Archiv:Windmühle auf dem Hof Kütemann

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Luftbild der Windmühle

Windmühle auf dem Hof Kütemann[1]

Die Windmühle wurde von meinem Opa Ernst Heinrich Kütemann erbaut. Wann die Mühle in Betrieb genommen wurde, ist leidet nicht mehr zu ermitteln. Ernst Heinrich Kütemann übernahm den Bauernhof 1907 von seinem Vater Heinrich Kütemann. Der Übergabevertrag ist noch vorhanden, auch der Kaufvertrag von 1881 liegt vor. In der Böker Heide und in Prehnsfelde wurden damals Colonisten angesiedelt um das Land urbar zumachen, unter der Leitung vom preußischen Oberregierungsrat Prehn, sie kamen meist aus Nordrhein-Westfalen. Heinrich Kütemann kam aus Frotheim bei Lübbecke. Mein Vater hatte auch noch Kontakt zu der dortigen Familie. Nun zu den technischen Daten.

  • Fundament: Vier Pfeiler jeweils 1x1m. 4m Höhe dann Stahlkonstruktion
  • Durchmesser der Rose: 9 Meter
  • Zwei Windleitbleche 6 und 3 Meter lang
  • Die Mühle stand mitten im Wirtschaftsgebäude
  • Leistung: 15 KW bei 4 Windstärken.
  • Der Antrieb lief über - Zahnrad - Welle - Zahnrad - Riemenscheibe dann Transmission
  • Angetrieben wurden: Dreschmaschine, Schrotmühle, Rübenschneider, Wasserpumpe mit Druckkessel

Bei der Dreschmaschine handelte es sich zunächst um eine Abstreifdreschmaschine bei der die Garben auf eine mit Zacken versehene Trommel gehalten wurden. Ich kann mich noch daran erinnern, die Maschine stand noch lange bei uns in der Scheune.

Danach wurde eine Trommeldreschmaschine angeschafft, die stand stationär im Grundfach (Scheune mit etwas tiefergelegtem Fußboden) hinter der Dreschmaschine befand sich eine Strohpresse, beide wurden von der Mühle angetrieben. Nach Berichten von meinem Vater kam es vor, daß bei nachlassendem Wind das Dreschen unterbrochen werden mußte, aber meist reichte es locker.

Ich selbst habe mit dieser Dreschmaschine noch lange gearbeitet‚ bis auch bei uns der Mähdrescher kam. Ich brauchte für den Antrieb einen 15 PS Elektromotor und einen 10 PS E-Motor für die Presse!! Die Schrotmühle muß auch noch kurz erwähnt werden, die hatten enorme Ausmaße:

  • Durchmesser der Riemenscheibe 1,5m
  • Durchmesser der Mühlsteine 1,5m

Der Trichter reichte bis zum Kornboden, wo die Säcke standen, man konnte locker 10 Säcke Korn hineinkippen. Irgendwann, ich glaube, es war 1948, gab es auch bei uns Strom, ab 1946 trieb die Mühle auch einen Generator an, der Strom wurde aber nur für Beleuchtung genutzt. Danach war die Mühle überflüssig, aber sie drehte sich fast immer. Wenn die Rose sich aus oder in den Wind drehte, war das mit starken Geräuschen und Erschütterungen verbunden. Wir gewöhnten uns daran. Kurz unterhalb der Rose gab es einen Rundgang mit einem Geländer‚ wir waren oft da oben und haben die Aussicht genossen.

Die Geräusche und Erschütterungen wurden mit den Jahren immer heftiger, mein Vater entschloss sich deshalb 1960 für den Abbau, aber wie? Er wurde sich mit dem Schmied aus Böken einig, das Geschäft war einfach und übersichtlich: Er baut die Mühle ab und bekommt dafür das Eisen. Der Abbau allerdings war sehr abenteuerlich. Zunächst wurden die Blätter der Rose abgeschraubt und vom Dach geworfen, danach die Eisen, an denen sie angeschraubt waren. Alles wurde runtergeworfen und aufgeladen, blieb noch der Turm. Zwei der 4 Winkeleisen sägte man ab, die anderen beiden wurden nur angesägt‚ oben am Turm befestigte man ein Stahlseil, das andere Ende an einer großen starken Eiche, dazwischen eine Seilwinde mit einem langen Hebel. Die Konstruktion war genial. Der Turm neigte sich langsam und blieb dann hängen, jetzt konnten sie die Konstruktion auseinander schrauben, runter werfen und aufladen.

Allerdings ganz so reibungslos verlief der Abbau dann doch nicht, einer der Mitarbeiter verlor bei der Demontage einen Finger. Mit ein bißchen Schwund muss man rechnen. So, das war ein kurzer Bericht über unsere Windmühle, die über einen Zeitraum von ca. 30 Jahren die Energieversorgung auf unserem Betrieb sicherstellte und auch als Wahrzeichen in „de Böker Heid" galt.

Einzelnachweise

  1. Text von Karl-Heinz Kütemann, Originaltitel "Unsere Windmühle"