Archiv:Folgen der Feldaufteilung

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Die Folgen der Feldaufteilung (Verkoppelung)

a) Die ersten Hufenzerteilungen

Fußnote (1)

Obgleich die Einkoppelung für die Landwirtschaft von größter Bedeutung war, so paßte (abgesehen von der Unzufriedenheit mit der Lage der erhaltenen Ackerstücke) doch manchem die ganze Sache nicht recht. Sie kostete ja viel Geld und viel Arbeit. Einige Besitzer verkauften sofort ihren Anteil an der Gemeinheit. So veräußerte der Kätner Peter Lafiens in Böken sein Haus und 12 Tonnen aus der Gemeinheit für 500 Mk. Sein urbares Land behielt er und baute sich ein neues Haus (jetzt Hoffmann). Heinrich Rathjen in Böken verkaufte seine erhaltenen Ländereien auf dem Auberg an Johann Lafiens, dessen Kate (Platz jetzt Steuermann) 1801 abgebrannt war. Lafiens baute die Kate auf den gekauften Ländereien wieder auf (jetzt A. Friedrich Auberg).

In dieser Zeit fanden auch die ersten Hufenteilungen statt. Noch 1733 war das Zerteilen der Hufen streng verboten. Der Grund zur Teilung lag meistens in der Unmöglichkeit, bei schwachen Vermögensverhältnissen die großen Kosten der Einfriedigung und Urbarmachung aufzubringen. 1781 wurde die Hufe des Detlef Köhler, in Böken, die zwischen Glindemann und Greve lag, in eine Halb- und eine Viertelhufen geteilt. 1784 ging es der Hufe Wichmann (Hausplatz jetzt Hermann Rathjen) ebenso. Aus der ersteren entstanden als abgeteilte Viertelhufen die Besitze von Heinrich Langhann und Wiese, aus der letzteren die Viertelhufen von Glöy und Carstens. In Innien wurde 1789 die Hufe Wichmann (jetzt H. Möller) geteilt. Aus der abgeteilten Halbhufe entstanden die Besitze von Hans Behrens (bei Bargfeld) und die Kapelle.

Über diese Teilung gibt uns ein Kontrakt von 1847 Auskunft: Bei einer etwa kommenden neuen Setzung der Abgaben behält jede Halbhufe ihr Land, muß aber auch die auf dies Land fallenden Abgaben tragen, einerlei, ob die Beträge höher oder niedriger werden mögen. Der Besitzer der Stammstelle „ist schuldig, wann etwas vom Bauervogt bekannt gemacht wird, oder Dinge, selbige mögen bestehen, worin sie wollen, angeordnet werden, der weiland Langtim'schen, nachher Lohse'schen halben Hufe Nachricht davon zu geben, also auch derselben, welche jetzt Johann Jargstorf und Hans Wittmaack im Besitz haben, in Landes- und anderen Dingsachen oder Amts- und Bauerlagssachen zu erteilende Ordres in Laufreisen zu bringen". Der Behörde gegenüber behielt also die Stammstelle die Verpflichtung, die Benachrichtigung der abgeteilten Besitze zu besorgen. In den anderem Dörfern des Aukrugs sind damals keine Besitzteilungen vorgekommen. Mit diesen Hufenteilungen hielt man sich im Rahmen der für das Herzogtum Schleswig bestehenden Verordnung von 1784, die da bestimmte, „daß eine volle Hufe nicht weiter als in Viertelhufen geteilt werden soll, insofern der Ertrag der letzteren Stellen zum Unterhalt einer Familie und zur Abhaltung der Abgaben hinreicht, und daß von einer vollen Hufe, wenn sie hinlänglich Land besitzt, höchstens vier und von einer halben Hufe höchstens zwei Katenstellen abgelegt werden würden, welche aber mit soviel Land versorgt sein müssen, daß darauf zwei Kühe gehalten werden können; dagegen ist es den Hufnern unbenommen, auf ihrem Land Wohnungen für Häuersleute anzulegen".

Diese Teilungsvorschriften waren nötig, weil die Hufe der Steuermaßstab war, die Steuerberechnung also bei diesen Abteilungen einfach war. Die abgeteilten Katen bezahlten an die Hufe eine Grundheuer. Die Steuersumme der Hufe blieb dabei unverändert. Erst mit der Vermessung und der 1803 eingeführten Grund- und Benutzungssteuer fand man einen Weg, die Steuern nach der Flächengröße der abgeteilten Besitze zu verteilen.

b. Das Mergeln

Der letzte Rest einer Mergelhalde auf der Bünzer Feldmark an der B 430.

Zu der Feldaufteilung und Einkoppelung, die jedem alleiniges Eigentumsrecht an seinem Lande gaben und den besseren Einsichten freie Bahn geschaffen hatten, kamen in jenen Jahren eine tief in die Landwirtschaft einschneidende Entdeckung: die des Mergelns. Probsteier Bauern, Adam Schneekloth und ein Göttsche, hatten den Mergel entdeckt. Schneekloth hatte auf einer Koppel eine Tränkstelle ausgehoben und die gewonnene Erde über anliegenden Ackerstücke gestreut. Das auf diesen Stücken gesäte Korn stand bedeutend besser als auf den anderen Stücken. Das war um 1760 geschehen. Weitere Versuche bestätigten die Wirkung dieser Erdart.

Probsteier Fuhrleute fuhren Korn nach Itzehoe. Sie übernachteten in Innien im Ochsenkrug bei Jürgen Rathjen. Abends berichteten sie vom Mergel. Das war etwas für den Ochsenkrüger auf seiner kleinen Landstelle. Wenn er doch auch so seine kleine Stelle zu einem besseren Ertrag bringen könnte! Der Bauer Wiese, der vom Mergel erzählt hatte, meinte, der Mergel sitzt ja überall, er muß auch bei Euch zu finden sein. Er erklärte sich bereit, nach Innien zu kommen, und Mergel zu suchen und die Anleitung für die Gewinnung zu geben. Der 1910 im Alter von 91 Jahren verstorbene Henning Glöy, der mir dieses erzählte, wußte nicht mehr, wo der Mergel gefunden wurde, erinnerte sich aber noch, daß die erste Mergelung auf dem „Wulfsrade" geschehen war. Jürgen Rathjen soll nach der Mergelung sogar Rapssaat gebaut haben. Das war 1780.

„Seit 1803 suchen viele Eingesessene im Amte durch Mergelauffahren ihr Land mit Erfolg zu verbessern, besonders in den Kirchspielen Nortorf und Hohenwestedt ... Man rechnet 30 zweispännige Fuder auf die Tonne Land zu 340 QR. Sonst wird das Land mit Dünger befahren (12 — 16 Fuder). Mit der Bemergelung des Landes war die Grundlage zum Kleebau und zur Graseinsaat gegeben, und der Bauer durfte es jetzt wagen, der Quecke energisch zu Leibe gehen und sich so reines, ertragsfähigeres Land zu schaffen. 1794 wurden denn auch im Nortorfer Kirchspiel Klee, Flachs und Kartoffeln angebaut (3).

Über den ersten Versuch zum Kartoffelbau erzählte mir der oben genannte Henning Glöy: „Meine Großmutter erhielt 1788 einige Kartoffeln zum Auspflanzen geschenkt. Sie kannte die Dinger nicht, und das Land im Kohlhof war ihr zu schade. Sie pflanzte sie deshalb unter den Johannisbeerenbusch und erntete nichts." Der Mergel gibt reiche Väter, aber arme Söhne, sagt das Sprichwort. Bis 1914 wurde das Nachmergeln versucht. Um 1910 wurde in Hennstedt ein großes Mergellager ausgebeutet (Seelust) und auch die Ländereien des Aukrugs südlich der Bahn beliefert. Das war die letzte Mergelung. Seitdem wird Kalkdünger benutzt.

c. Die Arbeitskräfte

Wie es zur Zeit der Feldaufteilung mit den Arbeitskräften in unseren Dörfern stand, zeigt das Mannzahl- und Schatzprotokoll des Kirchspiels Nortorf von 1789 (A. R. 1789).

Bucken

  • Halbhufner Jürgen Holm (Dr. Block).
  • Knechte: Detlef Harder und Henning Harbs. Magd: Lehnke Harbs. Junge: Jochim Heeschen.
  • Verlehntsmann: Jürgen Holm, dessen Magd Trinke Harders.
  • Halbhufner: Ehler Rathjen (Göttsche).
  • Knecht: Hans Hinz, Magd: Elsabe Schluppen. Junge: Hans Lucht.
  • Verlehntsfrau: Gretje Rathjen. Inste: Jürgen Bade.

Innien

  • Hufner Jacob Reimers (Thun).
  • Knecht: Hans Rohwer, Magd: Gretje Stühmers, Junge: Sohn Peter.
  • Verlehntsmann: Peter Reimers.
  • Halbhufner Hinrich Wichmann (Möller).
  • Knecht: Claus Kiehl, Magd: Wiebke Meiers, Junge: Marx Voß.
  • Verlehntsmann: Claus Schnoor.
  • Halbhufner Harm Langtimm (Behrens b. Bargfeld).
  • Magd: Wiebke Sievers. H. L. wohnt in Bargfeld, die Hufe ist neulich geteilt.
  • Hufner Hans Carstens (abgebrochen).
  • Knecht: Claus Segel, Magd: Tochter Wiebke, Junge: Sohn Hinrich.
  • Inste: Hinrich Runge, Tagelöhner.
  • Hufner Hans Rathjen (Boie-Ratjen-Hof).
  • Knecht: Claus Rathjen, Magd: Wiebke Stiepers, Junge: Jochim Michels.
  • Verlehntsmann: Claus Rathjen, dessen Sohn Ehler ist Knopfmacher.
  • Achtelhufner Johann Mehrens (abgebrochen b. Glöy), ist Weber.
  • Verlehntsmann: Ehler Mehrens, Weber.
  • Achtelhufner Jürgen Rathjen, Krüger (Ochsenkrug).
  • Junge: Sohn Claus. Inste: Jacob Wohlers, Drechsler.
  • Kätner: Hermann Stig, Grobschmied (Witt).
  • Kätner: Jochim Muxfeldt, Küper (Claus Butenschön).

Bünzen

  • Hufner Hans Bracker, Holzhändler (Wwe. Carstens).
  • Knecht: Sohn Johann, Magd: Tochter Abel und Elsabe Rickers. Junge:
  • Clauy Harms, Inste: Ehler Stacken, Tagelöhner, und Marx Stieper, Tischler.
  • Hufner Hans Harder, Krüger und Holzhändler (Harms).
  • Knecht: Hans Dehn, Magd: Trinke Möllers, Junge: Voß.
  • Insten: Marx Dehn und Jochim Lahann, Tagelöhner.
  • Hufner Hans Delfs Wwe. (Holm).
  • Knecht: Hans Holm, Magd: Abel Köhn, Junge: Sohn Hinrich.
  • Verlehntsfrau: Gretje Köpers, deren Sohn Hans ist Schulmeister.
  • Inste Marx Bade, armer Weber.
  • Hufner Hinrich Heeschen (abgebrannt, Neumann), Holzhändler.
  • Knecht: Hinrich Heeschen, Magd: Rebecca Rathjen, Verlehntsfrau: Gretje Heeschen. Insten: Johann Reese und Hinrich Dehn, Tagelöhner.
  • Achtelhufner Hans Jürgen Bargfe1dt (Looft).
  • Verlehntsfrau Gretje Rathjen.
  • Mühlenerbpächter Hinrich Wichmann in Kiel. Afterpächter Johann Christian Rathjen.
  • Gesell: Bevensee, Knecht: Hinrich Bruhn, Magd: Silje Folstedten.
  • Insten: Johann Ott und Johann Dehn, Tagelöhner.
  • Kätner Jürgen Delfs (Sienknecht).
  • Kätner Ehler Stacken, Weber (lag bei Kaufmann Voß, ;—ckff Heidkate).

Böken

  • Hufner Jochim Jahrstorf (Greve).
  • Knecht: Hans Jahrstorf, Magd: Margret Jahrstorf.
  • Verlehntsfrau: Abel Jahrstorf.
  • Dreiviertelhufner Hans Rathjen (lag zwischen Greve und Glindemann).
  • Keine Knechte und Mägde.
  • Hufner Claus Voß (Glindemann).
  • Bruder: Johann Voß. Knecht: Ehler Butenschön, Magd: Lehnke Reders.
  • Verlehntsmann: Claus Runge.
  • Hufner Johann Voß (O. Lüthge).
  • Knecht: Hans Münz, Magd: Anna Peters, Inste: Hinrich Hein, Tagelöhner.
  • Achtelhufner Henning Kühl (W. Reimers).
  • Verlehntsfrau: Wiebke Stiepers.
  • Achtelhufner Marx Beckmann (W. Asmus).
  • Verlehntsmann: Jürgen Beckmann.
  • Viertelhufner Claus Wichmann (Carstens).
  • Inste: Claus Beckmann, Tagelöhner.
  • Halbhufner Hans Ohrt (Hausplatz Hermann Rathjen).
  • Knecht: Hans Voß, Verlehntsmann: Hans Wichmann.
  • Hufner Jochim Beckmann (Kaiserhof).
  • Knecht: Peter Lafiens, Magd: Margret Reders, Verlehntsmann: Johann
  • Freese, bei ihm sein Sohn Hans Freese.
  • Viertelhufner Hinrich Michels (Wiese).
  • Knecht: Sohn Johann.
  • Hufner Hinrich Rathjen (lag auf G. Bruhns Hauskoppel), verlegt nach Vierth.
  • Knecht: Sohn Jochim, Magd: Tochter Margret, Junge: Sohn Hinrich.
  • Viertelhufner Hinrich Münz (Gloy). Kein Knecht, keine Magd.
  • Kätner Hans Kühl, Schneider (Steuermann).
  • Kätner Peter Bracker, Grobschmied (F. Sievers).
  • Kätner Hinrich Stieper, Zimmermann (O. Wiese).
  • Kätner Johann Riecken , Weber (abgebrannt, lag in Kreutz „Stratenhof").
  • Gesell Hans Todt.
  • Kätner Peter Lafiens (Hoffmann), Schäfer.
  • Inste: Marx Frees, Tagelöhner.

Mannzahl und Schatzprotokoll des Kirchspiels Kellinghusen von 1789 (A. R. 1789).

Humfeld

  • Hufner Henning Ratjen (R. Lüthge).
  • Knecht: Peter Hoift. Abschieder: Henning Ratjen, Dingvogt.
  • Inste: Claus Rickert, Tagelöhner.
  • Hufner Claus Ratjen, senior (Hochstein).
  • Magd: Abel Beecken.
  • Knecht: Johann Ratjen, Magd: Margreth Ehlers.
  • Hufner: Claus Ratjen, jun. (Martha Ratjen).
  • Abschiederin: Wiebke Ratjen, deren Magd Lena Freesen.
  • abgeteilte Söhne: Timm Ratjen, Jürgen Ratjen.
  • Hufner Sievert Rohwedder (Kahlcke).
  • Knecht: Simon Fock, Magd: Elsabe Ehlers.
  • Brüder: Hans und Jürgen Rohwedder.
  • Inste: Claus Hagedorn, Tagelöhner.
  • Hufner Marx Heeschen (Heeschen).
  • Knecht: Peter Voß, Magd: Elsabe Reimers.
  • Inste: Hans Pieper, Tagelöhner.
  • Hufner Jürgen Voß (Fr. Rathjen).
  • Knecht: Hans Ratjen. Inste: Hinrich Gloye, Instin Wwe. Otte.
  • Hufner Hans Schlüter, Krüger (Henning).
  • Knecht: Johann Voß, Magd: Margreth Gripp.
  • Inste: Hans Mohnsen, Tagelöhner, Instin Wwe. Thodt.
  • Hufner Hans Ratjen (Paul Ratjen).
  • Knecht: Jacob Münz, Magd: Lenke Huus.
  • Abschiederin: Wwe. Rohwedder, deren Magd Beeken Sibbert.
  • Deren abgeteilte Söhne: Jürgen Ratjen und Inste Henning Ratjen, Tagelöhner.
  • Halbhufner Detlef Ratjen (Diercks).
  • Knecht: Claus Rohwedder, Magd: Trina Stiepers.
  • Abschiederin: Wwe. Ratjen. Inste: Paul Schwarz.
  • Kätner Lorenz Ibs, Rademacher.
  • Inste: Timm Knoop.
  • Kätner Paul Lüsch, Weber.
  • Kätner Jochim Baade, Tagelöhner.
  • Schulmeister Carsten Jargstorf als Höker.

Bargfeld

  • Hufner Claus Ratjen (E. W. Rathjen).
  • Knecht: Hans Casper, Magd: Abel Behrens.
  • Abschieder: Claus Ratjen. Inste: Gabriel Martens, Tagelöhner.
  • Hufner Jasper Delfs (Annenhof).
  • Knecht: Claus Harders. Abschieder: Claus Jargstorf.
  • Hufner Hans Bracker (Frau Jüngst).
  • Knechte: Hinrich Horns und Hans Siebken. Magd: Margreth Krüger.
  • Insten: Claus Stabe und Hans Vollstedt, Tagelöhner.
  • Hufner Johann Mahrd, Krüger (W. Hanßen).
  • Knecht: Hans Grothmack, Magd: Anna Ratjen.
  • Insten: Jürgen Delfs und Detlef Mahrd, Tagelöhner.
  • Hufner Hartig Voß (Fölster).
  • Knecht: Hartig Kröger, Magd: Margreth Kröger.
  • Abschieder: Timm Voß, Abschiederin: Abel Sommer.
  • Inste: Jürgen Kühle, Weber.
  • Kätner Marx S o t h , Grobschmied (W. Voß).
  • Sohn Claus. Inste: Jochim Loose, Schneider.
  • Kätner Harm Langtimm (Stender).
  • Abschiederin: Anna Langtimm.
  • Inste: Jochim Möller, Weber.
  • Kätner Ehler Loose (lag zwischen Annenhof und W. Voß).
  • Kätner Jochim Siecken (Schmied Steffen).
  • Abschieder Deltlef Wischmann, Schulmeister.

Die klösterlichen Besitze sind nicht verzeichnet.

Ergänzungen in der digitalen Version (Stand 29. Mai 2020)

"Der Mergel soll um 1910 mit einer Art Seilbahn aus der Hennstedter Gegend (Seelust) zum Aukrug geschafft worden sein. Nach anfänglicher Ertragssteigerung wurden die Ernten immer schlechter: Der Boden war „ausgemergelt"."