Archiv:Die Glashütte bei Viertshöhe (Mein Dorf)
Die Glashütte bei Viertshöhe
Die Koppel nördlich des Hofes Viertshöhe, auf der die Arbeiterkate des Hofes steht, heißt Glasviert. Dort lag einst eine Glashütte, 1734-40. Eine Glashütte war vorher bei Oldenhütten, das früher meistens nur Hütten genannt wurde. Um 1670 wohnten hier als Glasmacher die Familien Kunkel, Brauer, Lipp. Sonst lagen die Glashütten durchweg in Ostholstein, da die aus Buchenholz gewonnene Pottasche ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung des Glases und Buchenholz zum Brennen dringend nötig war.
Daß bei Viertshöhe eine Glashütte gewesen war, lebte noch um 1900 in der Erinnerung des Dorfes. Auch ist die Stelle der Brennöfen hinter dem Garten der Arbeiterkate im frischgepflügten Boden deutlich zu erkennen. Glasstücke und Schlacken liegen dort noch.
In den Nortorfer Kirchenbüchern werden als Meister der Glashütte Anton Moth und Jürgen Hinrich Zeitz genannt, als Arbeiter: Cornelius Nickolaus Dose, Caspar Albrecht, Hans Hinrich Börner, Johann Christian Vogler, Elias Arnold (heiratet Ww. Gundelach aus Möllenhagen), Matthias Börner, Abraham Börner. Hans Wentzel, Friedrich Ehrich, Jobst Plamböck. Das sind zwei Meister und zehn Arbeiter. Die mündliche Überlieferung spricht von zwölf Arbeiterkaten. Die kleinen Gärten der Katen waren, wie mir alte Leute erzählten, noch um 1830-40 auf dem Torfmoorsviert und Rühmlandsbarg zu sehen gewesen, auch einzelne Brunnen waren damals noch da.
Ich habe seit 1908 nach Akten über die Glashütte gesucht und erst 1942 im Staatsarchiv in Kiel in der Rendsburger Amtsrechnung von 1743 die Konzessionserteilung und den Fachtkontrakt mit dem Dorf gefunden. Nach der Konzessionserteilung durch den Amtmann vom 20.11.1733 haben die Böker beantragt, ihnen die Anlage einer Glashütte zu erlauben, damit sie das große Rethbroocksmoor besser nutzen könnten, denn ein Torfverkauf sei wegen der zu großen Entfernung der Städte nicht möglich. Sie wollen mit dem Glasemeister einen Vertrag schließen zum Besten des Dorfes und zur Vermehrung der Amtseinkünfte, da der Glasemeister eine Abgift ins Amtsregister zu leisten haben würde.
Darauf hat das Dorf mit dem Glasemeister Geoag Hinrich Seitz (Die Kirchenbücher schreiben Zeitz) aus Lelkendorf in Mecklenburg einen Häuerkontrakt auf zwanzig Jahre (1738-1758) über die vom Dorf errichtete Glashütte abgeschlossen. Das Dorf verpachtet Seitz die Glashütte, den Kamp Rühmlandsbarg, enthaltend ca 16-17 Tonnen Saatland, erlaubt ihm das Graben des nötigen Torfes auf dem Rethbrooksmoor, wobei er die abgegrabenen Plätze ordnungsmäßig planieren muß, gestattet ihm jährlich 30 Stück Rindvieh und 2 Pferde auf die gemeine Weise zu treiben. Für 20 Stück Rindvieh muß er je 24 Schilling Grasgeld entrichten, die übrigen 10 Stück und die beiden Pferde sind frei.
Wohnhaus und Scheune muß Seitz bauen. Die Böker verpflichten sich, das Bauholz auf zwei Meilen heranzuholen, ebenso Feldsteine und Lehm, die Seitz dazu graben läßt, von Ihrem Felde heranzufahren. Der Wert des Hauses soll mindestens 1000 Mk betragen. Die Gebäude sollen nördlich der Glashütte errichtet werden. Die Böker wollen die für den ersten Bau erforderliche Heide unentgeltlich mähen und anfahren. Seitz darf soviel Sand und Lehm, als er zum Glasmachen braucht, auf dem Böker Felde graben lassen, soweit solches vorhanden ist. Die Häuer für alles beträgt 400 Mk, dazu die 30 Mk für das Vieh. Erster Zahlungstermin ist Ostern 1739. Wird der Kontrakt nach Ablauf der zwanzig Jahre nicht mit königlicher Consens erneuert, so hat Seitz alles ordnungsgemäß an Böken abzuliefern. An das Amt Rendsburg soll Seitz in den ersten zehn Jahren je acht Rthlr, in den folgenden zehn Jahren je zehn Rthlr Recognition zahlen (5.11.1737).
Am 20. August 1739 leiht Seitz 500 Mk von dem Bünzer Müller Homfeldt und Hans Hintz in Böken, die er Michaeli 1739 ohne Loskündigung zurückzahlen will. Seitz ist 1740 heimlich davongegangen. 1742 wurde der Konkurs eröffnet. Seitdem lag die Glashütte wüst.
Georg Hansen: Amt Bordesholm, berichtet, daß die Böker Glashütte die einzige war, die ihre Öfen mit Torf heizte. Pastor Domeier in Nortorf berichtet in den Provinzialberichten 1787, daß sich die Glashütte auf die Herstellung grüner Glaswaren beschränkte. Diese waren, wie Scherben zeigen, von guter Beschaffenheit und standen unserm heutigen Flaschenglas nicht nach. "Die Glashütte dauerte indessen nur wenige Jahre nach deren Verlauf der Glasemeister Schuldenhalber davon ging. Hieran waren aber nicht der Mangel an Feuerung oder des Absatzes der Waaren, auch nicht die zu kostbare Anschaffung der zur Betreibung des Werke nötigen rohen Materien, sondern lediglich, (wie mich vor vielen Jahren alte Leute, die der Sache kundig waren, versicherten) die schlechte Aufsicht des Glasemeisters über seine Leute und die verschwenderische Lebensart die Schuld und Ursache. Hiervon ließe sich freilich noch vieles vorbringen." Die Böker mündliche Überlieferung berichtet dazu, daß die Glasmacher von den Bauern vertrieben seien. Ihren Ärger kann man sich vorstellen, wenn man bedenkt, daß ihnen jährlich 430 Mk, das sind etwa 50-60 Mk die Hufe, also etwa ihr Betrag an Kontribution und Herrengeld, verloren gingen.
Für das heutige Dorf ist das Eingehen der Glashütte nicht zu bedauern. Hätte sie nur 50 Jahre bestanden, so wäre das Moor bei Viertshöhe abgegraben gewesen. Jetzt hat es uns aber über die Feurungsschwierigkeiten der Kriege hinweggeholfen.