Archiv:Die Kapelle zu Innien (1913)

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Die Kapelle zu Innien.

Die vorhin angeführte Klageschrift enthält die einzige Erwähnung der Innier Kapelle. Sie lag am Wege nach Bargfeld, wo noch heute ein erst 1837 entstandener Ausbau die Bezeichnung „Kapelle“ trägt und der vorbeifließende Bach „Kapellenbek“ heißt. Ueber den Ursprung der Kapelle habe ich bereits Seite 12 Vermutungen ausgesprochen und sie zurückverlegt. Sie kann aber auch möglicher Weise in Vicelins Zeit späteren Ursprungs sein.

Kapellen waren nicht öffentliche Gotteshäuser, sondern von Privaten Kapellen wurden z. B. in Schlössern, ür Privatgottesdienst gegründet. Parochialkirche lagen, auf oder neben in Klöstern, welche nicht bei einer adeligen Höfen und in entfernten Dörfern einer ausgedehnten Gemeinde gegründet, wobei oft mehrere Dörfer zusammentraten, sich eine Kapelle zu bauen[1]. Dies letztere, ist für den Aukrug sehr wohl möglich. Die Sage berichtet, daß die Timmsche Stelle in Bünzen Wohnsitz des Priesters der Innier Kapelle gewesen sei. Eine andere Sage erzählt, daß der Pastor in Nortorf alle 14 Tage in dieser Kapelle predigen mußte. Das letztere hat ziemliche Wahrscheinlichkeit für sich. Der Geistliche an der Kapelle hieß Kapellan. Er stand in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem Pastor, der als Kirchherr oder Rektor der Kirche bezeichnet wurde. Nun wurde 1441, als die Nortorfer Kirche dem Kloster Itzehoe übergeben wurde, Detlef Knokenhover als Vice=Rektor und Kapellau zugleich eingesetzt. Der verdienstvolle Geschichtsforscher Pastor Jensen=Boren bezeichnet dies als auffällig[2]. Es ist dies aber durch Vorhandensein der Innier Kapelle wohl zu erklären. Das Kloster stellte eben aus Sparsamkeitsrücksichten nur einen Geistlichen an und dieser hatte zugleich den Dienst an der Innier Kapelle zu versehen, war also Kapellan. Nach der Reformation finden wir im Nortorfer Kirchenrechnungsbuche, das 1574 beginnt, einen Kapellan. Nach dem Schwedenkriege von 1643—45 wird er als Diakonus bezeichnet. Seine Besoldung erhielt er aus der Kirchenkasse und die Ernennung erfolgte nicht durch das Kloster.

Auf dem erwähnten Besitz, Kapelle, sind vor einigen Jahren beim Rijolen des Gartens hinter dem Hause die Ziegelsteinreste der Kapelle zu Tage gefördert. Schon um 1866 sind die Fundamentsteine der Kapelle ausgebrochen. Sie sollen zum Bau des Timmschen Hauses in Bünzen verwendet sein. Leider ist kein Plan des Gebäudes ausgenommen worden. Die Kapelle scheint ca. 20 m lang und 15 m breit gewesen zu sein. Von Westen führte ein breiter Eingang hinein. Die Steine sind die bekannten großen roten Ziegelsteine, wie wir sie noch in ganz alten Gebäuden finden. Sie sind 14½ cm breit und 8½ cm dick. Ihre Länge ist nicht festzustellen, da sie sämtlich zerbrochen sind. Die ganzen Steine sind früher zu Bauten fortgeholt worden. Das Dach der Kapelle bestand aus sehr dicken roten Dachpfannen (Mönchs- oder Nonnendach). Vorgefundene Kohlenreste zeigen, daß die Kapelle durch Feuer zerstört ist. Mutmaßlich ist sie dem 30jährigen Kriege zum Opfer gefallen, wahrscheinlich in den Jahren 1643—45, da nach diesen Jahren auch die Bezeichnung Kapellan für den zweiten Nortorfer Geistlichen verschwindet. Die Erschöpfung der Bevölkerung durch die Kriege, durch Mißwachs und Viehseuchen im 17. Jahrhundert haben jedenfalls den Wiederaufbau der Kapelle verhindert.

Fußnoten

  1. Archiv f Staats= u. Kirchengeschichte I, 269.
  2. Archiv f Staats= u. Kirchengeschichte I, 271.