Archiv:Vier Jahre Gemeinde Aukrug
Gerhard Schönheim: Vier Jahre Gemeinde Aukrug, in Heimatkundliches Jahrbuch 1974 für den Kreis Rendsburg, Seite 93ff
Zukunftsorientierter Ort mit viel Tradition. Verantwortlich für den Naturpark Aukrug
Vor vier Jahren wurde der Zusammenschluß wirksam, der die Dörfer Bargfeld, Böken, Bünzen, Innien und Homfeld zur Gemeinde Aukrug werden ließ, beispielhaft im Lande, weil die Vereinigung freiwillig und einmütig erfolgte. Daß der neue, rund 2800 Einwohner zählende Ort Sitz der Amtsverwaltung Aukrug wurde, die auch Arpsdorf, Ehndorf, Padenstedt und Wasbek betreut, wird den Einigungswillen bestärkt haben.
Aukrug bedeutet „in den Krögen der Au" gelegenes Land, und tatsächlich liegt die Gemarkung in den Krögen – Windungen mehrerer Auen, die mit ihren Nebenbächen als Buckener Au im Norden, als Höllenau im Osten und im weiteren Verlauf als Bünzau die Stör erreichen und damit der Elbe tributär werden.
Nach der Eiszeit zertalten Auen und Bäche die Hohe Geest Mittelholsteins – der Aukrug ist ihr Kernstück – mit weiten Wiesenflächen, in die Moore eingelagert sind, bis zu engen eingeschluchteten Kerbtälern der Nebenbäche. Die Talränder sind bei sandigen Böden hügelig und zerschluchtet, besonders das Boxberggelände.
Aus der Naturlandschaft der Moore und früher sumpfigen Wiesenauen im Talbereich hebt sich das bewaldete Massiv der Hohen Geest, auf dem sich die Buche durchsetzte, wie der Ortsname Böken und viele Flurnamen belegen, und auch der Boxberg ist eigentlich der „Booksberg", der im Mittelalter bestandene Berg, wie er vor der Hauptrodung im Mittelalter bestockt war und sich erst nach der Aufgabe der wenig ertragreichen Sandäcker in eine Heidelandschaft wandelte. Damit wird die Besiedlung des Aukruges angerissen, die von den Rodungen der -ing-Orte „Ehninge (Innien)" und „Bunzinge (Bünzen)" ausging und über „Böken" als Zwischenstufe mit „Bargvelde und Homvelde" beendet wurde.
Als spätere Gründungen sind die Ausbauten Bökerfeld und Bünzerfeld anzusehen, während der Weiler Bucken ebenfalls in die zweite Schicht gehört, sein Name ist von den Buchen abgeleitet, die das Waldbild früher bestimmten. Schließlich kommt als Neugründung die Heilstätte Tönsheide hinzu, in deren Areal die nähere Umgebung gärtnerisch gestaltet und gepflegt und im übrigen Wald und Heide im ursprünglichen Zustande belassen wurden. Im übrigen Siedlungsgebiet des Aukruges hat die Kultivierung zwar beträchtliche Nutzflächen geschaffen – Wald, Heide und Moore sind jedoch reichlich geblieben – und mit den Knicks, den Baumgruppen und -inseln im Kulturlande erweist sich die Gemarkung Aukrug als eine Parklandschaft, die sich in den gleichnamigen Naturpark erweitert, der von den Orten Aukrug – Hennstedt – Hohenlockstedt – Kellinghusen – Hohenlockstedt – Hohenwestedt – Heinkenborstel begrenzt wird.
Die „Aukröger", wie es bezeichnenderweise auf Platt heißt, die Ableitung von den Krögen, den Krümmungen der Au ist in dieser Form noch erhalten geblieben, die „Aukruger", wie es demnach folgerichtig hochdeutsch heißen müßte, die Gemeinde Aukrug hat sich als Hauptaufgabe die Entwicklung des Naturparkes zum Ausflugs- und Erholungsziel gesetzt und dafür in den vier Jahren ihres Bestehens Pionierarbeit geleistet. Erwähnt sei die Erschließung des Boxberggeländes, das inzwischen durch Ankauf durch das Land Erholungswald wurde, die Anlage von Wanderwegen in 30 km Länge, der Ankauf des Böker Moores mit dem Ziel der Bereitstellung für den Fremdenverkehr, der im weiteren durch viele gezielte Einzelmaßnahmen gefördert wurde.
Unterstützt wurden die kommunalen Anstrengungen durch den „Verkehrsverein Naturpark Aukrug", dessen Initiativen Bekanntwerden und Anziehungskraft des Aukruges verstärken. Der Erfolg spiegelt sich in der Zahl der Übernachtungen, die für 1969 von 3800 ein Jahr später schon auf 10 000 und 1973 auf 17 000 angestiegen ist. Damit ist der Fremdenverkehr ein wichtiger Wirtschaftszweig des Aukruges geworden, den es weiter auszubauen und zu fördern gilt.
Die neue Gemeinde hat natürlich auch andere Schwerpunkte gesetzt als allein die Nutzung ihrer landschaftlichen Schönheiten. Im Straßenbau z. B. konnten die Mittel für größere Vorhaben eingesetzt werden. Das bedeutete Ausbau des inneren Straßen- und Wegenetzes vornehmlich im Ortsteil Böken, Bau eines Sportzentrums mit Sportlerheim sowie eines Kindergartens, den seit Sommer 1972 rund 60 Kinder besuchen. Die Schule hat zur Zeit 16 Klassen mit über 400 Schülern, die sogar den Realschulabschluß erreichen können. Die Erwachsenenbildung wird von der Volkshochschule getragen, die mit einem vielfältigen Angebot an Lehrgängen, Arbeitsgemeinschaften und Vorträgen, ein Frauenchor und eine Wandergruppe gehören auch dazu, eine breite Öffentlichkeit erfaßt. In diesen Zusammenhang gehört auch der Erlenhof, der die Nachfolge des Frauenheimes angetreten hat. Nach wie vor ist die Innere Mission in Rickling Träger, doch ist die Anlage als schützende Werkstatt erheblich erweitert worden. Gartenbau und Wäscherei sind die Hauptzweige, die den etwa 80 Insassinnen Verdienst und dazu Krankenkasse und Rentenanspruch gewähren. In den vier Jahren ist der landschaftlich einmalig schöne Golfplatz Bargfeld und ein Gelände für die Segelfliegerei geschaffen worden.
Ist die Gemeinde Aukrug auch jungen Datums, so bringen die fünf Dörfer doch eine tief begründete Tradition ein, wie sie etwa im „Olen Hus von Bünzen" mit der bäuerlichen Wohnkultur vor 150 Jahren gelebt wird. Untereinander ist man immer noch Bargfelder, Böker, Bünzer, Innier oder Homfelder; Gildfeste in diesen Ortsteilen gehören mit zum festlichen Programm. Entscheidend ist jedoch die auf die Zukunft gerichtete Kraft der größeren Gemeinde Aukrug, die mit drei Schwerpunkten ihre Lebendigkeit erhalten will, und zwar Fremdenverkehr mit dem Ziel, Erholungsort und federführend für den Naturpark Aukrug zu werden, die Wohnort in der Nähe Neumünsters zu erfüllen und damit die Einwohnerzahl zu steigern, und schließlich die Anlage einer Vollkanalisation als Grundlage der weiteren Entwicklung. Gemeinde und Naturpark Aukrug haben schon heute den Standard erreicht, der sie für ihre Bürger und Anlieger lebenswert und für Auswärtige besuchenswert macht.