Archiv:Unsere Schule (Mein Dorf)
Unsere Schule
„Als die Mönche unser Land verließen, als die Lateinschule in Rendsburg verwaiste, nahm sich die evangelische Kirche des Volksunterrichts in den Kirchspielschulen an, in denen der Organist im Christentum, d.h. Katechismus, also auch Lesen und Gesang unterrichtete.“
Unsere Kirchspielsschule war in Nortorf. Ob aber Kinder aus Böken sie besucht haben ist sehr zweifelhaft, da die Entfernung 11 km beträgt. Wann unsere Dorfschule entstanden ist, ist nicht überliefert. Ich möchte ihre Entstehung in der Zeit vor 1600 annehmen, ohne den schlüssigen Beweis führen zu können. Die Zeit nach dem Einbruch Wallensteins 1627 scheint mir nicht geeignet dafür zu sein: 1662 finden wir die erste Andeutung einer Schule in Böken: Thies Wilken, Setzwirt auf der Hufe Nr.7, wird verpflichtet, seine Stiefkinder fleißig zur Schule zu schicken (Kontraktenbuch im Amtsgericht Nortorf). In den Akten der Kirche von Nortorf erscheinen unsere Schulen erst um 1730.
Pastor Reißich berichtet 1734 für die Synode in Rendsburg, daß es in Schulsachen in allen Dörfern schlecht bestellt sei. Die Schulen waren nur von Martini bis Lichtmessen (10. Novbr.- 2. Febr.) in Betrieb, und auch in dieser kurzen Zeit schicken die Eltern die Kinder unregelmäßig zur Schule, oft nur 3 oder 4 Tage in der Woche, "aus der Absicht, damit sie nur 6 Pf Schulgeld bezahlen dürfen, da sie sonsten 1 Schilling für eine volle Woche erlegen müssen."
Das Schulgeld betrug also 1 Schill. die Woche sollte der Schüler auch schreiben lernen, so mußte er 1 1/2 Schill., dazu auch rechnen lernen, so 2 Schill. erlegen. Der Schulmeister mußte das Geld selbst von den Eltern einziehen. Nur mit großen Mühen und vielen Verdrießlichkeiten konnte er es erhalten. Sollte es mit dem Schulwesen besser werden, so mußten "Beständige" Schulmeister angestellt werden, die das ganze Jahr hindurch Schule zu halten hatten, denen also eine Lebensstellung geboten wurde. Die einzelnen Dörfer konnten aber die Last für einen Schulhausbau und den Lohn eines Lehrers nicht tragen.
Darum plante man die Zusammenlegung mehrerer Dörfer zu einem Schuldistrikt Es liegen zwei Pläne für die Zusammenlegung vor: Böken mit Bünzen, Schulhaus in Böken, und Böken, Bünzen und Bargfeld mit dem Schulhaus in Bünzen. Böken hatte damals (1737) 22, Bünzen 18 und Bargfeld 11 schulpflichtige Kinder. Die Dörfer sträubten sich gegen die Zusammenlegung. Sie schützten vor: die weiten, schlechten Wege, besonders für die kleineren Kinder, die dann viel versäumen müßten, und die zu große Zahl der Schüler in solcher Sammelschule, bei denen der Schulmeister desto weniger Nutzen schaffen könnte:
„wie denn auch ein jeder, der nur ein wenig in Schulsachen bewandert ist, gestehen muß, daß ein Schulmeister bey 50 Kindern seine vollkommene Arbeit finden und mehrere nicht leicht mit Nutzen vorstehen, könne.“
1737! Trotzdem wurde 1740 die Zusammenlegung der drei Dörfer angeordnet und ein Riß in der Form einer niedersächsischen Bauernkate zugesandt. Die Schulstube war 14/15 Fuß, die Wohnstube 14/13 eine Küche und eine Schlafkammer je 9/8 Fuß groß. Außerdem befanden sich an der großen Diele ein Kuh- und ein Schaf- und Schweinestall. An der Wand gegen Schul- und Wohnstube befand sich der Schwibbogen, von dem aus die Bilegger (Öfen) in den beiden zu heizen waren. Der Bau ist nicht ausgeführt. Für den Unterhalt des Lehrers waren zu geben:
2 Tonnen Roggen und 2 Tonnen Buchweizen, freie Weide für 2 Kühe, 6 Schafe mit den Lämmern, 1 Schwein mit erkeln und 2 Gänse mit ihren Jungen des Sommers frei und ohne Hirtenlohn auf der gemeinen Weide gehen lassen, 3000 Pfund Heu und 1200 Pfund Stroh, 12 Fuder Torf und das gewöhnliche Schulgeld. Ausgeführt ist diese Anordnung nicht!
Auch die Einführung der Schulordnung von 1747 änderte die Verhältnisse nicht. Die Dörfer beantragten, in jedem Dorf eine eigene Schule halten zu dürfen. 1759 wurde das vom König genehmigt, 1760 wurden dann die Einkünfte der Böker Schule geordnet:
2 Tonnen Roggen, 1 Tonne Buchweizen, freie Weide für 1 Kuh, 6 Schafe, 1 Schwein und 2 Gänse, 3 Fuder Heu zu je 600 Pfd und 1 Fuder Stroh zu 500 Pfd, 11 Fuder Torf und das gewöhnliche Schulgeld. Damit war Böken von der Klippschule zur Nebenschule aufgestiegen, aber nur auf dem Papier, denn es blieb alles beim alten.
Der Dorfschulmeister Timm Kühl, Schneider von Beruf, hatte eine eigene Kate, in der er dem Dorf die Schulstube stellte. Somit war ein Schulhaus überflüssig! Von ihm heißt es 1768, daß er gänzlich unvermögend sei, länger im Amte zu bleiben, da "dieser alte Mann weder recht schreiben kann und die Rechenkunst nie gekannt habe". Über den Unterricht gibt uns ein Visitationsbericht über Timmaspe von 1736 Auskunft:
„Vormittags:
1. wird ein Morgen-Gesang gesungen,
2. Morgengebete gebetet,
3. Katechismusexamen gehalten,
4. die großen lesen und darauf schreiben oder rechnen sie,
5. die kleinen buchstabieren oder lesen, müssen auch aus dem Kopf buchstabieren, dann aber lesen wohl die großen, auch die kleinen buchstabieren nochmals.
6. wird ein Gesang gesungen und dann gebetet.
Nachmittags:
1. Ein Tischgesang gesungen, wohl auch ein anderer,
2. Sprüche aus der heil. Schrift recitiret.
3. darauf wie in den Vormittagsstunden.
4. ein Abendgesang gesungen und gebetet.“
So war es in allen Schulen des Kirchspiels Nortorf Vorschrift. Als nun 1770 Böken einen neuen Schulmeister bekam, mußte das Dorf ein Schulzimmer mieten, es wechselte oft jedes Jahr! Dazu wurden aber nur die kümmerlichsten Räume gegeben. Im Schulzimmer hatte der Schulmeister auch seine Schlafstelle. Das Dorf stellte Bett und Bettstellen. 1771 wurde angeordnet, daß bei jeder Schule ein Schulvorsteher zu ernennen sei, der die Einsammlung des Schulgeldes zu besorgen hatte. Damit war eine Quelle dauernden Ärgers zwischen Dorf und Lehrer beseitigt. Er mußte auch dafür sorgen, daß die Kinder vom 6. Jahre ab verordnungsmäßig zur Schule gehen und das Schulhaus jederzeit im baulichen Stande erhalten werde.
Ein Schulhaus mußte notwendig gebaut werden. 1778 erhielt Böken 2 Jahre Aufschub für den Bau. Es hatte schwere Hornviehseuche gehabt, und die Feldaufteilung erforderte viele Kosten. 1880 begann man mit der Errichtung eines Schulbhuses zu zwei Familien, die Hälfte frei für den Lehrer, die andere Hälfte zur Vermietung, um die Kosten des Unterhalts zu decken, jedoch sollte der Lehrer das Vorrecht haben, diese Hälfte zu mieten für 3 Rthlr. Als nun das Ständerwerk errichtet war, entstanden Streit über die Kostenaufbringung. Die Bauern verlangten, daß die kleineren Besitzer mit ihnen den gleichen Anteil aufbringen sollten. Das wollten sie nicht.
Zwei Jahre lag der Bau still. Erst durch militärische Exekution von täglich 4 Schill. (Täglich erschien ein Soldat und holte die 4 Schill. ab) wurde es möglich, den Bau fertigzustellen. Der Lehrer hatte aber Böken satt und ging an den Kanal, um sein Brot als Kanalarbeiter zu verdienen, obgleich er schon 12 Jahre zur großen Zufriedenheit der Schulinspektoren hier geschulmeistert hatte.
Das Haus mußte der Lehrer mit dem Kuhhirten teilen. Es wird später immer als Hirtenkate bezeichnet (Nr. 20) und als solche 1802 verkauft. Dabei ging das 1780 ausgelegte Schulland mit weg! Im Kaufkontrakt bedang sich das Dorf die Schulstube aus, es mußte diesen Teil des Hauses unterhalten.
Seit 1770 waren die Böker Lehrer junge, unverheiratete Leute. Oft wechselten sie jährlich. Aus einem Bericht des Pastors Domeier in Nortorf von 1797:
„Der bisherige Schulmeister (zu Böken) erhielt 33 Mk und seine Brotlieferung betrug 4 Mk, folglich zusammen 37 Mk. Die Schule wird in einem bestimmten Hause, aber in einem elenden Zimmer gehalten. Die Dorfschaft Böecken verdiente Vorwürfe, da die Hufner den Schullehrer jedesmal so wohlfeil als möglich mieten, sich dann von den Kätnern, Insten und anderen das nach einem gewissen Maßstabe bestimmte, Schulgeld geben lassen, welches oft schon zur Bezahlung des gemieteten Schullehrers hinreicht, und sie auf diese Weise ihre eigenen Kinder unentgeltlich zur Schule schicken können. Ihr Starrsinn, und ihre Sorglosigkeit in Sache der Erziehung hat sie bereits um einen braven Mann gebracht, den sie lieber entbehren, als ihm etwas zulegen wollten.“
Und ein anderer Bericht über diese Verhältnisse vom gleichen Jahre:
„Wir heben mit Recht bei der Bemerkung an, daß nichts dem Erfolge des Unterrichts schädlicher sein kann, als die noch immer fortdauernden Nebenschulen, insoferne als sich teils wegen der äußerst geringen Einnahme nur selten ein geschickter Mann zur Annahme einer solchen Stelle entschließen wird, teils aber auch die Freiheit, gewissermaßen die Lehrerstelle auf öffentliche Licitation (Unterbietung zu bringen und sie dem Mindestfordernden ad libitum zu verdingen, den Dorfeingesessenen einer solchen Nebenschule das Recht gibt, von Jahr zu Jahr, je nachdem sich ein billiger denkendes Subjekt findet, sich zu verändern und auf diese Weise, statt eines geschickten Mannes, einen völlig unerfahrenen 18jährigen Knaben zum Aufseher von oft mehr als 40 Kindern zu erwählen.Es ist daher unser herzlichster Wunsch, daß alle Nebenschulen unseres Kirchspiels als solche von nun an völlig aufhören und dagegen mit Distriktschulen verbunden werden mögen.“
Böken möchte mit Innien verbunden werden. Die Dörfer lehnten aber ab. Nun brachte das Schulregulativ von 1812 eine durchgreifende Änderung. Böken wurde Distriktsschule. Der Lehrer wurde nun von dem Propsten ernannt: Christoph Tiedemann. Sein Bruder war der Landinspektor Heinrich Tiedemann im Meggerkoog, dessen Sohn in der Kulturkampfzeit unter Bismarck Chef der Reichskanzlei war und geadelt wurde. Er war hier bis 1839 Lehrer und hat fast immer Streit mit der Gemeinde wegen seiner Einkünfte gehabt. 1818 wurde verfügt, 4 bonitierte Tonnen Lad für die Schule auszulegen, 1822 war noch nichts geschehen, aber einige Jahre später ist es geschehen.
Bei der Schule betrieb Tiedemann eine Hökerei, die ihn oft aus der Schulstube lockte. 1819 erhielt Böken wieder ein Schulhaus. Es ist noch da, Nr. 24 der Karten. Das Ständerwerk entstammte einer schon über 100 Jahre alten Verlehntskate aus Homfeld. Ausgefugt wurde es erst im Sommer 1822. Dabei mußten Räume für Schlafplatz und Feuerung neu geschaffen werden.
Nach endlosen Streitigkeiten wurde Tiedemann 1839 seines Dienstes entlassen mit einer Pension: Freie Wohnung, 2 Tonnen Roggen, 2 Tonnen Buchweizen, 4 Tonnen Kartoffeln, 12 000 Soden Torf und den Beitrag für die Witwenkasse.
Der Nachfolger Hans Friedrich Neelsen aus Seedorf blieb nur einen Winter hier. Er hat dann Theologie studiert und war Propst in Plön und Pastor in Ottensen. Er beantragte ein neues Schulhaus. Das wurde 1841 gebaut (Nr.26 der Karten). Das alte Haus wurde mit 10 Tonnen Land aus der Gemeinheit verkauft.
Bei der letzten Feldaufteilung 1842 bekam die Schule ihr Dienstland ausgelegt: 10 Tonnen je 340 Quadratruten. Vollständig urbar gemacht wurde es erst bis 1855.
Übersicht über die Diensteinkünfte der Schule. 1856.
| Geldeinnahme | 48 Rthlr. |
| Ertrag des Dienstlandes | |
| 1 1/2 Tonnen Roggenaussaat, 6 fältiger Ertrag 9 Tonnen, nach Abzug der Saat 7 1/2 Tonnen je 8 Rthlr |
60 Rthlr. |
| 3/4 Tonnen Buchweizenaussaat, Ertrag 8 fältig, 6 Tonnen, nach Abzug der Saat 5 1/4 Tonnen je 5 1/2 Rthlr |
28 7/8 Rthlr. |
| 4 Tonnen Kartoffelaussaat, Ertrag 8 fältig = 32 Tonnen, Aussaat abgerechnet. 28 Tonnen je 3 Rthlr |
84 Rthlr. |
| 2 Tonnen, Hafer, 3 fältiger Ertrag = 6 Tonnen Aussaat abgerechnet bleiben 4 In je 4 Rthlr |
20 Rthlr. |
| Summe | 192 7/8 Rthlr. |
| Lieferung | |
| 3 Tonnen Roggen a 8 Rthlr | 24 Rthlr. |
| 2 Tonnen Buchweizen a 5 1/2 Rthlr | 11 Rthlr. |
| 6000 Pfund Heu a 1000 Pfd 8 Rthlr. | 48 Rthlr. |
| Gesamtbetrag in Geldwert | 323 7/8 Rthlr. |
| dazu 32 000 Soden Torf | |
| Ausgaben: | |
| Unterhaltung der Befriedigungen............ 4 Rthlr Reinigung der Gräben............................. 8 Rthlr Bearbeitung der Kartoffeln.................... 16 Rthlr |
28 Rthlr. |
| Abgezählt ergibt Einnahme | 295 7/8 Rthlr. |
| Reichsmünze. |
Nachdem Schleswig-Holstein von dänischer Herrschaft befreit war, fand durch Patent vom 16.4.1864 eine Neuordnung, des Schurwesens statt. Den Gemeinden wurde das Wahlrecht für die Lehrer gegeben und die Verwaltung der Schule den Schulkollegien übertragen. Für diese waren die mündigen, dispositionsfähigen und kontribuierenden Mitglieder der Schulgemeinde wahlberechtigt. Wahlbar waren nur die, welche wahlberechtig waren, zur evangelisch-lutherischen Kirche gehörten und einen Grundbesitz im Werte von mindestens 15 00 mk Courant nach Landsteuer und Brandkassenwert hatten. Der Bauervogt war ständiges Mitglied und der Schulinspektor (Pastor) der Vorsitzende. Die Vornahme der Wahl war Sache des Bauervogts.
Es wurden nun drei Gemeindemitglieder gewählt. Einer besorgte die Leitung der Hand- und Spanndienste für die Landwirtschaft des Lehrers, der zweite hatte die Schulrechnung zu führen und das Schulgeld, d.h. die Beiträge für die Schulkasse zu sammeln, der dritte beaufsichtigte die bauliche Unterhaltung des Hauses. Durch das Patent wurde auch das Einkommen der Lehrerstelle um 108 Mk erhöht.
Mit der Neuordnung des Diensteinkommens 1897 wurde das Dienstland von der Lehrerstelle abgelöst und das Gehalt in bar bezahlt. Es waren 7,3550 ha, Dienstland und 4,2162 ha Moor bei der Stelle vorhanden. 1927 brachte die Verpachtung des Dienstlandes 1260 RM ein, sodaß damit die Beiträge an die Landesschulkasse bezahlt werden konnten, die Gemeinde also zum Gehalt des Lehrers keinen Pfennig aus Steuermitteln aufzubringen hatte. Mit der Aufgabe der eigenen Landwirtschaft des Lehrers fiel ein Bindeglied weg, das den Lehrer in die Schicksalsgemeinschaft des Dorfes stellte, es fiel aber auch der Zankapfel der Hand- und Spanndienste weg. Mit der Einrichtung der Landesschulkasse hörte auch die direkte Gehaltszahlung an den Lehrer auf.
1909/10 wurde auf dem Auberg ein neues Schulhaus errichtet. Es kostete 20298,08 M. Durch das staatliche Baudrittel, eine außerordentliche Regierungsbeihülfe, den Verkauf des alten Schulhauses einen gesammelten Baufond und Übernahme der Fuhren in natura blieben als Schulden 1750 M. Dafür hatte Böken ein neues Schulhaus. 1911 wurde eine zweite Klasse angebaut und eine Lehrerin angestellt. 1924 war die Schülerzahl so gesunken, daß die zweite Klasse eingehen mußte. Die Schülerzahl, die 1913 auf 96 gestiegen war, sank bis 1939 auf 27.