Archiv:Die Feldaufteilung und Verkoppelung (Mein Dorf)

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Karte der Feldaufteilung 1780 u. 1843

Die Feldaufteilung und Verkoppelung

Die steigenden Lebensbedürfnisse und das Aufblühen des Verkehrs nach den endlosen Kriegen von 1627 1720 stellten stärkere Anforderungen an den Ertrag des Ackerlandes und der Milchwirtschaft. Das war nur durch Vermehrung des Acker- und Wiesenlandes zu erreichen. Durch aus der Heide gebrochene Stücke wurden die Kampe vergrößert, neue Koppeln dazu aus der Gemeinheit eingenommen. Das Vermessungsregister von 1780 zeigt eine Zunahme des Ackerlandes in 60 Jahren von 191 auf 460 Fonnen, also mehr als eine Verdoppelung in zwei Generationen, eine sehr beachtliche Leistung unserer Vorfahren bzw. unserer Vorbesitzer. Im Einzelnen zeigt das Ackerland von 1780 folgendes Bild (Die eingeklammerten Zahlen sind von 1724):

Hunnenkamp 17 Tonnen (0), Bast 25 (10), Schaarrehm und -moor 7 (0), Kleefkamp 17 (16), Böfskoppel 4 (0), Viert 33 (21), Rühmlandsbarg 18 (9), Bockhorst 50 (38), Weddelstücken 12 (7), Ohlenkamp 36 (21), Brüggkoppel 5 (5), Kinnerkamp 12 (21, hier scheint eine Verschiebung zum Bast vorzuliegen), Kreutzkamp 20 (15), Neuenkamp 20 (10), Hollenbarg 50 (8), Auberg 5 (0), Rühmkoppel 18 (9), Twissel 6 (0), Lohkoppel 6 (1), Mitbek 5 (0), Neuland 1(0), Fuhlenbrook 4 (1), Wetjen 2 (0), Schmahensklink 3 (0), Schulkoppel 3 (0) Tonnen.

Statt der neun Koppeln von 1724 sind 1780 20 vorhanden.

Es geht also, der Zeitforderung entsprechend, ein Streben nach uneingeschränktem Eigentum am Lande durch das Dorf. Freies Verfügungsrecht auch über die anderen Ländereien war die Forderung. Die Flurgemeinschaft war überlebt. Das Ackerland mußte aufgeteilt werden. Homfeld, Bargfeld und Lockstedt teilten schon vor 1770 ohne Genehmigung auf. Durch die Einkoppelungsverordnung von 1771 regelte der Staat das dabei einzuschlagende Verfahren.

Am 8.3.1773 wurde der Innier Einkoppelungsvergleich abgeschlossen, der wegen der Mischung der Innier und Böker Ländereien am Sandberg auch uns angeht.

„Weil die Innier auf dem Sandberg nur 3 Tage Stoppelweide gehabt, nachgehends aber die Bökener diese Weide genutzt, so werden der 1/32 te Teil von diesem Kamp zu Weideland anzurechnen und mit den übrigen Gemeinheiten aufzuteilen.

§4. Die Böecker Einwohner erhalten für die drey Jahresweide auf dem Viert zwischen den Rehmens 7 Tonnen urbares Land und außerdem 2 Blöcke auf dem Ohlenkamp und 2 Blöcke auf dem Bast, welche alle 4 dem klösterlichen Unterthanen Jochim Kühl gehören. Das übrige Land auf dem Viert zwischen den Rehmens behalten, die Böecker ebenfalls, treten aber soviel auf dem Kreutzkamp und Sandberg an die Innier wieder ab.

§5. Die Tränke bei der Papenwiese auf dem Böecker Felde bleibt beiden Dorfschaften zum gemeinschaftlichen Gebrauch offen, und soll der dahin zu machende Redder nicht unter 24 Fuß Breite haben.“

Die Amtsrechnung von 1777 berichtet, daß Böken die dort befindlichen Landereien eingekoppelt habe und nun die Vermessung der übrigen Feldmark vorgenommen werden soll. Nun hatte Böken aber 1777 die Viehseuche "so schlimm, wie kein anderes Dorf im Kirchspiel".

Die meisten Einwohner waren nicht in der Lage, die Kosten der Vermessung aufzubringen. Trotzdem war das Erdbuch 1780 fertig und damit die Verteilung. Wiesen und Ackerland wurden nach "Landzahl" d.h. Zahl der gehabten Tonnen, die Gemeinheit nach Pflugzahl, d.h. nach Voll- oder Teilhufen, aufgeteilt. Die Vermessung und Verteilung besorgte Christian Jargstorff, Lehrersohn aus Homfeld, wie in den meisten Dörfern des Kirchspiels Nortorf. Mit der Vermessung war eine Bonitierung (d.h.Einteilung nach Bodengüte) vebunden, und nach bonitierten Tonnen wurde verteilt. 5 bonitierte Tonnen Acher wurden gleich 1 bon. Tn Wiesenland gerechnet und 8 bon. Tonnen Heide gleich 1 bon. Tn Ackerland. Die Tonne hatte 340 Quadratruten, unsere heutige Tonne 260 QR (1/2 ha). In der Gemeinheit erhielt jeder Vollhufner 2, jede Viertelhufe 3/4 bo. Tn. Für diese gab es 8, für die übrige Gemeinheit 20 Freijahre, d.h. Jahre, in denen von diesem Land keine Steuer zu entrichten war.

Die von Jargstorff angefertigte Karte ist 1810 an ihn zu Berichtigungen zurückgegeben und verloren gegangen.

1983 war Böken mit der Verkoppelung fertig als 2. Dorf im Kirchspiel Nortorf. Es wurden 173 Tonnen Wiesen, 561 Tonnen Acker, 896 Tonnen Heide verteilt. Unverteilt blieben noch 679 Tonnen Heide.

Nachdem die Verteilung der Ländereien erfolgt war, kam eine Riesenarbeit für die Besitzer: Das Anlegen der Wälle und ihre Beflanzung mit "Pathen", somit die Anlage der Knicks. Ihren Namen dürften sie von den niedergeknickten Zweigen der Eichen haben, die noch heute als alte Stubben in unsern Knicks sitzen. Die Knicks sind Denkmäler unserer Vorfahren aus den Jahren 1780 - 1850.

Die Wälle wurden oben 4 Fuß (ca. 1,10 m) und unten 8 Fuß breit angelegt. Die äußeren Gräben wurden 5 Fuß, die inneren 3-4 Fuß breit hergestellt. Die gewonnenen Soden wurden als äußere Wand aufgesetzt, die Mitte mit Grabenaushub gefüllt. Meistens dürfte die Grenze der Koppeln in der Mitte des Walles liegen. Die Pathen (junge Pflanzen) wurden aus Kratts und Brüchen oder aus den Forsten geholt und geben noch heute ein Bild von den damals vorhandenen Holzgewächsen.

Die Knicks bildeten nach 1918 einen Streit in der Presse. Man hielt sie für schädlich, da sie das Trocknen von Korn und neu erschwerten und viel Land ungenützt liegen ließen. Drahtzäune, die doch beim Weiden des Feldes gesetzt werden müßten, würden die Koppeln besser als Knicks behüten. Der wichtigste Grund für die Beibehaltung des Knicks liegt aber darin, daß er die Macht des Windes bricht. Wie fliegt schon heute bei einem Sturm in trockener Frühjahrszeit der Staub vom Acker, wie entblößt der Wind die zarten Pflanzenwurzeln!

Wie es uns ohne die Knicks gehen würde, zeigt das Beispiel der Dörfer an deren Feldmark Sanddünen waren, z. B. Brammer bei Nortorf. Dort waren 1811 von den um 1780 verteilten Ackerländereien fast 100 Tonnen dem Flugsand zum Opfer gefallen, etwa 1/6 der Feldmark und bei weiteren 92 Tonnen drohte die Gefahr des Versandens ebenfalls. Das war in 20 - 30 Jahren geschehen. An der Grenze Brammmers hätte der Flugsand nicht halt gemacht, wenn er nicht durch scharfe Eingriffe der Regierung mit Sandhafer gebunden wäre. Wir können damit rechnen, daß ein großer Teil unserer Gegend, wenn nicht alles heute eine Wüste wäre ohne die Knicks. Dasselbe Schicksal drohte Kattbek, Wacken, Schülp bei Rendsburg und anderen Dörfern.

Es ist abgewendet. Verschwinden die Knicks aber, so wird es uns allen in Holstein blühen. Wir sollen nicht nur auf die Schönheit unserer mit Knicks geschmückten Heimat stolz sein, wir müssen die Knicks schonen und pflegen, zumal jetzt die Wälder scharf mitgenommen werden. Wir behüten uns dadurch vor dem Schicksal weiter Striche in Nordamerika, wo der Wind aus der ungeschützten, urbar gemachten Prärie Wüstengegenden gemacht hat, die man jetzt mit viel Aufwand bändigen muß, wenn es überhaupt noch gelingt. Ebenso geht es im fruchtbaren Sudan, wo die Sahara jährlich kilometerweit vordringt.

1810 sollte eine weitere Verteilung von Land stattfinden. Das große Moor wurde aufgeteilt. Weitere Aufteilung verhinderte der Krieg. 1819 wurde Schulland am Winkelsteinsmoor im Umfang von 4 Tn ausgelegt. Die unverteilte Heide blieb als Schaf- und Jungviehweide liegen, auch wurde dort Streuheide gemäht und Plaggentorf gegraben.

Um 1840 waren die Wunden des Krieges und die Folgen der Mißernten um 1830 überwunden. So gings an die letzte Feldaufteilung. Die alten Katen erhielten je 5 bonitierte Tonnen, die neuen für jede Kuhgräsung 1. bon. Tonne Land ausgelegt. Da Böken damals ein neues Schulhaus baute wurde die alte Schulkate mit 10 Tonnen aus der Gemeinheit verkauft und für die Schule endgültig 10 Tonnen Schuldienstland und 8 Tonnen Moor ausgelegt. Das Erdbuch stammt von 1842 und ist 7.9.1843 behördlich genehmigt.

Die Restgemeinschaft wurde nach Kuhgräsungen verteilt. Dazu wurde der Viehbestand gezählt (vergl. Tabelle v. 1840) und das Weidebedürfnis wie folgt umgerechnet: 3 Pferde = 4 Kühe, 2 Füllen = 1 Kuh, 3 Starken = 2 Kühe, 3 Kälber = 2 Kühe, 8 Schafe = 1 Kuh, 32 Lämmer = 1 Kuh, 4 Schweine = 1 Kuh. Es war das Weidebedürfnis von 305 1/2 Kuhgräsungen vorhanden. An Land waren 270 bonitierte Tonnen zu verteilen, sodaß nicht ganz 1 bon. Tonne auf die Kuhgräsung entfallen konnte. Die Fläche umfaßte 602 Tonnen je 340 QR. Eine Vollhufe hatte nun etwa 150 ha Land.

Bei dieser Verteilung ist der Weg von der Mitbeksbrücke nach Timmaspe gerade gelegt, vorher ging er am Wiesenrande entlang, wo man noch heute Teile vom alten Weg sieht. Von dieser Vermessung liegt die Karte in Schleswig.

Fußnoten