Archiv:Sozialeinrichtungen

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Sozialeinrichtungen

a) Kurklinik Aukrug

(Der kaufmännische Direktor der „Kurklinik Aukrug“, Heinz Eitel, berichtet über die Umwandlung der weithin bekannten Lungenheilstätte Tönsheide in eine Kurklinik.)

Auf dem Geestrücken Schleswig-Holsteins befindet sich in einer herrlichen Wald-, Heide- und Teichlandschaft mitten im Naturpark Aukrug die Kurklinik Aukrug der Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein.

Wegen der bevorzugten Lage in staubfreier Luft diente diese Anlage von 1931 bis 1972 ausschließlich als Krankenhaus für die Behandlung von Lungenerkrankungen. Erfreulicherweise war und ist die Tuberkulose verstärkt seit Beginn der 70er Jahre in der Bundesrepublik stark rückläufig. Vielerlei Gründe haben dazu beigetragen, u. a. die wirkungsvolle Behandlung durch die moderne Chemotherapie, die verbesserten hygienischen und sozialen Verhältnisse, die allgemeinen Lebensverhältnisse und ähnliches. Die langen Liegezeiten konnten auf ein erträgliches Maß von drei bis vier Monaten begrenzt werden. Die wissenschaftliche Entwicklung hat dazu geführt, daß die Behandlung der Tuberkulosekranken gleichzeitig erfolgreicher und billiger geworden ist, sowohl dadurch, daß die Medikamente, die heute zur Verfügung stehen, weniger kosten als die früher unentbehrlichen und aufgrund der größeren Wirksamkeit der modernen Medikation eine Verkürzung der Behandlungsdauer eintritt.

Heute kann die Tuberkulose überwiegend ambulant behandelt werden. Chirurgische Maßnahmen sind nur noch ausnahmsweise nötig und Krankenhausbehandlung, wenn überhaupt, nur noch für kurze Zeit. Verrentungen wegen der Tuberkulose werden kaum noch nötig; Berufsunterbrechungen oder gar Umschulungen wegen oder aus der Tuberkulose kommen praktisch nicht mehr vor. Die Tuberkulose hat damit ihre Sonderstellung verloren. Sie ist eine Infektionskrankheit wie alle anderen, aber mit einer bemerkenswerten Besonderheit: Sie ist zuverlässiger und sicherer behandelbar als fast alle anderen Infektionskrankheiten. Wir brauchen deshalb auch immer weniger Häuser, in denen nur die Tuberkulose behandelt wird. Die vorstehenden Gründe führten dazu, daß zu Beginn der 70er Jahre die Bettenzahl des früheren Krankenhauses Tönsheide reduziert werden mußte.

Die Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein hat frühzeitig der Entwicklung der Krankheitsform Rechnung getragen und beschlossen, das Krankenhaus Tönsheide umzustrukturieren. Die ersten Schritte wurden bereits im Jahre 1973 eingeleitet und zunächst zwei Stationen mit insgesamt 44 Betten für die Behandlung von unspezifischen Erkrankungen der oberen Luftwege hergerichtet.

Die weitere Umstellung hat sich dann zum Jahreswechsel 1973/1974 vollzogen, nachdem die Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein und die Landesversicherungsanstalt Freie und Hansestadt Hamburg einen für den Bereich der Sozialversicherung richtungweisenden Weg eingeschlagen haben.

Beide Landesversicherungsanstalten haben vereinbart, bei der Belegung ihrer Häuser in Aukrug bzw. Großhansdorf eng zusammenzuarbeiten, um den Versicherten optimale Behandlungsmöglichkeiten zu sichern und andererseits wirtschaftlicher arbeiten zu können. Seit Anfang 1975 werden die an Tuberkulose erkrankten Patienten aus dem Bereich Schleswig-Holstein in das Krankenhaus Großhansdorf der Landesversicherungsanstalt Freie und Hansestadt Hamburg eingewiesen.

In der Kurklinik Aukrug werden seit diesem Zeitpunkt Patienten aufgenommen, die an Erkrankungen der oberen Luftwege und des rheumatischen Formenkreises leiden. Ein Teil der Patienten mit entsprechenden Krankheiten kommt aus dem Bereich der Landesversicherungsanstalt Freie und Hansestadt Hamburg.

Die Umgestaltung zur Kurklinik hat die Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein vor manche Probleme gestellt. War es zunächst noch relativ einfach, die bisher nur wenigen Patienten getrennt unterzubringen, so bedurfte es erheblicher Anstrengungen, den neuen Patientenkreis der Erkrankungsart entsprechend zu betreuen.

Für die in der Umstellungsphase betreuten Patienten mit unspezifischen Erkrankungen der oberen Luftwege mußte zunächst die bereits vorhandene Badeabteilung ausgebaut und modernisiert werden. Die Umbauarbeiten sind im Frühjahr 1974 durchgeführt worden. Mit dieser Maßnahme wurde die Anzahl der Wannenbäder erhöht und neue und bessere Möglichkeiten für Unterwassermassagen, Stanger- und Moorbäder sowie Kneippbehandlungen geschaffen. Blitzduschen nebst Gasbädern vervollkommnen die therapeutischen Einrichtungen. Die Kurklinik Aukrug hat damit eine Badeabteilung erhalten, die eine sehr breite Anwendung der Balneotherapie und der medico-mechanischen Behandlung ermöglicht. Darüber hinaus wurde im Jahre 1974 der Bau eines Bewegungsbades geplant, um die Behandlungsmöglichkeiten auf eine noch breitere Grundlage zu stellen.

Zum 1.4.1975 wurden die restlichen Tbc-Patienten entweder entlassen oder in das Krankenhaus Großhansdorf verlegt. Seitdem werden in der Kurklinik Aukrug ausschließlich unspezifische Heilbehandlungen durchgeführt. Allerdings konnten nicht unmittelbar nach dem 1. April alle Stationen belegt werden, da die bisher zur Unterbringung von Tuberkulösen genutzten Stationen erst hergerichtet werden mußten und sich im übrigen das Bewegungsbad, die diesem angegliederte Gymnastikhalle nebst Fitnessraum, Kegelbahn und weitere Einrichtungen für die Freizeitgestaltung der Kurpatienten noch im Bau befanden. Am 8.10.1975 konnte das Bewegungsbad mit Gymnastikhalle und Doppelkegelbahn in Betrieb genommen werden.

Zur Einweihung waren zahlreiche Persönlichkeiten in die Kurklinik Aukrug gekommen. In seiner Begrüßungsansprache äußerte der Geschäftsführer der Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein, Herr Direktor Dr. Bluhm, hierüber seine Genugtuung und Freude. Aus dem Bereich Aukrug konnte er den Abgeordneten des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Herrn Heinz-Wilhelm Fölster, den Amtsvorsteher des Amtes Aukrug, Herrn Bracker-Wolter und den Bürgermeister, Herrn Jensen, begrüßen. Das rund 100 qm große Bewegungsbad erlaubt die gleichzeitig therapeutische Benutzung durch 22 Patienten. Bei einer Wassertemperatur von 31 Grad können gymnastische Unterwasserübungen bei gelockerter Muskulatur durchgeführt werden. Mit diesen gymnastischen Übungen werden alle degenerativen Formen der Skelettveränderungen mit Muskelverkrampfungen angesprochen und damit aktiv dem krank machenden Bewegungsmangel entgegengewirkt. Dies gilt auch bei funktionellen Kreislaufstörungen für die Anregung auf Herz und Gefäße zur Stabilisierung der Kreislaufverhältnisse.

Im Zuge der Umstrukturierungsmaßnahmen wurden die vorwiegend aus medizinisch-therapeutischer Sicht geschaffenen Anlagen bzw. Einrichtungen durch neugestaltete und weiter noch zu verbessernde Aufenthaltsräume ergänzt, in denen die Patienten der Kurklinik sich in ihrer Freizeit wohl-fühlen können. Durch ein vielfältiges Angebot in der Freizeitgestaltung trägt die Kurklinik ferner dazu bei, den Patienten den Aufenthalt so abwechslungsreich wie irgend möglich zu gestalten. Neben der Doppelkegelbahn sind hier u. a. die Minigolf-Anlage mit diversen Freiluftspielen sowie der Trimm-dich-Pfad zu nennen.

Von besonderer Bedeutung und in jeder Hinsicht vorteilhaft erwies sich die Schaffung eines zentralen Speisesaales, da mit dessen Inbetriebnahme besser als in den Stationsspeiseräumen eine gezielte und überwachte diätetische Versorgung der Kurpatienten möglich wurde. Rückblickend ist festzuhalten, daß die Umstrukturierung des Hauses in eine Kurklinik reibungsloser abgewickelt wurde, als dies ursprünglich erwartet worden war. Maßgeblich für diesen relativ glatten Verlauf war neben der vorausgegangenen exakten Planung und einer termingerechten Ausführung aller Projekte auch die gute Zusammenarbeit aller Bediensteten des Hauses.

Seit Inbetriebnahme hat die Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein das Krankenhaus Tönsheide und später die Kurklinik Aukrug regelmäßig der medizinisch-technischen Entwicklung und den gestiegenen Ansprüchen der Patienten und der Mitarbeiter angepaßt. Nicht nur der Behandlungstrakt mit seinen Neubauten und dem medizinisch-technischen Gerät entsprechen dem neuesten Stand der Technik, sondern auch Wirtschafts- und Personalwohngebäude sind neu geschaffen oder modernisiert worden. Die Bettenbelegung der Kurklinik wurde nach und nach aufgelockert und damit den Wünschen und Bedürfnissen der Patienten an mehr Komfort angepaßt. Für Rehabilitationsmaßnahmen stehen zur Zeit 250 Betten zur Verfügung.

b) Erlenhof

Der Erlenhof ist eine Einrichtung der Behindertenhilfe des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein. Lediglich das ursprüngliche Gebäude und der dazugehörige Landkomplex weisen auf das frühere Frauenheim für gefährdete Mädchen hin, das hier 1900 vom Landesverein gegründet wurde. (Seite 222.)

Der jetzige „Erlenhof“ ist eine völlige Neugründung, die am 1. April 1968 entstanden ist. Er hat vom früheren Frauenheim nur Gebäude und Grundstück übernommen, aber Sinn und Zweck sind gegen früher völlig verändert.

War das Frauenheim eine Maßnahme der Fürsorgeerziehung, so ist der Erlenhof ein Heim für geistig behinderte Mädchen. Er enthält ein Internat für 92 Mädchen und Werkstätten für Behinderte mit 112 Arbeitsplätzen. 20 Behinderte, junge Männer und junge Mädchen, werden zusätzlich mit Bussen von auswärts zur Arbeit herangefahren. Unter den 92 Heimbewohnerinnen sind noch 10 Mädchen vom ehemaligen Frauenheim. Träger dieser bedeutsamen Sozialeinrichtung ist der Landesverein. Der Staat ist zur Unterstützung verpflichtet. Landessozialamt im Sozialministerium und Landesverein handeln zusammen einen kostendeckenden Pflegesatz aus. Der Aufnahmewunsch muß von den Eltern oder einer entsprechenden Behörde durch einen Antrag über das zuständige Kreissozialamt an das Landessozialamt gerichtet werden und geht von dort zur Entscheidung an das Heim. Die Einweisung erfolgt immer nur aufgrund eines freiwilligen Ersuchens.

Die Mädchen kommen aus allen Schichten der Bevölkerung. Das Behindertsein der Aufgenommenen ist nicht etwa auf schuldhaftes Verhalten zurückzuführen, sondern ist ein Schicksal, eine Krankheit, die meistens ausgelöst ist durch Infektionserkrankungen wie Masern und Röteln oder krankhafte Einwirkungen während der Schwangerschaft, aber kaum jemals durch Vererbung.

Aufgenommen werden nur solche Mädchen, die sich selbst anziehen und ohne Hilfe zu essen vermögen, gemeinschaftsfähig sind und ein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit zu leisten vermögen. Es muß damit gerechnet werden, daß der überwiegende Teil der Behinderten lebenslang im Heim bleiben muß. Erfahrungsgemäß kann man nur von etwa 5 Prozent annehmen, daß sie die Fähigkeit zur Ausfüllung eines normalen Arbeitsplatzes erreichen und zur Führung eines selbständigen Lebens imstande sind. In den Werkstätten des Heimes sollen die Mädchen nach ihrer Befähigung normal arbeiten und auch etwas verdienen. Der überwiegende Teil ihres Lohnes wird für Unterkunft und Verpflegung einbehalten und der Rest mit einem zusätzlichen Taschengeld ihnen ausgezahlt. Mit dem Erlös ihrer Arbeit würde das Heim nicht erhalten werden können; ein Zuschuß der öffentlichen Hand ist unerläßlich. Die Einnahmen des letzten Jahres betrugen etwa 460 000 DM, und davon wurden rund 80 Prozent an Lohn ausgeschüttet.

Werkstätten für Behinderte in Verbindung mit einem Wohnheim wie hier im Erlenhof gibt es in Schleswig-Holstein gegenwärtig nur noch in Glückstadt mit 80 Plätzen, in Flensburg mit 20 Plätzen und in Flintbek für Jungen. Vier weitere Werkstätten sind selbständigen Wohnheimen zugeordnet und 13 Werkstätten haben keine Wohnheime; die hier Beschäftigten müssen zu Hause wohnen. Fast alle Behinderten sind werkstattmäßig versorgt. Wenn die Behinderten nicht mehr arbeitsfähig sind, müssen sie in einen anderen Bereich kommen. Das Durchschnittsalter der Mädchen im Erlenhof beträgt augenblicklich 24 Jahre, das Mindestalter 16; die älteste Behinderte ist 51.

Die meisten Mädchen sind zum Lesen und Schreiben nicht intelligent genug und können schon deshalb ihren Lebensbereich nicht selbständig ordnen. Alle, die zukünftig aufgenommen werden, sind in Sonderschulen unterrichtet worden.

Der Erlenhof ist ein völlig offenes Heim. Alle Mädchen können sich frei bewegen und haben die Erlaubnis, 24 Tage im Jahr in Urlaub zu gehen. Den Behinderten soll ein möglichst normales Leben zugestanden werden. Diese Normalität ist an dem zu messen, was jeweils in unserer Gesellschaft Standard ist. Das bedeutet, daß die Behinderten lernen, ihr Leben frei von fremder Hilfe und nach ihren Fähigkeiten zu gestalten und eine ihnen angemessene Arbeit zu verrichten. Um ihr Dasein nach Möglichkeit lebensnah zu gestalten, sollen in Zukunft Einrichtungen geschaffen werden, daß auch Männer in das Internat aufgenommen werden können.

Um die Mädchen an eine nutzbringende Arbeit heranzuführen, werden ihnen Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in 4 Bereichen angeboten:

  1. Gärtnerei: 15 Arbeitsplätze. Dazu stehen 3,5 ha beregenbares Gartenland, 600 qm Gewächshaus- und 200 qm Frühbeetfläche zur Verfügung. Es werden Gemüsezucht, Hydrokulturen und Blumenzucht betrieben. Die Verwertung geschieht durch große Handelsketten und im Einzelverkauf in der üblichen Preisberechnung.
  2. Wäscherei: 11 Arbeitsplätze. Es können täglich 1000 kg (20 Zentner) Trockenwäsche bearbeitet werden. Bedient werden Hotels, Heime, Pensionen und Einzelkunden.
  3. Industriearbeiten: 78 Arbeitsplätze. Einfache Wäschenäherei, Montagearbeiten der Elektroindustrie, Stanz- und Verpackungsarbeiten für verschiedene Industriebetriebe.
  4. Hauswirtschaft: 6 Arbeitsplätze. Anfallende Arbeiten im Internatsbereich.

Um die Freizeit der Mädchen sinnvoll zu gestalten, werden ihnen 13 Hobby-Gruppen angeboten. Sie können sich je nach Interesse für eine oder mehrere Gruppen eintragen lassen: z. B. Sportgruppen für Korbball, Tischtennis, Gymnastik; Gruppen für Volkstanz und Laienspiele; Gruppen für Handarbeit und Basteln, Chorsingen und Orff-Musik; Gruppe zum Schreibunterricht; religiöser Gesprächskreis mit Pastor Bröker.

Es können sich auch Gruppen bilden zum Zelten oder zu gemeinsamem Urlaub im Harz oder Bayrischen Wald unter Verwendung des aufgesparten Taschengeldes. Ein so umfangreicher und vielgestaltiger Wohn- und Arbeitsbereich, wie dies große Heim für behinderte Menschen ihn umfaßt, muß ganz besonders sorgfältig organisiert und gestaltet sein, wenn das Gebot christlicher Nächstenliebe im Dienst an den Behinderten erfüllt werden soll.

Drei Sachbereiche sind in der Organisation zu unterscheiden:

  1. Leitung und Wirtschaftsbereich mit 13 Mitarbeitern,
  2. Wohnbereich mit 11 Mitarbeitern, 2 Lehrern auf Honorarbasis und 3 Berufspraktikanten,
  3. Werkstattbereich mit 13 Mitarbeitern.

Gegenwärtig sind demnach 42 Personen damit beschäftigt, den reibungslosen Ablauf des Internats- und Werkstättenbetriebes zu gewährleisten.

Verantwortlicher Leiter ist Diakon Peter Schulz. Er besitzt eine Ausbildung als Diakon und ist daneben staatlich anerkannter Erzieher mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung. In seiner Amtsführung ist er dem Direktor des Landesvereins, Pastor le Coutre in Rickling, verantwortlich. Ihm stehen als begleitende Dienste ein Diplom-Psychologe, ein Diplom-Pädagoge und eine Ärztin zur Seite, die regelmäßig das Heim besuchen.

Für den Werkstattbereich kommen die Handwerksmeister hinzu, Monteure, Feinmechaniker, Industriemeister der Bekleidung, Bauschlosser, alle mit fachbezogener Berufs- und berufsbegleitender pädagogischer Ausbildung. Sie wohnen nicht im Heim. Dem Heimleiter steht in seiner verantwortungsvollen Tätigkeit ein Heimrat zur Seite, der aufgrund des erlassenen Heimgesetzes von den Behinderten gebildet werden muß, und außerdem ein Elternbeirat, der der Heimleitung Wünsche und Beschwerden vorzutragen hat.

Aus dem Dargestellten dürfte deutlich werden, daß der „Erlenhof“ in Anlage und Auftrag mit dem früheren Frauenheim nicht zu vergleichen ist. Es handelt sich hier um eine bedeutsame Erziehungsarbeit an unschuldig Behinderten, die alle einen besonderen Anspruch auf unsere warmherzige, menschliche Zuwendung haben.

c) DRK-Ortsverein Aukrug

Um die Jahrhundertwende ging eine große Welle der Hilfsbereitschaft für die Armen und Bedürftigen durch die wohlhabenden Schichten unserer Bevölkerung. Der Besuch von Basaren und Wohltätigkeitsbällen gehörte zum „guten Ton“ der Gesellschaft. Diese Hilfsbereitschaft traf zusammen mit vielfältigen Sozialeinrichtungen der Arbeitervereine und Gewerkschaften, die wohl auf die bedauerliche Zurückhaltung der evangelischen Kirche auf diesem Gebiet zurückzuführen sind. Auch der damalige Pastor Roos in Innien stand dieser außerkirchlichen Hilfstätigkeit ablehnend gegenüber. Die Einsicht von der staatspolitischen Bedeutung solcher Hilfsbereitschaft führte zu einer von den damals maßgebenden Schichten organisierten Bewegung der „Vaterländischen Frauenvereine“, denen Damen der höchsten Gesellschaft vorstanden. Unabhängig von solcher gesellschaftlichen oder politischen Einstellung, die in der Gemeinschaft des dörflichen Lebens keinerlei Resonanz fand, traten etwa um 1910, dem Geist echter Hilfsbereitschaft folgend, auch im Aukrug mehrere Frauen zusammen und gründeten einen „Vaterländischen Frauenverein im Roten Kreuz von Innien und Umgegend ". Die Leitung übernahm Anna Gloy, Ehefrau des vielgenannten damaligen Amtsvorstehers Claus Gloy. Ihre Mitarbeiterinnen waren, soweit das durch mündliche Überlieferung noch festzustellen ist, Catharina Reimer, Böken; Anna Siems und Marie Rohweder, Innien; Anna Holm, Bünzen; Cathrine Rehder und Cäcilie Harder, Bargfeld und Christine Ratjen mit Marie Joost aus Homfeld. Es ist dem Chronisten eine Freude, feststellen und hier festhalten zu können, daß 2 dieser Gründungsdamen noch leben, und zwar die 99jährige Anna Siems und die 93jährige Catharina Reimer, Ehrenmitglied des heutigen Ortsvereins. Sie können noch von der Arbeit ihres damaligen Vereins erzählen und darauf hinweisen, daß im Vordergrund ihrer Arbeit die Pflege der Alten, Armen und Kranken stand. Man kann aus einem kleinen Büchlein ersehen, wie reihum für Kranke und Bedürftige gekocht wurde. Nach dem Tode ihres Mannes Hans Jargstorff, der Bauernvogt in Innien gewesen war, stiftete seine Frau Marie dem Verein einen sogen. „Margarethenschrank“, der mit den wichtigsten Krankenpflege- und Hilfsmitteln ausgestattet wurde und in allen Notfällen angefordert werden konnte.

In dieser und ähnlicher Weise hat der Vaterländische Frauenverein in Innien und Umgegend lange Zeit segensreich gewirkt. Vermutlich nach dem 1. Weltkrieg wurde der Name in „Frauenverein Innien und Umgegend“ umgeändert. In den 30er Jahren war Frau Frieda Kracht aus Innien, die in ihrem Hause neben der Kirche wohnte, Leiterin des Ortsvereins. Während der Zeit des 2. Weltkrieges änderte sich der Name wiederum und hieß dann DRK Innien. Während dieser Zeit war Frau Anne Blohm Leiterin. Man bemühte sich, Alten und Kranken zu helfen, flickte Wäsche und stopfte Strümpfe für das damalige Lazarett Tönsheide.

In den Wirren des Zusammenbruchs nach 1945 kam der Verein zum Erliegen. Erst 1956 rief der derzeitige Bürgermeister Fritz Witt in Innien eine Reihe von Frauen auf, eine Neugründung der DRK-Ortsgruppe vorzunehmen. Die Aufforderung hatte Erfolg, und es kam zur gewünschten Neugründung unter dem Vorsitz von Frau Anneliese Schlemper aus Innien. Sie führte tatkräftig einen Erste-Hilfe-Kursus durch und begann mit den ersten Haussammlungen. Leider wurde sie bald so krank, daß sie die Leitung niederlegen mußte.

Erst 1958 konnte Bürgermeister Witt in Frau Margarethe Behm aus Innien eine neue Leiterin gewinnen, die in einer öffentlichen Gründungsversammlung zusammen mit Frau Herta Jensen als Schriftführerin und Frau Lotti Lorenzen als Kassenführerin gewählt wurde. Allmählich fand die DRK-Arbeit ein breiteres Publikum. Ein Erste-Hilfe-Kursus und ein Kursus in häuslicher Krankenpflege fanden lebhaftes Interesse. In Mitgliederversammlungen wurden Vorträge über Gesunderhaltung des Körpers, gesunde Ernährung, Krankheitserkennung und Krankenpflege gehalten. Zu Weihnachten bekamen die über 80jährigen Mitbürger ein Weihnachtspäckchen oder ein Blumengeschenk und die Mitglieder versammelten sich zu einer Weihnachtsfeier. Zu jeder Blutspende-Aktion stellten sich die Mitglieder der Ortsgruppe helfend zur Verfügung. Es wurden zweimal im Jahr Haussammlungen durchgeführt, und die Mitgliederzahl stieg auf 95. Auf der Jahreshauptversammlung 1972 mußte Frau Behm das Amt als Vorsitzende abgeben, weil zunehmende familiäre Verpflichtungen ihre Kräfte in Anspruch nahmen. Als ihre Nachfolgerin wurde Frau Lisa Reimers, Witwe des verstorbenen Hauptlehrers Carl Reimers, gewählt. Frau Jensen und Frau Lorenzen blieben in ihren Ämtern.

Die neue Vorsitzende aktivierte die Vereinsarbeit und richtete den Schwerpunkt auf die Sozialarbeit. Sozialeinrichtungen der verschiedensten Art wurden besichtigt und in den Versammlungen immer wieder Themen der Gesundheitsvorsorge behandelt. Durch gymnastische Übungen und Turnen für ältere Frauen unter Leitung von Frau Konrektorin Gude Rieckmann sucht man von der Theorie zur Praxis zu kommen. Neuerdings wendet sich die Ortsgruppe auch der Seniorenbetreuung zu, die durch die erhebliche Zunahme der Mitbürger im Rentenalter aktuell geworden ist. Die Blutspende-Aktion wird jetzt gänzlich von der Ortsgruppe durchgeführt, und bei der regelmäßigen DRK-Kleidersammlung sind die Frauen hilfreich tätig.

Eine so segensreiche Tätigkeit hat Anklang in der Gemeinde gefunden, so daß die Mitgliederzahl auf 125 gestiegen ist. Es ist zu wünschen, daß die schöne selbstlose Einstellung dieser Frauen unserer Gemeinde nicht erlahmt, sondern weiterhin Frauen aus allen Schichten unserer Bevölkerung zur tätigen Mitarbeit anzieht.