Ehemalige Genossenschaften in Aukrug

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Genossenschaftsdreschmaschine im Einsatz auf dem Hof Thun / Innien
Genossenschaftliches Buschhacken auf dem Hof Kahlke Homfeld
Zwei alte Bilder zeigen das Elektrizitätswerk Innien und dessen Maschinenraum
Genossenschaftliche Kartoffeldämpfanlage in Innien
Gedenkstein: Baumschule des ersten Schleswig-Holsteinischen Waldverbandes. 1880 wurde dieser Stein zwischen der Itzehoer Chaussee und den Behm'schen Teichen aufgestellt (heute Fischzucht Kemnitz). Er trägt die Inschrift: "Baumschule des Ersten Schlesw. Holst. Waldverbandes gegründet im Jahre 1874. Den Wald zu pflegen, Bringt Allen Segen"

Die Liste ehemaliger Genossenschaften basiert auf der Chronik von 1959, die bereits ein Kapitel über das landwirtschaftliche Vereinswesens enthält sowie der Broschüre über das landwirtschaftliche Vereins- und Genossenschaftswesen im Aukrug.

1907 berichtet Verbandssekretär Jipp vom Verband der schleswig-holsteinischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, Kiel, im "Landwirtschaftlichen Wochenblatt" in einem zusammenfassender Bericht über fast alle Genossenschaften im Aukruger Bezirk und Georg Reimer begann 1959 sein o.g. Kapitel mit den Worten "'In der durch die politischen Veränderungen so lebhaft bewegten Zeit Ende der sechziger Jahre zog auch durch unsere Dörfer neues Leben. Die Jahre bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs sind auf landwirtschaftlichem Gebiet eine Zeit des genossenschaftlichen Zusammenschlusses, auch im Aukrug. Es bestanden hier um 1910 nicht weniger als ein Viertelhundert Genossenschaften und Vereine: Der Landwirtschaftliche Verein a. d. Bünzau 1869, der erste schleswig-holsteinische Waldverband 1875, der Landwirtschaftliche Konsumverein 1885, die Sparkasse a. d. Bünzau 1869, Genossenschaftsmeiereien in Innien, Bargfeld und Homfeld 1886, vier Dreschgenossenschaften, davon eine mit Buschhacker, Dorfwasserleitungen in Innien 1893 und Böken 1908, eine Viehverwertungsgenossenschaft, Elektrizitätswerk 1908, Volksbibliothek 1908, Kuhgilde, Schweinegilde, Ziegenzuchtverein, Bünzau Ent- und Bewässerungsgenossenschaft, Mastbrookaugenossenschaft, um nur die wichtigsten zu nennen. Die Pläne und Vorbesprechungen zu den meisten diesem Genossenschaften wurden in den Versammlungen des Landwirtschaftlichen Vereins an der Bünzau zuerst erörtert."[1]

Dampfdresch-Genossenschaften

Drei Dampfdresch-Genossenschaften bestanden in den Aukrugdörfern, die mit gutem Erfolg arbeiteten. Hervorhebung verdient, daß die Buschhack-Genossenschaften eine zweckentsprechende Ergänzung der ersteren bilden, wie denn auch hier beide miteinander verbunden sind.

Dorfwasserleitungen in Innien

Zum Betrieb der ersten Leitung bildete sich 1893 in der Gemeinde Innien eine eingetragene Wasserleitungsgenossenschaft. Im Jahr 1909 wurde Böken an die Wasserleitung angeschlossen und dafür 1908 die Wasserversorgungsgenossenschaft Böken gegründet.

Eierverwertungsgenossenschaften

Zwei Eierverwertungsgenossenschaften des Bezirks entwickeln sich ebenfalls sehr gut, und der am Ort bestehende Bienenzuchtverein hat dafür Sorge getragen, daß Innien sehr musterhafte Bienenstände aufzuweisen hat.

Elektrizitätswerk Innien und Umgebung

Eine für den Aukrug erstaunliche Leistung war das 1908 in Innien gegründete „Elektrizitätswerk Innien und Umgebung eGmbH". Als selbst noch in den Städten der elektrische Strom im Hausgebrauch etwas Seltenes war, brannten im Aukrug in den Wohnungen und Ställen schon die elektrischen Birnen.

Gnutz-Bökener Entwässerungsgenossenschaft

Die Gnutz-Bökener Entwässerungsgenossenschaft, auch Mastbrokaugenossenschaft genannt, war ein Zusammenschluß von Landwirten zur Be- und Entwässerung der Wiesen westlich des heutigen Forst Iloo. Dafür wurde parallel zur Höllenau die Mastbrokenau gebaut. Sie war der Vorläufer des 1962 gegründeten Wasser- und Bodenverbandes Untere Höllenau.

Landwirtschaftlicher Konsumverein zu Innien

Der Landwirtschaftliche Konsumverein entstand als Zusammenschluß der Bauern zwecks gemeinsamen Einkaufs der für einen fortschrittlichen Betrieb erforderlichen Bedarfsartikel wie Dünger, Futtermittel, Saaten, Sämereien und Maschinen 1885 auf Veranlassung des landwirtschaftlichen Vereins an der Bünzenerau.

Kartoffeldämpfgenossenschaft Innien

Im Zuge der nach 1948 veranlaßten Ausweitung des Pflanz- und Speisekartoffelanbaus erwies es sich als notwendig, für die Verwertung der aus sortierten Ware eine stationäre Kartoffeldämpfanlage zu errichten, um dann anschließend die gedämpften Kartoffeln als wertvolles Schweinefutter einzusilieren. Bis dahin waren im Bezirk des Aukruges kleinere fahrbare Dämpfanlagen tätig, die - von Pferden gezogen - von Hof zu Hof weiter transportiert wurden und auf den einzelnen Höfen in Unmittelbarer Nähe der Kartoffelsilos Aufstellung fanden. Diese fahrbaren Kolonnen waren nicht mehr leistungsfähig genug. An ihre Stelle trat nun die auf dem Bahnhofsgelände in Innien erbaute stationäre Anlage, die von der Kartoffeldämpfgenossenschaft Innien bei der Firma Bruns, Ammerland, in Auftrag gegeben worden war.

Krankenkasse des Aukrugs

In der Gnutzer Chronik wird die Satzung der Krankenkasse des Aukrugs erwähnt. Das Chronikteam sucht darüber weitere Informationen.

Maschinengemeinschaft Aukrug

Unten rechts im Bild die Maschinenhalle

Am Wege zwischen Bünzen und Innien steht die große Maschinenhalle der Maschinengemeinschaft Aukrug. Diese Gemeinschaft unterhielt noch 1967 einen landwirtschaftlichen Maschinenpark und beschäftigte in Vollzeit zwei Fachkräfte. Die Einsatzkosten pro Stunde oder Hektar waren laut Bericht von Erhard Koopmann niedrig gehalten. Es sollten keine Bilanzgewinne erwirtschaftet werden.

Der Maschinenpark umfaßte z.B. zwei moderne Mähdrescher mit "ansehnlicher" Schnittbreite, einen Zuckerrübenroder, eine Hochdruckpresse, eine Niederdruckpresse, zwei schwere Schlepper, eine Kartoffelvollerntemaschine, einen Atlasbagger, ein Planierschild, einen Erdbohrer sowie weitere kleinere Gerätschaften. Die Maschinenhalle, in der sich heute ein Fitnessstudios befindet, war 20 Meter breit und 45 Meter lang, der Vorplatz war betoniert und diente gleichzeitig dem Sportverein und dem gegenüberliegenden Freibad als Parkplatz.

Maschinengemeinschaft Homfeld

In Homfeld gab es ebenfalls eine Maschinengemeinschaft über die bisher keine weiteren Inmformationen vorliegen.

Meierei-Genossenschaften

Die ehemalige Meierei in Innien, heute ist hier der Parkplatz von MARKANT

Daß im Aukrug drei Meierei-Genossenschaften gegründet wurden, hing eng mit der Auffassung zusammen, wegen der schwierigen Anlieferung auf den z.T. schlechten und langen Wegen möglichst in jedem Dorf eine Meierei zu haben. Trotzdem waren für die Anlieferer noch recht beachtliche Entfernungen zu überwinden, wenn man von Bucken aus nach Homfeld, von Wiedenborstel und Bünzen aus nach Bargfeld oder von Böken, Bünzen samt den Ausbauten von Böker- und Bünzerfeld nach Innien liefern sollte.

Scheunenbrandgilde in Innien

Am 11. Mai 1816 wurde in Innien eine Scheunenbrandgilde ins Leben gerufen (Klosterarchiv Itzehoe). Sie gewährte Versicherung gegen Brandschäden an Scheunen und ihrem Inhalt an Heu, Stroh und Ackergeräten. Bedingung der Aufnahme von Scheunen war, daß in ihnen keine Feuerstätten waren. Jährlich wurde eine Gildeversammlung am Montag nach dem 1. Mai in Innien abgehalten. Sie begann vormittags um 10 Uhr im Gildehaus, wohl Gloy, in dem eine vom Kloster genehmigte Gastwirtschaft war. Verspätetes Erscheinen kostete 4 ß, gänzliches Fehlen, ohne einen Bevollmächtigten zu stellen 3 Mk Strafe. Der Vorstand bestand aus dem Ältermann, der in Innien wohnen mußte und 4 Jahre diente, 8 Achtmännern und einem Gildeschreiber, der auch in Innien wohnen mußte, und solange diente, „als es ihm oder der Gilde gefällt". Am Gildetage bekam der Vorstand auf Kosten der Gilde eine Mahlzeit, für die 10 Mk Courant gerechnet wurde. Abends 22 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. Die Gilde durfte sich auf einen Kreis um Innien erstrecken, der 3 Meilen Radius hatte. Die Versicherung geschah klassenweise zu 2, 3, 4, 5 und 6 Mk Prämie. Die Entfernung der versicherten Scheune von den Scheunen anderer Besitzer mußte mindestens 10 Ruten betragen. 1841 wurde sie neu errichtet und noch 1886 erhielt er ein neues Statut. Ältermann war damals Timm Boie, Gildeschreiber Henning Gloy. Nach dem Übergang an Preußen ging sie bald ein.

Schweinezucht- und Absatzgenossenschaft

Im Vereinsbezirk Aukrug bestand die Schweinezucht- und Absatzgenossenschaft Innien, aus der 1928 die Viehverwertungsgenossenschaft Innien hervorging. Ohne auch hier näher auf die Einzelheiten eingehen zu wollen, sei auch darauf hingewiesen, daß sie durch den gemeinsamen, auf genossenschaftlicher Grundlage basierenden Verkauf der Schweine ihrer Mitglieder durch die Geschäftsstelle der Landwirtschaftskammer (Absatz pro Jahr ca. 1 500 Schweine) bisher recht gute Erfolge erzielt hat. Daß sie nebenher durch Anschaffung und Einführung guter Deckeber für Verbesserung der Schweinezucht eintritt, ist wohl selbstverständlich.

Stiergenossenschaften

Neben einigen Hengstgenossenschaften und Ziegenzuchtvereinen bestanden in den verschiedenen Dörfern Stiergenossenschaften, welche die Viehzucht optimierten.

Telephongenossenschaften

Schließlich wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß sich die Interessenten sogar zu Telephongenossenschaften zusammengeschlossen haben, ein Zeichen, daß man mit Erfolg tätig ist, dem Landwirt alle Vorteile, welche zur Erleichterung und Verbesserung seines Betriebs beitragen, durch gemeinschaftliches Vorgehen zugänglich zu machen.

Tiefgefriergemeinschaften

Der Anbau rechts am ehemaligen Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Innien, war der Raum der Tiefgefriergemeinschaft. Gemeinschaftsgefrieranlagen kamen auf dem Gebiet der Bundesrepublik erstmals zu Beginn der 1950er Jahre auf.

Gemeinschaftsgefrieranlagen kamen auf dem Gebiet der Bundesrepublik erstmals zu Beginn der 1950er Jahre auf. In stark ländlich geprägten Regionen dienten sie der Haltbarmachung und der ganzjährigen Aufbewahrung von leicht verderblichen Lebensmitteln[2]. Der Raum in Innien befand sich als Anbau neben dem ehemaligen Gerätehaus der FFW Innien neben der Meierei. Es wurde in den Nachkriegsjahren gebaut und 1974 von der Feuerwehr in Eigenleistung zum Schulungsraum ausgebaut.[3] In Bargfeld gab es ein Gefrierhaus in der Dorfstr. 23 bei der alten Schule.[4]

Das Chronikteam sucht weitere Informationen:

  1. Wann wurde die Tiefgefriergemeinschaft gegründet?
  2. Von wem oder auf wessen Initiative geschah dies?
  3. Bis wann bestand die Gemeinschaft?
  4. War es ein Kühlraum oder ein Warmraum mit Truhen oder Schränken ausgestattet?
  5. Zu welchen Konditionen wurden die Fächer vermietet?
  6. Gibt es Bilder aus der Zeit oder vom Umbau?

Erste Schleswig-Holsteinische Waldverband

Der Erste Schleswig-Holsteinische Waldverband wurde am 25. März 1874 in Innien gegründet. Er hatte großen Einfluß auf die Waldpflege und Neuanpflanzungen im Aukrug. Bereits bis 1907 wurden cirka 200 Hektar minderwertiges Ackerland und Heideländereien mit dem Dampfpflug tiefgepflügt und aufgeforstet

Volksbibliothek im Aukrug

Stempel in einem Buch von 1928

1908 wurde auf Initiative des "Landwirtschaftlichen Vereins an der Bünzau" eine Volksbibliothek eingerichtet, über die bisher weiter nichts bekannt war, weder Ort noch Historie. Durch einen Buchfund im Archiv wissen wir nun, dass sie noch 1928 bestand, zumindest Bücher aus diesem Jahr noch inventarisiert wurden. Mit der Machtübernahme 1933 wurden viele genossenschaftliche Initiativen verboten oder aufgelöst und vermutlich wurde auch die Arbeit der Volksbibliothek nicht fortgesetzt. Aber das könnte auch durch weitere gestempelt Bücher noch widerlegt werden. Solltet Ihr also in Euren Regalen solche Exemplare finden, wäre das Chronikteam für jedes Foto dankbar.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1. Protokolle d. Landw. V. a. d. Bünzau 1889 - 1895 u. ab 1905.
  2. Frederik Grundmeier: Eisige Innovation – Zur Geschichte der Gemeinschaftsgefrieranlagen
  3. Siehe Archiv:Das Gerätehaus
  4. Information von Jürgen Asmus am 17.03.2022. Seine Eltern hatten ein Fach dort gemietet.