Archiv:Flurnamen und Flurkarte (Mein Dorf)
Flurnamen und Flurkarte
Die anliegende Flurkarte enthält nicht alle Flurnamen. Es fehlen die meisten Wiesennamen, da die Stücke oft recht klein sind und so nicht in die Karte eingetragen werden konnten. Flurnamen sind entstanden als Bezeichnungen der Landstücke vor oder nach der Urbarmachung. Sie entstammen der damaligen Sprache. Da diese in ständigem Wechsel ist, Wörter verschwinden und neue entstehen läßt,so sind sie uns oft unverständlich. Namhafte Forscher haben versucht, sie zu deuten (Dohm und Jellinghaus in der Zeitschrift f. Schl.-Holst. Geschichte). Wir können hauptsächlich vier Gruppen unterscheiden nämlich Bezeichnungen auf Wasser, Acker, Wald, und Heide bezügliche.
Auf Wasser deuten: Segen, Soll, Vi, Veh, Born, Fort, Weddel, Diek,
auf Acker: Kamp, Rüm, Lann, Feld, Stücken, Koppel,
auf Heide: Heide und Viert.
Die größte Menge unserer Flurnamen deutet auf Be- und Entwaldung. Es sind 19 von etwa 60 Namen, also etwa ein Drittel: Hölln, Holln, Holt, Hagen, Loh, Horst, Struck, Bast, Rehm, Kölln, Kahln, Kall, Eek, Bock (Book), Park, Eller, Wetjen, Hesel u.a.
Eine Betrachtung der Flurnamen ergibt, daß Böken einst stärker bewaldet gewesen ist. Urbares Land war nur in geringer Menge vorhanden. Die geringe Bevölkerungszahl brauchte weniger. Korn, Kornhandel gab es fast nicht. Die Vermehrung der Bevölkerung und das Wachsen ihrer Lebensansprüche, der Rückgang von Wild- und Fischreichtum zwangen zum, vermehrten Ackerbau. Der fruchtbare Boden des Waldes versprach die besten Erträge. So rückte man mit Feuer und Axt dem Walde zu Leibe und gewann neue Ackerflächen. Gaben diese nicht mehr den gewünschten Ertrag, so ließ man sie liegen, die Heide bedeckte sie bald. Man eroberte neue Flächen, denn Platz war ja genug da. Es setzte diese Zeit etwa um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein. Von einem Bauern Gottschalk aus Harrie berichtet die Visio Godescalcii um 1190, daß er sich keine Mühe verdrießen ließ, zugleich seinen Nachbarn Eichen, Buchen und andere Bäume mit der Wurzel aus der Erde zu graben, um durch Besaung seine Ländereien zu erweitern. Auch Wiesenland verfiel dem Pflug. Als man dann nach 1500 vermehrte indviehaltung aufkam, mußten neue Wiesen zur Gewinnung des Winterfutters gewonnen werden. Was dem Acker gehörte, konnte nicht entbehrt werden. So wurde der Kampf gegen das Wasser aufgenommen, Sümpfe und Fischteiche verschwanden, Auwiesen wurden gewonnen.
Das Bild der Feldmark veränderte sich dauernd, besonders in den beiden letzten Jahrhunderten. So erzählen die Flurnamen uns manches aus der Geschichte unseres Dorfes: (Die Zahlen bezeichnen die Nummern nach der Flurkarte).
1. Rüm, geräumtes Land.
2. Brüggkoppel, Koppel bei der Innier Brücke.
3. Landwegskoppel, am Landweg nach Innien.
4. Winkelsteinsmoor, jetzt Schulkoppeln.
5. Neuland, nach 1782 urbar gemacht.
6. Wetjen (Wetten), war mit Weiden bestanden. Noch heute zeigen die Grabenkanten, soweit sie nicht durch Drainage überflüssig geworden sind, Weidenbewuchs.
7. Heselwisch, von Hasel ?
8. Neekoppel, wie Neeland (5).
9. Leeschrehm, von Liesch (Leesch), Waldstreifen an Wiesen, in denen viel Leesch (Glyceria aquatica Whlnb.) wuchs.
10. Rethbrock hatte starken Rethbestand, der z.T. den Stoff zum Bedecken dér Hauser lieferte.
11. Fuhlenau, Wiesen an der Fuhlenau.
12. Fuhlenbrock, liegt an der Fuhlenau, die vor der Regulierung um 1925 fast einem stehenden Gewässer glich, also wirklich eine faule Au war.
13. Rühmlandsbarg, vom Wald geräumter Berg. Die Karten in Dankwerths Landesbeschreibung zeigen noch den Wald, den die Schweden 1658 abgebrannt haben sollen.
14. Großen Moor, 1810 verteilt, damals noch nicht zum Torfstich in Angriff genommen, heute fast abgegraben.
15. Törfmoorsviert, (vergl. 20.)
16. Pahlkoppel und Armenkoppel. Erstere gehörte früher einem Pahl aus Innien. Ihren alten Namen kennt man nicht mehr. Als sie an einen Böker Besitzer kam, nannte er sie nach dem Vorbesitzer. Die Landmesser um 1870-80, die diesen Vorgang nicht kannten, verhochdeutachten Pfahlkoppel.
17. Sandbarg, Innier Enklave,
18. Lohkoppeln, hier stand Eichenschälwald, der in gewissen Zeitabständen im Frühjahr zur Zeit des ersten Blatttriebs gefällt und abgeborkt (entrindet) wurde. Die Eichenrinde (Lohe) wurde von den Schustern zum Gerben gebraucht, zuletzt wurde in Böken um 1920 geborkt. Die mit der Häckselmaschine gehäckselte, getrocknete Lohe wurde vom Sarlhusener Müller aufgekauft, gemahlen und an die Gerbereien verkauft. Nun ist die Lohe durch ausländische Gerbhölzer und andere Gerbverfahren überflüssig gemacht.
19. Krützkamp, reichte in den Sandberg hinein bis an das Wegekreuz.
19a. Jebenkamp?
20. Viert, Grenzheide, dort lag von 1734-40 eine Glashütte, die ihre Öfen mit Torf heizte. Die Koppel heißt Glasviert.
21. Voßbarg, Fuchsbauten.
22. Bast. Aus den dort wachsenden Linden gewann man den Bast als Bindemittel: Noch heute erinnern die in den dortigen Knicks wachsenden Lindenbüsche daran.
23. Kinnerkamp. Er dürfte seinen Namen, was ähnlich wie der Barnhyg im Schleswigechen aus sehr alter Zeit haben. Er kann die Stätte sein, wo sie Kinder begraben wurden. Gegenüber auf der Lohkoppel lat der Urnenfriedhof von 800 v.C.
24. Hunnenkamp. Die Jagd auf den Dorffeldern stand am Beginn der Neuzeit (ca. 1500 n.C.) dem Grundherrn zu, bei uns dem Amtmann von Rendsburg. Sie wurde hinter der Meute (große Zahl von Hunden) ausgeübt. Diese mußten von den Beuern verpflegt werden, bis einer von ihnen die Sache allein übernahm. Er bekam dafür die Nutzung eines Stückes der Feldmark Hunnenkamp. Als sie Jagd mit der Meute aufhörte, mußte der betreffence Bauer statt der Fütterung der Hunde eine Roggenabgabe an den Amtmann liefern. Amtmänner waren von 1640-1698 die Rantzaus von Breitenburg und Drage, und, als diese Amstmannsfamilie zu Ende war, blieb die Lieferung der 3 Tonnen Roggen von der Hufe 4 an Drage bestehen, da man inzwischen die Ursache der Lieferung vergessen hatte. In Imnien lieferte nech um 1900 die abgebrochene Hufee von Claus Carstens 1 Tonne Hunderoggen an Ehmkendorf.
25. Kleefkamp, Kamp an Wiesenabhang.
26. Schmahensklink. Ich kenne keine Deutung.
27. Schaarmoor, am schrägen Abhang des Bast liegendes Moor, nach 1843 urbar gemacht.
28. Mastbrook, Brook ist Sumpfwald. Der Mastbrook hatte aber auch Eichen- und Buchenbestand. In ihn wurden, wenn die Eicheln und Bucheckern abfielen, die Schweine des Dorfes getrieben, um sich an diesen Früchten zu mästen. Nach 1898 hatte Böken so reichliche Mast, daß genug für alle Schweine des Dorfes vor handen war.
29. Mastbrookkoppel.
30. Twissel = Zwilling. 1724 waren hier zwei Koppeln vorhanden, die wohl nobeneinander lagen, Zwillinge,
31 u. 32. Vörsten Horst, früher vörsten Bookhorst. Horst = Baumhaufe. Hier nistete noch um 1890 der schwarze Storch.
33. Bockhorst (Bookhorst), Buchenhaufe. Die Buchen sind um 1860 gefällt.
34. zu 30.
35. Osterwisch.
36. Weddelstücken. Weddel = Furt durch die Au.
37. Kallhornsmoor. Kallhorn = Kohlenecke. Holzköhlerei.
38. Hüttenkölln, Köhlerhütten. Eisenverhüttung.
39. Iloh, vielleicht von Isernloh. Der Eisenwald.
40a. Mitbeken, Koppeln am Mitbek = Wiesenbach, von mede = mähen.
40b. Neenkamp. Im Gegensatz zu Ohlenkamp.
41. Böfskoppel = oberste Koppel.
42. Ohlenkamp, im Gegensatz zu Neenkamp.
43. Auberg, Höhe an der Au, nach 1800 urbar gemacht.
44. Hollenbarg, Hollen (Holn) = Hölln = Hölzung, davon auch Höllenau.
45. Neekoppel.
46. Hollenmoor, wie 44.
47. Börnkuhl, Börnredder. Von börnen = tränken. Das Vieh, das vom Kohharder gehütet wurde, brauchte Tränkstellen. Vom Fünfwegekreuz an der Chaussee (dem alten Hexentanzplatz) zwischen der vordersten Schulkoppel und der Landwegskoppel führte das Börnredder zu einer Tränkstelle an der Au. Heute ist das Treiben des Viehes nach einer Börnkuhl nicht mehr nötig, da auf allen Weiden fließendes Wasser oder Brunnen vorhanden sind.
48. Hamoor ?
49. Rehorn, Rehecke.
50. Entensoll. Soll = Tümpel. Hier waren noch 1843 zahlreiche flache Wassertümpel vorhanden, wo viele Enten nisteten[1].
Fußnoten
- ↑ Duchgestrichen wurde am Ende:Aufgabe: Zeichne die Flurkarte Deines Dorfes und trage nach Befragen der alten Leute die Flurnamen ein. Die Flurkarte bei dem Bürgermeister enthält oft Fehler durch Verhochdeutschung der Namen. Manche Namen fehlen auch.