Archiv:Sitten und Gebräuche (Mein Dorf)
Sitten und Gebräuche
Große Hochzeit (Etenköst)
Dieser Artikel wurde unverändert bereits im Heimatkundlichen Jahrbuch 1951 für den Kreis Rendsburg veröffentlicht und befindet sich im Archiv:
Begräbnis
Wenn jemand gestorben ist, werden sofort die Frauen der Nachbarschaft benachrichtigt. Dazu gehören bestimmte Häuser, etwa 8–10. Die Frauen gehen sofort ins Sterbehaus, waschen und kleiden die Leiche. Sie legen sie auf eine ausgehakte Tür oder ein breites Brett und decken sie mit einem besonderen Leichenlaken oder mit einem Bettlaken zu. Dann wird ihnen Kaffee und Brot oder Kuchen angeboten. Ist der Sarg geholt, so kommen dieselben Frauen wieder zusammen, um den Toten in den Sarg zu legen und zu schmücken. Wieder gibt es Kaffee und Kuchen. Am Begräbnistage werden die Nachbarsleute zum Mittagessen geladen. Es gibt frische Suppe, früher auch wohl Mehlbeutel. Die Leiche wird dann von dem Lehrer und einigen Kindern ausgesungen und nach einem Vaterunser von den Nachbarn auf den Leichenwagen gebracht. Der Leichenzug geht den Hauptweg des Dorfes entlang, Nebenwege werden nur benutzt, soweit das vom Sterbehause an den Hauptweg nötig ist. Die Leichenfeier findet in der Kirche statt.
Als wir noch zu Nortorf gehörten, mußte die Leiche den weiten Weg dorthin machen, oft bei Eis und Schneewetter über Knicks und Koppeln. War der Leichenzug von Kirchturm aus zu sehen, so wurden die Glocken geläutet, in älterer Zeit von Leuten aus dem Dorfe, die Leichenfeier fand in der Kirche oder in einem Wirtshaussaal statt. Nach der Rückkehr vom Grabe gab es in einem Wirtshaus für das Gefolge frische Suppe oder Kaffee mit Brot und Kuchen. Nach der Heimkehr wird den Trägern und ihren Frauen und den Verwandten im Sterbehause Kaffee, belegte Brötchen und Kuchen geboten. Als Fuhrwerk wurde früher ein schwarz angestrichener Ackerwagen benutzt, seit etwa 40 Jahren aber ein Leichenwagen.