Claus Gloy

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Amtsvorsteher Claus Gloy

Claus Gloy (* 1850; † 1927) war Amtsvorsteher in Innien und war neben vielen anderen Ehrenämtern 45 Jahre lang Vorsitzender des bedeutsamen Landwirtschaftlichen Vereins an der Bünzau.

Die Geschichte des Aukrugs wäre nicht vollständig, wenn sie nicht auch eine kurze Würdigung der Persönlichkeiten enthielte, die sich um die Entfaltung des geistigen und wirtschaftlichen Lebens ihres Heimatortes besonders verdient gemacht haben. Aus den dargestellten Vereinsgeschichten und den genossenschaftlichen Unternehmungen ist schon eine ganze Reihe tatkräftiger Männer genannt worden, die sich als Vorsitzende, Schrift- und Kassenführer durch oft jahrelange, uneigennützige Tätigkeit herausgehoben oder durch ihre Wirksamkeit als Amtsvorsteher, Bürgermeister und Gemeindevertreter Hochachtung und Wertschätzung erworben haben. Sie alle sind aus der langen Geschichte der Aukrugdörfer nicht wegzudenken und haben sich bleibende Verdienste erworben. Einige Persönlichkeiten aus der Reihe dieser Männer, die schon der früheren Generation angehören, sollen hier aber doch namentlich herausgenommen werden, denn ihr Wirken war für den Aukrug von besonderer Bedeutung, und sie erfreuten sich als Bürger und als Inhaber bedeutender Ämter eines großen Ansehens in der Öffentlichkeit.

Herkunft

Mit Claus Gloy verbindet sich die Familiengeschichte des Hofes Gloy in Innien. Mit einem Henning Gloy ist diese Familie 1769 aus Willenscharen durch den Kauf der ursprünglich Wiebenschen Stelle (jetzt Klaus Henning Rohwer) nach Innien gekommen. Er starb früh, und 1807 mußte der älteste Sohn, Claus Gloy, nach dem Tode der Mutter mit 21 Jahren die Stelle und das damit verbundene Amt eines klösterlichen Bauernvogts übernehmen. Es war in den Kriegswirren der napoleonischen Zeit mit dem häufigen Einfall fremder, marodierender Soldateska für den jungen Bauernvogt nicht einfach, für Ordnung zu sorgen und doch den rücksichtslosen Forderungen der Befehlshaber zu entsprechen. Er schrieb darüber später in einem Bittgesuch an den Kammerherrn des hochadeligen Klosters zu Itzehoe (S. 66).

Dieser Claus Gloy veranlaßte im Februar 1846 eine Versammlung zur Besprechung eines Weges, zu einer eigenen Kirchengemeinde zu kommen. Er verfaßte eine Bittschrift an den dänischen König in dieser Angelegenheit, die in Inhalt und Formulierung bemerkenswert ist (S. 213/15). Sein Einfluß war so bedeutsam, daß er noch im gleichen Jahr mit Christian Hingst aus Bargfeld und Claus Rohweder aus Innien eine erfolgreiche Audienz bei König Christian VIII. auf Luisenberg bei Kellinghusen hatte. Erst die politischen Wirren von 1848 verhinderten alle weiteren Bemühungen. In der Familie Gloy war aber die Begründung einer selbständigen Kirchengemeinde in Innien zu einer Herzenssache geworden.

Der Sohn Henning setzte das vom Vater begonnene Bestreben fort. Er hatte die kleine Hufe 1846 übernommen. Nachdem Schleswig-Holstein preußisch geworden war, wandte sich Henning Gloy zusammen mit Jacob Reimers (Besitzer der jetzigen Pohlmannschen Stelle) 1869 mit einem Gesuch an den Oberpräsidenten und erwirkte eine Wiederaufnahme der Verhandlungen, die dann nach vielen Schwierigkeiten und Unterbrechungen im Dezember 1892 zum erfolgreichen Abschluß führten.

Henning Gloy muß eine ganz bedeutende Persönlichkeit gewesen sein, das beweist auch der lebhafte Briefwechsel mit dem königlich preußischen Generalsuperintendenten Ruperti, dem höchsten kirchlichen Beamten in Holstein. In einem an Henning Gloy gerichteten Schreiben vom 3.1.1898 aus Kiel gebraucht Ruperti die bemerkenswerte ehrende und vertrauliche Anrede:

„Mein teurer, lieber Vater Gloy!"

In dem Brief heißt es dann u. a.:

„Ich weiß noch, wie ich zuerst bei Ihnen war, Sie mir von Ihrem seligen Vater erzählten, der schon vor einem halben Jahrhundert die Kirche haben wollte; wie Sie selbst mir Ihre Sorgen mitteilten und die Hoffnung fast aufgaben, daß noch eine Kirche kommen würde; wie da Ihre liebe Frau so fröhlich und treuherzig Ihnen ins Wort fiel und sagte: ,Es kommt doch dazu, ich bete noch dafür` und wie Sie dann mit Tränen der Bewegung Ihre Frau ansahen und sagten: ,Wenn Du noch dafür betest, dann kommt auch noch was davon.' Lieber Vater Gloy, das vergesse ich nie. Ich erzählte es mal der lieben Kaiserin, der auch dabei die Tränen in die Augen traten."

(Zwei Originalschreiben sind noch im Besitz von Frau Marie Gloy, der. letzten Namensträgerin dieser Familie.)

Es mag überraschen, daß der Briefschreiber, der eine bevorzugte Stellung am Hofe der Kaiserin hatte, diese Szene aus dem Gloyschen Hause der Monarchin erzählte. Der Kaiserin war aber anscheinend die Gloysche Familie bekannt, denn wie Frau Marie Gloy noch erinnert, sei früher in der Familie erzählt worden, daß die Monarchin einmal dort verweilt habe, als ein Radbruch ihres Reisewagens auf der Strecke zwischen Heinkenborstel und In-nien sie zu einem kurzen Aufenthalt in dem Gloyschen Hause veranlaßte. Es sei, so geht die Familiensage weiter, die damalige Hausfrau schwanger gewesen, und die Kaiserin habe ihr als Dank für den Aufenthalt später die Babyausstattung geschenkt.

Vielleicht war diese Begebenheit Anlaß dazu, daß die Fürstin zur Einweihung der Kirche der Gemeinde eine Bibel schenkte, die heute noch im Gebrauch ist. Von der Unerschütterlichkeit im Glauben und der Charakterfestigkeit im Leben des alten Henning Gloy konnte es für die damalige Zeit wohl kein eindrucksvolleres Zeugnis geben. Er starb 1910.

Leben

Eine gleiche Charakterfestigkeit, ein erstaunlicher Weitblick und eine ungewöhnliche geistige Regsamkeit waren dem Sohn und Nachfolger, dem 1850 geborenen Claus G1oy eigen. Es war in der Familie üblich, daß in der Nachfolge die Vornamen Henning und Claus miteinander abwechselten. Über diesen dritten bedeutenden Sproß in der Ahnenreihe der Familie Gloy hat Georg Reimer auf Seite 147 mit warmen Worten berichtet. Die erstaunliche Begabung und Formulierungskraft trotz einfacher Dorfschulbildung mag der folgende Artikel aus der Feder von Claus Gloy in dem Vereinsblatt des „Heidekulturvereins" vom Jahre 1905 bekunden:

Dampfpflugarbeit zu Aufforstungszwecken im mittleren Holstein
Ganz in der Stille vollzieht sich hier im Bereich des landwirtschaftlichen Vereins an der Bünzau im sogen. Aukrug eine Kulturarbeit, die wohl wert ist, einem größeren Kreis bekannt zu werden und dessen  Aufmerksamkeit hierher zu lenken. Angeregt durch einen Vorschlag hiesiger Verwandter hat ein Dampfpflugbesitzer aus Sachsen sich dazu verstanden, den Versuch zu machen, sein Arbeitsfeld hierher zu  verlegen, um die vielen Odländereien unserer Ggend mit seinem Pfluge zu bearbeiten und dieselben der Kultur dadurch zugänglicher zu machen und zu Aufforstungszwecken herzustellen sind bereits etwa 30 ha gepflügt von dem Heideboden, und zwar zur größten Befriedigung der Besitzer. Bei einer Tiefe von etwa einem Meter wird mit der an einigen Stellen sich zeigenden Ahlerde gründlich aufgeräumt, und die gepflügte Fläche bildet ein Land, das für die Anpflanzungen wie geschaffen ist. Die Kosten dieser Arbeit trägt jeder einzelne Besitzer für sich, und wenn auch vielleicht nicht jedem davon die Renten dieser Kapitalanlage wieder zufließen werden, so gründet er sich hierdurch aber für  die Nachwelt ein Denkmal, das Zeugnis ablegt für seine strebsame, kulturfördernde Arbeit, wie es einem holsteinischen Bauern wohl ansteht …"

Ehrenämter

Mit 27 Jahren hat er den Vorsitz in dem so bedeutsamen „Landwirtschaftlicher Verein an der Bünzau" übernommen und ihn 45 (!) Jahre innegehabt. Das Genossenschaftswesen lag ihm besonders am Herzen. Auf allen Gebieten, die irgendwie der Landwirtschft und dem Dorfbewohner hilfreich sein konnten, hat sich der Verein unter seiner Leitung betätigt. Die aktive Mitarbeit auch der jungen Bauern war ihm besonders wichtig, „denn nur die eigene geistige Arbeit erzieht den Bauern zum kritischen Beobachter und befähigt ihn, seinen Standpunkt auch in Reden und Verhandlungen klar zu vertreten".

So war es ganz erklärlich, daß seine Mitbürger ihn mit dem höchsten Amt betrauten, das im Aukrug zu vergeben war, mit dem Posten des Amtsvorstehers. 1927 ist der großartige Mann gestorben.

Siehe auch