Archiv:Rund ums Trinkwasser

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Rund ums Trinkwasser

Wasserversorgungsgenossenschaft e.G. Böken

Der Wasserturm
Wilhelm Marten mit der Ehrenurkunde
Brunnenbau

Die Wasserversorgungsgenossenschaft wurde am 10. April 1908 in der Gastwirtschaft Lobsien in Böken als Wasserleitungsgenossenschaft gegründet. Das Wasser kam aus Innien. In der Nähe des Erlenhofes waren mehrere Brunnen. Auch verschiedene Einwohner aus Innien haben Wasser aus diesen Brunnen bekommen.

Claus Michaelsen, Jochen Hein und Claus Glindemann bildeten den ersten Vorstand. Wenn man im Protokollbuch nachliest, war damals doch vieles anders. Der Jahresbeitrag betrug sechs bis 30 Mark.

Der Wasserturm wurde, wie Georg Rieckers berichtet, 1907 gebaut. Die Maurer hatten wohl die Zusammensetzung der Materialien falsch berechnet, denn beim ersten Füllen mit Wasser flog der Turm auseinander. Die Stein- und Zementbrocken lagen in den Nachbargärten. Es hätte ein großes Malheur geben können, denn Jochim Hein und andere hatten Minuten vorher mit einer Leiter oben in den Turm hineingeschaut.

Der heutige Wasserturm ist also die zweite Stahlbetonausführung aus der damaligen Zeit. Das Wasser drückte mit eigenem Gefälle von den Quellen aus Innien, unter der Eisenbahn und der Bünzau durch, in den Turm hinein. Die Leitungen von Innien waren aus Gußrohren. Die Verteilung in Böken erfolgte in glasierten Tonrohren.

Natürlich hatte die Wasserversorgung aus Innien auch ihre Tücken. Es konnte passieren, daß der Wasserhahn verstopft war. Wenn es gar nicht laufen wollte, wurde der Hahn abgeschraubt. — Dann machte es „flopp". Ein Frosch flutschte heraus, und das Wasser lief wieder. Man sagte dann, wenn er noch lebte: „Dat Water is gesund un de Qualität is goot, sons weer de Pogg doot west". Man durfte keinen Springbrunnen haben, und Sprengen im Garten war verboten. Irgendein verschwenderischer Umgang mit Wasser konnte nur widerruflich durch den Vorstand erlaubt werden. Das ist aber längst Vergangenheit.

Am 22. April 1947 wurde die Wasserleitungsgenossenschaft umgenannt in „Wasserversorgungsgenossenschaft e.G.". Sie wurde beim Amtsgericht Nortorf eingetragen. Beim Raiffeisenverband in Kiel wurde die Mitgliedschaft erworben. Die Genossenschaft hatte bereits 52 Mitglieder.

1951 wurde der erste Brunnen in der Nähe des Turmes gebaut. Die Firma Peter von Aspern aus Timmaspe hat diesen Brunnen noch geplümpert. Heute wird das Wasser aus drei 30 Meter tiefen Brunnen gefördert. In größerer Tiefe käme man in eine dicke Kreideschicht, welche unter dem Ortsteil Böken liegt. Das Wasser wäre ungenießbar.

Die Genossenschaft war von jeher bemüht, die Mitglieder mit einwandfreiem Nutz- und Trinkwasser zu versorgen. 127 Mitglieder nutzen heute die Einrichtungen der Genossenschaft. 1992 wurden 32.235 m3 und 1993 33.275 m3 Wasser verkauft. Das Wasser wird zu einem Preis abgegeben, von dem andere Verbraucher nur träumen können. Alle anfallenden Arbeiten werden ehrenamtlich ausgeführt, nur größere Reparaturen werden von Fremdfirmen geleistet. Die technischen Anlagen und Maschinen werden immer auf dem neuesten Stand gehalten. Für die Technik ist der 1. Vorsitzende Horst Schmuck zuständig und Wilhelm Marten für die Buchführung. Um die Abwassergebühren richtig zu berechnen, wurden 1978 Wasseruhren bei den Abnehmern eingebaut. Verschiedene Neubaugebiete in Böken werden von der zentralen Wasserversorgung Aukrug versorgt. Vorstand und Aufsichtsrat leisten gute ehrenamtliche Arbeit.

Die Genossenschaft erfüllt auch heute eine wichtige Aufgabe in Böken. Eine Voraussetzung für die Existenz der Genossenschaft liegt in der Erhaltung der guten Wasserqualität. Den gesetzlichen Rahmen bildet die Trinkwasserverordnung. Die dort festgesetzten Grenzwerte dürfen nicht überschritten werden. Um auch in Zukunft naturbelassenes einwandfreies Trinkwasser liefern zu können, müssen Trinkwasser- und Gewässerschutzrichtlinien und -gesetze beachtet werden. Wenn das geschieht, kann diese kleine Genossenschaft noch lange das „Lebensmittel" Trinkwasser an ihre Mitglieder liefern.

Für über 25jährige Arbeit als Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied wurde Wilhelm Marten mit der „Ehrenurkunde des Norddeutschen Genossenschaftsverbandes" ausgezeichnet.

Die heutigen Vorstandsmitglieder sind Horst Schmuck, Klaus Dieter Struve und Wilhelm Marten. Dem Aufsichtsrat gehören Horst Raabe, Hans Otto Struve und seit dem 3. Mai 1993 Dirk Finger an.

Die Wünschelrutengänger

Der Rutengänger bei der Arbeit

Georg Reimer hat seinen Schülern 1933 die Wünschelrute und deren Kräfte erklärt und festgestellt, daß nur wenige Schüler die Gabe haben, mit der Wünschelrute Wasseradern zu finden. Er hatte eine Weidenwünschelrute geschnitten und ließ alle 20 Schüler mit der Rute über den großen Böker Schulhof gehen. Nur bei 3 Schülern sprach die Rute an. Einer davon war Hans Carstens aus Böken. Als Hans aus dem Krieg heimkehrte, erinnerte er sich und probierte es wieder mit der Wünschelrute: es klappte. Nach jedem Wasseraderfund wurde er sicherer. Er hat bis heute viele Wasseradern entdeckt und so den Einwohnern aus dem Aukrug zu ergiebigen Brunnen verholfen. Im Rahmen der Flurbereinigung wurden viele Wasseradern durch ihn aufgespürt und als Viehtränken ausgebaut. Es wurden Brunnen aus Betonringen mit einer Tiefe von 4-7 m errichtet, die sich am besten für die Weidepumpen eignen. In den Gärten werden verzinkte Rohre mit einem ca. 1 m langen Filter in den Boden getrieben. Eine Pumpe wird angeschlossen und das Sprengen kann bei Trockenheit beginnen.

Auch bei den beiden Homfeldern Rudolf Sitzmann und Klaus Friedrich Rathjen sowie Herbert Andresen und Hans Otto Müller aus Bargfeld schlägt die Wünschelrute aus. Stellt man diesen fünf die Frage: „Wieso könnt ihr mit der Wünschelrute eine Wasserader finden, die anderen nicht?", so wissen auch sie keine Antwort. Es wird ein Geheimnis der Natur bleiben.

Eine kleine Geschichte zum Schmunzeln

Diese kleine Episode spielte sich zwar vor gut 50 Jahren in Liesbüttel bei Hademarschen ab, aber sie paßt gut hierher.

Es war im Winter. Das Wasser war knapp. Wasser für das Vieh und für den Haushalt wurde auf der Karre in Milchkannen vom Nachbarn geholt. Der Klempnermeister und der Bauer waren unten im Brunnen, um das Saugrohr zu reparieren und zu verlängern. Die beiden wollten Mittagspause machen. Der Klempnermeister sagte aus Spaß zum Bauern: „Nun liegt hier soviel Schnee, man müßte den Brunnen vollschaufeln, dann hätten wir Wasser genug".

Das hörte der kleine Sohn des Bauern. Was passierte? In der Mittagspause schaufelte der kleine Junge — es war Hein Asmus — jede Menge Schnee in den Brunnen hinein. Als die beiden vom Essen kamen, konnten sie kein Wasser mehr sehen, eine meterdicke Schneeschicht schwamm unten auf dem Wasserspiegel. Sie haben sich nur angeschaut und mußten die größte Menge Schnee wieder ans Tageslicht holen und dann im Schneewassermatsch rumwühlen. Über diese kleine Geschichte hat man später immer wieder gelacht.

Zum Thema Grundwasserschutz

Vielerorts in der Bundesrepublik ist das Grundwasser nicht mehr als Trinkwasser zu verwenden, weil es durch Giftstoffe unterschiedlicher Herkunft zu sehr belastet ist. In unserer näheren Umgebung macht zum Beispiel im Bereich Nortorf das Nitrat zu schaffen. Es stammt zum großen Teil aus der Felderdüngung. Überall sickert es immer weiter nach unten und bedroht die wasserführenden Schichten.

Ein spektakulärer Fall von Grundwasserverseuchung auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle Welsch an der Nordseite der B 430 wurde im Herbst 1984 bekannt. Beim Brunnenbau wurde festgestellt, daß sogar aus 22 m Tiefe noch benzin- und ölhaltiges Wasser nach oben kam. Man sprach schon mit Galgenhumor von einer neuentdeckten Ölquelle.

Die Wasserbehörde des Kreises wurde zur Sanierung herangezogen. Sie holte zwei undichte Benzintanks und einen alten ungereinigten Ölabscheider aus der Erde. Es stellte sich heraus, daß das Füllrohr zu den Tanks defekt war. Wahrscheinlich war schon beim Betrieb der Tankstelle jahrelang Kraftstoff in das Erdreich gelangt.