Archiv:Kreuz und quer durch den Aukrug

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Kreuz und quer durch den Aukrug

Kreuz und quer durch den Aukrug, Bericht in der Landeszeitung vom 25. September 1936. Angesichts der Kenntnisse zur Aukruger Geschichte darf Georg Reimer als Autor vermutet werden.


Wer es nicht weiß, dem soll es gesagt sein: Fünf Dörfer umfaßt der Aukrug: Innien, Homfeld, Bargfeld, Bünzen und Böken. Und es soll weiter gesagt werden, daß dieses Gebiet tausendjährige Geschichte von Bedeutung trägt, zu den landschaftlich schönsten Gegenden Holsteins gehört, eine Bevölkerung hat, die sich durch Schaffensfreude, Unternehmungslust, Tüchtigkeit und Fleiß auszeichnet und auf alles, was sie geschaffen hat, mit gutem Recht stolz ist.

Die Aukrüger schufen sich in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ihre eigene Kirche und eine freie Kirchengemeinde dazu. Damit lösten sie sich von Nortorf. Vor fast vierhundert Jahren nahm ihnen ein Nortorfer Kirchenältester alles Gold, Silber und Opfergeld aus ihrer Kapelle. Mir nichts, die nichts! Daher hatten die vom Aukrug von den Nortorfern genug.

Vor wenig Tagen konnten sie das fünfzigjährige Bestehen ihrer Molkereigenossenschaft feiern. Die Gnutzer wollten ihnen damals indessen nichts nachgeben, taten das Gleiche und werden im Oktober dasselbe Fest feiern. Das heißt, wenn die Gnutzer sich einig werden, und das ist mitunter nicht so leicht, als bei ihren Nachbarn im Aukrug. Sie haben sich Wind um die Ohren wehen lassen müssen, die Aukrüger. Hier lief die Lübsche Trade, der alte Handelsweg von Lübeck nach Dithmarschen. Hier lief die belebte Landstraße Kiel-Itzehoe-Glückstadt. Hier lief der Transit-Weg von Rendsburg über Bramstedt nach Hamburg. Und, was die Hauptsache war, hier fließt die Bünzau, auf der vom Schlusshafen in Bünzen große Lasten Holz nach Süden geschleppt wurden. Gar nicht zu reden von der im Jahre 1877 erbauten westholsteinischen Eisenbahn.

An diesem Gewässer liegt seit 1568 die berühmte Bünzener Wassermühle. Durch Jahrhunderte war sie bis heute ein Wirtschaftsbetrieb von großer Bedeutung für das Gebiet. Alle Dörfer des Aukrugs mit Einschluß von Gnutz waren, sofern sie königliche Untertanen hatten, ihrem Mühlenzwang unterworfen. In diesen Tagen waren Techniker und Beamte des Reichsrundfunks hier an der Arbeit, um den interessanten Mühlenbetrieb für kulturhistorische Sendezwecke aufzunehmen.

Was soll ich erzählen von dem Bocksberg, vom Landsberg, vom Tönsberg, den höchsten Erhebungen des Hennstedter Höhenzuges mit ihren weiten, schönen Aussichten, von dem wasserreichen Niederungsgebiet mit den herrlich gelegenen Fischteichen!

Vom Bökener Weg beginnend bis Innien und darüber hinaus nach Hennstedt hat der Reparaturbau der wichtigen Landstraße begonnen, dem der weitere Ausbau nach Nortorf zu folgen wird. Einer gründlichen Bekiesung bedarf auch der Weg nach Heinkenborstel, eine schöne, übersichtliche Verkehrsstraße durch Wiesental und Wald, die über Heinkenborstel hinaus nach Hütten und Bargstedt reizvollen Anschluß gefunden hat durch Anlage einer neuen Teerchaussee.

In diesen Tagen erfolgt die Entlassung unserer jungen Arbeitsmänner des Reichsarbeitsdienstes, des Zuges 3/74 in Innien. Sie haben ihrer einjährigen Dienstpflicht genügt und während der Zeit im Gebiet viel und gute produktive Arbeit geleistet. Der erste Zug der Belegschaft baute die neue Teerstraße von Heinkenborstel nach Oldenhütten. Der zweite Zug arbeitet am Ausbau eines wichtigen Gemeindeweges, der von Heinkenborstel in das umfangreiche Wiesengebiet der Fuhlenau hinabführt. Der dritte Zug arbeitet an der Regulierung und Uferbefestigung von rechten Zuflüssen der Buckener Au in der Feldmark von Innien. Anläßlich der Entlassung der Arbeitssoldaten hatte der zweite Zug eine schöne Abschiedsfeier im Gasthof von Heinkenborstel. Wenige Tage danach machte die ganze Belegschaft des Lagers unter Führung des Lagerführers Wulf und unter Vorantritt der Lagerkapelle einen letzten geschlossenen Besichtigungsmarsch über all die Arbeitsplätze. Fröhliche und ernste Erinnerungen knüpfen sich für alle daran und wecken in jeder Brust das Bewußtsein, eine heilige Pflicht für Heimat und Vaterland erfüllt zu haben. Und all die alten Knaben, die an Straßen und Wegrändern stehen, fühlen mit den Pulsschlag der neuen Zeit, der in Volk und Vaterland in so kurzer Zeit spürbar geworden ist und Gewaltiges vollbracht hat. Ein herzliches Lebewohl und ein frohes Wiedersehen begleitet unsere jungen Arbeitssoldaten.

Neue Arbeiten liegen vor uns, auch in diesem Bezirk. Der alte Lauf der Höllenau bedarf der Regulierung. Heide- und Moorflächen warten auf Kultivierung und Aufforstung. So z. B. das weite Gebiet von Mastbrook. Denn hier liegt eine Lücke in der Landschaft. Um 1660 haben die Schweden hier große Waldbestände mutwillig abgebrannt.

Die Meinung, daß durch Regulierung der Bäche die Fischbestände zugrunde gehen, trifft nur in den ersten Jahren nach Vollendung der Arbeiten bedingt zu. Bereits heben sich in den oberen Fließen die Bestände der Wildfische. Hechte und Aale kommen wieder, und im Herbst, wenn die Forelle wandert, kehrt auch sie wieder zu uns zurück. Die Wollhandkrabbe verschwindet aus den oberen Gewässern mehr und mehr, weil sie wahrscheinlich die Abwässer aus Mooren nicht vertragen kann. Die vielen Funde großer Schalen dieses Schädlings weisen darauf hin.

Die alte ewige Sehnsucht nach einer guten Wegeverbindung vom Aukrug nach Neumünster wird sich wohl nicht so bald verwirklichen lassen. Heute drängen wichtigere Probleme nach ihrer Lösung. Wir haben ja auch unsere gute Eisenbahn. Sie könnte wohl manchmal etwas plötzlicher und häufiger in die Erscheinung treten. Aber wir wollen uns bescheiden, denn Mittelpunkt der Welt sind wir immer noch nicht, wenn wir auch, alle Mann, auf unseren Aukrug stolz sind und ein gutes Recht dazu haben.