Archiv:Politische Organisationen

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Gründung politischer Ortsgruppen

Die Lebensweise in den Aukrugdörfern war noch bis zum 1. Weltkrieg denkbar schlicht und einfach. Sie wurde bestimmt durch harte körperliche Arbeit, die von morgens früh bis in den Abend dauerte. Diesem harten Gesetz der Arbeit waren alle unterworfen, der Bauer sowohl wie der Katenmann, Knechte wie Mägde, Handwerker und die Angestellten in den Meiereien, an Bahn und Post. Aber die Arbeit wurde nicht als Fron empfunden. Man war es so gewohnt, war zufrieden und oft gar vergnüglich dabei. Unterschiede in den politischen Anschauungen gab es kaum. Durch Elternhaus, Schule, Kirche und Militärdienst wurden alle in der gleichen Anschauung erzogen. Es war die Zeit der Devise: „Mit Gott für König und Vaterland", und die Begriffe Thron und Altar charakterisierten die Zeit. Man war konservativ in der Grundhaltung und erkannte den Obrigkeitsstaat als gottgegeben. Für die Bildung von politischen Gruppen bestand kein Bedürfnis. Die dörfliche Lebensgemeinschaft war von so bindender Kraft, daß trotz sichtbarer materieller Unterschiede die Gemeinschaft in der Arbeit, in der Bildung, in der Lebensweise, die Zusammengehörigkeit von Kindheit an fast so etwas wie eine klassenlose Volksgemeinschaft entstehen ließ. Man sprach plattdeutsch, sagte „du" zueinander, was die Menschen viel mehr verbunden sein ließ als das distanzierte „Sie" im Hochdeutschen. Es wird hier und heute als noch nicht ungewöhnlich empfunden, wenn Bürgermeister und Gemeindearbeiter — um nur ein Beispiel zu nennen — sich duzen, ohne daß Respekt und Ordnung darunter leiden.

Der 1. Weltkrieg mit seinem enttäuschenden Ausgang, die Umwertung der bisher gültigen Werte, die schlechten Beispiele der Kriegs- und Inflationsgewinner begannen auch die ländlichen Lebensgemeinschaften zu lockern und Gegensätze zwischen Stadt und Land aufzuwerfen. Die bisherige hierarchische Ordnung des Staates schien nicht mehr gottgegeben. Man begann, zu kritisieren. Einige waren für die neue Ordnung, andere leidenschaftlich dagegen. Das steigerte sich, als nach der Inflationszeit ein Preisverfall für ländliche Produkte und damit wirtschaftliche Not auf dem Lande eintrat. Man fühlte sich vom „Bank- und Börsenkapital" „verschaukelt", vom Staat durch übermäßige Steuern ausgesogen und ließ sich durch radikale Hetzredner aufstacheln zu Gewaltakten gegen Regierungsgebäude und Finanzämter. Auch im Aukrug ließen sich sonst so besonnene Landleute dazu verleiten, der schwarzen Fahne der Gewalt zu folgen und nicht nur in Neumünster und Rendsburg zu demonstrieren, sondern sich sogar Sprengstoff zu Gewaltakten zu verschaffen. Zwar siegten schließlich doch Vernunft und Einsicht, aber es führte auch zu Eingriffen in die familiäre Sphäre. So saß eines Tages Wilhelm Rathjen mit seinem Bruder Johannes in der Gaststube seiner Gastwirtschaft in Bargfeld, als plötzlich der Hof von schwerbewaffneter Polizei umstellt und nach kurzer Feststellung der Personalien Gastwirt Rathjen verhaftet und abgeführt wurde. Er saß 14 Tage unschuldig in Untersuchungshaft, denn in Wirklichkeit war nicht er gemeint gewesen, sondern der harmlos bei ihm sitzende Bruder Johannes. Der wurde dann auch später verhaftet und verurteilt. Er war bis zu seinem Lebensende unter der Bezeichnung „Hannes Deutschland" im ganzen Aukrug als schrulliges Original bekannt.

Um diese Zeit, in den zwanziger Jahren, gründete sich in Innien ein wohl aus dem Gedanken der Arbeiterselbsthilfe entstandener Konsumverein mit einem Verkaufsladen an der Straße nach Nortorf in dem jetzigen Michaelsenschen Hause. Daraus kann man auch wohl auf eine SPD-Ortsgruppe schließen, die hier damals bestanden haben mag, denn eine hiesige Einwohnerin kann noch ein Mitgliedsbuch der SPD vom August 1926 aufweisen. Von einer wirksamen politischen Tätigkeit kann aber nicht gesprochen werden.

Zu Beginn der 30er Jahre änderte sich das Bild. Das öffentliche Leben wurde stark politisiert durch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) des Diktators Adolf Hitler. Manche waren leidenschaftlich dafür, andere ingrimmig dagegen; die meisten fügten sich nach dem Spruch aus der Bibel: „Ein jeder sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat." Schwer lastete die Zeit auch auf den Bewohnern des Aukrugs.

Es vergingen fast 3 Jahrzehnte mach dem Krieg, bevor sich die Aukruger zur Gründung politischer Ortsgruppen entschließen konnten. Nach dem Zusammenschluß der Dörfer und dem damit gegebenen größeren Gemeindeparlament konnte die bisherige Form der Kandidatenauswahl durch Absprache in einer Wählergemeinschaft nicht mehr befriedigen. Es erfolgte daher bald nach dem Zusammenschluß, am 9. 7. 1970, auf Veranlassung des Landtagsabgeordneten H. W. Fölster die Gründung eines CDU-Ortsverbandes. 1. Vorsitzender war bis 1973 Gerhard Schönheim, dann Eitel-Wolf Necker. Der Ortsverband zählt augenblicklich 79 Mitglieder.

Ein Jahr später, am 26. 2. 1971, erfolgte die Gründung einer Ortsgruppe der SPD auf Initiative von Carl Reimers und Hauke Andersen. 1. Vorsitzender wurde Hermann Kröger. Nach seinem schon im nächsten Jahr erfolgten Tode wurde Ingo Ziehm sein Nachfolger, den dann 1975 Reimer Reimers ablöste. Mitgliederstand März 1978: 70 Mitglieder.

Erst im Februar 1974 gründete sich der Ortsverband Aukrug der FDP. Den Vorsitz übernahm Günter Ott, der 1976 von Dieter Schade abgelöst wurde. Jetzt führt Wolfgang Voß den Ortsverband. Mitgliederzahl: 18.

Alle drei Parteien sind seit der Kommunalwahl 1974 im Gemeindeparlament vertreten. In der Legislaturperiode 1974-78 waren es von der CDU: Hans-August Jensen, Heinrich Asmus, Claus Butenschön, Hermann Carstens, Hans Ehlers, Alfred George, Christian GreiBel, Manfred Mahlke, Eitel-Wolf Necker, Claus-Detlef Ratjen, Detlef Ratjen; von der SPD: Waldemar J. Moritz, Reimer Reimers (ab 1976 Christian Busch), Elisabeth Reimers, Ingo Ziehm; von der FPD: Ehrhard Koopmann, Günter Ott.

Zu Beginn der Legislaturperiode 78-82 waren es von der CDU: Hans-August Jensen, Hermann Carstens, Heinrich Asmus, Claus Butenschön, Hans Ehlers, Alfred George, Manfred Mahlke, Eitel-Wolf Necker, Detlef Ratjen, Klaus-Dieter Struve; SPD: Ingo Ziehm, Elisabeth Reimers, Jörgen Oerter, Christian Busch, Margret Höhne, Werner Koslowski; FDP: Günter Ott.

In weiten Kreisen der Einwohnerschaft gab es zunächst Zweifel, ob eine solche Politisierung im Gemeindeparlament und eine Betätigung von verschiedenen Parteien in einer ländlichen Gemeinde nicht die Gefahr einer Vergiftung des öffentlichen Lebens und eine Störung des so gut gewachsenen Gemeinschaftsempfindens zur Folge haben könnte. Erfreulicherweise sind derartige Erscheinungen bisher nicht aufgetreten. Das gute Einvernehmen in den unterschiedlichen Vereinen und in der Behandlung öffentlicher Angelegenheiten ist geblieben, Sachlichkeit und Toleranz werden bei allen Auseinandersetzungen beobachtet. In der Gemeindevertretung hat es zwar schärfere Gegensätze gegeben als in früheren Zeiten, aber die sachliche Arbeit ist dadurch niemals gestört, hingegen manches Vorhaben sorgfältiger geprüft und vorsichtiger erwogen worden, um möglichst die Zustimmung aller Gemeindevertreter zu erreichen.

Eine solche erfolgreiche Arbeitsweise wurde und wird allerdings nur möglich durch die prägende Kraft eines Bürgermeisters, der seine Pläne klar und überlegt zu formulieren vermag, ggf. flexibel in ihrer Umänderung ist und über die erforderliche Energie verfügt, sie auch gegen etwaige Widerstände von Interessengruppen oder Verwaltungsinstanzen durchzusetzen. Es besteht in der Bevölkerung kein Zweifel, daß von der Gemeindevertretung nun schon 8 Jahre hindurch eine erfolgreiche Gemeindepolitik getrieben worden ist.