Archiv:Geschichte der Kirchengemeinde

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Vor 125 Jahren, am 17. Dezember 1893, wurde in Innien die Kirche eingeweiht. Der Weg dorthin war mühsam und immer wieder von Rückschlägen gezeichnet.

Im Jahre 1887 schrieb der Kirchenpropst der Propstei Fehmarn J. M. Michler im Band II. seiner „Kirchlichen Statistik der evangelisch-lutherischen Kirche der Provinz Schleswig–Holstein“ folgendes über die Bestrebungen, für den Aukrug eine eigene Kirche zu bauen oder eine Gemeinde zu gründen:

„Die fünf Dörfer Bargfeld, Böken, Bünzen, Homfeld und Innien werden unter dem Namen Aukrug zusammengefaßt; dieselben sind nach Nortorf eingepfarrt, liegen aber von ihrem Kirchort z. T. 2 Meilen entfernt, daher vor nun bald 50 Jahren, um das Jahr 1841, in den genannten fünf Dörfern, welche z. Zt. etwa 1100 Einwohner haben, das Verlangen nach einer eigenen Kirche hervortrat. Unterm 28. April 1846 richten mehrere Einwohner der genannten fünf Dörfer ein Gesuch an die Schlesw.-Holst. Regierung auf Gottorf, bei der nächsten Vakanz von Nortorf sich trennen und im Aukrug eine Kirche bauen zu dürfen, wozu sie gleichfalls eine staatliche Beihülfe erbaten; die Schleswig-Holsteinische Regierung versprach unterm 4. Septbr. 1846 möglichste Berücksichtigung. König Christian VIII. interessierte sich lebhaft für diese Angelegenheit. Der Tod des Königs am 20. Jan. 1848 und die politischen Ereignisse, welche demselben folgten, brachten dieselbe aber ins Stocken, nachdem schon ein Kostenanschlag betr. den Bau der Kirche und des Pastorats sowie den Landkauf eingereicht worden war, doch ward, als 1849 das Hauptpastorat in Nortorf vakant geworden, im Mai 1849 verfügt, daß der in Nortorf zu erwählende Hauptpastor sich die beabsichtigte Trennung der fünf Dörfer von der Nortorfer Kirche und Gemeinde ohne Anspruch auf Entschädigung gefallen zu lassen habe. (Vergl. Schlesw.-Holst. Kirchen- u. Schulbl., Jahrg. 1849, S. 336).

Durch Ministerial-Schreiben vom 26. Septbr. 1855 ward die Sache, welche bis dahin geruht hatte, wieder zur Sprache gebracht, und es lag im Plan, die Dörfer Meezen, Sarlhusen und Wiedenborstel von der Gemeinde Kellinghusen zu trennen und mit den fünf Dörfern des Aukrugs zu einer Kirchengemeinde zu vereinigen.

Im Jahre 1885 wurde die Kirchenbaufrage wieder aufgenommen, aber nicht weiter gefördert, da die Vertreter der fünf Dörfer erklärten, daß die große Majorität nicht daran denke, hier eine Kirche zu bauen und zu unterhalten. In der unterm 14. Jan. 1887 erlassenen Vakanz–Anzeige des Diakonats in Kellinghusen ist übrigens bemerkt, daß der künftige Inhaber dieser Stelle sich die etwaige Abtrennung einiger Dörfer im Norden der Gemeinde Kellinghusen zur Bildung einer selbständigen Parochie ohne Entschädigung würde gefallen lassen müssen, und darf hieraus gefolgert werden, daß die Frage, ob nicht Vor 125 Jahren, am 17. Dezember 1893, wurde in Innien die Kirche eingeweiht. Der Weg dorthin war mühsam und immer wieder von Rückschlägen gezeichnet.aus dem Aukrug und einigen Dörfern des Kirchspiels Kellinghusen eine eigene Gemeinde zu gründen sei, demnächst ihrer Lösung entgegen sieht. Wir halten dieselbe für entschieden viel notwendiger als den Bau einer Kapelle im Aukrug ohne Bildung einer selbständigen Parochie.“

Hier einige Auszüge aus dem Bericht des ersten in Innien tätigen Pastors Johannes Lehfeldt von 1903:

„Ob schon in früheren Jahrhunderten in Innien eine Kapelle gestanden hat, läßt sich nicht bestimmt ermitteln. Die Bezeichnung eines Platzes neben dem Bache, der aus den Waldungen südwestlich vom Dorfe der Mühle zu Bünzen das Wasser zuführt, mit dem Namen „zur Kapelle“ deutet darauf hin. Auch sind an dieser Stelle Reste eines alten Baues gefunden worden.

Vielfach hört man die Meinung äußern, Ansgar habe hier eine Kapelle gebaut, wie denn auch der Name des Dorfes Willenscharen in der Gemeinde Kellinghusen auf Ansgar zurückzuführen sein soll.

Schon in den Jahren 1844 und 1845 wurde der Plan erwogen, in dem sog. Aukrug, in den Dörfern Innien, Bargfeld, Böken, Bünzen, Homfeld eine Kirche zu bauen. Es wurden 4 Vertreter gewählt, nämlich Claus Gloy – Innien, Hans Wittmaack – Innien, Claus Harms – Bünzen, Christian Hingst – Bargfeld, welche den damaligen Generalsuperintendenten Herzbruch in Glückstadt für den Kirchenbau zu interessieren suchten und auch die Zusage der Unterstützung und Empfehlung des Baues bei Sr. Majestät, dem König Christian VIII. von Dänemark, erhielten.

Im Jahre 1847 wurden die genannten Vertreter von dem König, der in Rostorf bei Kellinghusen Quartier genommen hatte, in Audienz empfangen, erhielten auch hier die Zusage gnädigster Unterstützung; aber durch den bald ausbrechenden Krieg wurde der Bau wieder vereitelt. Erst im Jahre 1862 wurden auf Anregung mehrerer Eingesessener die Verhandlungen wieder aufgenommen. Die Mehrzahl der Besitzer war bereit, eine entsprechende Summe zum Kirchenbau und zur Besoldung des Predigers zu leisten.Dazu traten wiederum die Kriegswirren der folgen-den Jahre der Verwirklichung des Planes hindernd in den Weg.Schon war man verzagt geworden und wagte kaum noch an eine Erfüllung des Verlangens nach einem Gotteshause zu denken, nur einzelne gläubige Seelen beteten noch darum, da trat 1891 in der Gene-ralsuperintendantur für Holstein ein Wechsel ein; bald machte sich dann der Altenteiler Cl. Gloy in Innien auf, um den eben eingesetzten Generalsuperintendenten D. Ruperti die Bitte der Aukruger vorzutragen. Fröhlichen Herzens kam der alte Mann zurück, und was er zu berichten hatte, machte auch anderer Herzen froh. Nicht lange währte es, da kam der Herr Generalsuperintendent selbst nach Innien, um die Verhältnisse kennen zu lernen. Überrascht war man, als schon am 22. Mai 1892 (Sonntag Rogate), der Hülfsgeistliche P. Lehfeldt durch den Propsten von der Heyde eingeführt wurde – allerdings gegen den Willen des Kirchenvorstandes in Nortorf. In einer Sitzung von je 2 Vertretern der 5 Dörfer (Juni) wurde beschlossen, daß die Kirche in Innien gebaut werden solle und zwar am Wege nach Bargfeld. Die politische Gemeinde Innien erklärte sich bereit, den Platz für Kirche, Kirchhof und Pastorat zu schenken und den Bau der Kirche zu übernehmen, erhielt vom Königlichen Consistorium die Zusicherung einer Beihülfe von 7000 M, so daß am 20. Juni 1893 der Grundstein gelegt werden konnte.

Die Vertretung der Gemeinde Nortorf hatte sich während dessen allen Aufforderungen und Verfügungen des Königlichen Consistoriums ablehnend verhalten; als dieselbe sich weiger-te, die Verfügung des Königlichen Consistoriums und der königli-chen Regierung vom 15./19. Dez. 1892 betr. Errichtung eines 3. Pastorats in der Kirchengemeinde Nortorf (Wohnsitz des Pastors in Innien) anzuerkennen, wurde die zwangsweise Einstellung der zum Unterhalt des 3. Pastors erforderlichen Summe (1400 M Gehalt + 500 M Wohnungsgeld) in den Etat der Kirchengemeinde verfügt. Der Hülfsgeistliche P. Lehfeldt wurde am 8. April 1894 (Miseric. – Domini) durch den Kirchenpropsten Treplin als 3. Pastor der Gemeinde Nortorf eingeführt. –

Inzwischen war außer dem Pastorat als Eigentum der Sparkasse in Innien auch das Kirchlein nach dem Plan des Architekten H. Grothoff in Hamburg fertiggestellt. Die Kosten derselben beliefen sich auf ca. 14500 M mit Kanzel, Altar und Gestühl. Die übrige Ausstattung der Kirche mit Taufstein, Altar- und Kanzelbekleidung, Beleuchtung etc. übernahmen die alteingesessenen Familien der Dörfer freiwillig.

Am 17. December (3. Advent) 1893 wurde die Kirche durch den Generalsuperintendanten D. Ruperti, der als Geschenk Ihrer Majestät der Kaiserin eine präch-tige Altarbibel überbrachte, - in Anwesenheit des Herrn Consistorialpräsidenten Chalybaeus und des Herrn Kirchenpropsten Treplin, feierlich eingeweiht. Groß war die Zahl der Festteilnehmer, sie standen Kopf an Kopf bis an den Altar, es waren nach mei-ner Zählung etwa 750 Personen, die in dem kleinen Kirchlein Platz gefunden hatten. Da die Kirchengemeinde Nortorf nach wie vor die kirchlichen Einrichtungen als zu Unrecht bestehend ansah, mußten die 5 Dörfer selbst für Unterhaltung derselben Sorge tragen.

Mit dem 1. April 1902 wurde die selbständige Gemeinde Innien (das Kirchspiel Innien) errichtet. Die ersten Kirchenältesten der neuen Gemeinde sind H. Ratjen – Innien, E. Rickers – Homfeld, D. Ratjen – Bargfeld, Cl. Glindemann – Böken.“