Archiv:Partnerschaft Aukrug-Sién (2025)

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PARTNERSCHAFT AUKRUG–SIÉN

In diesem Jahr feiert die Gemeinde Aukrug ihren 55.Geburtstag. Ein großes Ereignis. Im letzten Jahr feierte der Verein „Partnerschaft Aukrug- Sién“ sein 30-jähriges Bestehen und im Jahr 2018 konnte das 20-jährige Bestehen der kommunalen Partnerschaft zwischen den Gemeinden Aukrug und Sién gefeiert werden. Doch der Reihe nach. Wie hängen diese Jubiläen zusammen und was ist dadurch bewegt und geschaffen worden?

Am 06.09. und 07.09.1991 besuchte die damalige Botschafterin Burkina Fasos, Madame Sophie Sow, ein Treffen ehemaliger Entwicklungshelfer in Aukrug. An diesem Treffen nahm auch der damalige Bürgermeister Aukrugs, Reimer Reimers, teil. Im Lauf des Treffens regte Sophie Sow an, zwischen ihrer Heimatgemeinde Sién und der Gemeinde Aukrug eine Partnerschaft zu etablieren. Um diesen Wunsch realisieren zu können, wurde zunächst am 03.02.1994 von 14 Bürgerinnen und Bürgern Aukrugs der Verein „Partnerschaft Aukrug- Sién“ gegründet. Heute hat der Verein fast 100 Mitglieder.

Die Gemeinde Aukrug trat dem Verein bei und ist seitdem im Vorstand des Vereins mit jeweils einem/ einer Delegierten pro Fraktion (zurzeit vier) stimmberechtigt vertreten.

Schon in den Jahren 1993/94 stellte die Gemeinde insgesamt 7000,- DM zur Verfügung um erste Hilfsprojekte in Sién zu finanzieren Im Jahr 1995 konnten durch Mitgliedsbeiträge und zahlreiche Spenden 18.100 DM für Projekte zur Verfügung gestellt werden. Dabei handelte es sich um die Unterstützung der Schule in Sién, Kosten für eine erste Staudammplanung, den Bau einer Tierimpfstation, einen Kleinkreditfond und ein Stofffärbe- und Batik-Projekt.

Bis Ende 1997 besuchten insgesamt dreimal Aukruger Delegationen Sién, um alle Projekte und Hilfsmaßnahmen mit der dörflichen Vereinigung zur Entwicklung Siéns (A.D.E.S.I.) abzustimmen und gemeinsam an der Dorfentwicklung zu arbeiten. Selbstverständlich wurden und werden alle Reisekosten der Aukruger Besuche in Sién von den Teilnehmenden privat getragen.

Aufgrund des so entstandenen Vertrauens wurde von allen Beteiligten beschlossen zum Jahreswechsel 1997/98 einen offiziellen Freundschafts- und Partnerschaftsvertrag abzuschließen, der vom Aukruger Bürgermeister und vom Vorsitzenden des Vereins „Partnerschaft Aukrug-Sién“ in Aukrug und von offiziellen Vertretern Siéns und der Regierung Burkina Fasos in Sién unterschrieben wurde. Acht Aukruger Gäste nahmen daran teil. In der Präambel des Vertrages wurden folgende Ziele und Grundsätze definiert:

  • aktiver Meinungsaustausch und Vermittlung von Informationen
  • Kulturaustausch
  • Zusammenarbeit der Schulen
  • wirtschaftliche Kontakte
  • Gestaltung und Schutz der Umwelt
  • Ausbau kommunaler Einrichtungen
  • Förderung von Kontakten und Besuchen zwischen Bürgerinnen und Bürgern beider Dörfer

Schwerpunkte der Hilfs- und Projektarbeit waren (besonders in den Anfangsjahren) Finanzhilfen zur Lebensmittelversorgung, um Hungersnöte zu vermeiden. Die bauliche Sanierung der Schule und Finanzhilfen für Unterrichts- und Lehrmittel waren und sind ein weiterer Schwerpunkt.

Mit großer Unterstützung des Clubs Rotary Neumünster Vicelin wurde besonders die Ausbildung von Jugendlichen und Frauen gefördert sowie Kleinkredit-Fonds für die Dorfbewohner eingerichtet. Auch an allen großen Baumaßnahmen beteiligte sich Rotary Neumünster Vicelin in erheblichem Umfang.

Zahlreiche Besuche von Aukrugern in Sién und von Gästen aus Sién in Aukrug wurden durchgeführt, um die vielen Vorhaben und Projekte zu planen und durchzuführen.

Davon sollen nur die drei größten genannt werden. Um die Wasser- und Lebensmittelversorgung zu verbessern, wurde nach drei Jahren Planungszeit von Dezember 2003 bis Ende 2004 der Staudamm für ein Regenwasserrückhaltebecken gebaut. Wasserfläche ca. 30 Hektar. Baukosten: 87.369 €, davon 37.500 € vom BMZ (Bundesmittel), 7.500 € von der Gemeinde Aukrug, 25.900 € Mitgliedsbeiträge unseres Vereins plus Spenden; 11.266 € Eigenleistung der Gemeinde Sién.

Dieses Projekt ist zum Segen für die Bewohner Siéns geworden. Ihre Brunnen führen wieder ganzjährig Wasser, das Vieh (auch der Nachbargemeinden) kann getränkt werden und Obst- und Gemüseanbau wurden möglich.

Ein zweites großes Projekt war die Erweiterung der Schule um drei Klassenräume und der Bau von drei weiteren Lehrerwohnungen, um die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Bis dahin mussten jeweils zwei Jahrgänge der sechsjährigen Grundschule in einem Klassenraum unterrichtet werden, mit bis zu hundert Kindern in einem Klassenraum und insgesamt nur drei Lehrern/Innen. Dieses Projekt mit Gesamtkosten von 69.338 € wurde 2008/09 fertig gestellt, wieder mit erheblichen Mitteln des BMZ (49.000 €), 7.500 € übernahm die Gemeinde Aukrug, 13.434 € brachten unser Verein und das Dorf Sién auf. Drei weitere Lehrkräfte wurden vom Staat eingestellt.

Die Erweiterung der Schule hat den Unterrichtserfolg der Schüler wesentlich verbessert, so dass auch die Zahl der Kinder, die nach der sechsjährigen Grundschule die Mittelschule besuchen können, stark angestiegen ist.

Das jüngste, größte Projekt, der Bau einer Kranken- und Geburtsstation (CSPS) wurde von 2015 bis 2016 durchgeführt und im Beisein von fünf Aukruger Gästen feierlich eingeweiht. Die Einrichtung besteht aus zwei Gebäuden (Geburtsstation und Krankenstation) sowie zwei Häusern für die Hebamme und die Krankenschwester, den Sanitäreinrichtungen, einem Brunnen und einer Umfassungs-/Schutzmauer rund um den Gebäudekomplex. Damit konnte die medizinische Versorgung der Einwohner Siéns und der benachbarten Dörfer maßgeblich verbessert werden. Gesamtkosten: 196.000 €; BMZ-Mittel: 124.000 €, Rotary- Mittel: 25.000 $, Eigenleistung Sién: 22.000 €, 25.000 € vom Verein „Partnerschaft Aukrug-Sién“. Im Jahr 2022 wurde die CSPS um ein Apothekengebäude und ein drittes Wohnhaus für eine Krankenschwester erweitert.

Neben diesen großen Projekten zur Verbesserung der dörflichen Infrastruktur wurden aber auch die Bauern und Viehzüchter des Dorfes durch Finanzhilfen erheblich gefördert. Das betraf die Ackerbauern (Kredite für Geräte und Zugtiere), die Rinder-, Schaf- und Geflügelzüchter. Auch die Bienenhaltung wurde möglich gemacht. Obwohl bereits viel geleistet wurde, um in partnerschaftlicher Zusammenarbeit die Lebensverhältnisse in Sién zu verbessern, bleibt auch in der Zukunft noch viel zu tun. Das betrifft vor allem die Förderung der jungen Menschen in Sién, um ihnen eine gute Aus-/Bildung zu ermöglichen, damit sie in diesem so armen Land eine Perspektive für ihre Zukunft sehen.

Unsere Partner/Innen in Sién mit dem jungen A.D.E.S.I. Vorsitzenden Victorien Ky haben eine Liste von insgesamt 21 „To-Do-Punkten“ aufgestellt, die das Dorf bearbeiten will, praktisch ein kurz- bis langfristiges Dorfentwicklungsprogramm – Kommunalpolitik pur.

Vieles können unsere Partner in Sién aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln umsetzen. Bei zahlreichen Dingen würde es mit unserer Hilfe schneller gehen. Einige Projekte werden die Einwohner Siéns allein kaum oder nur sehr schwer schaffen können. Es gibt also gute Gründe für die Gemeinde Aukrug auch im Zeichen der 55-Jahrfeier die geplanten Aktivitäten in Sién tatkräftig zu unterstützen, zusammen mit dem Verein „Partnerschaft Aukrug-Sién“ sowie unseren Freunden und Förderern.

Reimer Reimers, Ehrenvorsitzender