Meierei-Genossenschaft Bargfeld

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Die Geschichte des genossenschaftlichen Meiereiwesens ist zusammengefaßt in einem eigenen Artikel beschrieben. Über die Meierei-Genossenschaft Bargfeld liegen weitere detaillierte Informationen vor, die die Ausführungen über die Meiereien in Aukrug ergänzen. Sie bestand von 1886 bis 1975.

Gründung und Neugründung

Im Aukrug wurde - außer in Homfeld und Innien - Ende der 80er Jahre noch eine Meierei in Bargfeld gegründet. Nach den Angaben von Lehrer Reimer, Böken, soll die Gründung ebenfalls 1886 vollzogen worden sein - im Zuge jener umfassenden Gründungswelle, von der wir vorstehend bereits gesprochen haben. Bedenklich erscheint uns lediglich die Tatsache, daß einige Jahre später - 1892 - von einer Neugründung berichtet wird. Am 22.5.1892 versammelten sich die Bauern Timm Mehrens, H. Harder, J. Harder, Kl. Stammer, C. Hingst, D. Ratjen, J. Ratjen, J. Jargstorft, H. Thun, P. Giersberg, J. Harms, H. Karsten, H. Stender und J. Lohse (Lehrer) zwecks Bildung einer neuen Genossenschaft.

So steht es unter dem oben angegebenen Datum im Protokollbuch der Meierei vermerkt, wohingegen über den Gründungsvorgang aus dem Jahre 1886 keinerlei Unterlagen mehr vorliegen. Trotzdem sollten wir das Jahr 1886 als das eigentliche Gründungsjahr ansehen und damit der Auffassung älterer Berichterstatter – wie Lehrer Reimer und Schriftführer J. Harder, der im Jahre 1911 über das 25jährige Meiereijubiläum berichtete, folgen. Welche besondere Bewandtnis es mit der Neugründung hatte, ist protokollmäßig nicht festgehalten worden. Sollte vielleicht in der Zeit von 1886 bis 1892 die Meierei als Büttenmeierei betrieben worden sein? Diese Frage scheint deshalb berechtigt zu sein, weil 1892 ein grundlegender Umbau der Meierei erfolgte, wofür sogar eine Baukommission eingesetzt wurde , die für ein volles Jahr ihres Amtes walten mußte.

Die Leitung der Meierei lag seit 1886 in Händen von Frauen. Vier Meierinnen standen von der Gründung bis 1904 in den Diensten der Genossenschaft. Von ihnen dürften den älteren Einwohnern noch Frau Diercks und Frau Rathjen – zu mindest dem Namen nach - bekannt sein. Es verdient anerkennend hervorgehoben zu werden, daß sie als Frauen den 1892 modernisierten Betrieb mit neuzeitlichen technischen Anlagen wie Dampfmaschine, Milcherhitzer, Zentrifuge und vielen anderen Einrichtungen zu leiten in der Lage waren.

Dem 1892 neu besetzten Vorstand gehörten folgende Mitglieder an:

T. Mehrens, J. Jargstorft, Chr. Hingst und H. Thun. In den Aufsichtsrat wurden H. Harder, J. Harms und P. Giersberg gewählt.

Es wurde ausdrücklich protokolliert, daß die Genossenschaft künftig '"Neue Meierei-Genossenschaft Bargfeld" heißen sollte. Am 1.4.1892 wurde das bisherige Meiereigrundstück an die neue Meiereigenossenschaft grundbuchmäßig aufgelassen.

Chronologie des Geschäftsbetriebes

1901 wurde ein neuer Alfa-Separator angeschafft und abermals unter Aufsicht einer aus drei Mitgliedern bestehenden Baukommission ein Umbau des Meiereigebäudes in die Wege geleitet.

1902 erhielt die Meierei Fernsprechanschluß.

1905 wurde dem Meieristen Emil Ladehoff die Betriebsleitung übertragen. 18 Jahre lang führten Frauen das Regiment in der Meierei , die unter ihrer sehr v erdienstvollen Leitung sogar zweimal umgebaut und in ihrer maschinellen Ausstattung den fortschreitenden technischen Verhältnissen angepaßt wurde. Das war schon eine Leistung ganz besonderer Art, zumal seiner Zeit allgemein die Auffassung vertreten wurde, daß mit dem Vordringen der Zentrifuge und der Dampfmaschine und einem weitere Fortschreiten der Technisierung Frauen nicht mehr für Führungsaufgaben im Meiereibetrieb geeignet seien.

Von dieser Meinung hielten offenbar die Bargfelder Bauern nichts. Für sie war die Meierin - wie zur Zeit der Büttenmeiereien - nach wie vor eine geachtete Fachkraft - ja sogar eine Respektsperson, die Anspruch darauf hatte, daß beim Ernteball jeder Bauer und Bauernsohn sie mindestens einmal zum Tanz aufforderte – so wird noch heute in Bargfeld erzählt.

Die Meierinnen hatten – auch noch, als schon Zentrifugenmeiereien bestanden - ihre eigenen milchwirtschaftlichen Ausbildungsstätten, die sog. Meierinnenschulen, in Wesebyhof bei Flensburg, in Lensahn bei Oldenburg und in Wensin bei Segeberg. Dort wurde nicht nur bedienstetes Personal ausgebildet. Viele Bauerntöchter unseres Landes haben hier die · für ihre spätere Arbeit im eigenen häuslichen Milchkeller erforderlichen milchwirtschaftlichen Kenntnisse erworben und sie zum Wohle unserer bäuerlichenMilchwirtschaft in vielfältiger Weise eingesetzt.

Die Entscheidung, in Bargfeld die Führung und Aufsicht in einem gemeinschaftlichen milchwirtschaftlichen Betrieb einer Frau zu übertragen, entsprach deshalb durchaus alter bäuerlicher Gewohnheit und Sitte. Im übrigen ersparte sich die Meierei auf diese Weise den Einbau einer Betriebsleiterwohnung; denn die Meierinnen wohnten privat im Dorf. Beköstigt wurden sie auf den Höfen der Mitglieder. Die Meierin gehörte demnach zum Hauspersonal der einzelnen Mitgliedsbetriebe. Sie nahm auch in dieser Beziehung eine besondere Vertrauensstellung ein. Erst 1894 wurde am 21. April in der Mitgliederversammlung darüber beraten, ob der Meierin Kostgeld gezahlt und ihr erlaubt werden soll, selber für ihre Beköstigung zu sorgen. Man einigte sich auf die Zahlung eines jährlichen Kostgeldes von 290 M.

„Jedoch darf die Meierin sich nur dort in Kost verdingen, wo selbige Einwilligung vom Vorstand erhält."

Wohnungsmäßig war die Meierin weiterhin auf einem der Mitgliedsbetriebe untergebracht . Eine Meieristenwohnung wurde erst viel später gebaut. Auch der neue Betriebsleiter Emil Ladehoff mußte sich dieser alten Gepflogenheit anpassen, was ihm sicherlich nicht schwer fiel, da er zunächst noch Junggeselle war.

1911 wurde das 25jährige Bestehen der Meierei gefeiert.

1913 wurde beschlossen, für den Meieristen eine Wohnung zu bauen. Im Protokoll heißt es allerdings, daß "vorläufig ein Grundriß eingeholt werden soll, der im nächsten Monat bei der Auszahlung des Milchgeldes den Mitgliedern vorzulegen ist." Da das Meiereigrundstück sehr beengt ist und kein Gartenland zur Verfügung steht, wurde gleichzeitig beschlossen, das erforderliche Gartenland von Frau Rehder zu pachten.

1930 feierte Emil Ladehoff sein 25jähriges Dienstjubiläum; ihm wurde ein Ehrengeschenk überreicht.

1937 plante der Milch- und Fettwirtschaftsverband Hamburg – die für die Milchwirtschaft Schleswig-Holsteins zuständige Marktorganisation des Reichsnährstandes - die Stillegung des Meiereibetriebes. Hiergegen setzte sich der Vorstand unter Führung von Cl. Harms energisch zur Wehr. Die Generalversammlung beschloß einstimmig, eine etwa notwendig werdende Auflösung abzulehnen und für eine den Zeitverhältnissen angepaßte Modernisierung der Meierei Sorge zu tragen.

15.10.1937. Die Gefahr der Auflösung der Meierei und der Schliessung des Betriebes ist gebannt; alles atmet auf: "Die Verhandlungen mit dem Reichsnährstand in Harnburg führten zu dem Ergebnis, daß eine Stillegung der Meierei nicht mehr in Frage kommt."

Der Umbau muß jedoch sofort in die Wege geleitet werden. Die Meierei wurde in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht umgegründet. Oberprüfer Busch vom Verband der schleswig-holsteinischen landw. Genossenschaften e.V., Kiel (heute Raiffeisenverband), leistete entsprechende Hilfestellung. Der Geschäftsanteil je Kuh wurde auf 50 RM festgesetzt. Damit war für die bevorstehende Investition eine ausreichende Eigenkapitalbasis gegeben.

1938. Die Mitgliederversammlung beschloß die sofortige Durchführung des von Oberprüfer Busch erläuterten Bauvorhabens, das mit einem Kostenaufwand von 30.100 RM abschloß. Davon entfielen 23.600 RM auf Maschinen und 6.500 RM auf Gebäude.

Der Milch- und Fettwirtschaftsverband Hamburg ließ mitteilen, daß entschieden worden sei, die drei Genossenschaften Homfeld, Innien und Bargfeld nicht zusammenzuschließen, sondern den einzelnen Betrieben die Erlaubnis zu erteilen, ihre Anlagen zu modernisieren und auszubauen.

Aus Bünzen traten 13 Bauern, die bisher ihre Milch nach Innien lieferten, der Genossenschaft als Mitglieder bei. Sie zahlten ein Eintrittsgeld von 10 RM je Kuh. Zur Finanzierung des Bauvorhabens sei noch vermerkt, daß dafür ein Darlehn über die Spar- und Darlehnskasse in Höhe von 20.000 RM bereitgestellt wurde. 11.400 RM mußten als Eigenleistung der Mitglieder durch Einbezahlung der Geschäftsanteile aufgebracht werden.

1940. Vorstand und Aufsichtsrat waren wie folgt besetzt:

Vorstand - Johann Harder, Jhs. Harder, Rud. Ratjen, Chr. Carstens.

Aufsichtsrat - Wilh. Ratjen, Jhs. Stender und Klaus Rower.

1949. Als neuer Betriebsleiter wurde der Meierist Steffen eingestellt. Die Genossenschaft zählte 18 Mitglieder und 19' Lieferanten. Die Jahresanlieferung betrug 620.000 kg, Durchschnittsfestgehalt 3,34 %, Rückgabe an Magermilch 52,6 %, Auszahlung 24, 9 Pf je kg, Betriebsunkosten 2,64 Pf je kg.

1956. Den Organen gehörten folgende Mitglieder an:

Vorstand - Hans Behrens, Vorsitzender, Bargfeld, Werner Rathke, Bargfeld, Claus Harros, Bünzen, und Christine Jüngst, Bargfeld.

Aufsichtsrat - Herrn. Ratjen, Bargfeld, Vorsitzender, Ernst Wilh. Rathjen, Bargfeld, und Johs. Harms, Bünzen.

Die Genossenschaft beliefert schon seit vielen Jahren die Heilstätte Tönsheide mit Milch, Butter und Quark. Sie hat in dieser Anstalt einen guten Abnehmer. 9% der anfallenden Vollmilch und 25% der erzeugten Butter werden an die Heilstätte geliefert. Dieser verhältnismäßig gute Absatz bestimmt in entscheidender Weise das Leistungsergebnis, das nach den Urteilen des Verbandes der landw. Genossenschaften, Kiel, als sehr gut bezeichnet werden mußte. Der Meiereifachmann Asmus wurde einstimmig zum Betriebsleiter gewählt.

Die Meierei begann mit den Maßnahmen für die Sanierung der Milchkuhbestände der Mitglieder und Lieferanten (Tbc-Bekämpfung und Eutergesundheitskontrolle). Es wurde einstimmig beschlossen, dem staatlichen Tuberkulosetilgungsverfahren beizutreten· und eine unterschiedliche Milchbezahlung nach Tbc-freien und Tbc-behafteten Beständen durchzuführen. Die qualitätsmäßig beste Anlieferungsmilch soll künftig prämiiert werden.

1959. 17 Mitglieder: - 17 Lieferanten, 260 gezeichnete Kühe, Jahresanlieferung 828.000 kg, Durchschnittsfettgehalt 3,82 %, Rückgabe an Magermilch 75,5%,· Auszahlung 30 Pf je kg, Betriebsunkosten 3,69 Pf je kg.

14.10.1961. Feier des 75jährigen Bestehens der Meierei.

1968. Die Bilanzsumme, d. h. das in der Genossenschaft arbeitende Betriebskapital, belief sich auf 100.000 DM, davon 62.000 DM Eigenkapital. Die Genossenschaft verfügte demnach über eine gesunde Finanzierungsgrundlage. Es gehörten der Genossenschaft 18 Mitglieder an. Außerdem lieferten 15 Nichtmitglieder als freie Lieferanten ihre Milch an die Genossenschaft.

Anlieferung von 357 Kühen, 1.453.000 kg, Durchschnittsfettgehalt 3,77 %, Rückgabe an Magermilch 55, l %, Auszahlung 34,32 Pf je kg, Betriebsunkosten 4,05 Pf je kg.

1974. Die Anlieferung ging auf 1.351.000 kg zurück. Zwei Mitglieder mit 35 Kühen waren ausgeschieden. Die Betriebs kosten einschl. der Abschreibungen stiegen auf 8, 02 Pf je kg. Die Mehraufwendungen lagen insbesondere bei den Personal-, Energie- und Verpackungskosten. Dennoch waren die Auszahlungsleistungen des Betriebes zufriedenstellend. Die vergleichbaren Auszahlungspreise fü reine 3,7 %ige Milch ab Hof betrug 1973: 40, 95 Pf, 1974: 44,37 Pf und 1975 (Januar): 46,25 Pf je kg.

1975. Ende August 1975 gehörten der Genossenschaft nur noch 12 Mitglieder mit 310 Kühen an; davon lieferten allerdings drei Mitgliede keine Milch mehr. Die schon für 1974 festgestellte Steigerung der Meiereikosten hielt auch in 1975 an. Sie wirkte sich insoweit noch ungünstiger aus, als ein weiterer Rückgang der Anlieferungsmilch zu verzeichnen war. Dabei muß ausdrücklich vermerkt werden, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse der Genossenschaft in jeder Weise geordnet waren. Das Anlagevermögen von 72.588 DM war mit 68.007 DM Eigenkapital finanziert (93,7 %). Dennoch hatten Vorstand und Aufsichtsrat Sorge, ob der Betrieb weiterhin aufrecht erhalten werden könnte.

Auflösung

Es überrascht deshalb nicht, wenn 1975 in der am 9. Dezember abgehaltenen Mitgliederversammlung beschlossen wurde, die Genossenschaft aufzulösen. Nach einer eingehenden Aussprache war festgestellt worden, daß die Meierei in den nächsten Jahren keine Möglichkeit hat, ihr Milchaufkommen zu verbessern. Da die Kosten aber steigen werden, waren die anwesenden 10 Mitglieder der Meinung, daß jetzt der richtige Zeitpunkt für die Auflösung gekommen sei.

Nicht innerbetriebliche Schwierigkeiten, sondern strukturelle Veränderungen in der Milcherzeugung der angeschlossenen Mitgliedsbetriebe seien der Anlaß zu dieser schwerwiegenden Entscheidung gewesen. Der Beschluß erfolgte einstimmig. Zu Liquidatoren wurden bestimmt: Hans Carstens, Bauer, Herrn. Behr, Bauer, und Gerd Heine, Bauer, alle aus Aukrug. Nach der Auflösung der Meierei entschieden sich die Mitglieder hinsichtlich ihrer künftigen Milchlieferung zu Gunsten des Butterwerks Hohenwestedt und der schon im Falle Innien erwähnten Genossenschaftsmeiereien Neumünster und Wasbek.

Siehe auch