Archiv:Bilddokumente und Nachträge zu "Geschichte des Aukrugs"

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Bilddokumente und Nachträge zu „Geschichte des Aukrugs"

Einer der drei „Dithmarscher Berge"
Dieser ganz in der Nähe bei der Bünzauregulierung gefundene eiserne Schwertgriff aus jener Zeit erhärtet die These von der Schlacht bei den Dithmarscher Bergen. Er wird im Bünzer Museum aufbewahrt.
Einige der vielen in der Nähe des Kapellenbachs gefundenen Ziegelteile, die zum Teil auch verziert sind. Oben ein Dachziegelrest.

(3. erw. Auflage)

In Klammern ist jeweils Kapitel und Seitenzahl des dazugehörigen Textes in der alten Chronik angegeben. So ist z.B. 5, S.30 = Kapitel 5, Seite 30.

Die Schlacht bei Bünzen

(13, S.55)

Am 17. Juli 1317 soll die Schlacht bei Bünzen zwischen Holsten und Dithmarschern bei den drei bronze zeitlichen Grabhügeln am Weg nach Ehndorf stattgefunden haben. Im Volksmund heißen sie seitdem Dithmarscher Berge.

Die Kapelle zu Innien

(9, S.39 und 10, S.40)

So mag die Innier Kapelle ausgesehen haben (Zeichnung: Angela Röber)

Im Verzeichnis der Schandtaten eines Marquart Vaget aus dem Jahre 1540 findet sich die einzig bekannte urkundliche Erwähnung der Innier Kapelle. Dort heißt es: „Was in der Kapelle zu Innigen gewesen an Geld, Silber, Leuchtern und Opfergaben hat er dort weggenommen." Ein sogenannter Kapellan soll von der Kirche in Nortorf aus die Kapelle geleitet haben. Ab 1645 wird in Nortorf kein Kapellan mehr aufgeführt, und so liegt die Vermutung nahe, daß die Innier Kapelle dem 30jährigen Krieg zum Opfer gefallen ist.

Gebäude

Innien

Der Hof Glöy an der Abzweigung nach Heinkenborstel (Hauptstr. 30). Hof und Ehrenmal im Straßendreieck sind nicht mehr vorhanden. Im Glöy'schen Hof befand sich vorne eine Gaststube. Großvater Glöy zog abends um 21 Uhr die alte Wanduhr auf und sagte dann zu seinen Gästen: „So, nu gaht man to Huus." Die große Diele war neben der Gaststube mit einem kostbaren Holzfußboden ausgelegt.
Hausbalken des Glöy-Hofes

Das alte Innien reichte vom damaligen Armenhaus in der Heinkenborsteler Straße 13 bis zur Hirtenkate (heute Hauptstraße 4). An der Weggabelung nach Bargfeld lag der „Ochsenkrug" (heute „Gasthof Aukrug") und östlich der Bargfelder Straße nach dem Bünzer Eck der Ortsteil „Zur Kapelle", wo im Mittelalter höchstwahrscheinlich die Kapelle gestanden hat. Alle Häuser im südlichen Innien sind erst nach 1875 erbaut worden.

1336 fiel eine Hufe in Innien durch Schenkung an das Kloster Itzehoe. Es entstanden daraus unter anderem die Achtelhufen Glöy und Butenschön sowie die Katen Heeschen und Rathjen. (5, S.30)

Homfeld

Eine Windhose zerstörte das Haus von Else Gloy am B. 5. 1992 um 23.45 Uhr

Bünzen

Böken

Frühe Aussiedlungen

(17, 5.136) Viertshöhe an der Straße nach Nortorf entstand 1873 aus Ländereien einer Bökener Stelle. Hiervon wurden 1930 nochmals die Siedlungen Glöystein und Struve abgetrennt.

Landwirtschaft früher

Dampfdreschmaschine auf dem Thun'schen Hof in Innien (um 1900), Hauptstraße 37 (heute Pohlmann)
Buschhacker bei Kahlke in Homfeld (um 1900)

Die Wasserversorgung

Gemauerter Brunnen mit Winde aus Bünzen (im Bünzer Museum)

(17, Seite 141) Bis zum Aufkommen der zentralen Wasserversorgung wurde das Wasser aus dem Brunnen geholt. Er gehörte vorwiegend zum Bereich der Bäuerin, und ein Ziehbrunnen bedeutete schon Komfort. Es kostete ziemlich viel Kraft, die schweren Eimer nach oben zu ziehen oder zu winden. Mit der hölzeren Dracht auf den Schultern wurden immer zwei Eimer gleichzeitig ins Haus geschleppt.

Das Mergeln

Der letzte Rest einer Mergelhalde auf der Bünzer Feldmark an der B 430.

(17, S.125)

Der Mergel soll um 1910 mit einer Art Seilbahn aus der Hennstedter Gegend (Seelust) zum Aukrug geschafft worden sein. Nach anfänglicher Ertragssteigerung wurden die Ernten immer schlechter: Der Boden war „ausgemergelt".

Dat Törfmaken

Herr Bötel vom Landesamt für Vor- und Frühgeschichte, zuständig für die archäologische Landesaufnahme, bei der Aufnahme von Torfmeilerresten am Viertshöher Moor. Bis 1856 wurde hier noch Torfkohle hergestellt.
Wedder trechtmaakte Törfpress in't Viertshöher Moor

(20, S.168)

To Maitied güng dat in't Böker Moor. Schuster Heeschen ut Inn' kunn noch vun dat „Bootarsen" verteilen. De to'n ersten Mal mit bi't Törfsteken weer, müß eerstmal dat „Moorrecht" kreegen. En Schuufkaar worr ümdreiht een hett dat Rad dreiht, twee hebbt den Kandidaten an Arms un Been greepen un mit'n Mors op dat Rad stuppst. Deerns un Fruunslüd hebbt ehr „Moorrecht" op anner Art kreegen. Se müssen sik de bloote Bost mit Bottermelk waschen laaten.

Handwerk und Gewerbe früher

Dampfziegelei Innien, gegründet 1888

Blick aus der gleichen Richtung 1920 — von links: das Gemeindehaus, die Windmühle, Wohnhaus und Büro der Ziegelei, das Maschinenhaus

(22, S.183)

Schmieden

Dankurkunde der ehemaligen Gemeinde Bargfeld an den Schmiedemeister Eduard Steffen. Sie zeigt die Schmiede am südwestlichen Ende der Straße „Zum Glasberg", wie sie 1949 aussah.

(22, S.181)

Stellmacher

(22, S.181)

Der Stellmacher bei der Arbeit - Otto Hauschildt aus Aukrug-Bünzen mit dem Aukruger Landtagsabgeordneten Heinz-Wilhelm Fölster (Namen ergänzt am 30.05.2020)
Wohnhaus und Werkstatt am Bünzer Ortseingang, Zum Sportplatz 3

Einer der letzten Stellmacher lebte in Aukrug Diesen früher weit verbreiteten Beruf übte Otto Hauschildt aus Bünzen aus. Mit über 90 Jahren war er einer der letzten Stellmacher, der noch ein hölzernes Wagenrad herstellen konnte. So ein Wagen- oder Schubkarrenrad aus Eiche hielt ein ganzes Menschenleben lang. Otto Hauschildt wurde 1890 geboren, ging in Innien zur Schule und lernte anschließend in Hohenwestedt das Stellmacherhandwerk.

Nach der Lehrzeit zog es ihn auf Wanderschaft. Die schönsten Erinnerungen seiner Wanderjahre knüpfte Otto Hauschildt an seine Zeit in der Karosseriewerkstatt Jakobi in Hannover. Aus Holz wurden dort von 150 Mitarbeitern Kutschwagen und sogar Autokarosserien gefertigt. Stolz zeigte er immer wieder Detailzeichnungen von „Landauer", „Vis-à-vis" oder „Landauletts", die er auf der Schule in Hannover angefertigt hatte. Während seiner Wanderschaft erhielt Otto Hauschildt vom Gewerkschafts-Vorläufer, dem „Holzarbeiter-Verband", eine Unterstützung von einer Reichsmark pro Tag.

Nachdem er von 1911 bis 1913 gedient hatte, wurde er 1914 zum Kriegsdienst eingezogen. Über die Kriegszeit sagte der Pionier nur: „Immer so mang dörchkom'n".

1924 machte Otto Hauschildt sich selbständig und errichtete drei Jahre später eine eigene Werkstatt. Die Baukosten der Werkstatt betrugen 1927 ganze 4.000 Reichsmark. Wenige Jahre später erwarb er aus dem Nachlaß der Firma Butenschön (In-nien) weitere Maschinen. Mit diesen hat er bis ins hohe Alter gearbeitet. Als selbständiger Stellmacher mußte Hauschildt alle Höhen und Tiefen der Wirtschaft überstehen lernen. Auch die Währungsreform konnte seine aufstrebende Firma nicht bremsen. „Ik harr ja nix" war seine Lösung für dieses Problem.

Hölzerne Schubkarren und Wagen waren damals das Hauptgeschäft. Sein großer Kundenstamm aus Landwirtschaft und Handel hatte nie Grund zur Klage über seine Arbeit. Jeden Tag wurden zehn Stunden gearbeitet. In Spitzenzeiten hatte er eine Hilfskraft zur Verfügung, ansonsten machte er jeden Handgriff allein.

In den achtziger Jahren beschränkte sich Otto Hauschildt auf Reparaturarbeiten, die von den Aukruger Bauern und Bürgern immer noch gern an den rüstigen Stellmacher herangetragen wurden. Eine seiner letzten Arbeiten war die Reparatur eines großen eichenen Wagenrades, welches als Gartentisch dienen sollte. Den Tisch hat er sich noch angesehen und sich überzeugt, ob er wirklich gelungen war. Heute steht der Tisch im Wohnzimmer der Familie Asmus.

Weber

(22, Seite 181) Die Einwohner der Aukrugdörfer hatten keine eigenen Webstühle. Der letzte Dorfweber war Hans Jochim Voß. Nach seinem Tod wurde die Weberkate Anfang der dreißiger Jahre abgerissen, und der Neubau der Firma Gustav Krohn entstand (Bargfelder Straße 9).

Maler

Außenanstrich am Annenhof in Bargfeld 1932 —von links: Meister Hauschildt (Innien), Geselle Werner Busch (Innien), Geselle Hans Albert (Bünzen)

(22, S.182) 1834 eröffnete Jasper Carstens in Innien ein Malergeschäft (später Strüben). Um 1935 gab es in Innien fünf Malerbetriebe.

Barbier

Das Haus von Willy Nottelmann, Heinkenborsteler Straße 13 (früher das Armenhaus)

Der erste „Putzbüdel" in Innien war Willy Nottelmann. Meistens kamen die Männer nach Feierabend zum Rasieren oder Haareschneiden. Bei Nottelmann ging es anschließend erst richtig los. Er hatte auch Ausschank von Köm und Bier, und oft wurde die halbe Nacht Karten gespielt. Das Haus war bis 1892 das Armenhaus in Innien und hieß „Das Schloß".

Höker

„Fahrende" Händlerin

In ihrem Haus in der Itzehoer Straße 1 hatte früher Emilie Röhrs einen kleinen Kurzwarenladen. „Tante Miele" — so wurde sie genannt — fuhr mit einem hochrädrigen alten Kinderwagen durch die Dörfer und verkaufte ihre Waren.

Das Haus lag zu jener Zeit hinter Bäumen und dichtem Buschwerk völlig versteckt, wie ein Hexenhaus oder Dornröschenschloß.

Müller

Innier Windmühle um 1920

(24, S.185) Die Windmühle wurde 1878 gebaut.

Im gleichen Jahre wurde Anna Siem geboren. Sie hat mit ihrem Mann von 1908 bis 1950 die Müllerei in Innien betrieben. Leider wurde die Mühle, nachdem der Sturm die Flügel zweimal heruntergeschmettert hatte, nicht wieder aufgebaut. Anna Siem wurde 103 Jahre alt.

Steinsetzer

Glashütte in Böken

(25, S.190)

Zwei Siegel der Glashütte, gedeutet als TBS

Die Böker Glashütte befand sich nördlich des Hofes Viertshöhe auf der Koppel Glasviert in der Nähe der Straße nach Nortorf. Sie arbeitete von 1734 — 1740. Wenn jemand eine größere Menge an Gefäßen bestellte, bekam er sein Namenssiegel eingeprägt. Dies geschah mittels gebrannter Tonstempel in das noch weiche Glas.

Nachricht von Glashütten, die ehemals im Bezirk der Nortorfer Parochie im Amte Rendsburg waren und Vorschläge, dieselben wieder aufzurichten (aus: Schleswig-Holsteinische Provinzialberichte 1787) Nach einer einseitigen Vorrede schreibt Pastor Domeier 1787:

Da ich diesen Gedanken als richtig ansehe, so wird man folgendes als Patriotismus von mir betrachten und mir erlauben, einige Nachrichten von ehemaligen hier gewesenen Glashütten zu geben und Vorschläge zu thun dieselben wieder herzustellen; in der Hoffnung, daß die letztere zum Besten des hiesigen Distrikts und dieses unsers lieben Vaterlandes überhaupt einmal bewerkstelligt werden.

Noch vor etwa vierzig Jahren war eine Glashütte auf dem Bökerfelde, nicht vollends eine Meile von Nortorf südlich, am Wege nach Boeken und Innien, worin zwar nur grüne aber gute Glaswaren verfertigt wurden. Diese Boeker Glashütte dauerte indessen nur wenige Jahre, nach deren Verlauf der Glasemeister Schulden halber davonging. Hieran aber war nicht der Mangel der Feurung oder des Absazes der Waaren, auch nicht die zu kostbare Anschaffung der zur Betreibung des Werks nöthigen rohen Materien, sondern lediglich die schlechte Aufsicht des Glasemeisters über seine Leute und die verschwenderische Lebensart derselben die Schuld und Ursach. Hiervon liesse sich freilich noch vieles vorbringen! Weil ich aber die Kürze liebe, und vielleicht meine Leser auch, so gehe ich sogleich zu den Vorschlägen über; um deretwillen ich die Feder ergriffen habe, in Hoffnung, daß sie von Verständigen unpartheiisch geprüft, und von Mächtigen in Erfüllung gebracht werden.

Mein erster Vorschlag ist: Die eben erwähnte ehemalige Glashütte auf der Feldmark des Dorfes Boeken wieder zu errichten, und zwar aus folgenden Gründen: Erstlich ist hier in der Nähe ein sehr grosser Vorrath an Torf, woher die zu dieser Fabrik unentgeltliche Feurung kan genommen werden; so, wie auch die ehemalige dasige Glashütte nur von diesem Torfmohr ihre Oefen unter hielt. Zweitens, würden dadurch nicht nur die eigentlich an der Hütte arbeitenden Familien ihren Unterhalt vollkommen, sondern auch verschiedene Torfgräber grösstentheils ihr Brod gewinnen; welches besonders in unfruchtbaren Jahren von grosser Wichtigkeit sein würde, da der Bauer wegen Mangel des baren Geldes sich so gut hilft als er kan, und der Tagelöhner also wenig Verdienst von den Bauern hat, zu geschweigen, daß diese Fabrik verschiedenen Gewerben und überhaupt dem hiesigen Distrikt vortheilhaft werden würde.

Drittens blieben beträchtliche Summen, die für Glaswaren jetzt Auswärtige geniessen, hier im Umlauf wodurch dem um sich greifenden Geldmangel etwas abgeholfen würde. Viertens könten die Glaswaren auf der Bünzer Aue oder Strom bis in die Stör nach Kellinghusen und so weiter auf der Elbe wohlfeil zu Wasser verfahren werden. Denn man treibt von Bünzen aus ohnehin schon einen beträchtlichen Holzhandel mit den sogenannten Bollen oder Fahrzeugen über Kellinghusen bis nach Altona und Hamburg. Mit diesen bekanten kleinen Fahrzeugen könten auch die Glaswaren weiter befördert werden; denn Bünzen ist nahe bei dem Dorfe Boeken und nicht mehr als eine Viertelmeile von dem Orte, wo ehemals die Glashütte war.

Fünftens könte diese Fabrik, wenn ein geschikter, mit einem geringen Vortheil zufriedener Mann sie unternähme, nicht nur leicht fortdauernd bestehen, sondern auch andern zur Nacheiferung dienen; zumal, da es unsern Herzogthümern gar nicht an natürlichen Produkten mangelt; weil besonders das Thier- und Pflanzenreich uns reiche Schäze darbeut; da es ferner unsern Mitbürgern nicht an Kräften, Geschicklichkeit und Unternehmungsgeist fehlt; da auch unsere Grossen schon viel für die Aufnahme der Manufakturen und Fabriken gethan haben, und noch thun; und weil, wenn es bis jetzt mit vielen Manufakturen und Fabriken nicht so ausgefallen ist, wie man gewünscht und gehoft hat, wohl andre Ursachen wie z.B. theure Lebensmittel, nicht hinlänglich vorbereitete Arbeiter, nicht gleiche Freiheiten und Begünstigungen mit auswärtigen oder andern einheimischen Manufakturen und Fabriken daran schuld sind.

Dann werden noch viele Vorschläge gemacht: Bauholz aus den königlichen Forsten, Bürgerrecht und Freijahre.

Da mich also allein die Vaterlandsliebe und die besondere Liebe zu meinen Mitbürgern zu diesem Projekte bewogen, so habe ich geflissentlich alle Deklamationen für die Sache vermieden, damit jeder schlichter und unbefangener Menschenverstand diesen Vorschlag ruhig überlegen und mächtige Patrioten ihn zur Würklichkeit bringen mögen.

Nortorf, im Julius 1787

Henrich Ludewig Domeier P.

Elektrizitätswerk

(29, S.222)

Über die Landstraßen des Aukrugs

(S.a. Karte auf S. 21)

Von alters her überschneiden sich im Aukrug drei Landstraßen:

  1. Die Landstraße von Kiel nach Glückstadt (Kiel — Nortorf — Aukrug — Hennstedt — Itzehoe — Glückstadt)
  2. Die Lübsche Trade von Meldorf nach Lübeck, die im hiesigen Bereich erst in jüngster Zeit durch die B 430 ersetzt wurde (Meldorf — Hanerau — Hohenwestedt — Aukrug — Neumünster — Bad Segeberg — Lübeck)
  3. Der ehemalige Transitweg von Rendsburg nach Altona (Rendsburg — Jevenstedt — Heinkenborstel —Aukrug — Sarlhusen — Bad Bramstedt — Altona)

1. Landstraße Kiel-Glückstadt

Der Platz gegenüber der Einmündung Böker Straße
Die Bünzaubrücke (im Vordergrund rechts der neue Übergang für Fußgänger und Radfahrer) An dieser Stelle wurde 1957 ein alter Bohlendamm ausgegraben.

Hier lagerten bis zur Mitte der dreißiger Jahre die Fahrenden Leute. Meist waren es Zigeuner mit ihren Wohnwagen, die von kleinen Pferden gezogen wurden. Sie blieben meistens 2-3 Tage. Im Dorf war man vor ihnen auf der Hut, denn man glaubte, die Fahrenden Leute ließen so allerhand mitgehen. Sie verdienten Geld durch allerlei Kleinhandel, Topf- und Kesselflicken , Wahrsagen usw.

2. Lübsche Trade

Wegemal an der Lübschen Trade. Hier setzte der Homfelder Kunstmaler Willy Koepke einen Erinnerungsstein. Die Schrift ist mit Salzsäure in Kalkstein eingeätzt.

Seit 1759 war Aukrug von Hohenwestedt aus über den damals angelegten Buckener Damm auf direktem Wege zu erreichen. Vorher führten die Fahrwege über Mörel bzw. über Meezen. An der Wegekate wurden das Wegegeld für das Überfahren des Buckener Dammes kassiert, für ein einspänniges Fuhrwerk z.B. sechs Pfennige. (21, S.169 u. 178)

Hinter der Bünzer Brücke teilt sich die Lübsche Trade in einen südlichen und einen nördlichen Zweig. Eine Brücke in Bünzen wurde übrigens schon 1317 urkundlich erwähnt. Das Bild zeigt den alten Sandweg nach Ehndorf. Er hieß früher „Hui". Dieser Name deutet auf ehemalige Warenumschlagplätze an der südlich vorbeifließenden Stör oder an der Bünzau hin. Der südliche Zweig der Lübschen Trade überquerte bei den Dithmarscher Bergen die Bredenbek.

Die auf dem Bild gezeigte Strecke war bis 1952 die Haupt-Straßenverbindung nach Neumünster (allerdings ohne Beton-Fahrspuren). Alle Wege nach Neumünster waren breit ausgefahrene Sandwege. Das geht auch aus dem nächsten Bild noch deutlich hervor.

3. Der Transitweg

Ein Rest dieser 1782 vom dänischen König in Auftrag gegebenen Straße ist noch kurz hinter Bargfeld zu sehen. Der Handelsweg war über die Bergkuppe hinweg gepflastert. Eine Lücke von etwa 15 Meter, im Grenzbereich der Kreise Rendsburg und Steinburg, hatte keine Pflasterung, keiner fühlte sich zuständig.

Die Straßenbäume verleihen der Chaussee einen alleeartigen Charakter. Frau Grete Michaelsen aus Böken hat sie zusammen mit ihrem Vater, dem Chausseewärter Peters, 1925 gepflanzt.

Wege und Fußsteige

“Radfahrführerschein“ von 1902
Ein Blick von der Wassermühle auf Bünzen ( Postkarte von 1912)
Der „Karkweg" nach Nortorf
Der gleiche Blick heute
Der Glasberg um 1900

Außer den im vorigen Kapitel genannten „großen Straßen" gab es natürlich eine Vielzahl von Wegen und Fußsteigen, von denen hier einige beschrieben werden.

Ins nächste Dorf oder nach Nortorf zur Kirche, früher auch bis nach Neumünster, ging man zu Fuß. Der „Karkweg" verband Böken direkt mit Nortorf. Die Konfirmanden machten ihn im Winterhalbjahr jede Woche. Sie hatten an diesen Tagen schulfrei. Mittags gab es beim Pastor einen Teller Suppe.

Mit dem Fahrrad waren die Wege meistens in kürzerer Zeit zu bewältigen. Aber längst nicht alle konnten sich eines leisten. Es war etwas Besonderes und als Postkartenmotiv geeignet, wie die abgebildete Karte von 1912 beweist. Auf Wegen wie diesen stapfte man doch lieber zu Fuß durch den Matsch.

Übrigens war Anfang des Jahrhunderts eine Art „Fahrradführerschein" zu machen, den jeder Radfahrer bereithalten mußte. Er enthielt auf der Innenseite Name, Anschrift, Kontrollnummer und den amtlichen Stempel!

Zwischen Bünzen und Bargfeld gab es einen Fußweg mit Abzweigung zur jetzigen Bargfelder Kreuzung, von wo aus man direkt nach Westen die Lübsche Trade erreichen konnte. Diese endete aus Richtung Bucken dort, wo heute der Parkplatz der B 430 ist. Wo die Lübsche Trade die Straße nach Hennstedt kreuzte, ging ein Weg nach Homfeld ab.

Ein viel benutzter Weg begann in Bünzen etwa gegenüber von Albert und führte am Sportplatz der 30er Jahre vorbei über die „Ossenkoppel" zum Innier Bahnhof.

Von Bargfeld aus ist auf alten Karten ein Fußweg in Richtung Glasberg und Sarlhusen zur alten Ziegelei eingezeichnet. (Nebenbei: Der Glasberg hieß früher „Glosebarg" und hat somit nichts mit „Glas" zu tun.)

Der Böker Stieg von Innien nach Böken ist nach wie vor eine wichtige Verbindung. Früher war die Holzbrücke über die Au sehr schmal. Nachts wurde sie für nicht mehr ganz standfeste Heimkehrer zum Problem. Ein unfreiwilliges Bad hat sie nicht selten jäh ernüchtert. Zwei- bis dreimal im Jahr hat die Au den Stieg ein gutes Stück überflutet. Er war dann nur mit guten Langschäftern oder per Fahrrad zu bewältigen.

Von Böken konnte man einen „Lüttweg" zum Iloo benutzen.

Die meisten Fußsteige führten zu den Schulen des Aukrugs. In Bünzen war es der Steig zur Heidkate. Bei der Landbestellung wurde er immer mit umgepflügt, war aber spätestens drei Tage später wieder vorhanden.

Alte Straßennamen

Von altersher war die „Hühnerstraße" ein Begriff; heute heißt sie „An der Bahn". Der Ziegeleiweg hieß früher „Dat Möhlenredder". Für die Homfelder Bauern war er ein Abkürzung zur Mühle. Da es nur ein Sandweg war, wurde er von Leichenzügen aus Homfeld nicht benutz, obgleich er direkt vor der Kirche endet. Es ist eigentlich schade, daß zwei Straßennamen, die es schon lange in Innien gab, nicht übernommen worden sind.

Häuser ziehen um

In neuerer Zeit sind innnerhalb Aukrugs drei Häuser und ein Bienenstand umgesetzt worden, und zwar ins Museum „Dat Ole Hus".

Aber nicht nur heutzutage wechseln Gebäude ihren Platz, sondern auch in alter Zeit wurden Häuser von einem Ort zum anderen transportiert. Die Schäferkate soll z.B. Mitte des vorigen Jahrhunderts im Winter von Rensing bei Kellinghusen auf Schlöpen (Holzschlitten) nach Homfeld geschleppt worden sein.

Nach der Gründung des deutschen Kaiserreiches wurde in Lockstedt ein großer Truppenübungsplatz angelegt (Lockstedter Lager). Viele Bauernhöfe mußten abgerissen werden, aber einige Häuser wurden zerlegt und anderenorts wieder aufgebaut. Die Häuser von Fuchs in Bünzen und Wiese sowie Schaalburg-Logan in Bargfeld stammen dorther. Der Hausbalken des Hauses Fuchs weist das Jahr 1689 auf. Es gehört zusammen mit dem Olen Hus wohl zu den ältesten in Aukrug.

Das Haus von Franz Wolter im Böker Stieg ist die ehemalige Kate des Ochsenkruges.

Die interessanteste Geschichte aber könnte das jetzige Haus von Fred Wüstenberg erzählen. Vorher standen an der Stelle nur zwei ausrangierte Eisenbahnpersonenwagen, die sich sein Großvater von der Reichsbahn besorgt hatte. Sie sind seinerzeit von den nahegelegenen Bahnschienen mit Hilfe der Feuerwehr und vielen Leuten heruntergehievt und im Garten aufgestellt worden. Sie haben lange Zeit als Behausung gedient und erst nach 1945 ist dort wegen der Wohnungsnot ein kleines Haus entstanden, Jetzt hat es sich gemausert und ist zu einem großen Haus geworden.

Das Gefangenenlager im Wald von Wiedenborstel

Das Gefangenenlager Wiedenborstel
Das Denkmal

Im April 1915 bekam die Firma Brandt aus Rendsburg den Auftrag, ein Barackenlager auf dem Gelände von Wiedenborstel zu bauen. Es sollte alles sehr schnell gehen. Es wurde ein primitives typisches Zwecklager. Am 12. Mai 1915 kamen 500 russische Kriegsgefangene mit ihrer Bewachung auf dem Innier Bahnhof an. Paul Ratjen aus Homfeld erinnert sich noch an die Ankunft. Die Gemeinde Wiedenborstel hatte die Gefangenen angefordert. Sie sollten die Straße von Hennstedt über Wiedenborstel nach Sarlhusen bauen.

Die älteste Einwohnerin aus dem Aukrug, Sophie Czarnetzki, kann über dieses Lager sehr viel erzählen. Sie hat seinerzeit auf Wiedenborstel gelebt. Es gab viele Aktivitäten, wie zum Beispiel Theateraufführungen. Sie erinnert sich noch an einen Komiker, der seine kleine Tochter fragte: „Wieviel Beißerchen hast du denn?" Das kleine Mädchen suchte dann auf ihrem Kopf nach Läusen. Auf dem Gutsgelände gab es eine „Russenbude", in der sich die Gefangenen aufhalten konnten. Von den deutschen Wachmannschaften entstand in der Nähe des Lagers eine Gartenanlage in Form eines großen preußischen Adlers und dem Schriftzug „Gott mit uns". Auch wurde noch ein monströses Kriegerdenkmal gebaut. Das Denkmal war ein ca. 4 m hoher Obelisk und erhielt als Bekrönung eine aus dem Altertum entnommene Helm-form von ca. 2 m Höhe, so daß das Denkmal insgesamt ca. 6 m hoch war.

Da die gefangenen Russen schon geschwächt waren und gegen Ende des 1. Weltkrieges das Lager für kranke, hauptsächlich lungenkranke, Gefangene umfunktioniert wurde, sind von Anfang an viele gestorben.

Das Gefangenenlager lag im Grenzbereich der beiden Kreise Rendsburg und Steinburg, und es entbrannte ein Streit wegen der dringend benötigten Begräbnisstätte. Die ersten sechs verstorbenen Russen wurden auf dem Innier Friedhof beigesetzt. Dann erklärte sich ein Homfelder Bauer bereit, ein Stück Land für den Russenfriedhof bereitzustellen. Die ersten Holzkreuze waren entsprechend des orthodoxen Glaubens mit Schrägbalken versehen. Die jetzigen Metallkreuze stammen vom Innier Friedhof, sie sind dauerhafter.

Das Gefangenenlager wurde 1918 abgerissen. Verschiedene Gegenstände erinnern noch heute an das Lager. Eine Scheune auf dem Hof von Kahlke und der alte Schießstand wurden aus Balken und Brettern des Lagers gebaut. Ein Waschkessel befindet sich noch als Viehtränke auf Claus Ratjens Weide. 1989 berichtete Christian Trutschel im „Holsteinischen Courier" über das Gefangenenlager. Seine Bemerkung: „Von dem riesigen Denkmal, das die Wachmannschaften errichteten, fehlt jede Spur" regte etliche Aukruger Bürger an, es zu suchen. Heinrich Asmus wollte der Sache auf den Grund gehen. Die Wiedenborsteler teilten sein Interesse, beim Besitzer des Gutes, Karl-Heinrich Lemmerbrock, fand er Unterstützung.

Zwei Fragen waren zu beantworten:

1. Weshalb wurde es 1915 gebaut?

Angeregt haben den Bau des Denkmals der Offz. Stellv. u. Lagerkommandant und ein künstlerisch veranlagter Steinmetz. Geplant wurde es als Kriegerdenkmal für den Kreis Steinburg, so steht es auch auf den Postkarten. Aber gebaut hat man auf Homfelder Gebiet im Kreis Rendsburg, und eingeweiht wurde es durch den damaligen Innier Pastor Tramsen. Der Kreis Steinburg und die Gemeinden Wiedenborstel und Hennstedt wollten es später nur übernehmen, wenn das Gebiet in den Kreis Steinburg eingemeindet würde. Das wollte die Gemeinde Homfeld wiederum nicht. So hat dieses Denkmal dann ca. 40 Jahre im Grenzbereich des Kreises Steinburg auf Homfelder Gebiet gestanden. Es liegen Anträge und Schriftstücke aus den Jahren 1915 als Kopien bei der Amtsverwaltung Aukrug.

In den 50er Jahren wurde das Denkmal gesprengt. Wer oder was der Auslöser dieser Sprengung war, weiß man nicht mehr genau. Sprengmeister Heinrich aus Poyenberg hat die Sprengung vorgenommen. Rudi Duschner und Georg Rieckers hatten vom Kreis die Order bekommen, für die Sicherheit zu sorgen. Einige Au-kruger können sich noch an den Knall erinnern. Es wurde dem Erdboden gleichgemacht, mit Sand zugeschüttet und mit Bäumen bepflanzt.

2. Weshalb wurde es gesprengt?

Wollte die Gemeinde Homfeld die Folgekosten sparen? War die Zeit der großen Denkmäler vorbei? Sollte das Denkmal verschwinden, weil es so häßlich war?

H. Asmus spürte den Standort im Wald neben der Kreisstraße nach Hennstedt auf. Seit dem ersten April 1993 verbrachte er jede freie Minute mit dem Suchen, Ausgraben und Sortieren der weit verstreuten Stein- und Zementbrocken. Anfang Juli lagen alle Reste auf dem dereinst aufgeschütteten, von Feldsteinen einge-faßten Rondell des ehemaligen Denkmals. Jetzt konnte das Puzzlespiel des Zusammensetzens beginnen.

H. Asmus sieht das Wort „Denkmal" hier als „denk 'mal": Denke einmal über die Entstehung und Vernichtung dieses Zeitdokuments nach!

Rätselhafte Steinfunde in Bargfeld

Der große Stein in der Dorfmitte von Bargfeld

Bei den Kanalisationsarbeiten in Bargfeld förderte der Bagger sechs große Granitsteine zutage. Den größten im Gewicht von über zwei Tonnen hat Landschaftswart Heinrich Asmus in der Dorfmitte aufstellen lassen.

Es könnte sein, daß diese Steine von einem einstigen Steinbett (Dolmen) bei Bargfeld stammen, von dem in der „Topographie des Herzogtums Holstein" 1908 berichtet wird. Auf der riesigen Deckplatte, die oben wie glattgeschliffen war, hätte ein Wagen mit zwei Pferden Platz finden können. Sie wurde gesprengt (s. vorige Chronik S. 16).

Die Bruchstücke könnten früher zum Bau der Brücke über die Tönsbek verwendet worden sein, die bis zur Verrohrung 1965 die Dorfstraße beim Feuerwehrhaus querte. Auffallend ist nämlich, daß die gefundenen Steine alle eine glatte Seite besitzen.