Siedlungshäuser in Aukrug
In allen Aukruger Ortsteilen finden sich viele sogenannte Siedlungshäuser aus der Zeit von 1950 bis 1970, die besonders in der Nachkriegszeit als neuer Wohnraum für Ausgebombte oder Flüchtlinge dienten. Fast alle sind klassische, meist frei stehende Ein- oder Doppelhäuser, die auf ursprünglich großzügigen Parzellen von oft über 1000 qm errichtet wurden, damit sich die dort lebenden Familien mit einem Garten ums Haus selbst mit frischen Nahrungsmitteln versorgen konnten[1].
Da diese für Aukrug typischen Bauten der 1950er und 1960er Jahre bei Eigentümerwechseln häufig abgerissen oder durch umfangreiche Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen stark verändert werden, sollen diese Bauwerke in der Dorfchronik fotografisch festgehalten und dokumentiert werden.
Bauweise
In der Regel handelt es sich um ein einfach gebautes eineinhalbstöckiges Haus mit geringer Wohnfläche auf einfachem Standard, meist umgeben von einem großen Nutzgarten zur Selbstversorgung und Existenzsicherung, in Aukrug auch häufig mit kleinem Stall zur Haltung von z. B. Hühnern und einem Schwein. Charakteristisch waren eine Wohnfläche von ca. 70–90 m², kleine Zimmer und ein zentraler Flur. Die Bäder und Küchen waren im Vergleich mit heutigen Neubauten klein bemessen. Bei Siedlungshäusern handelt es sich fast immer um Typenbauten.
Geschichte
Siedlungen mit Siedlungshäusern (Kleinsiedlung) wurden besonders nach dem Ersten Weltkrieg zwischen den 1920er und 1950er Jahren als Stadt- oder Dorfrandsiedlungen erstellt. Diese Siedlungen wurden teils für Erwerbslose, Menschen mit geringem Einkommen oder wie in Aukrug nach 1945 für Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten errichtet. Der Wohnraum wurde dringend benötigt, da sich die Einwohnerzahl in den Aukrugdörfern von 1939 zu 1946 zunächst mehr als verdoppelt hatte (Anstieg um 109% von 1758 auf 3679). Durch den landesweit einsetzenden Wohnungsbau ging die Zahl bis zum Jahr 1956 auf 2617 Einwohner zurück, was immer noch einer Steigerung von 49% im Vergleich zu 1939 entsprach.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bau von Kleinsiedlungen in Westdeutschland gezielt im Rahmen von Wohnungsbauprogrammen gefördert, um die Schaffung von Wohnraum mit der Bildung von (Wohnungs-)Eigentum und – gerade bis Ende der 1950er Jahre – dies mit dem Ziel der Selbstversorgung der Bevölkerung in Krisenzeiten zu verbinden. Diese Kleinsiedlungen sind häufig im Rahmen einer Organisierten Gruppenselbsthilfe entstanden. In Schleswig-Holstein – zum Beispiel – sind über 35.000 (geförderte, über 75.000 freifinanzierte) Kleinsiedlungen bis in die 1990er Jahre[2] nach den Typenentwürfen der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e. V.[3] realisiert worden.
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Ohlenkamp
Pommernweg
Böker Stieg 20-24
Böker Stieg 28-44
Böker Stieg 33-43
Heinkenborsteler Straße 1,3,5
Erlenweg 2-8
An der Bahn 28-34
Am Hasselbusch
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Rüm 1-14
Lohkoppel 2-10
Böker Straße 16-24
Böker Straße 60-64
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Bünzer Straße 23, 25, 27
Bünzerfeld 1-3
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Neerst Oh
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Burlohe 1-9
An der Lieth
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Veit Janesch. Handbuch für ein Haus - Das Siedlungshaus der Nachkriegszeit als Typ und Prototyp, Diplomarbeit, TU Wien 2023
- ↑ Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e. V. (Hrsg.): Lage der Bauwirtschaft. (1949–1951) Mitteilungsblätter: Hefte Nr. 12, Nr. 14, Nr. 20, Nr. 22, Nr. 24, Nr. 30, Heft Nr. 44; Die Bautätigkeit in Schleswig-Holstein (1953–1958) Mitteilungsblätter: Hefte Nr. 47, Nr. 50, Nr. 57, Nr. 61; Heft Nr. 67; Kiel, 1949–1959; Berichte der ARGE//eV an die Landesregierung Schleswig-Holstein, Kiel, 1947 bis 2020.
- ↑ z. B.: Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e. V. (Hrsg.): Wohnungstypen 1951 für das Schwerpunktprogramm und die Selbsthilfe. (= Bauen in Schleswig-Holstein. Heft 13). Kiel 1951.