Ringreiten in Aukrug

Aus Aukrug Geschichte Wiki
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Ringreiten in den 20er Jahren. Die Reiter vor dem Bahnhofshotel
Ringreiten ca. 1995
Ringstechen 1950 in Homfeld

Das Ringreiten in Aukrug war bis bis in die 1950er-Jahre das Sommervergnügen der jungen Leute.

Beim Ringreiten gab es drei Gewinne. Den ersten Gewinn erhielt, wer beim Durchreiten am ersten fünfmal den Ring mitgenommen hatte, den zweiten, wer viermal, den dritten, wer ihn dreimal mitgenommen hatte. Jedoch wurde bei jedem Gewinn wieder von vorne angefangen. Wer beim Reiten vom Pferd gefallen war, wurde Sandreiter (Sandrieder) und bekam an einem Band ein Zweischillingsbrot umgehängt. Wer den Ring nicht ein einziges Mal mitgenommen hatte, wurde Blindstecher (Blindsteker) und erhielt eine Flasche Branntwein umgehängt.

Geschichte

In Böken fand es seit mehr als 100 Jahren am zweiten Pfingsttag statt. Krüge mit Tanzsälen gab es nicht. Die Feier fand wie alle Tanzvergnügen in einem Bauernhause statt. War die Abhaltung des Festes beschlossen, so wurde der Bauer, den die Reihe traf, von zwei Knechten gebeten, in seinem Hause das Fest feiern zu dürfen. Dann wurden zwei oder drei Mädchen beauftragt, die Gewinne aus der Stadt zu holen: Stoff zu einer Weste, seidene Halstücher u. a. Auch die Königsschilder hatten sie zu besorgen. Diese bestanden aus dreieckigen Pappschildern, die mit Glasperlen, Blumen und seidenen Bändern geschmückt waren. Sie wurden den Königen an Mütze oder Hut geheftet. Die „Bräute" bekamen Blumen mit Bändchen. Am Abend vor dem Feste gingen die Mädchen zum Festhause, um Kränze zu winden. Ein Kranz schmückte die große Tür, ein anderer vierteiliger wurde um die vierarmige Leuchterkrone gehängt, die an jedem Arm ein Talglicht trug. Hatten die Mädchen das Schmücken unterlassen, so wurde ihnen zum Spott ein stumpfer Besen vor die Tür gehängt.

Die Mädchen hatten während des Reitens Topfschlagen, Eiersuchen oder Ringfahren. Für das letzte Spiel wunde das Hintergestell eines Wagens mit dem einen Rad in die Erde gegraben. Auf das andere Rad wurde eine Leiter gebunden, an deren beiden Enden ein Wagenstuhl vom Kührwagen befestigt war. Etwas seitlich war ein Galgen mit einem Ring, wie er beim Ringreiten benutzt wurde, aufgestellt. Das Rad wurde durch zwei Männer in drehende Bewegung gesetzt, und die Mädchen, die in den Stühlen saßen, mußten den Ring mit dem Ringstecher mitzubekommen suchen. Die Ringe wurden wie beim Ringreiten gezählt. Nach Beendigung der Spiele wurde unter Musikbegleitung nach den Häusern der Könige und Königinnen geritten bzw. marschiert. Dort wurde jedem Teilnehmer ein Glas Branntwein gereicht.

Nachdem die Pferde in den Stall gebracht waren, ging es zum Festhause. Dort mußte der erste König die andern Könige und die Königinnen mit einer Flasche Wein bewirten. Diese kostete 12 Schilling. Um ihn genießbar zu machen, wurde Zucker hineingetan. Dann ging es ans Tanzen. Der erste Tanz gehörte den drei Königspaaren. In älteren Zeiten gab es nur Bier und Branntwein als Getränk. Das Bier wurde aus zinnernen Kannen (Krosen) getrunken.

Die Mädchen trugen beim Tanz weiße Schürzen. Am Schlusse des Festes gab es im Festhause "Großen Hans", den Mehlbeutel. Doch kamen meistens nur wenige Teilnehmer bis zum Schlußakt.

Die Woche nach Pfingsten war, wie Georg Rieckers berichtet, die Festwoche des Dorfes. Es war weithin bekannt und hatte ein großes Aufgebot an „Jungkerls". Die „Deerns" hatten vorher die Gewinne zu besorgen und waren für die Königsschilder zuständig. Am Festtag belustigten sie sich mit Topfschlagen, Eiersuchen, Ringfahren bzw. -stechen und Ballwerfen in den Immenkorb. Am Ringreiten konnten sich auch junge Männer beteiligen, die kein Pferd besaßen. Sie zahlten wie die Reiter den Einstand und ließen einen Freund für sich reiten. Sie konnten auch König werden.

Am Mittwoch oder Donnerstag war Vogelschießen. Um sechs Uhr morgens zog die Musik „zum Wecken" durch das Dorf. Aber die meisten standen schon vor der Haustür, um Max Mester und Hermann Heeschen mit ihren Trompeten, Willy Steffen mit der Pauke und all die anderen Musiker nicht zu verpassen. Danach hatte die Jugend ihren Umzug mit Musik von der Schule zur Brüggkoppel, wo das Armbrustschießen der Jungen und Pottslagen der Mädchen stattfand. Für diejenigen Jungen, die zu klein für die Armbrust waren, schossen größere Jungen. Ende der zwanziger Jahre wurde die Armbrust durch das Luftgewehr abgelöst. Sonnabendabend klang die Woche mit dem „Steertvertehrn" aus, einer Art Nachklapp zum Ringreiten.