Bestattungskultur in Aukrug

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Werner Rathke aus Bargfeld mit dem Leichenwagen
Der Friedhof vom Kirchturm gesehen. Vorne der alte Friedhofsteil und rechts hinten der noch freie Teil, wo heute auch Rasengräber angelegt werden.
Oft standen zwei Särge in diesem kleinen Anbau. Darum war man im Aukrug froh, daß im Jahre 1973 die mit Unterstützung der politischen Gemeinde gebaute neue Leichenhalle benutzt werden konnte.

In der Chronik von 1959 schilderte Georg Reimer erstmals die Bestattungskultur in Aukrug.

Beerdigungen bis Mitte des 19. Jahrhunderts

War jemand gestorben, so wurden sofort die Nachbarn benachrichtigt. Die Frauen gingen ins Sterbehaus und bekleideten die Leiche mit dem längst vorhandenen Totenhemd. Sie wurde dann auf ein Brett gelegt und mit dem Leichenlaken bedeckt. Wenn der Sarg angefertigt war, wurde die Leiche von den Nachbarfrauen in den Sarg gelegt. Bei beiden Handlungen gab es Branntwein. Am Begräbnistage bekamen die Nachbarsleute und anwesende Verwandten eine Rindfleischsuppe wie bei Hochzeiten. Dann wurde die Leiche bei offenem Sarg vom Lehrer mit Kindern ausgesungen und nach Nortorf gefahren, natürlich auf einem Bauwagen, der oft schwarz angestrichen war. Hier wurde die Leichenfeier im Wirtshaus oder in der Kirche gehalten. War der Leichenzug vom Kirchturm aus zu sehen, so mußte das Läuten der Glocken beginnen. Nachdem die Beerdigung stattgefunden, wurde dem Gefolge in einer Gastwirtschaft Kaffee, Brot und Kuchen, bei reicheren Leuten auch wohl eine Suppe verabfolgt. Nach erfolgter Rückkehr wurde den Nachbarn und Verwandten wieder Kaffee und Butterbrot ihn Sterbehause geboten. Solches Begräbnis kostete allein an Bewirtung des Gefolges oft über 300 M. Die Wagen mußten im Winter bei Schneegestöber oft über Knicks und Koppeln fahren, eine Fahrt, wobei wohl mancher sich erkältet und seine Todesursache geholt hat.

Beerdigungen ab Ende des 19. Jahrhunderts

War jemand gestorben, wurde die sogenannte Totenfrau geholt. Im südlichen Innien war es Else Breiholz von der Ziegelei. Sie wusch mit der Familie den Leichnam. Der Tischler brachte den ausgesuchten Sarg. Die zwei Tischlereien im Ort hatten Särge auf Lager und waren gleichzeitig für die Vorbereitungen zur Beerdigung zuständig. Im Sonntagsstaat wurden die Verstorbenen in den Sarg gelegt und in der guten Stube des Hauses aufgebahrt. Die engere Familie erschien zum Mittagessen.

Am frühen Nachmittag kam der Lehrer mit einigen Schülerinnen zum Aussingen ins Haus, 1-2 Kirchenlieder wurden gesungen und ein Gebet gesprochen. Die Nachbarn trugen den jetzt geschlossenen Sarg nach draußen. Hier stand Werner Rathke aus Bargfeld schon mit dem Leichenwagen. Der Trauerzug setzte sich in Bewegung, und alle Trauernden folgten dem Sarg zu Fuß bis zur Kirche. Die Trauerfeier und die Beisetzung verliefen wie hier üblich. Der Chor der Mädchen sang von der Empore in der Kirche und am Grabe. In späteren Jahren hat man auf das Singen der Mädchen verzichtet.

Menschen, die sich selbst das Leben nahmen, wurden noch in den 30er Jahren mit einem Bauernwagen zum Friedhof gefahren und ohne kirchlichen Beistand begraben.

Nach 1945 trat plötzlich eine ganz neue Situation ein. Die Häuser waren voll mit Flüchtlingen belegt. Die kleine Sakristei an der Kirche wurde Leichenhalle, da nun ein Aufbahren in den Räumen nicht mehr möglich war.