Archiv:Von Tordschell bis Aukrug

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Fritz Johannsen (*1926, †2017) wohnte seit etwa 1950 bis zu seinem Tod in Aukrug-Innien. Im Jahr 1997 hatte er handschriftlich seine Biografie fertiggestellt. Sein früherer Nachbar aus der Bargfelder Straße, Holger Hauschildt, setzte den Text in eine PC-Version um, die nun hier mit dem Einverständnis der Ehefrau Ursel Johannsen verfügbar ist.

Von Tordschell bis Aukrug

Eine Biographie von Fritz Johannsen

Titelblatt der Biografie von Fritz Johannsen

Heute ist der 5. Januar 1997.

Ich will mal versuchen, meine Familiengeschichte aufzuschreiben, das, woran ich mich noch erinnern kann.

Am 15.03.1926 wurde ich in Tordschell, Gemeinde Havetoftloit, Amt Havetoft geboren. Das liegt in Angeln ungefähr zwischen Ülsby und Satrup. Ich habe noch zwei Brüder und einen Halbbruder. Karl Heinz und Helmut sind meine Brüder, Hans ist ein Halbbruder, davon werde ich noch später etwas schreiben. Wie lebten in einer Großfamilie, daß heißt, Großeltern, Eltern und Kinder alle unter einem Dach. An einem Tisch wurde gegessen.

Karl-Heinz und Fritz Johannsen

Mein Großvater hatte den Namen Fritz Lorenz. Er war Schlachter von Beruf und hatte in Husum sein Geschäft. Meine Großmutter hieß Anna und war eine kleine, gute Frau. Beide hatten 5 Kinder, 4 Jungs und 1 Mädchen. Die Namen waren Johann, Karl, Lorenz, Willi und Sophie. Willi war unser Vater. Er war der jüngste Sohn und hat das Haus in Tordschell geerbt. Er mußte aber die Großeltern ernähren und versorgen. Die hatten ja nach dem 1.Weltkrieg in der Inflation so ziemlich alles verloren; weil der Großvater in Husum das Geschäft aufgegeben hatte, ging das Ganze verloren. Wie es genau gewesen ist, kann ich auch nicht sagen, aber alle Kinder waren versorgt.

Johann hatte einen Hof, erst in Dammholm, danach in Gammelbyholz. Der Hof ist noch in Familienbesitz.

Onkel Karl war in Hamburg Obersteuerinspektor im Finanzamt.

Havetoftloit

Onkel Lorenz hatte genau wie unser Vater eine kleine Schlachterei in Ekebergkrug. Es wurden Rinder, Schweine und Kälber geschlachtet, ein Teil an Wurstfabriken verkauft, ein anderer Teil zu Wurst verarbeitet, in der eigenen Räucherei geräuchert und dann verkauft. Am Samstag wurden dann zwei große Körbe gepackt. Dann ging es mit dem Fahrrad nach Sterup, von da nach Kiel zum Wochenmarkt. Aber von uns bis Sterup waren es fast 10 km, bis dahin mußten sie schieben. Wenn am Abend die Körbe leer waren, fuhren sie immer abwechselnd 200 -300 m, stellten das Fahrrad ab und gingen dann zu Fuß weiter bis der andere wieder ein Stück voraus war. Dadurch kamen sie etwas schneller voran. Zu Hause angekommen, hat unsere Oma dann erstmal erzählt, was die Jungs angestellt hatten.

Später fuhren die Marktbeschicker mit einem LKW. Es hatten sich mehrere zusammengetan, damit es nicht so teuer wurde, denn das Geld war immer knapp. Aber für meine Eltern war es eine große Erleichterung.

Dann war ja noch die Tante Sophie da. Sie heiratete einen Obstgroßhändler in Hamburg ”von Gerstenkorn”. Einmal im Jahr kamen die uns besuchen. Es war immer eine große Aufregung. Alles mußte geputzt werden. Es waren ja ganz vornehme Leute. Sie brachten dann eine Kiste Apfelsinen mit. Die brachte Oma gleich in Sicherheit in ihr Schlafzimmer. Jeden Abend gab es dann ein kleines Schälchen Apfelsinensalat mit etwas Zucker eingezuckert. Das war dann mal was anderes als Bratäpfel, die Oma in dem Kachelofen fertig machte.

Wenn die Großeltern lange Weile hatten, mußten wir mit ihnen Karten spielen. Da lernt man das Rechnen, sagten sie.

Als die beiden starben, sie wurden über 80 Jahre alt, Großvater 85 und Großmutter 83, fehlte doch etwas, Sie wurden noch im Haus aufgebahrt. Dann ging der Trauerzug, mit Kutschwagen, nach Havetoft zum Friedhof (7 km). Wenn man Leute traf, blieben sie stehen, nahmen die Mütze oder den Hut ab und warteten bis der Trauerzug vorbei war.

Als Großvater nicht mehr aufstehen konnte, mußte ich ihn immer rasieren. So mit Seifenschaum und Rasiermesser. Ich hatte damit nämlich schon Erfahrung. Ich hatte schon mal meinen Bruder Karl Heinz rasiert. Das ging ein bißchen daneben, ich schnitt ihm in die Wange und es hat ordentlich geblutet. Als ich 10 Jahre alt war, kam ich, wie alle Jungs, zum Jungvolk. Eine Uniform mit Dreiecktuch und Knoten, dazu eine kurze Hose.

Fritz Johannsen mit 10 Jahren

Nun mußte auch ein Paßbild her, für den Ausweis. Zu der Zeit hatte ich gerade Glatze. Vater meinte, weil meine Haare so dünn waren, werden die Haare davon dicker. In Wirklichkeit ging es etwas schneller zu schneiden. Er hat die Haare nämlich selbst geschnitten mit Handbetrieb. Die Hälfte der Haare wurden dabei ausgerissen. Deshalb hatten wir immer Angst, wenn es mal wieder so weit war.

Mit 6 Jahren kamen wir zur Schule. Die Schule lag zwischen Dammholm und Havetoftloit. Es war eine Zweiklassen Schule. Also 4 Jahrgänge in einer Klasse und die Kinder von Dammholm und Havetoftloit mußten da hin. Für uns waren es immer 4 km und dann zu Fuß. Wenn wir dann mal zu spät kamen, nicht rechtzeitig zu Schulbeginn, mußten wir nachsitzen. Eine Uhr hatten wir ja nicht. Und wenn im Winter Schnee lag, ging es ja nicht so schnell. Der Schnee klebte immer an den Holzschuhen fest.

In der Schule

Nun will ich noch mal etwas über meine Eltern schreiben. Vater wurde 1893 geboren. Er war im 1. Weltkrieg Soldat und hat in Frankreich die schlimmen Stellungskämpfe mitgemacht, Verdun usw. 350.000 Tote gab es damals. Er hat aber Glück gehabt, wie alle seine Brüder auch und kam gesund nach Hause. Weil er ja Schlachter war, hat er auch in der Feldküche gearbeitet, die lag ja immer etwas hinter der Front. Nach dem Krieg kam dann für alle eine schlimme Zeit, Inflation und Arbeitslosigkeit. Es wurde mit Millionen gerechnet. Das Geld hatten die Leute in einer Zigarrenkiste, weil es nichts wert war. Danach haben sie dann die Schlachterei angefangen. Die erste Zeit konnte Großvater noch mithelfen. Das Vieh mußte immer in Dammholm geliefert werden. Da war eine amtliche Waage. Leider war da auch eine Gastwirtschaft und so manche Mark blieb dann da. Danach fehlte es beim Verdienst.

Als wir Jungs etwas älter waren, mußten wir immer Kälber holen, mit dem Fahrrad oder mit dem Handwagen. Es waren immer weite Wege. Wenn Vater viele Hausschlachtungen hatte oder mal wieder zu viel getrunken hatte, mußten wir die Kälber auch noch schlachten. Mutter hat dann geholfen. Ein paarmal haben wir sogar Schweine notgeschlachtet.

Dann kaufte Vater das erste Auto. Es war ein ganz alter Mercedes mit zurückklappbarem Verdeck. Wir nannten es ”Hindenburg”, weil er auch so ein Auto fuhr, Das Auto war aber mehr in der Werkstatt als zu Hause, die Reparaturen kosteten viel Geld, auch brauchte er unheimlich viel Benzin.

Mutter wurde 1892 geboren. Ihre Eltern waren Tagelöhner und hatten viele Kinder. Der Vater meiner Mutter war zweimal verheiratet. Die erst Frau ist früh gestorben. Deshalb hatten sie auch Halbgeschwister. Die Halbgeschwister von Mutter sind 1926 alle nach Amerika ausgewandert. Erst ist es ihnen da auch schlecht ergangen. Später sind sie alle was geworden. Nur Tante Abel war eine richtige Schwester. Geboren sind sie in Emmelsbüll. Tante Abel lebte lang in Dagebüll. Da war sie mit einem Postbeamten verheiratet, der Lude Christiansen hieß. Die hatten vier Kinder, Ludolf, Nike, Christine und Jane. Weil es an der Nordsee liegt, haben wir Kinder da ein paarmal Ferien gemacht. Wir sahen zum ersten mal das große Wasser. Nun sollten wir ja auch baden. Unser Geselle, den wir zu der Zeit hatten, nahm mich auf den Rücken und schwamm etwa 50 - 100 m raus. Ich habe gezittert vor Angst. Dann warf er mich von seinem Rücken runter und ich ging gleich unter, schluckte ordentlich Wasser, ich dachte ich war schon tot. Er stellte mich auf meine Füße und das Wasser reichte mir nur bis zur Brust. Er lachte sich halb tot. Und ich hatte seit der Zeit so eine Angst vor dem Wasser, daß ich nie das Schwimmen gelernt habe. Erst mit 50 Jahren habe ich es dann ein bißchen gelernt. Ich hatte gedacht, wenn das Wasser so groß ist, muß es auch so tief sein.

Auch haben wir da geangelt, Aale und Schollen und Krebse. Vater war beinahe beim Schollentreten ertrunken. Im flachen Wasser konnte man die Schollen mit dem Fuß treten. Er merkte nicht, daß die Flut schon am Strand war. Es gab ja manchmal Sandbänke und Priele, das waren ja schlammige Vertiefungen.

Mutter war vor dem ersten Weltkrieg mit einem jungen Mann verlobt. Ich glaube es war ein Bauernsohn. Aber genau weiß ich es nicht. Jedenfalls mußte er auch Soldat werden und ist dann bald gefallen. Mutter war schwanger und hat einen Sohn geboren. Das war Hans, unser Halbbruder. Lange haben wir nichts davon gewußt. Er war bei fremden Leuten groß geworden. Es wurde nie darüber gesprochen. Später haben wir ihn kennengelernt. Er war verheiratet und hatte zwei Kinder, Hauke und Christine. In Stalingrad ist er vermißt und nicht wieder nach Haus gekommen.

Mutter war eine echte Friesin. Wenn die Familie vor ihr zusammen war verstand man kein Wort. Es wurde nur friesisch gesprochen.

Wie Mutter noch ein Kind war, mußte sie im Sommer immer beim Bauern arbeiten. Gänse hüten, Holz in die Küche bringen, Kühe von der Weide holen und auch manches Mal schon melken. Dann ging sie nicht zur Schule. Trotzdem hat sie alles nachgeholt und hat die Buchführung gemacht. Sie hatte eine ganz tolle Schrift.

Meine Großeltern bekamen keine Rente, weil nicht geklebt wurde. Es mußten jeden Tag 7 Personen was zu essen haben und Kleidung zum Anziehen. Wasser mußte aus dem Brunnen geholt werden. Beim Schlachten wurde viel Wasser gebraucht. Also immer viel Arbeit um zu überleben.

Urlaub gab es nie, außer mal Verwandtenbesuche. Ich glaube Mutter ist nur bis Hamburg gekommen, auch nur weil Onkel Karl und Tante Sophie da wohnten. Wenn die Hamburger mal neue Möbel bekamen, bekamen wir die alten. Zum Beispiel die Stühle, die Norbert jetzt hat. Also halte die Stühle in Ehren.

Nach dem Krieg, als Hamburg in Trümmern lag und es nichts zu Essen gab, hatte sich etwas geändert. Wir auf dem Lande konnten doch besser mit der Ernährung fertig werden. Vater hatte in dem ersten Kriegsjahr eine Milchkuh gekauft. Die stand in Weißes-Roß, bei einer Wirtin die alleine lebte und auch eine Kuh hatte und etwas Land. Der Weg dahin war 1 km. Mit dem Fahrrad und der Milchkanne ging es jeden Tag 2 x dahin. Wir hatten also Milch und Butter. Die meiste Milch mußten wir aber abliefern. Aber erst wurde noch ein bißchen Sahne abgelöffelt für die Butter. Auch hat Mutter Käse gemacht, das hatte sie noch gelernt in der schlechten Zeit vom ersten Weltkrieg. Dann hatten wir noch Hühner und Kaninchen. Auch wurde viel schwarz geschlachtet. Das war streng verboten, wer geschnappt wurde, kam hinter Gitter.

So ging es Onkel Lorenz. Er hatte für seinen Bauern in Ülsby ein Schwein geschlachtet. Er fuhr damit nach Hamburg um riesige Geschäfte zu machen. Die Leute in der Stadt gaben alles um zu überleben, Goldschmuck, Teppiche und sonstige Wertsachen. Der Bauer wurde aber geschnappt und gab an, daß Onkel Lorenz das Schwein geschlachtet hatte. Daraufhin wurde bei ihm eine Hausdurchsuchung gemacht und die fanden noch so verschiedene Sachen, die verboten waren. Ein halbes Jahr mußte er absitzen. Später sagte er, eigentlich war es eine ganz schöne Zeit, so wie Urlaub, das kannte er ja auch nicht.

Als ich zwölf war, baute ich einen Bienenkasten. Unser Nachbar Johannes Koch hatte Bienen. Die im Korb gehaltenen Bienen schwärmten 1-2x im Jahr. Ich bekam einen Schwarm. Später hatte ich schon 6 Kästen mit Bienen. So hatten wir auch Honig. Nun hatten wir von Allem etwas und brauchten nicht zu hungern.

Als ich dann in die Lehre ging konnte Mutter die Bienen nicht mehr halten und mußte sie abgeben. Der Anlaß war eigentlich, daß sie mal einen Schwarm mit einer Trittleiter aus einem Baum holen mußte. Sie hatte Gummistiefel an, aber keine Hose, die eigentlich über die Stiefel gezogen werden sollte. Da fielen ihr beim schütteln zehn bis zwanzig Bienen in die Stiefel, die natürlich gleich die Beine zerstochen haben. Sie bekam die Stiefel gar nicht so schnell ausgezogen, die Beine waren angeschwollen. Sie hatte sehr große Schmerzen und mußte zum Arzt. Da hatte sie die Nase voll von der Imkerei.

Auch haben wir Jungs in dem Alter bei den Bauern im Herbst Kartoffeln gesammelt. Man nannte dann die Herbstferien auch ”Kartoffelferien”. Im Frühjahr wurden Rüben gehackt oder gepflanzt. Es gab für den ganzen Tag 2 Reichsmark, für einen halben Tag 1 RM. Wenn die Ferien vorbei waren, hatten wir ein Vermögen von 20 - 30 RM.

Nun soll es aber nicht heißen, daß wir nur arbeiten mußten. Wir haben auch viel gespielt und gebastelt. Wir haben Schlittschuh gelaufen und Höhlen und Bunker gebaut.

Wir sind mit den Knechten, die bei den Bauern noch mit Pferden gepflügt haben, stundenlang mitgelaufen, haben abends mal mit den Knechten einen Streifzug durch den Wald gemacht, wenn sie die Krähen- und Elsternester nach Eier absuchten. Dabei wurde es mal zu spät, wir hatten uns nicht abgemeldet und die Eltern wußten nicht wo wir waren. Als wir dann gegen elf Uhr nach Hause kamen, natürlich mit einem schlechten Gewissen, waren alle Türen abgeschlossen und nichts rührte sich. Da es aber schon dunkel wurde und wir ja ins Bett wollten, nahm Helmut, mein Bruder, einen Stock und schlug eine Scheibe ein, damit wir an den Riegel kamen. Zur Überraschung standen nun auf einmal meine Eltern da, was dann passierte kann man sich ja vorstellen. Wir haben uns dann immer abgemeldet.

Ein anderes mal hatte Helmut was ausgefressen, zur Strafe wurde er in die Räucherkammer gesperrt. Da drin war es dunkel und es stank nach Rauch. Er schrie und tobte und wollte wieder raus. Da kam der Schornsteinfeger und hörte das Schreien. Er sagte ”das kann ich nicht mit anhören” und machte die Tür auf. Als Helmut den Schornsteinfeger sah, fragte er ” hat jemand gesagt, daß du die Tür aufmachen sollst ?” Da antwortete er ” nein aber komm man raus”. Da sagte Helmut ”dann mach die Tür man wieder zu”.

In der Schule wurde Schlagball und Völkerball gespielt. An der einen Seite waren ein Schulgarten und Turngeräte.

Im Sommer hatten wir mal die Idee, ”Eis” zu machen. Die Eltern eines Mitschülers hatten eine Eismaschine. Die sah aus wie eine Gasflasche, hatte aber zwei Wandungen. Zwischen diese beiden Wandungen kam Eis zum Kühlen, was wir aber nicht hatten. Wir nahmen kaltes Wasser aus dem Brunnen, was natürlich nicht ausreichte zum Kühlen und Eis machen. In den inneren Behälter kam die Milch, Puddingpulver, Zucker usw. Das sollte Speiseeis werden. Wir drehten in der großen Pause, die 20 Minuten dauerte, abwechselnd an der Kurbel. Die Pause war um und das Eis war immer noch nicht fertig. So mußten zwei Schüler die nächste Stunden draußen bleiben zum Drehen. Da wir ein Diktat schreiben sollten, meldete ich mich und mein Banknachbar. Diktat war nicht meine Stärke. Nach einer halben Stunde ging auf einmal die Tür auf und unser Lehrer stand mit dem Reetstock in der Tür. Erst gab es eine ordentliche Predigt, danach Prügel mit dem Stock. Da dieser aber am Ende aufgespalten war, hat er sich die Finger geklemmt. Da wurde er noch wütender und hat und so doll geschlagen, daß das Blut an den Beinen runter lief. Wir hatten ja immer kurze Hosen an. Das Eis wurde nie fertig, wir hätten noch drei Stunden drehen können. Es fehlte das Kühleis.

Unser Lehrer hieß Nachtigall. Er war neben seinem Beruf als Lehrer noch Parteiredner. Er starb noch während des Krieges und wurde in seiner tollen Uniform beerdigt. Wäre er nicht gestorben, hätten die Engländer ihn bestimmt eingesperrt.

Vom Jungvolk aus mußten wir einmal in der Woche zum Dienst. Wir machten Geländespiele gegen andere Dörfer. Die eine Partei bekam einen roten Wollfaden um den Arm, die andere Partei einen blauen. Danach ging es kilometerweit durchs Gelände. Die Späher hatten den Feind schon beobachtet und führten dann die Parteien zusammen. Dann ging es Mann gegen Mann. War der Faden durchgerissen, war man tot und durfte nicht mehr eingreifen. Ein Schiedsrichter mußte dann entscheiden wer gewonnen hatte.

Sonntags mußten wir mit der Sammeldose los, sammeln für das Winterhilfswerk, dann wieder Knochen, Eisen und Papier. Im Herbst gings von Haus zu Haus. Da wurde alle gesammelt, was die Leute nicht aus ihrem Garten selbst brauchten. Äpfel, Birnen, Kürbisse und Gurken. Das brachten wir nach Havetoftloit, da war ein Lager mit Arbeitsdienst für Mädchen. Die mußten alles in Dosen verarbeiten. So kam nichts um, wir sollten ja unabhängig werden vom Ausland. Alle Mädchen mußten ein Jahr diesen Dienst tun. Ein paar Wochen mußten sie beim Bauern alle Hausarbeiten mitmachen, Gartenarbeit, im Haushalt und im Stall. Da war eigentlich eine gute Sache.

Auch die Männer mußten zum Arbeitsdienst. Die machten an der Nordsee ”Landgewinnung”. Sie bauten im Wald Wege und machten Land urbar. Es gab 20 Pfennig Taschengeld am Tag. Wenn sie zum Einsatz marschierten, mit dem Spaten auf der Schulter, der natürlich so blank war, daß man davon essen konnte, sangen sie ” 20 Pfennig ist der Reinverdienst, ein jeder muß zum Arbeitsdienst”.

Am 1. April 1941 kam ich in die Lehre. Ich wollte Tischler werden und kam nach Süderbrarup. Es war ein kleiner Betrieb. Der Meister, ein Geselle und drei Lehrlinge. Der Geselle war etwas verwachsen, er hatte einen Buckel und wurde kein Soldat. Ich habe da auch gewohnt und gegessen. Auch der Lehrling der schon 1 Jahr gelernt hatte wohnte beim Meister. Nun ging die Arbeit los. Erstmal hobeln und sägen mit der Hand. Ich war aber so klein, ich konnte nicht richtig auf die Hobelbank langen. Da bauten wir eine Erhöhung, da ging es besser, Tagelang mit der großen Handsäge eine 4 ½ cm dicke Bohle in Streifen schneiden, danach mit der Rauhbank die Hölzer behobeln. Die Rauhbank ist eine Hobel, etwa 60 cm lang und wog bestimmt 5 to. Die Hölzer mußten aber genau 4 cm und winklig gehobelt werden. Es sollten nämlich die Beine für Milchhocker werden. Die Sitzplatte wurde mit einer Schweifsäge ausgeschnitten, natürlich mit der Hand. Ich glaube der 10. Milchhocker war erst zu gebrauchen. Die anderen wanderten in den Ofen. Danach mußten sich meine Hände erholen. Die waren voller Blasen und Wunden. Das gehörte dazu, aber am liebsten wäre ich davongelaufen. Aber es dauerte gar nicht lange und die Arbeit machte Spaß. Ich konnte ja auch sehen, was die anderen Lehrlinge schon für schöne Möbel bauten. Es wurde bis Samstagmittag gearbeitet. Danach 2 - 3 Stunden die Werkstatt und alle Maschinen gereinigt und geölt. Erst wenn der Meister die Arbeit abgenommen hatte, durften wir nach Hause fahren. Wenn er in den Ecken noch etwas fand, was nicht in Ordnung war, ging das Saubermachen weiter.

Mit 14 Jahren kamen wir dann in die ”H.J.” (Hitler Jugend). Da gab es andere Angebote, Schießen auf dem Schießstand mit Kleinkaliber 6 mm, Motorrad fahren auf dem Marktplatz. Auf den Straßen durften wir ja nicht ohne Führerschein fahren. Wer nun in Kiel auf der Werft gelernt hat, konnte auch zur Marine-H.J. gehen. Die haben dann mit Wasser und Schiffen etwas gemacht. Später auch bei der Flugabwehr eingesetzt.

Auch wir mußten mit 16 Jahren zur Wehrertüchtigung in ein Lager in Meggerdorf bei Rendsburg. Als Ausbilder hatten wir ”SS” Führer, die nicht mehr fronttauglich waren. Im Gelände holte ein Armamputierter einen russischen Kriegsgefangenen vom Rübenwagen, weil er nicht gegrüßt hatte. Später meinte er, er hätte in Rußland seinen Arm verloren und eine große Wut auf die Russen. Ich dachte immer, wer in Kriegsgefangenschaft war, war ordentlich zu behandeln,

Es hat uns ja Spaß gemacht, all diese Sachen, Jungvolk, H.J., Wehrertüchtigung. Das alles war schon eine Vorbereitung für das richtige Soldatentum.

Meine Lehre ging weiter. Wir fertigten auch Särge an und als die älteren Lehrlinge eingezogen wurden, mußte ich auch die Toten mit in den Sarg legen und mit einer zweirädrigen Karre zur Leichenhalle fahren. Das war gar nicht so einfach. Mir wurde manchmal ganz übel.

Inzwischen flogen die Engländer und Amerikaner schon schwere Luftangriffe auf Hamburg und Kiel. Einen ganz schweren Angriff auf Hamburg flogen sie mit Phosphorbomben. Viele tausend Menschen kamen dabei um. Phosphor war nicht mit Wasser zu löschen. Etwas über hundert zum Teil schwer verbrannte, meist ältere Leute kamen nach Süderbrarup. Da war ein Arbeitsdienstlager für Mädchen. Die mußten zwei Baracken ”Holzhäuser” freimachen. Es wurde ein Hilfskrankenhaus eingerichtet. Auch hier starben fast jeden Tag einige von diesen schwer verbrannten Leuten. Es war ein grausiger Anblick. Haare abgebrannt und die Wunden rohes Fleisch. Wir konnten fast nicht so viele Särge machen, wie gebraucht wurden. Die Jungs wurden immer jünger, wenn sie eingezogen wurden. Eines Tages mußte das ganze Fähnlein ”H.J.” zum Appell antreten. Es kam eine Abordnung von der ”SS”. Sie warben für Freiwillige. Die wollten natürlich am liebsten große blonde Jungs haben. Einige der älteren Hitlerjungen meldeten sich dann auch. Darunter auch meine Schulkamerad. Er wurde auch bald eingezogen. Ein halbes Jahr später war er schon gefallen. Da meinte mein Meister, er wolle versuchen, daß wir ½ Jahr früher unsere Gesellenprüfung machen konnten, was dann auch geschah. Als Gesellenstück machte ich einen Schreibtisch, Eiche und Nuß. Die linke Seite Schubkästenzüge, davor eine Tür, die rechte Seite nur Einlageböden, auch mit einer Tür. Im Mittelteil einen Schubkasten mit verschiedenen Einsätzen. Aber erst mußte ich eine Zeichnung machen. Es war ein schönes Stück. In Schleswig war die Prüfung. Als Arbeitsprobe mußten wir ein kleines Fenster machen, dazu eine Zeichnung und ausrechnen, wie viel Holz im Fenster verarbeitet wurde. Ich habe die Prüfung mit ”gut” bestanden. Ich hätte es gerne für mich behalten, aber die Tochter von meinem Meister bekam den Schreibtisch als Hochzeitsgeschenk. Am Wochenende gab es Lohn. Ich stellte mich auch mit hin, ich dachte du bist jetzt Geselle und bekommst auch den Gesellenlohn. Dem war aber nicht so. Der Meister meinte, dein Lehrvertrag geht bis zum 1. April 1944. Die Prüfung war nur vorgezogen, falls wir plötzlich eingezogen würden. Ich bekam aber trotzdem 5 Reichsmark. Ich war bitter enttäuscht, aber Vertrag ist Vertrag.

Aber schon am 2. Dezember 1943 wurde ich eingezogen zum Arbeitsdienst. Ich war nun der dritte Sohn, der in den Krieg zog. Mutter weinte und war sehr traurig. Ich fand den Abschied auch nicht besonders schön, aber verweigern gab es nicht. So fuhr ich dann einen Tag vorher nach Süderbrarup und von da mit noch einem jungen Mann nach Neuengamme, wo wir uns stellen mußten. Das Lager war ein Barackenlager und fast nicht mehr bewohnbar. Es kamen nur 20 Mann an, alles Handwerker. Wir sollten nun so schnell wie möglich das Lager bewohnbar machen. Da die Vorgänger noch Pferde hatten, auch war da noch ein Schweinestall und Abfälle. Die Ratten fühlten sich da wohl. Nachts liefen die bei uns über die Strohsäcke. Zunächst ging es den Ratten an den Kragen. Wir bauten verschiedene Fallen und die Löcher wurden abgedichtet, damit sie nicht mehr rein konnten. Die Tischler mußten Fenster und Türen, Fußböden usw. reparieren. Andere mußten einen Splittergraben bauen. Wir waren ja nicht weit von Hamburg entfernt und einen Bunker gab es nicht.

Nicht weit von uns war das ”KZ” Lager. Die armen Menschen sahen jämmerlich aus in ihren gestreiften Anzügen. Sie mußten für die Rüstung arbeiten. Uns sagte man, es sind Volksfeinde und anders Denkende. Wir konnten uns ja nur was denken, sagen durfte man ja nichts.

RAD Flack mit 18 Jahren

Als Mitte Januar der Rest der Einheit kam, ging die Ausbildung erst los. Einen Spaten haben wir gar nicht gesehen, war für den Arbeitsdienst ja üblich war. Wir bekamen Gewehre und wurden zu Flaksoldaten ausgebildet. Es war eine schwere Flakeinheit mit 8,8 cm Kanonen, dazu drei 2 cm Flakgeschütze. Nachts waren die Geschütze im Einsatz, am Tage wurden wir daran geschult. Ich glaube es war April als wir nach Holland verlegt wurden, um unsere eigene Batterie zu übernehmen. An jedem Geschütz war noch ein alter Flaksoldat, um uns noch weiter auszubilden. Wir sahen eine alte Stellung, die von einem Bomberverband angegriffen wurde. Bombentrichter an Bombentrichter. Es war nämlich die Einflugschneise nach Deutschland. Jeden Tag flogen die Engländer und Amerikaner über uns weg. Wir sahen die Kondensstreifen, es waren immer hunderte Bomber mit Jagdschutz. Die 8,8 cm Geschütze haben ein paar abgeschossen, aber die Masse hat immer das Ziel erreicht. Nachts, wenn die Nachtjäger gestartet sind, durften wir nicht schießen. Da mußten die 2 cm Geschütze Landschutz geben. Dann mußte mal kurz die Landebahn beleuchtet werden. Die Gelegenheit nutzten die feindlichen Jäger, um noch mal den Flugplatz anzugreifen.

Wir mußten oft Stellungswechsel machen, von Hengelo nach Eindhoven, von da nach Arnheim. Wir mußten Flugplätze und Brücken beschützen. Auch die 2 cm Flak hat ein paar Maschinen abgeschossen, wenn die uns im Tiefflug angriffen. Bei so einem Angriff hatten wir auch den ersten Toten.

Ich muß noch mal was von Neuengamme erzählen. Unser Oberstfeldmeister hieß Hausschild. Seine Familie wurde bei einem Angriff auf Hamburg getötet. Seine Frau und drei Kinder. Ich mußte für ihn in einer Tischlerwerkstatt ein großes Kreuz aus Eiche machen. Es war ganz am Boden zerstört, aber er durfte es sich nicht anmerken lassen.

Die Invasionstruppen waren ja schon im Mai in Frankreich gelandet und kamen immer näher. Als die in Holland am Albertkanal standen, mußte unsere Batterie eine Auffangstellung beziehen. Die lag etwa 10 km weiter zurück, auch ein Wasserlauf, der Wilhelminen-Kanal. Eines Tages, es war der 16. September, hörten wir nachmittags ein ganz lautes Motorengeräusch. Erst dachten wir, daß es Panzerverbände waren. Dann kam aber in 3-4.000 m Höhe ein riesiger Verband Flugzeuge mit Lastensegler in schlepp. Was nun ? Die 8,8 cm Flak lag eingegraben am Kanal und durfte nur auf Panzer schießen und wir konnten sie nicht erreichen. Die 2 cm reichte nur 2.000 m. Da öffneten sich die Türen und tausende Fallschirmjäger sprangen ab. Ebenfalls landeten die Lastensegler. Wir waren vollkommen überrascht und eingeschlossen von einer großen Übermacht, dazu von Elitetruppen, die bestens ausgerüstet waren. Die Lastensegler hatten schon leichte gepanzerte Fahrzeuge mit. Nun kam der Befehl die 2 cm Geschütze sollten sich nach Rückwärts verteidigen und mußten aus ihren Stellungen mit der Lafette über freies Gelände zum Ortsausgang. Wir kamen aber nicht weit, überall waren schon Machinengewehr-Nester und schossen uns wie die Hasen ab. Es waren schon viele Kameraden gefallen, da hieß es, rette sich wer kann. Meine Geschützkameraden versuchten nun, nur mit Karabinern zu den 8,8 cm Kanonen zu kommen. Wir waren ungefähr halb zum Kanal gerobbt, als man uns gesehen hat und uns gleich mit Maschinengewehren beschoß. Der eine Kamerad wurde getroffen. Ich wollte ihm helfen und kam ein bißchen hoch über die Kartoffelreihen. Da wurde ich von einer Maschinengewehr-Salve an beiden Armen getroffen. Der Schmerz war gar nicht so groß, aber ich blutete sehr stark. Ich wußte, wenn ich ruhig liegen bleibe verblute ich. Deshalb rief ich so laut ich konnte ”schießt doch endlich”. Da fing die 8,8 cm Flak an zu schießen und die Angreifer zogen sich zurück. Ich sprang einfach auf und rannte die 50 m aufrecht zum Geschütz. Die Kameraden zogen mich über die Mauer, ich war erstmal in Sicherheit. Nachdem man mich notdürftig versorgt hatte, versuchte ich, im Schutze des Deiches über die Brücke zur anderen Seite des Kanals zu kommen. Die Brücke war aber 200 m entfernt. Ich hab es aber geschafft. Ich war ein paar hundert Meter über die Brücke im Schutze der Häuser in den Ort gelaufen, als die Brücke in die Luft flog. Ein Pionier hatte nämlich die Aufgabe die Brücke zu sprengen, wenn das erste feindliche Fahrzeug darüber fährt. Das war ein gepanzerter Spähwagen. Sanitäter haben mich und andere Soldaten, die dazu kamen, versorgt. In der Nacht hat man dann die verwundeten Soldaten mit einem LKW nach Deutschland ”Oberhausen” gebracht. Es waren alles Schwerverwundete, alle haben es gar nicht geschafft. Ich saß auf einem Stuhl, hinter dem Fahrerhaus, die beiden Arme mit Verband vor dem Bauch gebunden, über die Schultern eine Decke. Der Verband war schon durchblutet und das Blut lief über die Hose. Aber ich wurde nicht ohnmächtig, obgleich mir schon manchesmal schwarz vor Augen wurde.

Im Lazarett

In Oberhausen, es war eine Schule, hatte man ein Lazarett eingerichtet. Wir wurden alle auf Tische gelegt und von den Verbänden befreit, damit die Ärzte oder Sanitäter sehen konnten, wie schlimm die Verwundungen waren. Bei mir angekommen, meinten die Herren, beide Arme amputieren. Ich dachte, ich höre nicht richtig und war auch schon runter vom Tisch. Ich gab erst Ruhe, als sie versicherten, daß die Arme in Gips kommen, für den Transport nach Bad-Reichenhall. Da bin ich dann das erste mal ohnmächtig geworden. Als ich dann wieder wach wurde, lag ich auf einem Strohbett in einer Schulklasse. Mein erster Blick war natürlich, ob die Arme noch dran waren. Eine hübsche Krankenschwester saß bei uns. Ich wurde das erste Mal gefüttert wie ein Baby, das sollte dann auch für Monate so weiter gehen. Wir bekamen dann Schmerztabletten und haben geschlafen. Mit dem Lazarettzug ging es dann über München nach Bad-Reichenhall. Da wurden wir in verschiedene Lazarette verteilt. Da meine Schlagadern frei lagen, kam ich in ein Lazarett für Aneurysma-Verletzte. Das war, glaube ich heute noch, mein Glück. Es waren ganz tolle Ärzte und katholische Nonnen da, die verstanden ihr Geschäft. Aber es waren auch junge D.R.K.-Schwestern da. Ich mußte dringend Wasser lassen, das erste mal habe ich gewartet, bis ein Krankenpfleger kam. Da hab ich gleich 2 Flaschen voll gemacht. Ich hab mich ja nicht getraut zu fragen, ob die jungen Krankenschwestern mal meinem kleinen Mann in die Flasche helfen würden. Später war es selbstverständlich. Ich war ja monatelang auf Hilfe angewiesen. Ich bin dann glaube ich 13-mal operiert worden. Knochensplitter entfernt, den Knochen noch mal gebrochen und neu gerichtet. Das Schlimmste waren die Gummischläuche, die durch den Schoßkanal geschoben wurden, damit Eiter besser abfließen konnte und die Wunden zu schnell von außen verheilten. Die mußten jeden Tag gedreht und gereinigt werden. Wir lagen in einem Zimmer mit 7 Betten. Die erste Zeit war es sehr ruhig, jeder hatte seine Sorgen. Später wurde es dann ein bißchen lustiger, wir hatten viel Spaß. Betreut wurden wir von ”B.D.M.” Mädchen. Die schrieben für uns Briefe, die wie ich an den Armen verletzt waren. Wer gehen konnte, wurde von den Mädchen begleitet. Weihnachten wurden wir von den umliegenden Dorfbewohnern eingeladen und mit Pferdewagen abgeholt. Es gab Kaffee und Kuchen, sie machten Musik und führten kleine Theaterstücke auf. Dann kamen die Amerikaner immer näher und neue Verwundete kamen dazu. Die brachten auch Läuse mit. Es dauerte gar nicht lange und wir hatten alle welche von diesen kleinen Tierchen. So mußten wir dann alle entlaust werden. Auch war das Führerhauptquartier in unserer Nähe. Deshalb gab es auch viele Offiziere und Fähnriche in der Stadt. Als ich das erste Mal mit einem etwas älteren Verwundeten in die Stadt ging, kam uns so ein junger Fähnrich entgegen. Weil ich nicht grüßte, meinte er mich auf offener Straße fertig machen zu müssen. Das kam aber anders, mein älterer Kamerad machte den Fähnrich fertig, er zog aus meiner Tasche eine Bescheinigung, daß ich nicht grüßen konnte. Die konnten es einfach nicht lassen, obgleich das Ende schon kurz bevor stand.

Ende März 1945 waren dann die Amerikaner da . Es gab noch Kämpfe in der Nähe des Lazaretts. Es lagen zwei tote Pferde auf der Straße, die dann von unserem Küchenpersonal geschlachtet wurden. Die Verpflegung wurde schon knapp. Auch hatten sich ein paar hohe Offiziere in unser Lazarett mit Koffern einquartiert, man konnte aber nicht sehen, daß die verwundet waren. Die Amerikaner haben aber nicht das Lazarett nach ”SS” Soldaten untersucht, sondern nur vorm Eingang Posten gestellt.

Dann war der Krieg endlich vorbei, es wurde nicht mehr geschossen und es fielen keine Bomben mehr. Meine Wunden waren fast abgeheilt und wer konnte, wurde aus dem Lazarett entlassen. Wir kamen in ein Lager in Bad-Eibling, das war ein Flugplatz gewesen. Das Lager war in verschiedene Zellen eingerichtet. In einer Lagerzelle waren Ungarn, dann die in englischen Zonen beheimatet waren usw., eine Zelle für ”SS” Angehörige. Denen ging es am schlechtesten, kaum was zu essen. Auch wir bekamen nicht viel, aber wir hatten uns ein bißchen Reiseproviant gespart. Wir waren über eine Woche bei Dauerregen, Sturm und Gewitter im Freien, ohne Zelt. Wir hatten nur eine Decke und vom Zelt so ein Dreieck. Mit einer Konservendose haben wir einen kleinen Hügel gekratzt, damit wir nicht im Wasser sitzen mußten, von Liegen war gar keine Rede. Dann bekamen wir unsere Entlassungspapiere. Man hatte uns geraten, sich in die amerikanische Zone entlassen zu lassen. Wir haben als Heimatort Allendorf bei Kassel angegeben. Das war nicht weit von der englischen Zonengrenze. Mit großen Lastwagen wurden wir wie Schweine verladen, so mit einem Stock auf den Hintern, wer nicht schnell genug auf den Wagen kam. Kurz vor dem letzten Durchgangslager sprangen wir in einer kleinen Stadt, wo die Straßen eng waren, vom L.K.W. und verschwanden um die nächste Ecke. Man hatte uns die Entlassungspapiere gelassen. Nun mußten wir aber sehen, wie wir alleine zurecht kamen. Vor allem ging es um die Verpflegung. Die Bürgermeister gaben uns nur für einen Tag Marken. Das reichte gerade für eine Mahlzeit. In Allendorf angekommen, wollte der Bürgermeister uns gar nicht aufnehmen, weil wir da nicht hingehörten. Er brachte uns aber bei Bauern unter, aber getrennt. Meinen Kamerad bei einem großen Bauern, mich bei einem kleineren. Ich bekam das Bett von dem Sohn, der in Rußland vermißt war. Nun mußte ich ja etwas arbeiten. Erst habe ich versucht Holz zu stapeln, das ging natürlich nicht, danach mit Kühen zu pflügen, das ging auch nicht. Da kam der Sohn plötzlich nach Haus. Die Freude war groß, aber er hatte ein Bein verloren. Eine Woche waren wir da, dann machten wir uns wieder auf den Weg nach Norden. Mit dem Milchwagen nach Kassel, dann mit einem Holzkohlenlastwagen über die englische Zonengrenze. Der Fahrer durfte über die Grenze, aber keine Personen befördern. Deshalb hat er uns vor der Grenze abgeladen. Als er losfuhr sprangen wir wieder auf und versteckten uns unter einer großen Plane. Wir lagen ganz flach, die Posten haben uns nicht gesehen. Nun ging es weiter Richtung Hannover. Meistens zu Fuß, denn es war eine große Völkerwanderung. Flüchtlinge, Heimkehrer und viele Zwangsarbeiter, die aus Polen und anderen Ländern bei uns arbeiten mußten. Die waren jetzt frei und haben ganz schön ihre Freiheit ausgetobt. Von Hannover aus wollten wir versuchen mit einem Zug nach Harburg zu kommen. In Hannover wollte mir so eine Truppe Polen meine Bergstiefel klauen. Da kamen aber wieder Kameraden und haben es nicht zugelassen. Ich hab dann die Stiefel angezogen und meine Schuhe in den Rucksack getan. Die Stiefel hatte ich aus einem Vorratslager der Wehrmacht, welches, kurz bevor die Amerikaner kamen, für die Bevölkerung freigegeben wurde.

Wir hatten dann das Glück, mit einem Kohlenzug nach Harburg zu fahren. Da es die ganze Zeit geregnet hat, waren wir schwarz wie die Neger. Die Elbe war noch mal eine Kontrollgrenze. Es war ein Lager, wo jeder noch mal kontrolliert wurde, hauptsächlich wurde immer nach ”SS” Leuten gesucht. Die hatten ja unterm Arm ihre Blutgruppe eintätowiert. Wie wir kamen, wurde gerade ein Trupp fertig aufgestellt, die über die Elbe durften. Die waren schon ein paar Tage im Lager gewesen. Es waren wohl 500 Mann. Mein Kamerad sagte, wir stellen uns einfach mit in die Reihe, das fällt gar nicht auf. Und wir marschierten in 5er Reihen über die Elbe. In Hamburg haben wir uns dann getrennt. Er war aus der russischen Zone, wollte aber seine Familie in Norddeutschland suchen. Leider habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich weiß nicht wie es mir ohne ihn ergangen wäre.

In Hamburg suchte ich nun die Wohnung von Onkel Karl und Tante Sophie. In Klein-Flottbek hatte ich Erfolg, die Wohnung stand noch und ich klingelte. Tante Anna, die Frau von Onkel Karl machte einen Spalt auf und schrie gleich los, ”Karl komm schnell her, da steht ein Neger vor der Tür”. Es dauerte schon ein bißchen, bis es klar war, wer ich war. Im Keller hab ich dann erstmal ein Bad genommen, um den ganzen Kohlenstaub loszuwerden. Nun war ich auch nicht mehr zu halten, ich wollte nach Haus. Aber die letzten 140 km waren noch mal schwierig. Es hielt kein Fahrzeug an. So dauerte es noch zwei Tage bis ich mein Elternhaus in Tordschell erreicht habe. Um 9.00 Uhr war nämlich Ausgangssperre, da durfte niemand mehr die Straße betreten. Von Schleswig hatte ich dann das Glück, mit einem Bauern aus Esmark zu fahren. Die Begrüßung war natürlich herzlich. Ich war der Erste, der nach Hause kam. Es wurde auch Zeit, denn die Wunde am rechten Arm war schon wieder entzündet. Ich war die ganze Zeit, von meiner Einziehung am 02.12.1943 bis zur Entlassung im Juli 1945 , nicht einmal in Urlaub gewesen. Deshalb gab es viel zu erzählen, was ich gemacht habe und was zu Hause passiert war. Wer gefallen oder gestorben war und die Zeit sich doch verändert hatte. Am schlimmsten hatte es aber die getroffen, die ihre Häuser und Heimat verloren hatten. Die Flüchtlinge und Vertriebenen. So kam es dann auch, daß jedes Haus Flüchtlinge aufnehmen mußte. Bei uns war eine Frau mit drei Kindern. Die Mutter davon wohnte bei unserem Nachbar Koch. Alle mußten zusammenrücken. Es war eine schlimme Zeit. Jeder wollte überleben, so wurde immer eingebrochen. Schweine, Geflügel geklaut und abgeschlachtet. Im Wald lag kein Zweig mehr und kein Stubben war mehr vorhanden. Die Zuteilungen waren knapp bemessen. Ein Flüchtling kam mit einem Ochsenwagen. Als sie das Ziel erreicht hatten, wurde der Ochse bei uns geschlachtet und alle hatten erstmal was zu essen. Mutter erzählte, daß sie im letzten Kriegsjahr für Holzfäller aus Bayern, die im Wald Holz für die Holzkohlenautos machten, gekocht hat. Sie konnte gut Kochen, aber die Bayern kannten ja keine Kartoffeln, die es bei uns immer gibt, sie wollten immer Knödel. Da meine Verwundung sich immer schlimmer entzündete, mußte ich schon bald in ein Lazarett oder Krankenhaus. In Satrup, 4 km von uns, war noch ein Lazarett. Ich meldete mich da und kam gleich am anderen Tag zum operieren. Der Arzt sagte, es ist nicht schlimm, wir werden nur die Fistel am Knochen abkratzen, dann wird es schnell verheilen. Es waren am selben Tag noch andere operiert worden. Wir lagen alle in einer Schulklasse, wieder auf Strohklappen. Da der Krieg ja vorbei war, haben die Lazarettbesatzung, Ärzte, Krankenschwestern usw. auch gefeiert und wir lagen da, ohne große Betreuung. Am Abend sollte Fieber gemessen werden. Eine Schwester kam rein und fragte hat jemand Fieber ? Alle meinten nein. Nur mein Bettnachbar sagte, komm mal und guck nach dem Jungen. Ich war bewußtlos und im Stroh war eine große Blutlache. Wenn mein Nachbar nichts gesagt hätte, wäre ich am anderen Tag verblutet. Ich wurde am selben Abend noch mal operiert und bekam eine Blutübertragung. Eine Krankenschwester hatte sich gemeldet. Sie hatte die selbe Blutgruppe. Am anderen Tag kam Mutter und brachte was zu Essen und eine Flasche Milch. Ich konnte kein Wort sagen. Ich wollte bloß weg von diesem Pfuscher. Das ging ja aber auch nicht. So mußte ich noch eine Woche bleiben, danach konnte ich nach Hause, mußte aber jeden Tag zum verbinden. Inzwischen war ein älterer Schulkamerad, der Sohn unseres Schuhmachers, aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause gekommen. Er war halb verhungert. Es waren nur Haut und Knochen, nur einen dicken Bauch hatte er. Wir beide fuhren jeden Tag mit dem Kutschwagen zur Behandlung. So ganz langsam ging es uns dann besser. Ich bin dann noch mal in Flensburg im Krankenhaus gewesen. Danach war endlich alles abgeheilt. Nur ein paar Knochensplitter wanderten noch mal durch die Haut. Die konnte ich aber selbst entfernen. Wie ich aber gehört habe, was die Jungs in Rußland aller durchgemacht haben, wurde mir erst bewußt, was ich bis dahin für ein Glück gehabt habe.

Nun war ich 20 Jahre und mußte sehen was in Zukunft geschehen soll. Deutschland hatte den Krieg verloren und es lag alles in Trümmern. Aber es mußte ja wieder aufgebaut werden. Unsere Gegner wollten eigentlich nicht, daß Deutschland wieder so stark wird. Auf der anderen Seite hatten die auch Angst, daß Stalin die Weltherrschaft übernimmt. Also hat Amerika mit ”E.R.P.” Mitteln Geld nach Deutschland gebracht und der Aufbau konnte beginnen.

Ich wollte wieder Tischler werden und in meinem Beruf arbeiten. So mußte ich erstmal wieder meine Arme an die Arbeit gewöhnen und machte bei uns auf dem Boden eine kleine Werkstatt auf. Ich baute Kinderspielzeug, Schmuckkästen und Nähkästen, später sogar auch Betten und Möbel für Flüchtlinge. Da das Geld nichts wert war, bezahlten die Bauern mit Holz, Butter und Eiern. Ich hab in der Tischlerei, wo Klaus Mehrens gelernt hat, das Holz gehobelt und grob zugeschnitten, in meiner kleinen Werkstatt dann weiter bearbeitet. Dann kam ein junger Mann, der konnte gut malen. Für die Bilder machte ich dann Bilderrahmen. Ein oder zwei dieser Bilder hat Monika noch bekommen. Er war klein und hatte einen Buckel. Er hatte bei den Mädchen klein Glück, auch wurde er oft gehänselt. Eines Tages hat er sich erhängt.

Mein Geschäft ging immer besser und es waren manchmal drei Männer da, die geholfen haben. Eine neue Idee hatte ich. Ich baute eine große Siruppresse mit zwei Spindeln. Diese Presse ging von Bauer zu Bauer. Für einen Zentner Zuckerrüben nahm ich 1 Pfund Sirup. Ich hatte so viel, daß wir es nicht aufessen konnten. So kam einer auf die Idee, wir machen Schnaps daraus. Inzwischen war Helmut aus der Gefangenschaft gekommen, er war noch 1 ¾ Jahre jünger als ich und war bei einer Pioniereinheit, auch im Westen. Er hatte auch eine kleine Verwundung am Arm, fast die selbe Stelle wie bei mir, am Oberarm. Es war aber nur eine Fleischwunde. Er hat die Brennerei übernommen. Es war ja verboten, aber verboten war ja fast alles. Eines Tages hat man bei uns eingebrochen. Wir haben alle nichts gehört, obgleich nur eine Wand zwischen Schlafzimmer und Schlachthaus war. Auf dem Boden vom Schlachthaus hatte Vater Sägespäne zum trocknen gelegt, deshalb hatten wir keine Schritte gehört. Man hatte die ganze Räucherkammer ausgeräumt. Schinken, Speck und Wurst. Es waren alles Sachen von fremden Leuten. Am anderen Morgen, als wir die Bescherung gesehen haben, bin ich gleich angefangen und hab Spuren sichergestellt. Die Kripo war benachrichtigt, kam aber erst gegen Mittag. Ich machte aus Pappe Stiefelabdrücke von den Spuren, die ich im Garten fand. Durch einen jungen Mann wußte ich, wo das Auto gestanden hatte. Da das Auto auch da gewendet hatte, konnte ich die Profile von allen vier Reifen aufzeichnen. Dann hatte ich noch das Glück und fand ein Stück Lungenwurst, welches der eine Dieb ausgespuckt hatte. So wußte man in welche Richtung gesucht werden mußte. Anhand dieser drei Sachen konnte etwas später in Schleswig, in einem Polenlager, die Beute sichergestellt werden. Die Kripo und die englische Militärpolizei hatten das zusammen gemacht. Etwas fehlte schon, ein anderer Teil wurde nicht ausgeliefert. Die Schinken waren viel größer, als die Bauern angegeben hatten. Wie alles vorbei war, kam noch mal ein Kripobeamter, bedankte sich bei mir und wollte, daß ich doch zur Polizei gehen solle. Ohne meine Beweise hätten sie die Bande nicht geschnappt. Die hatten aber schon viel mehr auf dem Konto. Ich bin aber lieber Tischler geblieben, denn mit meiner Rechtschreibung wäre ich wohl nicht weit gekommen. Meine Arme hatten sich an die Arbeit gewöhnt und als 1948 die Währungsreform kam, hatten die Handwerker und Geschäftsleute auch wieder Lust etwas zu machen. Es gab ja jetzt die ”DM”. Das Reichsmarkkonto wurde auf 5 % abgewertet. Außerdem gab es pro Person 40 DM. Auf meinem Konto hatte ich 2.896,80 RM, dafür bekam ich 144,84 DM. Kurz vor der Währungsreform haben wir noch die Hypothek, die auf dem Haus war, eingelöst. Es war ein Privatmann, er wollte das Geld nicht annehmen, weil die Reichsmark nichts Wert war. Onkel Karl, der Finanzmann aus Hamburg setzte einen Brief auf. Darin stand, daß die ”RM” noch geltendes Zahlungsmittel ist und er das Geld annehmen muß. Das hat auch geklappt. Meine Eltern haben faßt 30 Jahre erhöhte Zinsen bezahlt. Ich glaube es waren 12 %. Das Geld was fehlte, hab ich dazu gegeben.

Von 1948 - 1949 habe ich dann in Böklund bei 2 Tischlereien und in einer Stellmacherei Aushilfsarbeiten gemacht. In der Stellmacherei war auch ein Geselle, ein Flüchtling aus Pommern. Wir haben nach Feierabend Spinnräder gebaut. Ich hatte immer die Schwungräder vorsichtig mit der Hand gemacht. Er meinte, das mach ich mit der Drehbank. Er wollte die Felgen rund drehen und gleich eine Rille für den Antriebsriemen. Er hatte eben das Eisen angesetzt, da flog das ganze Rad auseinander. Ein Stück von der Felge traf ihn genau auf die Stirn, er fiel nach hinten, war bewußtlos und blutete stark. Als er wieder bei Besinnung war, fuhren wir mit dem Fahrrad nach Ülsby zum Arzt. Er nähte die Wunde und wir konnten wieder nach Hause fahren. Ich fand alle Stücke vom Rad und baute es zusammen. Nur fehlte ein kleines Stück. Weil die Wunde nach 6 Wochen noch nicht heilen wollte, wurde eine Röntgenaufnahme gemacht. Man fand ein kleines Stück Holz, was ich so lange gesucht hatte. Klaus Mehrens war inzwischen nach Innien in Stellung als Tischler gegangen. Da es hier mehr Arbeit gab, hat er mich 1949 nach hier geholt. Mit einem Karton mit Wäsche kam ich hier an. Ich habe da vom 07.11.1949 bis 02.01.1953 bei Peter Mangels gearbeitet und gewohnt. Es war das Haus, wo heute die Gastwirtschaft ”Bräustüble” drin ist. Wir bauten Möbel, Fenster und Türen. Die kleinen Firmen hatten sich zusammengeschlossen, damit sie auch größere Aufträge annehmen konnten. So haben wir dann in Kiel-Gaarden und in Hamburg große Häuserblocks mit gebaut. Die Firma Mangels ging dann Pleite, weil der Verpächter zu viel Geld verlangte. Außerdem mußte er das Holz, was er überall bei Bauern gestapelt hatte mit verarbeiten und schwarz bezahlen. Das ging nicht gut. Ich hab aber noch meine Aussteuer da machen können, 1 Kleiderschrank, Betten, Frisierkommode und 2 Nachtschränke, ein ganzes Schlafzimmer, alles in Eiche mit Nuß. Dieses Schlafzimmer haben wir heute noch. Dann eine Kücheneinrichtung, Küchenschrank, Küchentisch mit Auszügen für Schalen zum Abwaschen, eine Eckbank, die noch bei Monika Dienst tut und ein Hocker mit hochklappbarem Sitz, darunter eine Schüssel zum Waschen. Diese Möbel standen lange im Schaufenster. Ich hätte die 10 mal verkaufen können. Aber ich hatte alles nach Feierabend und Sonntags gebaut. Außerdem wollten wir ja sobald wie möglich heiraten und brauchten die Möbel selbst. Aber wir hatten noch keine Wohnung. Ich suchte überall, aber wer nicht verheiratet war, bekam keine. Es gab ja auch noch viele Flüchtlinge, die manchmal in einem Zimmer wohnten, die kamen erstmal in Frage. Ich fand dann in der Bargfelder Straße einen alten Stall. Es war früher ein Lagerschuppen für einen Maurer. Da lagerten Zement, Gerüstbretter usw. Die eine Seite war ein Kuhstall gewesen, darin hatte jemand eine kleine Tischlerwerkstatt zum Basteln eingerichtet. Es waren nur Brettertüren uns eiserne Fenster drin. Das Dach war von Tieffliegern zerschossen und die eine Seite hatte einen offenen Überstand, der jeden Tag zusammenbrechen konnte. Nach langen Verhandlungen willigte Hans Rüschmann ein. Ich konnte das Haus für 7 Jahre benutzen. Das heißt, ausbauen von Grund auf. Da er Maurer war hat er aber geholfen. So langsam wurde die Wohnung fertig, Für Haustür und Fenster wurden in die Mauer Löcher geschnitten, dann eingebaut. Für die Innen- und Vormauerwände haben wir von der Ziegelei mit dem Handwagen, Bruchsteine und Ausschußsteine gefahren. Als die Wohnung dann fertig war, hatten wir ein kombiniertes Wohn- und Schlafzimmer, eine Küche, einen kleinen Flur und eine Speisekammer mit Kartoffelkeller. Fließend Wasser und Heizung gab es natürlich nicht. Wasser mußten wir von Rüschmann holen. Auch hatten wir zunächst ein gemeinschaftliches Plumpsklo. Das war immer eine Scheiße. Die waren 5 Personen, wir ja nur 2. Im Winter wenn alles gefroren war und es ging nicht aus dem Eimer raus. Das Wasser war manchmal in der Küche gefroren, so kalt war es.

Nun aber will ich mal was anderes als Arbeit erzählen. Inzwischen war Karl Heinz aus der Gefangenschaft nach Hause gekommen. Er war bei der Kriegsmarine und hat Nachschub von Italien nach Afrika gefahren. Eines Tages wurde sein Schiff versenkt und er kam in Afrika in englische Gefangenschaft, Die hatten ein gutes Leben. Die Bevölkerung war da sehr arm. Die haben die Gefangenen noch bedient für ein bißchen Schokolade. Wie er nach Hause kam, brachte er eine große Kiste mit Olivenöl, Schokolade, Kleidung, Konserven usw. mit. Wie die Soldaten doch unterschiedlich in der Gefangenschaft behandelt wurden. Nun waren wir alle drei zu Hause, auch andere Kameraden kamen nach und nach zu Hause an. Wir haben uns getroffen, wer konnte spielte Akkordeon. Wir tanzten in der Schmiede, auf der Diele und wo immer auch was los war. Wir hatten viel nachzuholen. Später waren schon Tanzkapellen da und es wurde auf dem Saal getanzt und gefeiert. Wir gründeten einen Fußballverein. Wir klauten im Wald Tannenspitzen und bauten daraus Tore. So im Umkreis von 15 km war unser Revier. Jedes Wochenende waren wir unterwegs, meistens zu Fuß. Da die erste Zeit noch Ausgangssperre war, ab 9 Uhr abends mußten wir oftmals in Deckung gehen, wenn englische Streifenwagen unterwegs waren. Eines Tages hab ich dann Ursel kennengelernt. Ich war damals schon in Innien und konnte nicht jede Woche nach Großsolt fahren. Mit dem Zug war es eine halbe Tagesfahrt. Von Innien nach Neumünster, von da nach Schleswig - Hauptbahnhof -, dann zum Kleinbahnhof und weiter nach Weißen-Roß. Ich bin dann oft mit dem Fahrrad gefahren. 4 Stunden dauerte die Fahrt dann. Ursel war zu der Zeit im Jugendaufbauwerk. Es wurde nicht gerne gesehen, daß die Mädchen schon einen Freund hatten. Wenn ich ihr dann geschrieben hab, schrieb ich als Absender Frieda. Ich hatte aber vorher auch schon andere Mädchen, aber darüber schweigt der Kavalier.

Am 11.11.1951 haben wir uns verlobt. Danach ging sie dann für 1 Jahr ins Rheinland, Ursel wollte noch was lernen, Haushaltsführung usw.. Zuerst bei einem Arzt, dann zu einem Fabrikanten. Da blieb sie aber fast 1 ½ Jahre. Verdient hatte sie in dieser Zeit zwei Steppdecken. Der Fabrikant und seine Frau waren sehr mit Ursel zufrieden und wollten Sie gar nicht los lassen. Eines Tages kam er in Innien an und wollte sehen wo Ursel bleiben wird. Unsere Wohnung war noch nicht fertig, aber die Möbel konnte ich ihm zeigen. Da war er zufrieden und meinte, daß Ursel und ich wohl gut zusammen passen. Er war auf der Durchreise. Er hatte in Schleswig-Holstein seine Stoffe verkauft. Ein paar Mal hab ich sie besucht. Ihre Schwester Hilde wohnte in der selben Stadt, da konnte ich dann schlafen.

Ursel und Fritz Joahnnsen

Am 24.05.1953 haben wir dann geheiratet. Endlich waren wir eine Familie, mir war das Warten auch schon über. Wir waren aber noch lange nicht aus dem Schneider. Es gab auch mal Zeiten wo es keine Arbeit gab, dann mußten wir stempeln. Ich habe bei der Zimmerei Hugo Voß, bei Greißel und Kniep, in Hademarschen, bei Bruse und dann bei Toni Sattler gearbeitet. Bei Sattler haben wir Blumenständer gebaut, ich war 5 Jahre bei Sattler. Auch Ursel hat da für kurze Zeit mit geholfen. Außerdem hat sie jede Arbeit angenommen, die sich bot. Kartoffeln sammeln, Tabakblätter ernten und so manches mehr. Jede Mark konnten wir gebrauchen. Nebenbei züchteten wir Nerze. Da hatte sie auch viel Arbeit mit. Das Futter besorgen, manchmal von Schlachter Ratke aus Wasbek, mit dem Fahrrad natürlich. Sonst vom Fischhändler Drews. Inzwischen hatte wir Gelegenheit den Schuppen, in dem wir wohnten, zu kaufen. Rüschmann war immer knapp bei Kasse. Das Haus sollte 1.500,00 DM kosten, für 1 m² Boden 1,00 DM. 1000 m² hatten wir ausgemessen, also 2.500,00 DM. Ich bekam bei der Bank das Geld, weil ich bei Fräckem (Filialleiter der Bank) schon gearbeitet hatte. Das war der Vater von Peter Fräckem. Sonst hätte ich nichts bekommen. Ohne Sicherheit kein Geld. Für die heutige Zeit war es nicht viel, aber wir verdienten ja auch nur 5-6.000 DM im ganzen Jahr. Nachdem die Landmesser das Grundstück vermessen hatten, stellte sich heraus, daß das Haus auf 3 Grundstücken stand. Zur Seite hin bei Bauer Timm, nach vorne bei der Gemeinde. Rüschmann hatte natürlich das Geld nicht mehr, so mußte ich mit Bauer Timm verhandeln. Er bekam dann meine monatliche Grundrente, die inzwischen von 20,00 DM auf 30,00 DM erhöht war. Also jeden Monat 30 m² Boden bezahlt. 600 m² das waren dann 20 Monate. Auch die Gemeinde hatte die vormalige Sandstraße nach Bargfeld begradigt und ausgebaut, dadurch bekamen wir für die Vermessungskosten alle Ecken bis zur Straße geschenkt. Nachdem das Haus jetzt unser Eigentum war, wurde die zweite Hälfte ausgebaut. Neue Wände nach außen gezogen. Ein Schlafzimmer und das Bad, eine Treppe nach oben und die drei kleinen Zimmer, so, wie es jetzt ist. Der Keller hat uns am meisten Ärger gemacht. Das Grundwasser war so hoch, daß wir ständig pumpen mußten. Trotzdem haben wir es geschafft, daß der Keller dicht wurde. Hinter dem Haus haben wir dann einen kleinen Stall gebaut. Es sollte ursprünglich eine kleine Werkstatt mit Abstellraum werden. Auch eine Waschküche mit einem Kessel war darin. Da bekamen wir das Angebot, die Wäscherei von Klaus Reimers zu übernehmen. Schnell mußten wir den Stall umbauen und die Kläranlage vergrößern. Im September 1961 haben wir die Maschinen eingebaut, eine Waschmaschine, noch mit Kohlenheizung. Wir kauften dann eine 20 kg Wäsche fassende vollautomatische Waschmaschine. Nebenan eine Heißmangel. Da hatten wir uns was angelacht. Viele Stunden am Tag gearbeitet, manchesmal die halbe Nacht. Die Wäsche haben großen Jungs mit dem Fahrrad geholt und wieder abgeliefert. Vorne war ein großer Gepäckträger, hinten ein zweirädriger Hänger. Im November 1963 wurde dann die Kinderarbeit verboten. Ich mußte den Führerschein machen und kaufte das erste Auto, einen Opel Kadett Caravan. In der Wäscherei hatten wir natürlich Frauen zum helfen. Es wurden immer mehr Waschmaschinen in den Haushalten gekauft, die Frauen wollten zum Teil vollbeschäftigt werden, wegen der Rente. Auch waren die Maschinen alt. So mußten wir weiter planen. Die Wäscherei wurde noch mal vergrößert. Aber gleich so, daß später eine Wohnung daraus werden konnte. Aus dem Flachdach wurde ein Satteldach.

Als wir uns damals selbständig machten, mußten wir auch alle Nebenkosten alleine tragen, Krankenkasse usw. Für die Altersversorgung hatten wir eine Lebensversicherung abgeschlossen. Es war aber eine ganz harte Zeit und unser Stundenlohn war weit unter dem, was man in der freien Wirtschaft verdienen konnte. Unsere Kinder kamen manchesmal zu kurz und waren sich oft alleine überlassen. Um unser Geld noch ein bißchen aufzubessern, haben wir uns dem Fremdenverkehr angeschlossen und haben Gäste aufgenommen. Ein paar Jahre sind wir dann auf den Wäscheboden gezogen und haben unsere Zimmer vermietet, aber nur im Sommer. Die Gäste haben sich bei uns wohl gefühlt und einige kamen jedes Jahr wieder. Ein guter Gast war der Bademeister. Die waren dann traurig, als wir nicht mehr vermieteten.

1973 wurde in Wasbek eine Fabrik gebaut, wo Fertighäuser gebaut werden sollten ”Zenkerhäuser”. Auf dem Erlenhof wurde die Wäscherei vergrößert und man hörte, daß auch Privatwäsche gewaschen werden sollte. Wir haben uns dann entschlossen die Wäscherei nach 12 Jahren zu schließen. Wir fanden beide Arbeit. Ich bei Zenker, Ursel auf dem Erlenhof. Vom 02.01.1973 bis 15.12.1975 war ich bei Zenker beschäftigt. Ich war vom 1. Tag dabei. Wir wurden kurz angelernt, dann ging die Produktion los. Es waren zwei Bänder, die eine Seite Häuser, die andere Seite Raumzellen. Die Raumzellen wurden zusammengeschraubt für Schulen, Büroräume und Kindergärten. Wir bauten mit 7 Mann Häuser und mußten 2 - 3 Häuser in der Woche schaffen. Ich wurde bald Vorarbeiter und hab nur angerissen. Von der Zeichnung auf das Holz übertragen. Wenn neue Leute kamen, mußte ich sie einweisen. Es war eine eintönige Arbeit. Die Leute wechselten oft. Es gab ja noch genug Arbeit. Aber nach zwei Jahren war Schluß. Es wurden nicht genug Häuser in Norddeutschland verkauft. Wir aber hatten nun zwei Gehälter und konnten unsere letzten Schulden abtragen und anfangen etwas auf die Kante zu legen. Es ist ja ein Unterschied ob man ein Darlehen aufnimmt und Zinsen bezahlen muß oder ein Sparbrief hat mit festem Zinssatz von 8 Prozent.

Der Unterschied ist "10.000,00 DM Schulden zu 10 % = -1.000,00 DM" oder "10.000,00 DM Sparbrief zu 8 % = 800,00 DM". 1.800,00 DM haben oder nicht haben. Man soll also früh anfangen zu sparen, wenn man im Alter gut leben will. Nun war die Wäscherei aufgegeben, die Maschinen teilweise noch verkauft. Wir konnten anfangen die Wäscherei zur Wohnung auszubauen. Das war gar nicht so schlimm, wir hatten ja schon vorher geplant. Wir zogen dann in die neue Wohnung und vermieteten das Vorderhaus. Ursel hatte eine Dauerstellung, die gut bezahlt wurde. Zenker stellte nach 2 Jahren die Produktion ein. Ich fand aber gleich wieder Arbeit in Neumünster bei Franz Rohwer. Das war eine Fleischereimaschinenfabrik. Ich war das als Betriebstischler. Ich hatte eine eigene Tischlerwerkstatt mit allen Maschinen. Meine Arbeit war vielfältig. Hauptsächlich baute ich mit meinem Helfer Transportkisten für neue Maschinen. Außerdem alle anfallenden Arbeiten im Betrieb, aber auch beim Chef und in Betriebswohnungen. Einmal im Jahr fuhren wir mit vier Mann nach Frankfurt, Köln oder Hannover und bauten den Messestand auf und nachher wieder ab. Wir blieben dann da, bis alles fertig war. Einmal wohnten wir im 35. Stockwerk in Frankfurt. Da konnte man über die ganze Stadt sehen. Im Büro hab ich eine neue Einrichtung gebaut, im Magazin Regale für Ersatzteile. Für die Betriebshallen noch im letzten Jahr ganze Dächer mit Undoline auf die alten Eternitdächer verlegt. Das waren viele hundert m². Was ich neu lernen mußte, war das Modellbauen. Wenn neue Maschinen entwickelt wurden, mußten neue Maschinenteile aus Gußeisen gefertigt werden. Dazu brachten die Gußwerke Modelle. Man mußte immer mit Schwundmaß rechnen. Eisen oder Alu hatte verschiedenen Schwund. Ich hab aber alles geschafft. Wie ich alles fertig hatte, wollte der Sohn den Betrieb nicht übernehmen. Der Chef war alt und oft krank. So kam es dann, daß er des Betrieb aufgab. Wir bekamen eine Abfindung, je nach Jahren die man im Betrieb war. In Lübeck wurden die Maschinen weitergebaut. Der ganze Betrieb wurde flach gemacht. Meine ganze Arbeit war praktisch umsonst gewesen. 7 Jahre war ich bei Rohwer beschäftigt. Heute steht da ein Supermarkt. Ohne Ausfallzeiten kam ich dann zu meiner letzten Arbeitsstelle. Das war Erwin Kruse, wieder am Bau als Tischler. Da kam ich wieder mit meinem alten Kollegen zusammen, Gläser und Mehrens. Das war wieder eine Umstellung. Ich war hauptsächlich auf Montage. Fenster und Türen einbauen und Decken verkleiden. Wir mußten wieder in der Welt umherreisen. Hamburg, Kiel bis an die Ostsee und hinter Rendsburg. 4 ½ Jahre, bis zum 30.02.1985, war ich bei Erwin Kruse beschäftigt. Dann wurden wir arbeitslos. Da ich nicht 10 Jahre im Betrieb war, bin ich aufgrund meiner Kriegsverletzung mit 60 Jahren in Rente gegangen. Ursel hat 20 Jahre auf dem Erlenhof gearbeitet. Wie sie in Rente ging, bekam sie auch eine gute Rente, dazu eine Zusatzrente, die aber erst mit 62 Jahren voll ausgezahlt wurde. Ich war beinahe neidisch. Ich für meine schwere Arbeit bekam nicht so viel wie sie. Aber wir haben ja keine Gütertrennung und planen und besprechen alles zusammen. Was uns nicht vergönnt war, eine Erbschaft oder eine Geldzuwendung, konnten wir aber unseren Kindern gönnen.

Ich hab einmal 2.000,00 DM bekommen, als wir die Wäscherei aufmachten. Karl Heinz hatte sich in Dammholm verheiratet und zog mit in das Haus von Marlene Hase. Der Vater von Marlene war Ortsgruppenleiter gewesen und wurde nach dem Krieg in ein Lager gesperrt. Er wurde krank und ist dann bald gestorben. Das war dasselbe Haus, wo Vater immer das Vieh gewogen hat, was die Bauern lieferten und wo er so viel Geld gelassen hat. Es war ja auch eine Gastwirtschaft und ein Laden mit in dem Haus. Er mußte aber der Schwester von Marlene ihr Erbteil auszahlen. Das war eine ganz schöne Summe. Auch war die zweite Frau von Hans Hase mit im Haus. Sie hatte freie Wohnung und lebt heute noch. Karl Heinz ist im vergangenen Jahr an Leukämie mit 72 Jahren gestorben. Karl Heinz und Marlene haben 3 Kinder. Zwei Mädchen, Bettina und Kirsten, dazu einen Sohn, Willi. Zwei der Kinder sind schon wieder geschieden. Alkohol spielte immer eine große Rolle. Helmut war nun immer noch im Elternhaus. Das Haus mußte notwendig renoviert werden. So kamen wir dann mal zusammen und haben alles besprochen. Wir haben auf unsere Erbschaft verzichtet, Helmut bekommt das Haus, muß aber die Eltern bis zum Ende versorgen. Von da an hat er ordentlich investiert. Heute kennt man es nicht wieder. Auch Helmut und Edith haben 3 Kinder. Ilona, Lutz und Jürgen. Ilona hat einen Sohn, ist aber auch schon wieder geschieden. Lutz hat sich so doll mit seinen Eltern erzürnt, er kommt überhaupt nicht mehr nach Haus. Jürgen ist noch nicht verheiratet. Ich kann nur sagen, daß ich nicht tauschen will. Ich glaube doch, daß unsere Familie intakt ist und wir keine Sorgen haben.

von links: Henning, Helge, Ole, Steffen

Vater ist mit 74 Jahren gestorben. Er hatte Nierenversagen und ein Prostataleiden. Mutter wurde 91 Jahre, konnte sich aber bis auf die letzten Jahre selbst versorgen. Für unsere vier Enkelkinder Steffen, Henning, Helge und Ole haben wir nach der Geburt einen Sparvertrag mit 50,00 DM im Monat, auf 6 Jahre abgeschlossen. Wir wünschen, daß die Eltern das Geld für die Kinder gut anlegen. Wenn sie das richtige Alter haben, jedes Jahr zeigen, wie das Vermögen wächst. Ich hab schon mal ausgerechnet wie sich das Geld vermehrt hat, wenn sie 20 Jahre alt sind:

eingezahlt: 3.600,00 DM | 6 Jahre gesperrt mit 3 % Zinsen | 3.995,00 DM |14 % Prämie 559,00 DM | 4.554,00 DM.

Vom 7. - 20. Jahr hat sich das Geld bei 6 % Zinsen auf 10.286,00 DM erhöht. Das ist fast das dreifache. Da lernen sie, daß man sparen muß, denn ich glaube die besten Zeiten haben wir gehabt. Vielleicht lacht ihr über mich, wenn ich wieder mal Moral predige, aber ich kann einfach nicht anders.

Nun ist es aber nicht so, daß wir geknausert haben. Ich will mal aufzählen, wo wir überall in Urlaub waren: 2 x Österreich, 2 x Bulgarien am Sonnenstrand, 2 x Jugoslawien, 1x Schweden, 1 x England London, 2 x Spanien, 1 x Grand Canaria, 2 x Thüringen, 2 x auf Rügen, 1 x Usedom, 1 x Oberhof, 1 x Allgäu, 1 x Mallorca, auch 3 x Polen und 1 x Harz, 1x über Litauen, Rußland nach Polen. Dazu noch kleinere Fahrten. Italien hab ich noch vergessen, mit einem Abstecher nach Monaco.

Auch haben wir eine gute Nachbarschaft, man soll nicht übertreiben, aber Geburtstage und große Familienfeiern werden zusammen gefeiert. Auch haben wir einen Kegelclub mit unseren Nachbarn. An Vereinsleben fehlt es auch nicht (Skat, Schützenverein, Reichsbund, Innien Gill). Ursel ist dazu noch im Frauenchor und im Roten-Kreuz. Im Schützenverein und im Reichsbund bin ich über 30 Jahre. Auch Ursel wurde für die 30-jährige Mitgliedschaft im Frauenchor geehrt. Zwei Jahre war ich in der Gemeindevertretung. Als es politisch wurde, hab ich mich nicht mehr aufstellen lassen. Ich hatte noch genug von der Partei, die uns so enttäuscht hat. Als Wiedergutmachung hab ich bei dem Blutspendendienst in Innien beim Roten-Kreuz 25 mal Blut gespendet. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung wie schnell man selbst was brauchen kann.

Nun, mit 70 Jahren, kann ich im Rückblick sagen, daß ich die 10 Jahre meiner Rentenzeit auch noch nützlich war. Ich hab meiner Familie beim Bauen geholfen, so gut ich konnte. Nicht nur als Tischler, sondern auch als Fliesenleger oder Maurer, als Zimmermann und Plattenverleger. Bis dann meine Beschwerden am Herzen so stark waren, daß ich mich am 11. Mai 1993 operieren ließ. Das war eine gute Entscheidung, obgleich ich doch ein bißchen Angst hatte, aber alles ging gut aus. Ich bekam eine neue Herzklappe und fühle mich danach wie neu geboren. Ich glaube, daß ich eine Schutzengel habe. Wer so oft in Gefahr war und trotzdem alles gut übersteht, kann doch dankbar sein, was ich auch bin.

Nun hoffe ich, daß ich noch ein paar Jahre lebe und sehe, was aus unseren Enkelkindern wird.

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