Archiv:Niemandsland zwischen Bargfeld und Wiedenborstel

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Gerhard Schönheim: Niemandsland zwischen Bargfeld und Wiedenborstel, in Heimatkundliches Jahrbuch 1976 für den Kreis Rendsburg, Seite 92f

„Op'n Steendamm" heißt ein altes kopfsteingepflastertes Wegestück südlich Bargfeld. Mitten in der Pflasterstrecke liegt ein etwa 12 m langer unbefestigter Teil, und dann geht die Pflasterung weiter bis fast an die Kreisgrenze, wo die Straße zweispurig mit neuer Schotterdecke seit dem Vorjahre ausgebaut worden ist.

Die Pflasterlücke wurde im Heimatkundeunterricht der Schulen im Aukrug erklärt: Bargfeld und Wiedenborstel hatten die Straße zu unterhalten, dabei war man sich über die Grenze uneins und baute halt nur so weit, wie man es für nötig hielt, und sicherlich haben beide ihr Gemeindesäckel geschont. Man gehörte jeweils zu einem anderen Amt, die aufsichtsführende Kanalbaukommission war weit und hatte andere Sorgen, es ging ihr um die Rentabilität des 1784 fertiggestellten Schleswig-Holstein-Kanals, dessen Schiffsverkehr die Erwartungen nicht erfüllte.

Eine Straße, die für Pferdefahrzeuge die Strecke nach Hamburg um eine Tagesreise abkürzte, müßte den Frachtverkehr nach Rendsburg ziehen, wo man auf den Kanal umschlagen und weiterbefördern könnte. Zu diesem Zweck wird unter Ausnutzung vorhandener Wegstrecken mit kurzen neu zu bauenden Zwischenstücken ein Transitweg ausgebaut, und zwar von Rendsburg über Bramkamp, Jevenstedt, Nienkattbek, Holtdorf, Oldenhütten, Heinkenborstel, Innien, Bargfeld, Sarlhusen und Bramstedt nach Ulzburg, wo die schon früher gebaute Straße nach Altona erreicht wurde. Den Ausbau trug die Kanalverwaltung, die Unterhaltung war Sache der anliegenden Dörfer.

Georg Reimer hat in seiner „Geschichte des Aukruges“ (1959) Entstehung und Bedeutung des Transitweges eingehend dargestellt, wir entnehmen aus seinem Werk, daß sich die wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt haben. Die Hamburger Kaufleute scheuten nicht die 25 km Umweg über Neumünster nach Kiel oder beförderten per Schiff über die Nordsee in die Eider und weiter in den Kanal.

Mit der Elblockade, von den Engländern 1803 im Rahmen der Kontinentalsperre gegen Napoleon verhängt, stieg der Verkehr auf dem Transitweg zum Wohle der Anlieger, 1813 jedoch, als Russen, Schweden und Preußen gegen die mit Napoleon verbündeten Dänen auf ihm nach Norden marschierlen und ihren Nachschub rollen ließen, brachte er Not und Elend.

Nach der Wiederherstellung des während des Krieges völlig zerfallenen Weges durch die Dorfschaften, damals mag auch das Niemandsland zwischen Bargfeld und Wiedenborstel entstanden sein, wurde die Straße 1828 wieder freigegeben. Nun flutete der Verkehr von Norden mit den großen Ochsentriften aus Jütland, die über den Transitweg nach Hamburg getrieben wurden. Die Gasthöfe, in denen die Händler und Treiber übernachteten, und daher stammt auch der frühere Name Ochsenkrug für das heutige Hotel und Restaurant Aukrug-Tivoli.