Archiv:Saat und Ernte (Mein Dorf)

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Saat und Ernte

1724. Der Ohlenkamp soll mit Roggen bestellt werden, Bauer und Knecht holen die schweren hölzernen Fflüge aus der Scheune, sehen sie nach, verkeilen alle Teile gut, denn Schrauben hatte kein Pflug. Alle Teile des Pfluges sind aus Holz, sogar das Streichbrett, nur Schar und Seek sind aus Eisen. Am Montag geht es los. Die Pflüge werden auf Wagen mit hölzernen Scheiben als Räder (Scheibenwagen) geladen. Jeder Vollhufner stellt zwei Pflüge für seine Stücke Land.

Alle Pferde, auch die sogenannten "Holzpferde" die nur in der Zeit der Arbeitsspitzen herangeholt werden, sonst aber ihr Futter auf den Heiden und in den Waldungen suchen müssen, sind arbeitsbereit. 4-6 Pferde ziehen den Pflug langsam durch den mageren Boden, der stark verqueckt ist. Ist das Stück gepflügt, so wird es mit der Egge mit Holzzinken bearbeitet, aber nur nicht zu sehr eggen, denn die Quecke muß geschont werden, da sie nach der Ernte das Futter für die Kühe geben soll. Danach bindet der Bauer einen Sack um, in dem er Saatgut hat und streut im breiten Wurf den Roggen auf das Land. Der Knecht eggt die Saat ein. In wenigen Tagen ist der Kamp fertig bestellt. Ein Buschzaun war schon im vorigen Jahr nach der Aufbrechung aus dem Dreesch gesetzt, er wird nun ausgebessert.

Der Roggen ist gelb geworden. Bauervogt Marx Bracker und sein Nachbar Marx Voß gehen nach dem Roggenschlag, um zu sehen, ob der Roggen gemäht werden kann. Mit der geöffneten Mütze schlägt er von unten nach oben in die Ähren. Eine Anzahl Körner liegen in der Mütze. An mehreren Streifen des Kamps wiederholt er diese Früfung der Reifung mit dem gleichen Erfolg. Der Roggen ist reif zum Schnitt. Die Bauern versammeln sich beim Bauervogt und beschließen, daß sie am Dienstag mit dem Mähen beginnen wollen. Die Sensen werden gedengelt (haart), die Haken befestigt. Am Dienstagmorgen geht es zum Kamp. Der Bauer und der Knecht mähen, die Mädchen binden. Handwerker sind von einigen Bauern zur Hilfe angenommen, alle Kräfte des Dorfes sind eingesetzt. Einer hockt die Garben auf. Nur wenige Hocken stehen in der Reihe, wenige Fuder sind auf den Boden zu bringen, die Ähren sind nur klein. Das Wetter ist schön, am Ende der Woche kann man den Roggen ein fahren.

Dann kommt der Hirte mit den Kühen zur Stoppelweide. Jeder muß dann sein Korn eingefahren haben, sonst fallen die Kühe darüber her und der Bauer hat kein Anrecht auf Schadenersatz. Mit der Hungerharke (Über 2 m breite schwere Holzharke mit langen Holzzinken) wird das Stück abgeharkt, um auch die losen Halme zu erhalten. Bald erklingt des Klipp, klapp des Dreschflegels über die Hofstelle. Saatkorn muß gewonnen werden, und das Brotkorn war auch schon längst knapp geworden, mit den Ähren zur Mitte liegen zwei Reihen Gerben auf der Diele, sind die Drescher mit einer Lage fertig, so werden die Garben mit einer Geffel (zweizinkige Holzforke) gewendet und nochmals gedroschen. Denn schüttelt man die Gerben aus, bindet sie mit einem Strohband zu Klappen, harkt das lose Stroh ab und schiebt den ausgedrochenen Roggen mit einem an einem Harkenstiel befestigten Brett in eine Ecke der großen Diele. Der Platz für eine neue Lage ist frei.

Ist nach einiger Zeit genügend Roggen abgedroschen, so beginnt das Reinigen. Maschinen dazu sind nicht vorhanden. Mit einer kurzstieligen Schaufel aus Holz wirft der Bauer das Korn die Diele entlang. Spreu und Staub fliegen, die besten Körner klatschen gegen die Dielentür, die leichteren bleiben schon vorher liegen. So wird das Korn gereinigt und sortiert.

Anders sieht z.T. die Saat und Erntearbeit um 1860 aus. Jeder Bauer hat nun seine größeren Koppeln. Er braucht sich nicht um die Saat und Ernte der anderen zu kümmern; er sät, was er will, mäht, wenn sein Korn ihm reif erscheint, fährt ein, wenn es ihm paßt. Aber die Gerätschaften für die Landbestellung sind besser geworden. Die Pflüge haben ein eisernes Streichbrett bekommen, und statt der Keile verbinden Klammern und Schrauben die einzelnen Teile. Die Eggen haben jetzt eiserne Zinken (Um 1890 hingen noch Eggen mit Holzzinken an den Scheunen, sie wurden nicht mehr gebraucht). Das Land ist viel reiner geworden. Für die Ernte sind noch die gleichen Gerätschaften und die gleiche Arbeitsart üblich. Das Dreschen geschieht noch mit dem Dreschflegel, aber die Reinigung des Hornes geschieht mit dem "Weiher", der Staubmühle. In den achtziger Jahren kommen Breitsäer und Dreschmaschinen mit Göpelantrieb auf. Kurz nach 1900 erfolgt die Einführung der Drillmaschine. Die Göpeldreschmaschine wird um 1895 durch die Dampfdreschmaschine ersetzt, deren Lokomobile durch Elektromotor oder Trecker abgelöst wird. Dreschen und Reinigen erfolgt nun in einem Arbeitsvorgang.

Seit etwa 1895 benutzte man den Grasmäher auch für die Kornernte, bald darauf auch den "Ableger" und nach 1920 den Selbstbinder. Auch Trekker werden eingesetzt. Die Arbeit ist leichter geworden. In der Heuernte gehen die Arbeiter schon früh um 3 Uhr nach der Wiese. Das Gras ist noch naß vom Tau, so mäht es sich leichter. Um 6 Uhr kommen die Mädchen mit einer tüchtigen Portion Pfannkuchen, die als Morgenkost verzehrt wird! Dann mäht man weiter. Die Mädchen streuen die Schwaden mit einer Heuharke auseinander. Gegen 10 Uhr wird mit dem Mähen aufgehalten, und nun geht es nach einer anderen, schon gemähten Wiese, um das Heu zu kehren. Das geschieht mit einer Heuharke. Ist das Heu genügend angetrocknet, so wird es mit der Heuharke in Reihen (Wreden) zusammengeharkt und dann mit der Heuforke zu Diemen zusammengelegt. Vor dem Einfahren werden sie meistens nochmal auseinander gestreut und gediemt.

Heute ist diese Art der Heuernte nur noch auf Wiesen gebräuchlich, die für Pferde zu weich sind. Sonst benutzt man Grasmähmaschinen, Heuwender, Heuharke und zum Abladen den Heuaufzug. Menschliche Arbeitskraft wird weitgehend durch Maschinen ersetzt. So kann der Bauer mit verhältnismäßig wenig Leuten den sehr viel größeren Arbeitsanfall erledigen und dadurch seine Waren billiger abgeben.