Archiv:Die Feldgemeinschaft

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Die Zeit der Feldgemeinschaft (bis 1780) (zur besseren Lesbarkeit wurden bei der Digitalisierung Überschriften für die Abschnitte ergänzt.)

Die Feldgemeinschaft

In älteren Zeiten bestand die volle Feldgemeinschaft, d. h. das ganze urbare Dorffeld war gemeinschaftliches Eigentum des Dorfes. Es war in „Kämpe" eingeteilt. Einige von ihnen wurden bebaut, andere lagen in „Brache" und dienten als Viehweide. Es wird allgemein angenommen, daß jeder Vollhufner den gleichen Anteil an der Feldmark hatte. Im Amte Rendsburg war das 1540 nicht so. Die Liste des 20. Pfennigs in der A. R. 1540 (1) zeigt eine sehr verschiedene Größe des Saatlandes der einzelnen Hufen der Dörfer. In dieser Liste heißt es: "In deßem Jare hebben de Karspellude mynen gnedigste heren van ehrem seye gude bynnen alse buten Amtes den twintigste penningk, jedoch van der ploch nicht weniger alße 4 gulth gegeven."

Die Bauern des Amtes haben also dem König den zwanzigsten Pfennig von ihrem besäten Lande gegeben, von dem Pflug (= Hufe) aber mindestens 4 Gulden (= 6 Mk). In dieser Liste sind einige Angaben, aus denen man errechnen kann, daß 1 Mk von etwa 4 4/15 Scheffel (= etwa 1 1/3 Tonne) gegeben werden mußte (Kö = Kätner) (2).

Name 20 Pf. Kaufkraft 1938 (2) Tonnen Acker abgerundet = ha
Buntzingk
Hans Kadde 6 Mk 252 RM 8 5,7
Marquart Gotzke 10 Mk 420 RM 14 10,0
Hans Holm 10 Mk 420 DM 14 10,0
Hinrick slump 11 Mk 462 RM 15 2/3 10,7
Hans Stacke Kö. 1 Mk 42 RM 1 1/3 0,9
53 34,5
Name 20 Pf. Kaufkraft 1938 (2) Tonnen Acker abgerundet = ha
Innien
Hennecke Kule 6 Mk 252 RM 8 5,7
Eler stacke 6 Mk 252 RM 8 5,7
Timmecke Martens 14 Mk 588 RM 20 14,3
Eler Holm 12 Mk 504 RM 17 12,2
Jochim Schack, Kö 2 Mk 84 RM 3 2,2
56 40,8
Name 20 Pf. Kaufkraft 1938 (2) Tonnen Acker abgerundet = ha
Boeckenn
Eler titke 7 Mk 294 RM 9 2/3 6,9
O. Marquart Volstede 13 Mk 546 RM 18 12,9
J. Marquart Volstede 5 Mk 210 RM 7 5.0
Ratke Hintzen 10 Mk 420 RM 14 10,0
Detlof eckman 6 Mk 252 RM 8 5,7
Hans verst 6 Mk 252 RM 8 5,7
Hans Wittemacke 6 Mk 252 RM 8 5,7
Eler Wittemacke 6 Mk 252 RM 8 5,7
71 50,7
Name 20 Pf. Kaufkraft 1938 (2) Tonnen Acker abgerundet = ha
Bucken
Claus Hollm 4 Mk 588 RM 20 14,3
Rathge 9 Mk 6ß 395 RM 13 9,3
33 23,6
Name 20 Pf. Kaufkraft 1938 (2) Tonnen Acker abgerundet = ha
Berchvelt
Hans Kruse 5 Mk 210 RM 7 5.0
Tancke eisendorff 11 Mk 4ß 472 RM 16 12,4
Hennecke Barchvelt 11 Mk 462 RM 15 2/3 11,19
Gretke Tanck 6 Mk 252 RM 8 5,7
Marqrt Tanck 9 Mk 378 RM 12 2/3 9,5
59 42,2
Name 20 Pf. Kaufkraft 1938 (2) Tonnen Acker abgerundet = ha
Homvelde
Eler Trede 8 Mk 336 RM 11 7,8
Dettleff ratge 11 Mk 462 RM 15 2/3 10,7
Hennecke ratge 11 Mk 10ß 488 RM 18 12,8
Tancke Elers 8 Mk 1ß 338 RM 11 7,8
Eler stacke 6 Mk 252 RM 8 5.7
Rathge Martens 6 Mk 252 RM 8 5,7
Jürgen trede 6 Mk 252 RM 8 5,7
Hans Barchvelt 6 Mk 252 RM 8 5,7
87 62,2


Es zeigt sich klar, daß bedeutende Unterschiede in der Größe des Ackerlandes der Hufen um 1540 bestanden. Dasselbe zeigt der folgende Auszug aus dem „Extract Examinationis Kirchspiels Nortorf"(3). Das Aktenstück trägt keine Jahreszahl. Der Schrift nach stammt es aus der Zeit um 1660. Es wird eine Darstellung der Verhältnisse des Kirchspiels für die Kommission Hausmann und Stöcken (4) sein.

Bucken

Bucken hat Sandt und Mohrlandt, wiesenlandt ziemblich, etwas Sprengholtz ist ihr eigen, hat zwei halbe Pflüge, können jeder aussäen Rogken 6 Tonnen, Buchweitzen 4 Tn. Wischlandt zu 20-24 Fuder Heu.

Böken

Böecken hat Heidtlandt, etwas Sprengholtz, guthe Wiesen, Torfmohr, hat 7 volle Hufen, 1/4 Pflug und 2 Achtelpflüge, welche kein Landt haben.

Die vollen Pflüge: Rogken 5-8 Tn., Buchweitzen 2-5 Tn., Wischlandt zu 16-33 Fuder Heu. Der 1/4 Pflug hat saatlandt zu 1 Tn. Korn und Wischlandt zu 2 Fuder Heu.

Bünzen

Büntzing hat Sandtland, guthe Wiesen, etwas Sprengholtz, Torfgraben. Hat 4 volle Pflüge und 1 Kate. (Die Mühle ist nicht mit aufgeführt.) Die vollen Pflüge 6-8 Tn. Rogken, 4-6 Tn. Buchweitzen, Wischland zu 20-30 Fuder Heu. Der 1/4 Pflug hat Wischlandt zu 2 Fuder Heu und 1 Kohlhof. Damahlen ist ein Inste gewesen.

Innien

Innien hat Sandt, Heidt und Holzlandt, guthe doch niedrige Wiesen, Torfmohr, hat 4 volle Pflüge und 2 Katen. Die vollen Pfl. können jeder aussäen Rogken 6-8 Tn., Buchweitzen 4-6 Tn. Wischlandt zu 20-40 Fuder Heu. Die Käthners haben saatlandt zu 1/2 Tn. Korn, Wischlandt zu 2 Fuder Heu.

Taxation und Bonitierung 1724

Erst über die Verhältnisse nach 1700 haben wir genauere Nachrichten über unsere Höfe. 1724 fand eine neue Taxation und Bonitierung sämtlicher Ländereien statt. Die Ergebnisse sind handschriftlich erhalten: Specielle Beschreibung von dem gegenwärtigen Zustande der Unterthanen, und ihren in Besitze habenden Ländereyen des Kirchspiels Nortorf (5) und „Ausführliche Beschreibung der Unterthanen Häuser, Kohlhöfe, Ländereyen mit mehreren in dem Kirchspiel Kellinghusen"(6). Es werden darin die einzelnen Besitzungen mit ihrem urbaren Landbesitz, ihrem Zustand, ihrem Beschlag und teils auch mit ihren Abgaben und ihrer Verschuldung oder ihren ausstehenden Forderungen aufgeführt. Das Nortorfer Buch beginnt:„Anfänglich zu wissen, daß in dem Kirchspiel Nortorf keine feste Güter vorhanden sind, sondern die Güter den Unterthanen eigenthümblich zugehören." Festegüter waren die Bauernhöfe im Amt Bordesholm. Dort mußten die Bauern bei Übernahme der Hufe ein Festegeld an das Amt zahlen, im Amt Rendsburg nicht. Wie ein einzelner Bauernhof damals aussah, soll die folgende Abschrift über die Hufe Holm in Bünzen zeigen. (7)

An Activ Schulden habe er keine.

An Passiv Schulden

an Jochim Geehrt in Büntzen 	50 Mk a 5 pCt Zinsen,
an Detleff Hintze in Büntzen 	50 Mk a 5 pCt Zinsen,
an Jochim Kühlen Stiefkinder
Anke Heeschen 	 		50 Mk a 5 pCt Zinsen,
an Hans Harders in Büntzen 	50 Mk a 5 pCt Zinsen,
an Jochim Bracker in Böcken 	24 Mk a 5 pCt Zinsen,
an Hans Stender in Büntzen 	24 Mk a 5 pCt Zinsen.

Von seinem Hoffe wäre etwa vor 6 Jahren an Wischland zu 1 Fuder Heu an Jochim Geehrt für 50 Mk verkaufet, sonsten sey aber kein Stück noch Wischland mehr verkaufet.

Ist übrigens im schlechten Stande. Unterschrift: HH

Für die anderen Bauernhöfe lasse ich folgen: Übersicht über die Bauernhöfe des Aukrugs 1724

Ackerland und Brache

Es bestand damals die Feldgemeinschaft, d. h. zur Weide gehörte das ganze Dorffeld, mit Ausnahme der Wiesen, dem ganzen Dorfe. Das urbare Ackerland war in große „Kämpe“ geteilt. Einige von diesen wurden bestellt, andere lagen in „Brache" und dienten als Viehweide. Jeder Kamp war in eine große Anzahl schmaler Steifen geteilt. Die einzelnen Stücke der Besitzer lagen fast nie nebeneinander, sondern im bunten Durcheinander. Diese Buntscheckigkeit dürfte so entstanden sein, daß von Zeit zu Zeit weiteres Ackerland nötig geworden war, worauf ein an einem alten Kamp gelegenes Stück Unland urbar gemacht wurde. Jeder Bauer bekam da ein gleiches Stück zugeteilt. Es mag dabei vorgekommen sein, daß einer sein zugewiesenes Stück nicht urbar machen wollte und es seinem Nachbar überließ. So mag es gekommen sein, daß mitunter zwei oder drei Stücke eines Hofes nebeneinander lagen. Sie können aber auch als Mitgift an die Hufe gekommen sein. Bauern verkauften oft einzelne Ackerstücke und Wiesen ohne Erlaubnis an adelige und klösterliche Untertanen, gaben auch solche ihren Töchtern als Aussteuer mit. Diese Art Kontrakte wurden kassiert und aufgehoben.(9b)

Diese einzelnen Stücke des Ackerlandes gehörten dauernd zu der Hufe. Diese bunte Gemenglage bewirkte, daß eine Hufe von etwa 20-25 Tonnen Aussaat 100-140 verschiedene Ackerstücke hatte. Die Menge des Ackerlandes einer Hufe war in den einzelnen Dörfern verschieden.

In Böken hatte die Hufe 23-28 Tonnen, in Bünzen 30-35, in Innien 18-22, in Homfeld 15-23, in Bargfeld 22-31 Tonnen, in Bucken die beiden Halbhufen 17 und 20 tn. Ackerland. Die Größe des Landes wurde nicht nach dem späteren Tonnemaß gemessen, sondern nach der nötigen Roggeneinsaat geschätzt (fällt ein 2 Scheffel).

Das Ackerland war mach seiner „bonitet" unterschieden in Gut Land (Kinderkamp in Böken, Hohen Büntzer Kamp in Bünzen, Balkenkamp in Innien (später Bauernkamp genannt), mittelmäßig Land (Bast und Krützkamp in Böken, Habbland und Bahrstücken in Bucken, Bargkamp in Bünzen, Ners Oh in Innien), schlecht Land (Rühmlandsbarg und Kleef in Böken, Brandtheide in Bucken, Rühmkamp in Bünzen, Sören und Sandberg in Innien); schlecht Sandland (Bockhorst in Böken, Brüggkamp in Bünzen, und mohrigt Land.

Unter dem Pflugland werden zwei Arten unterschieden: weichloses oder Inwongsland und Brackland. Das erstere, „so alle Jahr ohne Ruhe unterm Pflug gebraucht wird", war nicht auf allen Feldmarken vorhanden. Es fehlte in Homfeld und Bucken. In Innien war es der Balkenkamp (Bauernkamp), in Böken der Bast und in Bünzen der Hobüntz. Es war der bessere Boden, der mehr Ertrag lieferte und eine stete Benutzung vertragen konnte. Das „Brackland" hatte dagegen zeitweise Ruhe. Es blieb nach der letzten Ernte liegen, mußte aus sich selbst einen Grasrasen bilden und diente dann als Viehweide. Die Zeit der Bebauung und der Ruhe war in den Dörfern verschieden, je nach Herkommen und Abmachung. Von unsern Dörfern heißt es in den beiden genannten Beschreibungen:

Dorfschaftsfelder

Innien

Das gemeine Dorfsfeld zu Innien wird 3 Jahr nacheinander untern Pflug genommen und besäet, danach ruhte es 4 Jahr wieder. Der Rocken könnte nach einer jeden Tonne ohngefähr das 3. Korn tragen. Der Buchweizen wäre aber mißlich.

Böken

Das gemeine Dorfsfeld zu Böcken wird 3 Jahr nacheinander untern Pflug genommen und besäet, danach ruhte es 3 Jahr wieder. Das erste Jahr nach der Aufbrechung wurde es mit Buchweizen besäet, das andere Jahr bemistet und mit Winterrochen, das 3. Jahr bemistet und mit Winterrocken. Der Rocken könnte nach einer jeden Tonne, wann die Bemistung gehörig geschiehet, und ein gesegnetes Jahr einfält, ohngefähr das 3. Korn tragen, der Buchweizen aber ist mißlich und könnte nicht determiniert werden.

Bünzen

Das gemeine Dorfsfeld in Bünzen wird 3 Jahr nacheinander untern Pflug genommen und besäet, danach ruhte es 4 Jahr wieder Der Rocken könnte nach einer jeden Tonne ohngefähr das 3. Korn tragen, der Buchweizen wäre aber mißlich.

Bucken

Das gemeine Dorfsfeld zu Bucken wird 4 Jahre nacheinander untern Pflug genommen und besäet. Danach ruhte es 4 Jahr wieder. Das erste Jahr bei der Aufbrechnung wurde es mit Buchweizen besäet, das andere Jahr bemistet und mit Winterrocken, das 3. Jahr bemistet und mit Winterrocken, das 4. Jahr mit Winter- oder Sommerkorn. Ertrag wie bei Böcken.

Homfeld

Die Dorfschaftsfelder in Homfeld (9) betreffend, so werden solche vier Jahr nacheinander untern Pflug genommen und gesäet, und kombt die Bemistung das andere Jahr, wann Winterrocken hineingesähet wird, darin. Und wird das erste Jahr bei der Aufbrechung Buchweizen, das andere Jahr Winterrokken, das dritte Jahr gleichfalls Winterrokken und das vierte Jahr Sommerrogken oder Buchweizen darin gesähet. Hernachmals ruhen die Felder 3 Jahr wieder. Und wird bei guten Jahren auf 1 Tonne Rokken 3 Tonnen, bei mittelmäßigen 2 Tonnen und bei schlechten Jahren kaum die Saat wieder erbauet werden. Von dem Buchweizen und Sommerrokken kann nichts gewisses gemeldet werden, weil es ein dürrisch Korn ist.

Bargfeld

Die gemeinen Dorfsfelder in Bargfeld (9) werden 4 Jahr nacheinander untern Pflug genommen und besäet und kommt die Bemistung das andere Jahr darin. Das erste Jahr wird Buchweizen, das 2. und 3. Jahr Winterroggen und das 4. Jahr in den besten Enden Sommerrokken und Buchweizen gesäet. Sodann ruhen die Felder 4 Jahr wieder, und wird in denen guten Jahren auf 1 Tn. 2 1/2 Tn., bei mittelmäßigen 2 Tonnen und bei schlechten Jahren zuweilen nicht einmal die Saat wieder erbaut. Dergl. Beschaffenheit hat es auch mit dem Sommerrokken und Buchweizen.

Privathäuerroggen oder Erbhäuerroggen

Nach den Angaben dieser Beschreibungen kann man den Kornertrag der Hufen ziemlich berechnen. Die Homfelder Bauern geben ihren Ertrag an. Dingvogt Henning Ratjen hatte 16 Tonnen Roggen gebaut. Er mußte 8 Tonnen zukaufen, gebrauchte also 24 Tonnen, wovon 6-7 für die Aussaat abgingen. Der Hausbedarf betrug also 17-18 Tonnen. Harder Ratjen hatte 15 Tonnen gedroschen, mußte 5 Tonnen zukaufen und brauchte 5 1/2 Tonnen zur Aussaat. Johann Rathjen hatte 21 Tn. gedroschen, mußte 8 Tn. zukaufen. Bei Claus Ratjen waren es 17 und 3 Tn., bei Claus Luesch 12 und 6, bei Johann Beecken 14 und 5, bei Sievert Rohweder 15 und 3 Tonnen. Im Durchschnitt betrug der Hausbedarf 14-15 Tn. Das würde bei einer Familie von 8 Köpfen etwa 1 Pfund pro Kopf und Tag betragen. Korn zum Verkauf war also durchweg nicht vorhanden, zumal noch Roggenabgaben an das Amt und die Kirche, bei einigen auch an Gutsherren zu leisten waren. So hatten in Böken Jochim Bargfeld 4 Tn. an Gut Drage, Jürgen Vollstedt 2 Tn. 4 Spint an Hausleute, Hartig Bracker 2 Tn. 1 Scheffel an Hausleute, Jochim Vollstedt 1 Tn. an Hausleute, Claus Ricken 3 Tn. an die Kirche in Nortorf zu liefern. In Innien lieferte Hans Huß 4 Tn. an das Schloß Rendsburg, Eler Heeschen 2 Tn. nach Drage und 1 Tn. an Emkendorf, Hans Schnoor 1 Tn. 1 Schfl. 3 Himpten an Kirche und Pastorat in Nortorf. In Bünzen gab Hans Holm 2 Scheffel an Hausleute.

Diese Lieferungen an Hausleute wird als Privathäuerroggen (10) oder Erbhäuerroggen bezeichnet. Er war Privatschuld und entstand bei Erbteilungen, hauptsächlich in einer Zeit, wo noch wenig Geld zu haben war. Weichenden Erben wurde also eine jährliche Lieferung von einer gewissen Menge Roggen verschrieben. Die Lieferungspflicht endete aber nicht mit dem Tode des Bedachten, sondern blieb dauernde Leistung an die Hufe, auf die der Bedachte einheiratete. Diese Schuld war ablöslich, meistens mit 100 Rthlr je Tonne.

Stroh

Auch Stroh war meistens nicht genügend vorhanden. Hans Ratjen in Homfeld berichtet mehrfach, daß er Stroh zugekauft hatte, z. B. 1768: 100 Klapt Haberstroh von Willenscharen 3 Mk, 400 Klapt Gassenstroh in Grönhude, das 100 zu 2 Mk 8 ß.

Eigenversorgung

Es hat wohl kaum eine Hufe im Aukrug ihr Korn für den Eigenbedarf bauen können. Das hatte schon der Amtmann Graf Detlef Rantzau in einem Bericht von 1694 gesagt (11):

„So ist notorie und bekannt, daß die Kirchspiele Schenefeld, Westede, Kellinghausen und der meiste Teil von Nortorf ihre größte Subsistence durch die eigene Hölzung und Torf verkaufen haben, auch die meisten so beschaffen, daß sie kaum soviel Korn haben und bauen können, da sie ihre Haushaltung mit hinhalten können und also genötigt werden, um Weihnachten oder längstens Lichtmeß (2. Februar) ihr Brotkorn wieder zu kaufen. Bei solcher Bewandtnis nun, muß er sich größtenteils auf seine Hölzung verlassen und daraus die monatliche Contribution samt Herrengeld und andere Abgiften mehr bezahlen, welches denselben dann noch härter trifft, wenn er Abfall an seinen Pferden und Vieh empfindet."

Die Einkoppelung

Die ganzen Kämpe waren während der Bestellungszeit durch einen Buschzaun (Borrntun), eingeschlagene Zaunpfähle mit dazwischen geflochtenem Busch, eingefriedigt. Die Unterhaltung des Zaunes war Sache des Dorfes. Sie verschlang eine Menge Busch, wodurch ein Aufwachsen von Wald unmöglich gemacht wurde.

Die einzelnen Ackerstücke waren nur durch Grasstreifen getrennt. Dadurch wurde es möglich, daß einer dem anderen Land wegflügte, wie es in den Brüchregistern oft angegeben ist. Nur wenige Bauern besaßen eingefriedigte Koppeln. In Innien waren 2, in Böken 11, in Bünzen 8, in Homfeld 10 und in Bargfeld 6 Koppeln mit einer Einfriedigung versehen. Man kann diese Koppeln noch an den krummen Wällen erkennen. Diese krummen Wälle weisen stets auf vor der Feldaufteilung eingekoppeltes Land hin. Die 1724 schon vorhandenen Koppeln waren in Innien die „Holmkoppel" und eine ohne besonderen Namen, in Böken die beiden Brüggkoppeln, 2 Twisselkoppeln, die Rühmkoppel, die Fuhlenaukoppel, eine Neue Koppel, eine Oldenkampskoppel, eine Nabbenhoekoppel und zwei „beim Hause", in Bucken Lohwisch-, 2 Kuhharts-, 1 Brandheide-, 1 Nienwisch-, 1 Rechtwischen-, 1 Bahren-, 1 kleine Wischkoppel und 2 „beim Hause", in Bünzen 1 Bragg-, 4 Hörn-, 3 Mohr- und 1 Sählenkampskoppel. Das eingekoppelte Land schied völlig aus der Feldgemeinschaft aus. Auch zur Weide gehörte es seinem Besitzer allein. Der Osten des Kirchspiels Nortorf war in der Einkoppelung voraus. Bargstedt hatte keine einzige eingefriedigte Koppel.

Wiesenland

Das Wiesenland wurde nach der „Heuwindung" abgeschätzt. Dadurch ist uns von jeder Wiese die Anzahl der Fuder Heu angegeben. Die Anzahl der Fuder Heu für die Hufe unterlag natürlich bedeutenden Schwankungen, je nach Menge des vorhandenen Wiesenlandes. Durchschnittlich wurden 30-40 Fuder je Hufe geerntet. In Oldenhütten kam eine Halbhufe (jetzt Thun) mit 89 Fuder vor. Sie erntete mehr Heu als sonst die Vollhufen des Kirchspiels.

Ohne den Wiesenbesitz wären unsere mageren Böden nicht zu bewirtschaften gewesen. Die Wiesen gaben jahraus, jahrein verhältnismäßig reichliches, gutes Futter für das Vieh, ohne je eine Düngung zu erhalten. Man hielt sie für unerschöpflich. Das Heu gab dem Mist seinen Gehalt, und nur mit Hilfe des Mistes gelang es, den Acker stets ertragreich zu erhalten. Die Wiesen waren der Jungbrunnen der Wirtschaft (12). Hans Ratjen in Homfeld konnte sogar 1752 am 2. Mai 100 Pfund Heu für 1 Mk 3 ß verkaufen.

Die Hölzungen

Die Hölzungen in Bargfeld, Homfeld, Innien und Bucken waren Einzeleigentum der Bauern. Von der Thunschen Hufe in Innien heißt es: sie habe eigene Hölzung, so in Büchen, oder nur in Weichholz als Hegebüchen, Eller und Birkenbestände und in mittelmäßigen Stande wäre", und bei der Göttscheschen Stelle in Bucken: sie habe nur wenig eigene Hölzung, so in etwas Büchen, Eichen oder Weichholz, als Eller und Birken besteht. Von Böken wird dagegen bei der parzellierten Hesebekschen Stelle (Greve) gesagt: sie habe nur wenig eigene Hölzung, so in wenig Eiche und Zaunholt (Buschwall) bestehet, ist mit dem ganzen Dorfe einerlei. Das Moor lag ebenfalls als Gemeinheit, und jeder grub seinen Bedarf nach Anweisung des Dorfes.

Landverkauf

Selten war Land verkauft; häufiger ist dagegen ein Stück als Erbteil an einen anderen Besitz übergegangen. Hin und wieder wird auch angegeben, daß ein Stück Land oder eine Wiese verkauft oder versetzt ist. Die Preise für verkauftes Land schwankten. In Böken war ein Stück Land zu 1 Himpten 1 Spint Einsaat für 6 Rthlr (= 24 Rthlr die Tonne) und ein gleiches Stück für 4 Rthlr verkauft. In Bünzen hatte Hinrich Wichmann ein Stück Land zu 1 Tonne Aussaat und ein Stück Wiesenland zu 1 Fuder Heu an Jochim Gehrt für 100 Mk lübsch verkauft. Die „Diekwisch" in Böken zu 1 Fuder Heu war für 50 Rthlr versetzt. Ein gleich großes Stück Wiese war 1718 von Hinrich Holm in Bünzen an Jochim Gehrt für den gleichen Preis verkauft. Die „Mitbekwiese" in Böken zu 1 Fuder Heu war für jährlich 1 Tonne Roggen versetzt.

Volles Recht am Felde hatten nur die Vollhufen. Kleinere Besitze bezeichnete man als halbe, Viertel- und Achtelhufen. Die um 1660 erwähnten Viertelhufen in Böken und Bünzen sind schon 1585 nach ihren Steuern nur als Achtelhufen anzuerkennen, wie auch um 1724. Die im Bauernbuch aufgeführten Viertelhufen sind später durch Teilung von Vollhufen entstanden. Die Achtelhufen hatten nur wenig Ackerland. Noch 1680 werden die Böker Achtelhufen als Katen ohne Land bezeichnet, d. h. sie hatten kein Ackerland oder keine Wiese, sondern mußten sich das Land von den Vollhufnern heuern. Das Dorf hatte ihnen die Berechtigung eingeräumt, einige Pferde und etwas Rindvieh auf die gemeine Weide zu treiben.

Außer diesen Besitzungen gab es noch „Häuer oder Freikaten". Diese waren auf dem Grunde eines Bauern von einem jüngeren Sohn, der als Handwerker oder Tagelöhner sein Brot suchen mußte, erbaut. Das Gebäude war Eigentum des Erbauers, Gebäude galten als „bewegliches Eigentum". Der Grund blieb bei der Hufe. Der Kätner hatte eine jährliche Grundhäuer an die Hufe zu zahlen, meistens 1 Rthlr. Gar häufig war er auch verpflichtet, dem Hufner „einen Meyer und einen Binder für einen Tag in der Ernte" zu stellen. Die Katen hießen Freikaten, weil sie von allen Lasten und Abgaben (bis auf Verbittelsgeld) frei waren, da die Hufe die bisherigen Lasten weiter zu tragen hatte. Manche der sog. „alten Katen" sind auf diese Weise entstanden.

Der Beschlag

Der Beschlag auf einer Vollhufe betrug gewöhnlich 6 — 8 Taupferde, 2-5 Füllen, 5-10 Milchkühe, 7-8 Stück Jungvieh, 5-8 Kälber, 20-30 Schafe und einige Zuchtschweine. Die Pferde waren klein und wenig leistungsfähig. 8 Pferde spannte man vor die Egge, vier vor den Pflug, und beim Aufbruch aus dem Dreesch brauchte man sechs. Anders als mit vier Pferden vor dem Wagen fuhr man selten. Man hatte Stall- und Holzpferde. Über die letzteren berichtet Domeier (4).

„In den großen Hölzungen halten die Homfelder auch einige wilde Pferde, oder eine kleine Art Pferde, die auch des Winters sich außer dem Hause behelfen, indem sie den Schnee abscharren und grasen, oder von den Büschen und niederhängenden Zweigen die zarten Knospen abnagen; doch aber bei außerordentlich hohem Schnee und sehr großer Kälte zu Hause kommen und alsdann, solange die rauhe Witterung anhält, einige Tage oder wenige Wochen von ihren Eigentümern gefüttert, bei gelinder Witterung aber wieder von selbst zu Holze gehen und sich so nähren. Den Winter über sind sie ganz rauh und wollicht in den Haaren, im Frühjahr werden sie glatt und haben Kräfte, werden auch den Sommer über zum Fahren und Pflügen gebraucht".

In einem Kontrakt bei Friedrich Rathjen in Homfeld habe ich diese Holzpferde 1780 erwähnt gefunden. Es befanden sich damals auf dem Besitz 7 Stall- und 2 Holzpferde. Von den ersteren wurden vier je Stück auf 50 und drei auf je 30 Mk taxiert. Die beiden Holzpferde bewertete man auf je 24 Mk. Ähnliches berichteten mir alte Leute aus Böken: In der [[Archiv:Die Franzosenzeit 1808 bis 1814) Franzosenzeit soll eine junge Frau Jargstorff im ersten halben Jahr ihrer Ehe von den zwölf Arbeitspferden der Hufe nur sechs gesehen haben, die anderen sind während des halben Jahres nicht nach Hause geholt worden.

Aus Sparsamkeit wurden die Pferde nur selten beschlagen, meistens mußten sie "barfuß" gehen. Die Sandwege ließen das gut zu. Mit dem Eisen war man überhaupt sparsam. Erst kurz vor 1700 entstand in Innien die Schmiede (Besitz Witt). Die Böker Schmiede entstand um 1735. Die wenigen nötigen Schmiedearbeiten mußte und konnte der Bauer selbst verrichten. Eggen und Wagen waren fast ganz aus Holz hergestellt. Die Pflüge hatten nur eine eiserne Schar, das Streichbrett war aus Holz. Selten waren Eggen mit eisernen Zinken. Die Pflugteile waren mit Keilen und Ringen aus Holz zusammengehalten. Nach Feierabend mußten die Knechte und der Bauer einen genügenden Vorrat davon anfertigen, damit zerbrochene Teile stets erneuert werden konnten. Eiserne Pflüge (d.h. wohl solche mit eisernem Streichbrett und Sick fand ich zuerst 1754 auf dem Hofe von Voß (Glindemann) in Böken erwähnt (15). Eggen mit hölzernen Zinken hatte man noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Wagen bestanden ganz aus Holz. Noch 1767 waren auf einem Besitz in Gnutz nur Block- und Scheibenwagen. Von Wagen mit eisernen Ringen, wie man sie etwas später in Inventarverzeichnissen findet, war keine Rede. Nach der Feldaufteilung um 1780, als der Wohlstand stieg, wurde die Benutzung des Eisens in der Landwirtschaft allgemeiner, aber noch 1832 wurden auf dem jetzigen Boie-Rathjenhof in Innien „2 Eisenbeschlagene und 2 Blockwagen" verkauft (16).

Die Viehhaltung

Das Rindvieh war ebenfalls von geringer Güte. Gute Weide gab es nicht. Alle Bauern benutzten die gemeinsame „Trifft" oder die „gemeine Weidedrifft, so in Acker- oder Dreeschland, in der Hölzung und nur in den Heidbergen besteht" (17). Das Ackerland blieb nach der letzten Ernte im Turnus einfach liegen und mußte aus sich selbst einen Rasen schaffen. Daß sich dieser nur aus Quecke und Unkräutern bilden konnte, ist selbstverständlich. Eine Einsaat von Gras- oder Kleesamen kannte man nicht. Deshalb wagte man nicht, den Acker von der Quecke frei zu machen, da man sonst keine Weide hatte. Deswegen ereiferte man sich auch gegen eiserne Pflüge und Eggen, da sie die „Naturgräser“ zerstörten. Der Kleebau wurde erst nach dem Mergeln aufgenommen. In dem Rechnungsbuche von Hans Rathjen in Homfeld berichtet er, daß er 1752 ein Pfund „Pohlschen Klewer" für 9 ß gekauft habe. Das ist aber die einzige Angabe über den Klee in dem Rechnungsbuche, das von 1749 — 1799 reicht. Das interessante Rechnungsbuch leidet darunter, daß es aus Einzelnotizen besteht, so daß eine Übersicht über den Betrieb nicht zu gewinnen ist. Beim Abschnitt „Holzhandel" werde ich das Heft weiter benutzen. Ob der Saatversuch Rathjens geglückt ist, läßt sich nicht erkennen.

Die ganze Dorffeldmark, soweit sie nicht mit Korn bestellt war, gehörte zur gemeinen Weide. Meistens war es dem Vollhufner gestattet, daß er „soviel Vieh und Pferde, als er zur Ausfütterung (durch den Winter) halten kann, darauf schlagen und bringen könne". Kleineren Besitzern, besonders den Achtelhufnern und Kätnern, war manchmal nur eine bestimmte Anzahl Vieh auf der Weide gestattet. Von Bokel heißt es bei einem Achtelhufner: „Auf der gemeinen Weidedrifft kann er zwar soviel Vieh schlagen, als er zur Ausfütterung halten und haben kann, muß aber den andern 4 Hufnern im Dorf dafür jährlich 2 Thlr 8 ß Weidegeld geben, sonsten er auf solche gemeine Weidedrifft nur 2 Kühe und 2 Pferde schlagen muß, wie es vor vielen Jahren sei ordinieret worden (18). Durch diese Bestimmung wurde es ihm möglich, 4 Pferde, 4 Kühe, 4Stück Jungvieh und 10 Schafe zu halten.

Auch Katen ohne Land, sog. Freikaten, durften vielfach Vieh halten. So waren in Homfeld zwei Katen auf den Hufen von Kahlcke und Fr. Rathjen. „Ich habe zwar die gemeine Weide zu gebrauchen, muß aber für jedes Stück Hornvieh 2 Mk, für zwei Schafe 8 ß, für drei Stück aber 1 Mk Grasgeld an hiesiges Bauerlag geben", sagte der eine von ihnen aus. „Auf des Bauerlags Bewilligung darf er 2 — 3 Stück Rindvieh darauf schlagen", heißt es von dem andern. Ebenso stand es mit zwei Kätnern in Bargfeld (19).

Die Beliebungen

Über die Benutzung des Feldes und der Viehweide bestanden in den Dörfern besondere Abmachungen, Dorfgesetze, die Beliebungen (20) oder Willküren genannt wurden. Die Böker Beliebung soll 1842 an das Amt abgegeben worden sein. Sie ist verlorengegangen. Aus dem Aukrug habe ich nur die nachstehende aus Homfeld gefunden (21). Sie ist sprachlich recht unbedarft. Ich will versuchen, sie uns wie folgt mundgerecht zu machen:

Wir gesamten Humfelder tuen kund und bekennen für uns und unsere Erben, daß wir zusammengewesen sind, von wegen unser...? zu machen. Es soll aber jeder in seinen Holzteil bleiben, soweit als seine Holzscheiden gehen. Da soll er Freiheit haben, damit zu schalten und walten und alles zu seinem Nutzen zu brauchen. Wenn sie sich vertragen, so kann ein Nachbar beim andern hüten, aber so, daß jeder die Heu- und Treibwege nach den Wiesen und Hölzungen frei und ungehindert passieren kann. Ein jeder Weg soll 3 Ruten weit sein. Dies soll gelten vom Weg bei den Diekwischen an der Lith und von Henning Rathgens Koppel an bis an die Bockbergstücken.

Weiter haben wir vereinbart, daß der Kuhhirt oben im Holz hüten soll. Jeder soll 6 Kühe vor den Kuhhirt treiben. Hans Holm soll 7 Kühe frei haben. Becken Claus Rathgen soll die Freiheit behalten, soviel Kühe vor den Kuhhirt zu treiben, als er will. Er soll dem Kuhhirt nicht mehr Lohn geben, als die anderen.

Weiter haben sie sich vereinbart und das ganze Bauerlag hat es bewilligt, daß sie Claus Rathjen den Steinkamp auskaufen wollen, bis auf sein eigen Stück. Damit soll er nach seinem Willen schalten und walten. Es soll aber soweit gehen, als Harder Rathgens Wischhof an den Stenbek. Harder Rathgen soll aber einen freien Weg aus seinem Wischhof behalten, wenn das Korn gemäht ist. Auch ist bewilligt, daß Claus Rathgen mit Harder Rathgen und Hans Rathgen die Hälfte der Einfriedigung unterhalten sollen. Claus Rathgen soll aber frei stehen, eine Börnstätte bei Harder Rathgens Teich für sein Vieh zu haben. Wenn der Teich nicht gestaut ist, darf er sich darin eine Börnstätte für sein Vieh machen.

Solche Aussagen und Vereinbarung versprechen alle wohl zu halten, und haben es wohlwissentlich unterschrieben.

So geschehen zu Homfeldt, d. 7. May Ao 1737.

Harder Rathgen, Henning Rathgen, Claus Rathgen, Detlef Rathgen, Hans Temm, Sievert Rohwer, Claus Rathgen, Johann Rathgen, Hans Rathgen.

Weiter ist von dem ganzen Bauerlag bewilligt, daß die beiden klösterlichen Hufner, nämlich Hinrich Dieck und Hans Holm mit Claus Rathgen auf dem Steinkamp kein Land tauschen sollen. Das andere versprechen sie beide wohl zu halten, da sie ihrer Meinung nach dabei keinen Schaden, sondern Vorteil haben. Sie setzen dabei die Bewilligung ihrer Obrigkeit voraus.

Und haben wohlwissentlich unterschrieben.

Hans Holm. Hinrich Diek.

Milchertrag

Bei der schlechten Weide war natürlich nur ein geringer Milchertrag zu verzeichnen. In der besten Zeit gab die Kuh nicht über 5 Kannen (etwa 9 Liter) Milch täglich, so wird uns von 1799 berichtet. Aus dem Jahre 1800 teilt uns Langheim (22) mit, daß eine frischmelkende Kuh auf der Weide 4 —7, im Winter aber nur 3 — 6 Kannen Milch gab. In mageren Gegenden des Amtes waren es nur 2 — 6 Kannen. Zur Winterfütterung rechnete man 1809 vier bis fünf Fuder Heu auf die Kuh, dazu Rüben, Kohl, Korn und Stroh soviel an Gewicht, als die Kuh selbst wog. 300 — 350 Pfund. Die Kälber, die man nicht aufstallen wollte, wurden nüchtern geschlachtet oder mit Milch gemästet und dann verkauft. Sie kosteten dann 4 — 6 Rthlr. Aus dem Kirchspiel Kellinghusen, das besseres Milchvieh hatte, lieferte man sie nach Hamburg und erhielt dann 12 — 16 Rthlr. Jedes Dorf hielt 1 — 2 Stiere, deren Fütterung im Dorfe wechselte. Gewöhnlich hatte der Bauer zwei Kühe jährlich zu verkaufen, die ihm 25 — 28 Rthlr einbrachten. Bei Kellinghusen kosteten sie bis zu 40 Rthlr.

Die Milch wurde im Haus zu Butter und Käse verarbeitet. Letzterer wurde zur Hauptsache in der Haushaltung verbraucht. Von der Butter konnte ein Teil verkauft werden. Butterhändler durchzogen die Dörfer, um Butter aufzukaufen. Von Homfeld und Bargfeld ging sie hauptsächlich nach Kellinghusen. Ob die Kellinghusener Butterhändler auch in den zu Nortorf gehörenden Dörfern sie aufkaufen durften, ist fraglich, da wenigstens in Kellinghusen keine fremden Butterhändler geduldet wurden. 1767 kostete ein Pfund Butter in Homfeld (23) 4 ß.

Die Hirten

Das Vieh wurde in Trupps auf der Weide vom Hirten gehütet, meistens Kühe und Jungvieh getrennt, die ersteren nahe am Dorf, das Jungvieh auf den entlegenen Heiden. Der Hirte war ein bedeutender Mann im Dorfe, mit dem es keiner zu verderben wagte, der etwas auf sein Vieh hielt. Morgens trieb er das Vieh auf die Weide, mittags vielfach zum Melken nach Hause, und abends trieb er es in die Ställe. Dies Viehtreiben war durchweg noch bis zum Ersten Weltkrieg hier üblich. War das Vieh krank, so war der Hirte der geborene Tierarzt, der die Krankheiten und die Heilmittel kannte, sammelte und zusammenbraute. Um 1820 war der Homfelder Schmied Tierarzt des Aukrugs (24). Von Rieken in Böken erhielt er 1821 für das Kurieren von zwei Kühen 2 Mk 15 ß.

Der Hirte bewohnte die Hirtenkate, die er meistens mit dem Schulmeister teilen mußte. Als Besoldung stand ihm meistens ein Stück Land zu. In Bünzen ist es noch unter der Bezeichnung „Harderkoppeln" bekannt. In Innien hatte der Kuhhirte 1773 ein Stück Land von 91 Quadratruten auf dem Wulfsrade (25). Das Land war Eigentum des Dorfes und wurde von den Hufnern bearbeitet. Auf der Weide hatte er einige Kühe und Schafe frei. Außerdem konnte er sich auf dem Moor den nötigen Torf graben oder von den Heidefeldern den „Plackentorf“ holen. Außerdem wurde er mit etwas Geld entlohnt.

Die Seuchen

Das Rindvieh hatte durch Seuchen viel zu leiden. 1643 hatten Krogaspe und Timmaspe die Kage oder Lungenseuche (26). 1716 wurde zum erstenmal ein Viehseuchenfonds (27) gebildet, als im Amte Tondern die Seuche stark auftrat. Wo sie auftrat, sollte das Vieh erschlagen werden. Die Bauern erhielten dann eine kleine Entschädigung. Dazu wurden 1716 in Schleswig-Holstein 2 ß von jedem Pflug, städtische und adelige Pflüge ausgenommen, erhoben, 1617 wurde 1 Mk je Pflug erhoben. 1721 hatte Detlef Rathjen in Willenscharen sein Vieh verloren. 1740 hatte Hans Vollstedt in Böken von verschiedenen Jahren her großes Unglück durch Abfall von Vieh und Pferden gehabt. Er konnte seine Steuerrückstände von 6 Rthlr 44- nicht bezahlen. Von 1745 ab trat die Seuche, nun Zungenkrebs (28) genannt, fast alljährlich auf. 1745 heißt es: Böken: Jochim Bracker, Johann Frese und Hartig Runge haben die Seuche gehabt, Bünzen: Holms Vieh fängt an zu crepieren, Homfeld: Sievert Rohwer und Claus Ratjen haben Vieh verloren. Innien: Alle Hufner haben ihr meistes Vieh verloren. Die Bokler Mühle war während 7 Wochen gesperrt. 1746 waren in Bünzen 3 Hufen und 1 Kate, in Innien 4 Hufen, in Böken 4 Hufen und 2 Achtelhufen, in Homfeld alle Hufen bis auf die Halbhufe von der Seuche betroffen.

Der Staat half den Bauern durch Erlaß der Steuerrückstände! Von 1726 — 46 hat er rund 100 000 Rthlr für das Amt Rendsburg gestrichen, eine billige Hilfe für den Staat, denn die meisten Rückstände hätte er sowieso nicht erhalten. Bis 1758 findet man in den Amtsrechnungen Angaben über erlassene Steuern. Nachher mußten die Bauern sehen, wie sie ihre Viehstapel wieder aufbauen konnten. Die Seuche brach bald hier, bald da wieder aus. 1777 hatte Böken sie so schwer wie kein anderes Dorf im Amte. 1814 mußte der Inste Jacob Rohard aus Nortorf auf Anordnung des Vogteiverwesers Jakob Reimers aus Innien und des Dingvogts Sachau in Gnutz alle Tage in den von der Seuche befallenen Häusern räuchern (29). Die Nortorfer Apotheke lieferte dazu abgeknistertes Kochsalz und Schwefelsäure. Die Kosten trug das Amt.

Die Schweinezucht

Die Schweinezucht war seit 1600 bedeutend gesunken. Im Kirchspiel Nortorf wird meistens nur 1 Schwein auf der Hufe angegeben. Nur wo reichlich Wald zur Waldmast vorhanden war, finden wir höhere Zahlen, so in den Walddörfern Oldenhütten und Holtorf, wo bis zu 13 Schweine auf der Hufe angegeben werden. In Bünzen hatten drei Hufen je 6 — 7 Schweine, durchweg wohl Sauen. Von Bargfeld sind uns die Ferkel angegeben, 3 — 5 die Hufe (30). Von diesen sind immerhin einige zum Verkauf gekommen, auch wohl im Winter einige „fette" Schweine in der Wirtschaft über gewesen. Rathjens Rechnungsbuch verzeichnet gelegentlich verkaufte Schweine, so 1758 für 30 — 36 Mk das Stück. 1761 kostete ein Ferkel 2 Mk 4ß.

Die Schafe

Die schlechtesten Heideländereien dienten zur Weide für die Schafe. Jeder Hufner im Dorfe hatte die gleiche Zahl, 16 — 30 Stück. Mutterschafe. Sie wurden vom Dorfschäfer gehütet. Waren sie auch nur klein und die Wolle nur mäßig, so gaben sie doch den nötigen Rohstoff für die Kleidung der Männer und Frauen, die zum größten Teil im Hause selbst hergestellt wurde. Höchstens das Weben geschah durch Handwerker.

Knechte und Mägde

In der extraordinären Schätzung von (31) 1711, bei der die Dienstboten ein Sechstel ihres Lohnes als Kriegssteuer geben mußten, haben wir eine Übersicht über die im Aukrug gehaltenen Knechte und Mägde. In Homfeld hatten vier Bauern einen Knecht, der 10 Rthlr bekam, sechs hielten Mägde, von denen drei 4, zwei 3 und eine 7 Rthlr im Jahr bekamen. Zwei Bünzer Bauern zahlten ihrem Knecht 12, zwei 8 und der Müller 6 Rthlr, zwei hatten Mägde mit 5 und 6 Rthlr. In Innien hatte jeder Bauer einen Knecht, der 7, 8, 10, und 12 Rthlr bekam, zwei hielten Mägde mit 5 und 6 Rthlr. In Böken hatte nur Marx Voß einen Knecht mit 6 Rthlr jährlich. Zum Lohn kamen Kleidung und Schuhe.