Partnerschaft Aukrug-Sién

Aus Aukrug Geschichte Wiki
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Das Bild zeigt die Vorstandsmitglieder des Vereins: — stehend von links: Ulrich Teetzen (Beisitzer), Wolfgang Stolzenburg (Schriftführer), Reinhold Marose (Beisitzer), Marie Carstens (Beisitzerin) - sitzend von links: Branko Irek (stellvertr. Vorsitzender), Reimer Reimers (Vorsitzender), Karin Rathjens (Kassiererin)
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Der Sién Weg in Bünzen

Die Gemeinde Aukrug unterhält seit 1994 eine Partnerschaft zur Gemeinde Sién in Burkina Faso. Der Verein Partnerschaft Aukrug-Sién erfüllt diese Partnerschaft mit Leben. Angefangen bei kleineren Projekten, wie einer Impfstation für Nutzvieh, wurden in den Jahren auch größere Projekte mit unseren Freunden aus Sien verwirklicht, wie zum Beispiel eine Schulerweiterung, ein Regenrückhaltebecken, ein Gartenbauprojekt und aktuell eine Kranken- und Geburtsstation.

Die Lebensqualität in der Partnergemeinde konnte erheblich verbessert werden. Die Regierung in Burkina Faso hat dies ebenfalls zur Kenntnis genommen und die Gemeinde wegen der guten Entwicklung mit an das Stromnetz angeschlossen, was für eine weitere Verbesserung der Lebensbedingungen in Sien gesorgt hat. Sehr erfolgreich ist die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit mit dem „Rotary-Club Neumünster-Vicelin“. Rotary hat mit einem Microkreditprojekt Existenzgründer in Sien unterstützt.

Geschichte

Burkina Faso, früher Ober-Volta, liegt in Nordwestafrila unterhalb des Nigerbogens und besteht zum großen Teil aus Wüste und Halbwüste. Amtssprache ist Französisch. Mit 274.000 km2 ist es ein gutes Stück größer als z.B. die alten Bundesländer zusammen. Sien ist ein Dorf abseits der Versorgungszentren und deshalb auf Hilfe besonders angewiesen.

Der Kontakt kam durch den Diplom-Ingenieur Branko Irek aus Bünzen zustande. Er war in Burkina Faso als Entwicklungshelfer tätig gewesen. Bei ihm trafen sich 1991 ehemalige Entwicklungshelfer. Die Botschafterin des Staates, Madame Sophie Sow, war auch anwesend. Sie regte die Partnerschaft an, die Gemeindevertretung stimmte der Aufnahme partnerschaftlicher Beziehungen mit der Gemeinde Sien zu.

Nach gründlicher Vorbereitung, darunter zwei Informationstreffen in Bonn und einer privaten Informationsreise des Bürgermeisters Reimers zusammen mit der Gemeindevertreterin Frau Rathjens und Herrn Irek nach Sien, wurde am 3. Februar 1994 in Aukrug der Verein „Partnerschaft Aukrug — Sien e.V." gegründet. Dem Verein gehört neben augenblicklich 37 Einzelmitgliedern auch die Gemeinde Aukrug an. Zum erweiterten Vorstand gehören vier Gemeindevertreter/innen.

Im Haushalt 94 stellte die Gemeinde Aukrug 6000 DM für die Förderung von Hilfsprojekten in Sien zur Verfügung. Die Gemeindevertretung Bordesholm, vor dessen Sozialausschuß die Sienfahrer einen Vortrag gehalten hatten, gab 1994 8000 DM für ein Staudammprojekt. Das Beispiel dieser Partnerschaft zeigt auf, wie ohne großen Verwaltungsaufwand sinnvoll Entwicklungshilfe geleistet werden kann. Die relativ kleine Gemeinde Aukrug ist dadurch Vorbild für so manche Großstadt geworden.

3000 DM Privatspenden ergänzen bisher das Unterstützungskonto 43982 bei der Raiffeisenbank Nortorf, Bankleitzahl 21463603. Es wäre wünschenswert, daß sich viele Aukruger, auch die Vereine und Verbände, durch Mitarbeit oder Spenden an dieser Partnerschaft beteiligen.

40 Jahre Gemeinde Aukrug - 16 Jahre Partnerschaft Aukrug-Sién

(von Reimer Reimers)

Am 06.09. und 07.09.1991 trafen sich auf Einladung des Architekten und Ingenieurs Branko Irek ehemalige Entwicklungshelfer aus Burkina Faso zu einer Jahresversammlung in Aukrug-Bünzen. Anwesend war auch die Botschafterin Burkina Fasos, Madame Sophie Sow. Sie wurde von Seiten der Gemeinde durch den damaligen Bürgermeister Aukrugs, Reimer Reimers, begrüßt, der mit ihr und den übrigen Gästen auch einige Einrichtungen der Gemeinde besuchte.

Angenehm berührt von der herzlichen Aufnahme in Aukrug äußerte die Botschafterin den Wunsch, dass zwischen ihrer Heimatgemeinde Sien in Burkina Faso und der Gemeinde Aukrug eine kommunale Partnerschaft entstehen möge. Die Gemeinde Aukrug stimmte der Aufnahme von partnerschaftlichen Beziehungen mit der Gemeinde Sien zu.

Für das Haushaltsjahr 1993 stellte die Aukruger Gemeindevertretung 1000,- DM bereit um laufende Unkosten im Zusammenhang mit der Partnerschaft bestreiten zu können. Nach einem Besuch in der Bonner Botschaft Burkina Fasos durch Heidemarie Seider, Karin Rathjens, Branko Irek und Reimer Reimers (1992) und Austausch von Informationsmaterialien zwischen den Dörfern Sien und Aukrug flogen im Sommer 1993 Karin Rathjens, Branko Irek und Reimer Reimers nach Burkina Faso um das Dorf Sien zu besuchen.

Nach der Rückkehr und einem Bericht vor der Gemeindevertretung beschloss diese im Haushalt 1994 6000,- DM zur Förderung von Hilfsprojekten in Sien bereit zu stellen. Am 03.02.1994 wurde von 14 Bürgern/Innen der Verein „Partnerschaft Aukrug-Sien e.V.“ gegründet. Heute hat der Verein 76 Mitglieder.

Die Gemeinde Aukrug trat diesem Verein bei und ist laut Vereinssatzung und Beschluss der Gemeindevertretung mit vier zusätzlichen Beisitzern (pro Fraktion ein Vertreter) im erweiterten Vorstand stimmberechtigt vertreten. Hauptzweck des Vereins sind laut Satzung folgenden Punkte:

  • Sammlung von Spenden, die ausschließlich Projekten in Sien zufließen, und Entscheidung über Art und Auswahl der Projekte,
  • Unterstützung der Gemeinde Aukrug bei der Betreuung von Besuchern aus Sien und der Organisation von Besuchen in Sien,
  • Ideelle Unterstützung der an einem Besuch Sien Interessierten,
  • Gezielte Öffentlichkeitsarbeit

Von Beginn an entwickelten sich die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Dörfern in vertrauens- und respektvoller Atmosphäre. Viele kleine und mittlere Projekte wurden in Sien erfolgreich durchgeführt. Zahlreiche Aukruger Delegationen besuchten immer auf eigene Kosten das Partnerdorf Sien, darunter auch eine Gruppe von vier Aukruger Schülern. Auch aus Sien besuchten eine Gruppe von vier Erwachsenen und zwei Jahre später vier Schüler/innen die Gemeinde Aukrug. Aufgrund des so entstandenen Vertrauens beschlossen beide Gemeinden im Dezember 1997 einen offiziellen Freundschafts- und Partnerschaftsvertrag abzuschließen. Diese kommunale Partnerschaft wurde vom Bürgermeister der Gemeinde Aukrug, vom Vorsitzenden des Vereins Partnerschaft Aukrug-Sien und von Vertretern des lokalen Partnerschaftskomitees Sien unterschrieben. Bei der Unterzeichnung in Sien waren höchste Vertreter des Landes anwesend.

Der Partnerschaftsvertrag fixierte im Wesentlichen folgende Ziele und Grundsätze:

  • aktiver Meinungsaustausch und Vermittlung von Informationen
  • Kulturaustausch
  • Zusammenarbeit der Schulen
  • wirtschaftliche Kontakte
  • Gestaltung und Schutz der Umwelt
  • Ausbau kommunaler Einrichtungen
  • Förderung von Kontakten und Besuchen zwischen Bürgerinnen und Bürger beider Dörfer.

Diese Ziele wurden in den Folgejahren wurden in den Folgejahren bis heute durch zahlreiche Projekte und Aktionen erfolgreich umgesetzt, um nur einige davon zu nennen: Errichtung einer Tierimpfstation, Einrichtung eines Kleinkreditfonds, Renovierung der Lehrerwohnungen, Bau eines Versammlungshauses, Gezielte Frauen- und Mädchenförderung, Wiederholte Nahrungsmittelhilfen in Dürre- und Notzeiten, Sanierung der öffentliche Toiletten, Wasserpumpenreparaturen, Förderung der Geflügelzucht.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit in diesen „kleineren“ Projekten schuf die Basis für die Verwirklichung eines großen Planes: Bau eines Regenwasserrückhaltebeckens um die immer schlimmer werdenden Folgen des Klimawandels im Sahelbereich und südlich davon, Versteppung und Hungersnöte, für das Dorf abzumildern.

Mit ca. 50 % Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und zusätzlicher Unterstützung durch die Bingo-Lotterie konnte von 2003 bis 2005 ein 800 x 200 m großes Regenwasserrückhaltebecken gebaut werden. Die übrigen Anteile für die Finanzierungskosten in Höhe von 75.000 € kamen von der Gemeinde,vom Partnerverein Aukrug-Sien (Beiträge und Spenden) und durch erhebliche Eigenleistung der Einwohner Siens. Heute hat sich die Wasser- und Ernährungssituation stark verbessert. In unmittelbarer Nähe des Rückhaltebeckens wurde eine 10.000 m2 große Gartenbaufläche mit fünf Brunnen geschaffen, die von allen Familien des Dorfes anteilig gegen eine Pachtgebühr genutzt werden kann. Seitdem mussten von uns keine Lebensmittelhilfen mehr geleistet werden. Das Dorf kann sich zur Zeit selbst versorgen.

Der erfolgreiche Abschluss dieses Projektes spornte uns an im Jahre 2008 mit der Verwirklichung eines weiteren „Großprojektes“ zu beginnen:

Neubau von drei Schulklassen und drei Lehrerwohnungen, damit endlich alle Schulklassen einen eigenen Raum bekämen und drei weitere Lehrer ins Dorf geschickt würden. Bis dahin wurden sechs Schulklassen (ca. 180 Schüler) in drei Räumen von 3 Lehrkräften unterrichtet. Heute sind die Räume bis auf Kleinigkeiten fast fertig. Es sind sechs Lehrer im Dorf. Die Bildungssituation hat sich enorm verbessert. Nach einer auskömmlichen Lebensmittelversorgung ist die Verbesserung der Bildungssituation die wichtigste Aufgabe in ganz Burkina Faso. Die Finanzierung dieses Projekts in Höhe von 65.000 € konnte wieder mit erheblichen Fördermitteln des BMZ (49.000 €) sicher gestellt werden.

Zur Zeit läuft ein weiters größeres Projekt, das unter dem Schirm von Rotary Neumünster Vicelin jetzt genehmigt wurde: Die Vergabe von Mikrokrediten an Männer und Frauen aus dem Dorf aus einem Gesamtetat von 10.000 € an die Dorfbewohner um kleine handwerkliche und landwirtschaftliche zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen. Die Umsetzung soll in den nächsten zwei Jahren erfolgen.

Diese unvollständige Übersicht zeigt:

  1. Die Gemeinde Aukrug hat mit der offiziell vor gut 12 Jahren schriftlich besiegelten Partnerschaft im Bereich „Kommunale Völkerverständigung richtungweisend Neuland betreten.
  2. Die kommunale Partnerschaft zwischen Aukrug in S.-H. und Sien in Burkina Faso ist fest etabliert und anerkannt.
  3. Der Gemeinde Sien ist vor zwei Jahren für ihre Bemühungen um Verbesserung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Situation vom Präsidenten Burkina Fasos der höchste nationale Verdienstorden („Chevalier de l’Ordre de Mérite National“) verliehen worden. Bei der Ordensverleihung wurde ausdrücklich gewürdigt, dass in diese Auszeichnung auch die Partnergemeinde Aukrug mit eingeschlossen sei.
  4. Die große finanzielle Förderung und ideelle Unterstützung durch Aukruger Bürger und Einrichtungen zeigt, dass diese Partnerschaft inzwischen breite Zustimmung und Sympathien genießt.
  5. Die vielen Vereinsmitgliedschaften aus Orten außerhalb Aukrugs beweisen, dass die Partnerschaft über Aukrug hinaus Anerkennung und Unterstützung findet, Anerkennung auch auf Kreis- und Landesebene, geäußert von maßgeblichen Politikern aller Parteien, u.a. auch von unserem Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen.

Mein Dank gilt allen, die diese Entwicklung ermöglicht haben: unseren Mitgliedern, der Gemeindevertretung und natürlich den vielen privaten und institutionellen Freunden und Förderern. So macht eine kommunale Partnerschaft Freude!