Archiv:Wanderung im Viertshöher Moor mit Dr. Kuno Brehm 1982

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Spaziergang in Aukrug-Viertshöhe war recht interessant

Zeitungsartikel

AI-Initiative zur Rettung des Viertshöher Moores - Wanderung mit Dr. Kuno Brehm im Mai 1982

AUKRUG (a.) Der Rückgang der Moorflächen in den letzten Jahren, die Überwucherung mit Birken und die notwendigen Maßnahmen zur Erhaltung des Moores in Aukrug-Viertshöhe waren das Thema eines Spazierganges, zu dem die „Aukruger Interessengemeinschaft" (AI) eingeladen hatte.

Mit Dr. Kuno Brehm, dem Vorsitzenden des „Unabhängigen Kuratoriums Landschaft Schleswig-Holstein" hatten die etwa 35 interessierten Bürger einen fachkundigen Führer auf dem Weg durch die Moorlandschaft. Die Besonderheit des Viertshöher Hochmoores ist, daß es sich auf einer Hanglage gebildet hat. Die meisten anderen Moore liegen in einer feuchten Senke. Das Moor ist in weiten Teilen abgegraben. Insbesondere im letzten Jahrhundert wurde starker Abbau betrieben, der der Herstellung von Torfkohle diente. Wie bei der Holzverkohlung wurde der trockene Torf in Haufen geschichtet, mit Soden bedeckt und angezündet. Noch heute sind Überreste dieser Meiler am Südrand des Moores als ringförmige Krater zu sehen.

Im Rahmen der Flurbereinigung wurde das Moor zunehmend trockengelegt, wovon insbesondere die vielen Birken zeugen, die sich bei einem intakten Feuchtgebiet nicht gebildet hätten. Ein ursprüngliches Hochmoor ist nahezu Baumfrei. Dr. Brehm erläuterte weiter die Pflanzenwelt im Moor; den Benthalm, scheidiges und schmalblättriges Wollgras lassen auf einen relativ guten Wasserhaushalt schließen. Hier findet man dann auch das Torfmoos, das jahrhundertelang wachsen kann und der Hauptbildner des Weißtorfes ist. Ein intaktes Moor wächst etwa einen Millimeter pro Jahr, so daß beim Torfabtrag von nur einem Meter ganze 1000 Jahre Arbeit der Natur vernichtet werden.

Das oberste Prinzip für die Erhaltung eines Moores ist das Halten von Wasser. Zahlreiche Gräben, die das Moor durchfließen, tragen erheblich zur Entwässerung bei. An der tiefstgelegenen Stelle des Moores fließt selbst bei starker Trockenheit ständig Moorwasser in einen Entwässerungsgraben. Würde dieses Abfließen verhindert werden, wäre bereits ein großer Schritt getan. Als Schnellmaßnahme schlug Dr. Brehm die Abholzung eines großen Teils der Birken vor. Die Birken verbrauchen auf der einen Seite viel Wasser, auf der anderen Seite verhindert die Beschattung und Bedeckung der sehr lichtbedürftigen Bodenvegetation mit Laub die Entwicklung des Torfmooses und der weiteren notwendigen Pflanzenwelt.

Die Rettung des Moores sei keine Einmal-Maßnahme, sondern eine Lebensaufgabe, die mit den Jahren jedoch weniger werde, wenn sich der Wasserhaushalt normalisiert habe. Unter der dann zunehmenden Durchfeuchtung wird sicher der Wanderweg durch das Moor leiden, der an einigen Stellen höher aufgeschüttet werden müßte oder, was Dr. Brehm viel schöner fände, teilweise durch Holzstege in Art der Dünenwege auf Amrum oder Sylt ersetzt werden müßte. Die Holzstege könnten auch direkt über Feuchtgebiete führen und den Wanderer so an die Natur noch dichter heranbringen. Der jetzige Weg und Wegränder, die die durch Unkrautvernichtungsmittel ausgeblichen seien, passen nach seiner Ansicht nicht in diese schöne Landschaft. Ein bewachsener Weg, der eventuell zeitweise gemäht wird, sehe für einen naturinteressierten Wanderer viel besser aus.

Würde entgegen Dr. Brehms Ratschlägen nichts zur Erhaltung und Wiederherstellung des Viertshöher-Moors getan, prophezeite er, daß es in zehn Jahren nur noch ein schöner trockener Birkenwald sei.

(Text und Fotos: Holger Hauschildt)

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