend, damit ein jeder seiner Möglichkeit entsprechend ein für ihn zufriedenstellendes Leben leben kann.

Das ist unser Wunsch für die kommenden Jahre.

Jürgen Nast - Vorsitzender