Archiv:Aukruger Schulen und Lehrer

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Aukruger Schulen und Lehrer

Unterricht bei Hanna Necker
50 ehemalige Schülerinnen und Schüler besuchten 1981 Lehrer Wilkerling zum 80. Geburtstag

Die Böker Schule von 1942 bis zu ihrer Auflösung 1968

Die Böker Schule — heute als Wohnhaus genutzt
Schülerzahlen der Schule Böken 1942 bis 1964

Am 1. Mai 1992 war ein Treffen der ehemaligen Schülerinnen und Schüler der alten Böker Schule. Viele waren der Einladung gefolgt, und es wurden jede Menge Erinnerungen ausgetauscht. Elfriede Adam hatte den Auftrag, eine Festschrift vorzulegen und vorzutragen. Darin hatte sie auch die letzten 26 Jahre der Schule von 1942 bis 1968 beschrieben. In den Jahren vor und am Anfang des Krieges schwankte die Schülerzahl zwischen 30 und 40 Kindern. Diese wurden alle von Lehrer Georg Reimer in einer Klasse unterrichtet. Wenn man sich die Dorfschullehrer der damaligen Zeit ansieht und sie mit den heutigen Lehrern vergleicht, dann muß man wohl mit Achtung sagen, es waren damals „Zehnkämpfer" mit einem Bruttogehalt von 380 RM. Die Zeit war ruhiger, man konnte mit dem Lehrer und den Mitschülern auch nochmal Plattdeutsch schnacken. Hektik kam eigentlich nur auf, wenn der Rohrstock mitregieren mußte. Aber bei einem guten Lehrer wurde er kaum gebraucht.

Der Winter 1942 war sehr kalt, aber Böken hatte ja eine Moorfläche, und man hatte im Sommer genug Torf gestochen; so war der Klassenraum immer schön warm. In den Kriegsjahren war alles knapp. Ein Beispiel: Schulbücher wurden in Hohenwestedt bestellt. Als sie ankamen, wurden sie von den nahegelegenen Schulen in und um Hohenwestedt ergattert. Lehrer und Schüler aus Bö-ken waren die Gelackmeierten. So mußten sich mehrere Kinder mit ei ner Fibel oder einem Lesebuch begnügen.

Im Mai 1943 hatte Böken 39 Schüler. Anfang Juli kamen 24 Kieler Kinder dazu. Sie wurden wegen der Luftangriffe auf Kiel evakuiert und man hatte sie bei Böker Familien untergebracht. Sie wurden nachmittags in dem freien Schulraum von ihrem eigenen Lehrer unterrichtet. Die Veränderungen der Schülerzahlen dieser Jahre werden in der Grafik unten deutlich gemacht. Im August 1944 kamen auch noch die Bünzer Kinder dazu. Man hatte die Bünzer Schule beschlagnahmt: Es hatte sich die Wehrmacht einquartiert.

Aber die Böker erinnern sich, auch sie mußten eine Zeitlang nach Bünzen in die dortige Schule gehen. Es war die Zeit der Tiefflieger. Man hatte den Kindern eingebläut: „Schmeißt euch in den Graben, wenn die Flieger kommen".

In Bünzen wurden sie von einer Frau Runge unterrichtet. Ab 30.1.45 durften die Schulen nicht mehr geheizt werden. Solange es kalt war, kamen die Schüler nur zur Schule, um die Schularbeiten vorzuzeigen und neue zu holen. Am 15.02.1945 kamen die ersten Flüchtlinge nach Böken; die hatten natürlich auch Kinder. Es war kaum zu glauben, aber es wurden 130 Kinder in der Schule unterrichtet. Am 23.04.45 wurde eine Nachrichtenkompanie in die Schulräume einquartiert. Der Unterricht fiel erstmal aus. Am B. Mai war der Krieg zu Ende. Lehrer Reimer ging in den Ruhestand. Der Schulunterricht begann erst am 11. Januar 1946 wieder. Als neuer Lehrer kam Konrektor Willi Saretzki. 108 Kinder wurden unterrichtet. Alle alten, aus der Nazizeit stammenden Schulbücher mußten vernichtet wer den. Lehrmittel gab es keine, trotzdem hat man etwas gelernt. Vormittags wurde die Oberklasse 3 Stunden und nachmittags die Grundschule 2 Stunden unterrichtet. Ab November 1946 gab es auch Schulspeisung. Eine Mahlzeit kostete 7 Pfg. pro Kind. Von den Frauen aus dem Ort wurde das Essen zubereitet. Die Nahrungsmittel dafür kamen hauptsächlich aus Care-Paketen. Die Selbstversorgerkinder bekamen natürlich keine Suppe. Weil diese Kinder Appetit auf die wohlschmeckende Suppe hatten, wurde sie gegen Schinken- und Mettwurstbrote eingetauscht. Den guten Lehrer Saretzki haben alle noch in Erinnerung. Er machte seinem Namen alle Ehre, war ein richtiger „Gretzki". Wenn sein Kopf rot anlief und die Warze auf der Stirn anschwoll, dann ging es rund. Wer das Einmaleins nicht konnte, machte Bekanntschaft mit dem Griffelkastendeckel. „Gretzki" schlug solange, bis die Hand anschwoll. Beliebt war er nicht.

Die Schülerzahl hielt sich konstant bei 130 Kindern. Es waren sieben Fibeln für die 24 Kinder der Unterstufe vorhanden.

Vogelschießen gab es auch wieder. Morgens waren die Wettkampfspiele, am Nachmittag der Umzug und anschließend Tanz auf dem Saal. Die Jungen saßen auf der einen und die Mädchen auf der anderen Seite. Fing die Musik an zu spielen, stürmten die Jungen los und holten sich ein Mädchen. Mitunter waren die kleinen Mädchen traurig, wenn kein Junge kam, um sie zum Tanz aufzufordern. Dann fühlten sie sich als Mauerblümchen. Aber die Mädchen wußten sich zu helfen, sie tanzten einfach miteinander, dann saßen die Jungen blöd rum.

Am 15.04.47 kam Frau Bidder als zweite Lehrkraft dazu. Sie hat die Unterstufe im kleinen Klassenraum unterrichtet. Lehrer Saretzki trieb es mit seiner Jähzornigkeit auf die Spitze: Er warf einen Schüler auf den Boden und traktierte ihn mit den Füßen. Damit war für ihn der Dienst in Böken zu Ende, er wurde versetzt.

Lehrer Schmidt trat am 01.10.47 seine Nachfolge an. Das Gastspiel der Familie Schmidt war nur kurz. Alle Kinder mochten ihn. Nur mit seiner Frau verstand er sich nicht so gut. Eines Tages verprügelte er sie auf dem Schulhof vor den Augen der Kinder. Das war vielleicht ein Gaudium. Er wurde versetzt, alle Kinder waren traurig. Aber Frau Schmidt hatte nach Meinung der Kinder die Tracht Prügel verdient.

Da man mit den beiden letzten Hauptlehrern nicht die glücklichste Hand gehabt hatte, war man gespannt: Wer kommt jetzt?

Am 16.11.1948 zog Lehrer Ernst Wilkerling mit seiner Familie in die Schule ein. Frau Bidder hatte extra ein Lied gedichtet. Die Kinder haben sich beim Vortragen viel Mühe gegeben und keinen Fehler gemacht. Der neue Hauptlehrer wurde gebührend empfangen. Nach den Weihnachtsferien begann der Unterricht mit Lehrer Wilkerling. 133 Kinder gingen in die Böker Schule, davon 55 Einheimische und 78 Flüchtlingskinder.

Der Unterricht machte wieder Spaß. Wilkerling war nach Meinung der großen Kinder ein toller Lehrer. Der Stock war nur noch zum Zeigen da, wurde sogar am Geburtstag des Lehrers geschmückt und auf den Ofen gestellt.

Im März 1950 gab es endlich neue Bänke und Tische, auch wurde eine dreiteilige Tafel angeschafft. Es wurden auch schon Busausflüge unternommen. Die erste Tagesfahrt ging nach Hamburg, im nächsten Jahr schon 5 Tage in den Harz.

Viele Familien siedelten um. Die Schülerzahl ging auf 89 zurück. Frau Bidder verließ nach 6 Jahren die Schule, „Schade". Im Oktober 1953 kam eine neue Lehrerin, es war Fräulein Czudnochowski. 1957 wurden Wasserspültoiletten eingebaut, das war das Ende des Plumpsklos. Fräulein Czudnochowski (Tante Herta) und deren Nachfolgerinnen Frl. Holm und Frl. Nolte blieben nicht lange an der Schule, konnten sich verbessern oder wurden versetzt. Lehrer Wilkerling ging 1967 in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wurde Hanna Necker. Der Generationswechsel wurde jetzt deutlich: Wurde z.B. früher nur mit Buntstiften, so wurde jetzt auch schon mit Pinsel und Farbe gemalt. Hanna Necker erinnert sich gerne an die erste Zeit in Böken. Wenn wirklich bei der 22jährigen Junglehrerin einmal Schwierigkeiten auftraten, so war der Ruhe-

ständler Wilkerling immer zur Stelle und hat in seiner freundlichen Art geholfen. Die neue Marschroute der Schulverwaltung, daß die kleinen Schulen geschlossen werden sollten, wurde in Böken praktiziert, als die junge Lehrerin in den Schwangerschaftsurlaub gehen mußte. Eine Ersatzkraft wurde verweigert. Man hat immer wieder versucht, die Schule für die kleinen Kinder zu erhalten, aber alle Mühe war umsonst. 1968 wurde die Böker Schule geschlossen. Frau Necker ging mit den Kindern nach Innien zur Dörfergemein-schaftsschule. Damit ging für die Kinder die Dorfschulzeit zu Ende. Ihnen war alles geboten worden, sie hatten schöne Ausflüge und Reisen gemacht, Vogelschießen gefeiert und das wichtigste: Sie haben auch etwas gelernt. Das Verständnis für die Natur und das dörfliche Leben konnte ihnen in der kleinen Schule höchstwahrscheinlich besser vermittelt werden. Niemand, der einer Neuordnung des ländlichen Bildungswesens innerhalb des gesamten Strukturwandels das Wort redete, hat die Leistungen der Dorfschulen unterschätzt oder in Zweifel gezogen. Aber es hieß, den größeren Schulsystemen gehöre die Zukunft, und das war zum Schluß auch die Meinung aller Böker. Doch das dörfliche Kinderfest sollte erhalten bleiben, als Ausdruck einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Schülern. Erst wenn die gestört ist, wird die Dorfgemeinschaft an der Wurzel getroffen. Das Schulfest in Innien kann das traditionelle Vogelschießen nicht ersetzen, und deshalb wird es noch heute in allen Ortsteilen gefeiert.

Die Bünzer Schulen

Der originelle umschlag einer Chronik der Bünzer Schulen von Schülerin Anke Reimers
Die Schulkate ab 1818, später die Räucherkate im Dorf

Die älteste Schule befand sich genau gegenüber der letzten Schule, auf dem Gelände der Autoreparaturwerkstatt Kruse im Kloster.

1818 wurde das noch heute in der Nähe des „Olen Hus" stehende Schulhaus gebaut. Die linke Seite des Hauses war die Lehrerwohnung, rechts der Klassenraum. Geheizt und gekocht wurde mit offenem Feuer. Es wird aus dem vorigen Jahrhundert erzählt: Anke Reimers Urgroßvater kam zu spät, mußte unterm „Bilegger" durchkriechen, um bei der überfüllten Klasse an seinen Platz zu gelangen.

Das schon stattliche Schulgebäude von 1869, Kloster Nr. 5, hatte noch bis 1922 ein Reetdach. Nachdem um 1928 noch einiges am Hause erneuert wurde, verlief das Leben dieser Schule bis in die 50er Jahre unverändert in gleichmäßigen Bahnen. Dann wurden Lehrerwohnung und Klasse überholt und modernisiert, der Stil der Dorfschule blieb erhalten. Von 1947 bis 1955 war Fritz Genz aus Pommern Lehrer in Bünzen, die Lehrerinnen Johanna Hahne und Carla Schröder waren zwischenzeitlich zusätzlich tätig. Der letzte Lehrer war bis zur Auflösung der Schule Carl Reimers.

Die Dorfschule in Bargfeld

Die Dorfschule in Bargfeld 1924 — stehend von links: Anneliese Rieper, Gretchen Clausen, Hans Stender, unbekannt, Herbert Clausen, Geschwister Spethmann, Catarine Stender; sitzend: Marie Stender, Lehrer Clausen, Anne Törper; vorne die beiden knieende: Willi Schnoor und Karl Heinz Steffen

Die Dorfschule in Bargfeld wurde 1855 erbaut. Es gibt ein altes Lieferbuch der Ziegelei Bargfeld, in dem steht: — Gemüre Bargfeld zum Schulhause an Steine — 9. Juni 1855. Jeder Bauer mußte Steine kaufen und zum Bau anliefern. Alle Steine für den Schulbau wurden vom Ziegelmeister aufgezeichnet und von dem Besitzer der Ziegelei in Bargfeld, Ratje Rathjen, abgerechnet.

Der letzte Lehrer war von 1915 bis 1931 Ludwig Clausen. Er trat 1931 in den Ruhestand. Wegen der geringen Schülerzahl ging die Schule ein, die Kinder gingen in die Innier Schule.

Aus der Schule in Homfeld

Die alte Homfelder Schule

Sie steht noch in der Wiesenstraße, die alte Homfelder Schule. Die Fensterfront gibt einen Eindruck von der geräumigen Schulstube, in der allerdings achtzig bis hundert Schüler Platz finden mußten, auch diejenigen aus Bucken und Tannenfelde.

Wir versetzen uns sechzig Jahre zurück und schauen kurz vor Unterrichtsbeginn (im Sommer 7 Uhr, im Winter 8 Uhr) mal kurz vom Garderobenraum aus durch die Tür. Links sitzen schon die Jungen in ihren Bänken, rechts die Mädchen, jeweils in Fünferreihen. In der Mitte ein trennender Gang. Ganz vorn rutschen die Erstklässler auf ihren Sitzen herum, nach hinten hin folgen die älteren Jahrgänge.

Noch ist es laut und turbulent. Dann geht hinten bei den Jungen die Tür zur Lehrerwohnung auf und der Lehrer kommt herein. Während es im Raum still wird, geht der Lehrer an der Wand entlang nach vorn, am Ofen in der Ecke vorbei zum Pult an der Mädchenseite. Der Unterricht beginnt: Ein Lehrer für alle Schuljahre. Zuerst wird ein Lied gesungen. (In der Musikstunde hat der Lehrer seine Geige dabei).

Die Schüler sind es gewohnt, still für sich zu arbeiten. Oft helfen die älteren den jüngeren, während der Lehrer am Pult die Aufsätze oder Rechenaufgaben nachsieht. Im Sommer ist die Schule um 12 Uhr aus, im Winter um eins. Aber auch nachmittags hat der Lehrer noch genug mit Unterrichtsvorbereitungen und Korrekturen zu tun.

Ein Tag im Jahr 1942

Es ist der 20. April, Führers Geburtstag. Lehrer Zillen ist heute morgen in seiner SA-Uniform in die Schulstube gekommen, ein Teil der Schüler/innen tragen Jungvolk- bzw. Jungmädelkluft. So ist es an diesem Tag üblich. Lehrer Zillen ist zwar der Partei verbunden, aber nicht „parteiisch". Auch parteiferne Eltern beschrieben ihn später als tüchtigen, korrekten und den Schülern gegenüber gerechten Mann.

Heute gibt es Ärger. In der ersten Pause wird nämlich ein kleiner Junge von seinen Mitschülern gehänselt und geprügelt. Sein Vater ist Schweizer bei Henning und nicht gerade als Nazifreund bekannt. Der Junge läuft heulend die zweihundert Meter nach Hause. Kaum hat die nächste Stunde begonnen, stürmt der Vater wutentbrannt in die Klasse. Er greift sich einen der Rädelsführer und gibt ihm eine Abreibung. Dann dem nächsten.

Einige flüchten voller Panik aus dem Fenster. Lehrer Zillen geht dazwischen. Aber gegen diesen kräftigen Mann kann er nichts ausrichten und bekommt selbst noch etwas ab. Später hatten die beiden eine Aussprache. Der rabiate Vater blieb, soweit bekannt ist, unbehelligt.

Nach der Nazi-Diktatur

Lehrer Zillen als Parteimitglied mußte gehen und Lehrer Burmeister wurde sein Nachfolger. Für die Normalverbraucher unter den Schülern wurde die Schulspeisung zu einem wichtigen Bestandteil der Schule. Die Nährmittel dafür wurden von der Innier Schule abgeholt und von Frau Burmeister zubereitet. Dienstags und freitags gab es nun auch nachmittags Unterricht, weil durch die Flüchtlinge die Schülerzahl stark gestiegen war.

1948 wurde Lehrer Walter Zillen wieder eingestellt. Der letzte Lehrer in Homfeld war Wilhelm Guschewski. 1969 wurde die Schule aufgelöst.

Lehrerin "Fräulein Jensen" und Lehrer Brandenburg in Innien

von Claus Butenschön

Lehrer Brandenburg 1908 mit seinen Schülern vor der damaligen Schule (jetzt Hauptstraße 24)
Vor der „Notschule" Itzehoer Straße 6
Die 1912 erbaute zweiklassige Volksschule

Anfang des Jahrhunderts war es allgemein üblich, sämtliche acht Klassen der Volksschule in einem einzigen Schulraum zu unterrichten. Das ist aus der Sicht der heutigen Zeit eine fast unvorstellbar schwere Aufgabe, die aber seinerzeit sicher etwas leichter war, da Lehrerin und Lehrer als Respektspersonen anerkannt wurden. Lehrer Brandenburg, der 1904 in Innien als Lehrer anfing, meisterte das.

Erst ab 1908 wurde eine weitere Klasse für die unteren Jahrgänge eingerichtet, und zwar vorübergehend in der Itzehoer Straße 6 (Haus von Beinlich, heute Werner). Von 1915 an — inzwischen in der neuen Schule Itzehoer Straße 4 — unterrichtete Jenny Jensen die untere Klasse, genannt „de Lüttschool". Nur als „Fräulein Jensen" bekannt, blieb sie 36 Jahre lang bis zu ihrem Ruhestand 1951 dieser Klasse treu. Noch länger, nämlich 43 Jahre lang, war Johannes Brandenburg zum Wohle zweier Generationen tätig, bis 1947. Mein Vater gehörte der ersten Schülergeneration an. Als Schüler der dreißiger Jahre möchte ich die Arbeit meines Lehrers hier noch einmal würdigen.

Als Kinder haben wir doch gar nicht gemerkt, daß unser Lehrer zur gleichen Zeit fünf unterschiedliche Jahrgänge unterrichtete. Die Hauptfächer waren natürlich Rechnen und Deutsch. Neben dem selbstverständlichen täglichen Singen lernten wir noch auf der Blockflöte zu spielen, und später war ein großer Mandolinenchor Ausdruck musikalischer Freude. Das von Lehrer Brandenburg gedichtete Lied „Mien Inn" stammt auch aus dieser Zeit und wird heute noch gern gesungen.

Die neue Zeit nach 1933 wurde von unserem Lehrer voll mitgemacht. Dazu gehörte bei Schulbeginn nach den Ferien das Aufziehen der Hakenkreuzfahne. Seine christliche Grundeinstellung ließ er sich aber nicht nehmen. Der Unterricht begann morgens mit einem Kirchenlied.

Ein Höhepunkt im Schuljahr, das Vogelschießen, war gleichzeitig für das ganze Dorf ein Festtag.

Für die damalige Zeit ganz ungewöhnlich waren die mit Lehrer Brandenburg durchgeführten großen Fahrten in den Sommerferien. Ein Erlebnis war es, als damals elfjähriger Volksschüler in 14 Tagen den Harz zu durchwandern. Mit der Bahn fuhren wir nach Goslar und von Thale zurück. Durch das Ilsetal stiegen wir zum Brocken hoch. Geschlafen wurde in Jugendherbergen. 1938 ging es mit dem Schiff, der „Tannenberg", auf eine 16-tägige Reise, von Kiel aus nach Ostpreußen — unvergessen für's ganze Leben. In Pillau an der Samlandküste von Bord, fuhren wir per Bahn und Schiff weiter. Die Fahrtenroute: Kurische Nehrung bei Rositten, Königsberg, die Masurischen Seen, das Tannen-bergdenkmal, der Oberländische Kanal, die Marienburg, Danzig und Zoppot. Der Sommer vor Kriegsbeginn bringt uns 14 Tage in den Teutoburger Wald und an die Weser.

Die Teilnahme an diesen Fahrten war nur möglich durch Inanspruchnahme einer sogenannten Wanderkasse. Diese wurde größtenteils aufgefüllt aus dem Verkauf von Altmaterial, welches in Gemeinschaftsarbeit gesammelt wurde. So prägte ein Lehrer mit viel Idealismus die heranwachsende Jugend des Dorfes.