Archiv:Die ersten Anschaffungen - Eine diebes- und feuersichere Geldkiste

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Die ersten Anschaffungen: eine "diebes- und feuersichere Geldkiste"

Auch die die Fortbildungsschule trat sofort in Tätigkeit. Die Mitglieder des Casinos nahmen an den ersten Unterrichtsstunden teil. Es bedarf wohl einer besonderen Anerkennung und Erwähnung, daß sich alle Lehrer der Aukrugdörfer für diese zusätzliche Arbeit sofort zur Verfügung stellten, um - wie Lehrer Breiholz es ausdrückte - "den Schülern den Grad wissenschaftlicher Bildung zu vermitteln, der notwendig sei, um den Anforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu entsprechen":

"Da die Zeit schon ziemlich vorgerückt, wurde beschlossen, und begab sich die Versammlung jetzt in das Schullokal, wo bereits die heranwachsende Jugend weilte, um der jetzt vorzunehmenden Eröffnung der Fortbildungsschule als Schüler beizuwohnen. Herr Christiansen eröffnete die Schule unter Hinweisung auf die große Nothwendigkeit einer allgemein höheren Bildung.

Herr Breiholz hielt eine Anrede an die Jugend, und forderte in dringenden Worten auf, sich den Grad wissenschaftlicher Bildung anzueignen, der den Anforderungen der Gegenwart und Zukunft entspräche. Es nahmen nun die Lehrer das Wort, und sprachen: Herr Lohse über die Entstehung und Umgestaltung der Erde. Herr Raabe gab ein Theil Geschichte über unsere alten Vorfahren. Herr Dammarm sprach über Erde, Sonne, Mond und Sterne. Nachdem Herr Christiansen nun noch sprach über die Bildung der verschiedenen Erdschichten, wurde geschlossen, und bestimmt, die nächste Schule am 17. d. M. im Schulhause zu Bünzen abzuhalten. "

In Ergänzung zu dem vorstehenden Bericht sei noch auf eine Notiz aus den "Itzehoer Nachrichten" vom 13.11.1869 verwiesen, nach der der Sparkassenvorstand beauftragt wurde, eine "diebes- und feuersichere Geldkiste zu besorgen, um die Barbestände ordnungsgemäß aufbewahren können. Der Zufluß weiterer Spareinlagen hielt tatsächlich an. Die Sparkasse entwickelte sich als jüngstes Kind des landwirthschaftl1chen Casinos überaus günstig. Sie hat nicht nur den Sparsinn unter der gesamten Bevölkerung des Aukruges in nachhaltigster Weise gefördert, sondern auch durch Hergabe langfristiger , durch Hypotheken oder Schuldscheine gesicherte Kredite zu zinsgünstigen Bedingungen wirtschaftliche Notstände im bäuerlichen und handwerklichen Bereich überwinden helfen.

Wie hier im Aukrug - so entstanden in den Jahren um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in vielen Dörfern der beiden Herzogtümer bäuerliche Sparkassen, deren Gründung in fast allen Fällen auf die besondere Initiative der landwirtschaftlichen Vereine zurückzuführen ist. Sie bestanden - wie auch bei uns im Aukrug - in der Regel als Vereine ohne Rechtspersönlichkeit. Alle Grundbesitz er ihres Geschäftsbereichs waren Mitglieder dieser Sparkassenvereine. Sie hafteten mit ihrem gesamten Besitz und ihrem sonstigen Vermögen unbeschränkt für sich und ihre Besitznachfolger für alle Verbindlichkeiten des Vereins. Darüber hinaus mußte jedes Mitglied zur Bildung eines Reservefonds gewisse Einzahlungen "in unterschiedlicher Höhe von 1 - 10 Reichsthalern" leisten. Die persönliche Mitgliedschaft der Grundeigentümer, die solidarische Haftpflicht und die zum größten Teil durch Bauern ausgeübte Selbstverwaltung kennzeichneten diese Institute als genossenschaftliche Einrichtungen, weshalb sie auch eng mit den landwirtschaftlichen Vereinen in allen Teilen des Landes verbunden waren. In diesem Sinne werden wir in dem weiteren Verlauf unserer Ausführungen noch mehrfach auf die "Sparkasse des Casinos an der Bünzener Au" zurückkommen.

Wir haben bewußt anhand der vorstehenden Protokolle in aller Ausführlichkeit über den Beginn einer intensiven Bildungsarbeit in unseren Dörfern berichtet, um die Vielfalt der behandelten Themen anzudeuten, um aber auch zu demonstrieren, daß für ein solches Bildungsangebot im Dorf selbst eine Institution vorhanden sein muß. Nur so ist man bereit, sich ohne großen Zeitaufwand, ohne eine umständliche Reise nach Hohenwestedt, Neumünster oder Nortorf daran zu beteiligen. Insoweit waren die von Dr. Giersberg entwickelten Zielsetzungen einer vertieften Bildungsarbeit auf dem Lande schon richtig: Das Schwergewicht mußte in die dörflichen Zusammenkünfte verlagert werden.

In diesem Sinne berichtete er auch Ende 1869 auf der Hauptversammlung des "Landwirtschaftlichen Generalvereins" in Kiel, in der lobend die Tätigkeit des landwirtschaftlichen "Casinos an der Bünzener Au" hervorgehoben wird: "Landwirtschaftliche Casinos waren ebenfalls bei meinem Dienstantritt in Kiel in der ganzen Provinz nicht vorhanden; wenn auch die Zahl derselben augenblicklich noch klein ist , so darf ich doch sagen, daß unter den vorhandenen Casinos 4 überaus fleißig tätig sind; es sind dies die Casinos an der Bünzener Au, in Reinfeld, Adelby und Sörup…"

Förster Christiansen hat sicherlich seine Informationen über die Bedeutung landwirtschaftlicher Casinos unmittelbar vom "Landwirtschaftlichen Generalverein" in Kiel erhalten, mit dem er in forstlicher Hinsicht eng zusammenarbeitete. Sein Name wird oft in den alten Protokollen des Generalvereins genannt. Er war schon gut beraten, als er unter den Bauern des Aukrugs die Gründung eines solchen Zusammenschlusses anregte. Später entwickelte sich - anders als in den benachbarten Kirchspielen - aus dem "Casino an der Bünzener Au" der "Landwirtschaftliche Verein an der Bünzau".

Das Casino entfaltete schon in den ersten Jahren seines Bestehens ein starkes Eigenleben. Es dürfte auch den Tatsachen entsprechen, daß das erste landwirtschaftliche Casino Schleswig-Holsteins im Aukrug gegründet wurde; eine beispielhafte Tat der Aukrugbauern! Sicherlich haben die Aukruger über ihr Casino enge Verbindung mit dem Hohenwestedter landwirtschaftlichen Verein" gehalten, der mehrfach größere Versammlungen in den Aukrugdörfern abhielt.

Dennoch muß darauf hingewiesen werden, daß das Casino sich schon recht frühzeitig im Sinne eines selbständigen landwirtschaftlichen Vereins betätigte. Wir sollten deshalb Lehrer Reimer zugestimmen, der in einer Chronik als Gründungsdatum für den "Landwirtschaftlichen Verein an der Bünzau" den 30.3.1869 angibt, jenen Tag, an dem in Bünzen das Casino gegründet wurde, einerlei, auf welchen Namen das am 30.3.1868 geborene Kind getauft wurde - ob Casino oder Verein - ; Tatsache ist, daß es schon im "Säuglingsalter“ eine beachtliche Initiative entwickelte und sich stark genug fühlte, das kulturelle und wirtschaftliche Geschehen der Aukrugdörfer nachhaltig fördernd zu beeinflussen.