Archiv:Vorgeschichte (Mein Dorf)

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Bodenfunde

Vorgeschichte

Wann ist Böken entstanden? Die Frage ist nur aus indirekten Quellen zu beantworten, solche sind Name und Bodenfunde.

a. Der Name.

Böken hat seinen Namen von der Buche. Noch 1608 schreibt der Nortorfer Pastor Samuel Meygerius in einem Einkommenverzeichnis der Nortorfer Pfarrstelle: "tor Böcken wahnen 7", während er sonst überall "to" schreibt. Es bedeutet also der Name "zu den Buchen". Wenn man ein Dorf einfach nach der Buche nennt, ohne ihm besondere Zusatze zu geben (z. B. Schönböken), so müssen die Buchen damals, als der Name entstand, ein besonders charakteristisches Zeichen dieses Ortes gewesen sein. Weiter westlich war die Buche noch nicht vorgedrungen. Dort bestand ausschließlich Eichenmischwald. Den Holsten als Gründern des Dorfes, war die Buche noch etwas Besonderes. Und wann mag das gewesen sein? Die Buche, erscheint bei uns in der Bronzezeit. Pamit haben wir einen Anhalt für die Zeit der Entstehung unseres Dorfes. Stammt es aus der Bronzezeit ?

b. Bodenfunde.

Wenn in der Bronzezeit hier eine Siedelung gewesen ist, so müssen Bodenfunde das bezeugen. Diese haben wir.

1. Hünengräber.

Auf Heinrich Reimers Sandkoppel lagen zwei bronzezeitliche Hünengräber, die um 1890 von Claus Reimers abgefahren sind. Es wurde dabei keine Untersuchung vorgenommen, die Abtragung überhaupt nicht gemeldet. Nach Reimers Angaben ist ein Bronzeschwert gefunden. Demnach sind es bronzezeitliche Hünengräber gewesen. Diese wurden bis um 1500 v.C. angelegt. Die Lage der Hünengräber ist noch heute an den beiden schwarzen Flecken im neugepflügten Boden zu erkennen.

2. Steinpackungen.

Nahe westlich dieser beiden Hünengräber sind beim Rijolen für Spargelbeete in bestimmten Abständen Haufen kleiner aufgesetzter Steine gefunden worden. Ich vermute, daß es sich um Steinsetzungen um die Pfosten eines bronzezeitlichen Hauses handelt. Ein Hause ist im Lichtbild festgehalten und dem Altertumsmuseum in Kiel gesandt. Professor Rothmann bezweifelte meine Deutung, konnte aber aus dem Lichtbild keine Erklärung geben.

3. Urnenfriedhof.

Auf Lüthjes Lohkoppel eben nördlich des Dorfes am Karkweg befindet sich ein Urnenfriedhof aus der Zeit um 800 v.C. Er erstreckt sich bis auf den Sandberg. Die Urnen stehen verstreut in Steinpackungen.

Es steht also fest: Dort wo Böken steht, war eine bronzezeitliche Siedelung.

4. Schlackenhaufen aus der Eisenzeit.

Wenn wir nun den Beweis bringen können, daß Böken auch in der Eisenzeit bewohnt gewesen ist, so ist erwiesen, daß Böken seit der Bronzezeit ununterbrochen bestanden hat. Aber da fehlen bis jetzt die Funde von Urnenfriedhöfen der Eisenzeit. Aber da fehlen bis jetzt die Funde von Urnenfriedhöfen der Eisenzeit. Jedoch eine große Anzahl Fundstellen von Eisenschlacken sind vorhanden. Sie liegen auf ehemaliger Heidefläche und trockenen Wiesen. Das Volk nannte diese Schlackenhaufen" Sönnerklüten" (besondere Klöße). Einen zusammenhängenden Schlackenrest, der die Form des Schmelzofens bewahrt hat, zeigt das Hohenwestedter Heimatmuseum (nicht von hier). Eben östlich unserer Feldmark auf einer Koppel im Wasbekermoor sind viele Fuder solcher Schlacken im Jahre 1939 ausgegraben und zur weiteren Verhüttung abgefahren.

Zwischen Neumünster und Jevenstedt und war bis ins frühe Mittelalter das Zentrum der Eisengewinnung Holsteins. Ein Beispiel des Umfanges der früheren Eisenverhüttung zeigte ein Fund, den Hans Reimers in Innien in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im "kleinen Bornveh" machte. 17 Fuder Eisenschlacken hat er aus einem Haufen abgefahren.

Ein Mantel aus der Eisenzeit.

Um Weihnachten 4936 fand ich im Torf vom Schulmoor bei Viertshöhe einen Rest von einem Gewebe, den ich zum Industriemuseum in Neumünster brachte. Er wurde von Herrn Schlabow, dem Erforscher der vorgeschichtlichen Weberei, als ein Stück eines Mantels aus der Eisenzeit (ca. 400 MC.) bestimmt. Bei einem Besuch Herrn Schlabows auf dem Moor fanden wir die letzten geringen Reste des Mantels in der Bank. Sie lagen ca. 50 cm unter der Oberfläche. Auf dem Setzplatz lagen weitere Stoffreste. Auch die Arbeiter sammelten beim nächsten Torfstechen einige weitere Reste. Alle sind im Industriemuseum in Neumünster.

Im nächsten Jahre fand ich wieder einen Stoffrest. Dieser hat eine besondere Bedeutung: Er ist der älteste Fund überhaupt, in dem Kette und Schuß von verschiedener Beschaffenheit sind. 1947 fand ich auf dem Setzplatz neue Stoffreste, ähnlich denen von 1936. Es ist also mit Sicherheit zu sagen, daß Böken seit der Bronzezeit bewohnt gewesen ist.

5. Ob hier auch schon vor der Bronzezeit Leute wohnten?

Gräber- und Moorfunde aus der Steinzeit sind hier nicht gemacht, wenigstens nicht gemeldet worden. Wir haben nur eine Anzahl Steinbeile, Dolche, Messer und Schaber aus der jüngeren Steinzeit, über die ganze Feldmark zerstreut, gefunden. Diese Funde besagen nur, daß mit steinzeitlichen Geräten ausgerüstete Menschen hier waren und ihre Waffen oder Geräte verloren haben, mehr nicht. Eine Siedelung ist bis jetzt nicht nachzuweisen. Vielleicht ist auf Hermann Rathjens Koppel nördlich des Großen Moores bei Viertshöhe eine steinzeitliche Werkstatt gewesen. Wenigstens wurde mir erzählt, daß dort Haufen von Flintsteinsplittern gefunden seinen. Ich selbst habe das nicht mehr feststellen können.

Unter den bei Böken gefundenen Waffen befindet sich ein durchbohrter Hammer aus Grünstein, eine große Seltenheit für Holstein, da er, wie Professor Schwantes mir sagte, aus Thüringen stammt. Ist er Handels- oder Beuteware? Leider bekommt man immer erst viel zu spät Nachricht von Erd- oder Moorfunden. So wurde um 1925 beim Regulieren der Buckerau ein Schädel gefunden, wovon ich erst nach etwa 10 Jahren hörte. Alle Funde müssen interessierten Leuten gemeldet werden, man weiß nie, welche Bedeutung ein Fund für unsere Vorgeschichte haben kann.

6. Noch ein Dorf auf unserer Feldmark?

Auf dem Viert scheint einstmals auch ein Dorf gewesen zu sein. Auf der Siedelung von Werner Struve finden sich viele Feuerstellen im Durchmesser von 1–1,50 m. Etwa 50 cm tief unter der Oberfläche liegen kindskopfgroße Steine zu einer Feuerstelle zusammengelegt. Es sind eine ganze Anzahl solcher Feuerstellen vorhanden gewesen. Sie erstrecken sich von Struves und am großen Moor über Johannes Lahanns Koppel am Ausgang des Karkwegs in die Chaussee bis in den Mastbrok. Die Steine sind mit Ruß überzogen, also im Feuer gewesen. Ich habe immer erst Nachricht erhalten, wenn die Steine schon herausgenommen waren. So habe ich keine Scherben erhalten und die Funde nicht zeitlich bestimmen lassen können. Angeblich sollen unter den Steinen auch Eisenschlacken gewesen sein. Dann wären die Feuerstellen wohl aus der Eisenzeit.

7. Noch eine Frage aus Vor- oder frühgeschichtlicher Zeit.

Innien hatte vor 1770 auf der Böker Feldmark auf dem Sandberg und, was noch merkwürdiger ist, auf dem abgelegenen Ohlenkamp der hinter der Höllenau liegt, Ländereien zum Ackerbau zur Weide aber gehörten sie Böken. Dieses deutete man bisher als ein Zeichen des Ausbaues der Dörfer voneinander. Da aber Böken nördlich der Bünzau liegt, wie oben gesagt, also außerhalb der Grenze Urholsteins, so müßte Böken von Innien ausgebaut sein. Dem widersprechen aber die älteren Bodenfunde in Böken. Innien hat keine Hünengräber, nur einen Urnenfriedhof aus der Wanderzeit (ca. 450 n.C.)ist bekannt. Das will zur Annahme des Ausbaues von Böken nicht stimmen. Es mag vielleicht Folgendes zutreffen: Innien hat verhältnismäßig wenig Ackerland, aber viel Wald. Deshalb hat Böken den Inniern die Urbarmachung des Sandbergs gestattet, sich aber dieses Land zur Weide vorbehalten und so auch einen Genuß von der Urbarmachung gehabt. Diese Annahme kann jedenfalls die Gemengelage am Sandberg erklären. Ihren heutigen Umfang hat die Enklave Sandberg erst bei der Feldaufteilung um 1773 erhalten, früher war sie größer.

Die königlichen Hufen in Innien, über deren Ackerland wir eine Nachricht von 1724 haben, besaßen zusammen auf dem Innier Feld mit dem Sandbergkamp Land für 89 Tonnen Roggenaussaat. Davon lagen auf dem Sandberg 31 Tonnen, also etwa 1/3 ihres Ackerlandes Die 3 klösterlichen Hufen in Innien hatten dort auch Land. Nach ihrer Zahl im Verhältnis zu den königlichen Hufen (3:4) dürfen wir ihren Anteil am Sandberg auf etwa 23 Tonnen schätzen. Das stimmt auch mit dem Vermessungsregister von 1773: 39 Tonnen 290 Quadratruten mittel und 18 Tonnen 117 QR schlecht Land, zusammen also 58 Tonnen 67 QR Land. Ohne den Sandberg wären die Innier Hufen nicht lebensfähig gewesen. So ist es zu erklären, daß Böken, das reichlich Land zur Verfügung hatte, Innien das Recht zum Ackerbau auf diesem Gebiet eingeräumt haben kann. Zur Weide hatte Innien reichlich Hölzungen, brauchte also nicht notwendig den Sandberg zur Stoppel- und Brachweide, und Böken behielt diese.

Wann mag das gewesen sein? Wahrscheinlich kurz vor 1200 n.C., da damals ein Angriff auf Ödland und Wald zur Vermehrung des Ackerlandes in Holstein gemacht wurde (Visio Godescalcii). Diese Zeit ergibt sich auch aus der Tatsache, daß 1261 drei Hufen in Innien von den Reventlows an den Dom zu Lübeck geschenkt wurden, die 1281 an das Kloster Itzehoe kamen. Wäre die Kultivierung des Sandbergs später anzusetzen, dann hätten die klösterlichen Hufen in Innien kaum Anteil an dem Grafen unterstehenden Böker Land bekommen oder es wäre wohl eine Urkunde darüber im Klosterarchiv zu Itzehoe zu finden.

Aufgabe: Suche auf Deiner Feldmark die Bodenfunde und trage sie mit Zeitangabe in einer Flurkarte ein. Melde alle Funde in der Erde Deinem Lehrer.