Jagd in Aukrug

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Plakat „Fest- und Jagdtreffen im Hubertussaal

Der Artikel Jagd in Aukrug behandelt das Jagdwesen (in der deutschen Jägersprache traditionell auch Weidwerk oder seltener Waidwerk genannt) in Aukrug. Dieses ist in der deutschen Rechtsordnung untrennbar mit dem Grundeigentum verbunden. Das Bundesjagdgesetz definiert die Jagd als das „Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wild“, verbindet die Befugnis zur Jagdausübung mit der zur Hege und Aneignung des – vorher herrenlosen – Wildes und verpflichtet den Jäger zur Beachtung der „allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit.“

Aufgaben der Jägerschaft

Hundeführer Ehrhardt Koopmann
Ihr glaubt, der Jäger sei ein Sünder, 
Weil selten er zur Kirche geht, 
Im stillen Wald ein Blick zum Himmel 
Ist besser als ein falsch Gebet.

Leiter des Hegering Aukrugs war 1995 Klaus Blunck. Ihm zur Seite standen verdiente Waidmänner wie Rudi Duschner, der sich jahrelang der Ausbildung von Jagdscheinbewerbern gewidmet hat. Er erzählte gern von der Jagd, unter Mißachtung des Spruches „Plaudern und Schwatzen, das ist die Pest, die den Jäger nie zum Schuß kommen läßt." Ehrhardt Koopmann als Hundeobmann war Fachmann für die Ausbildung und Zucht der Jagdhunde.

Claus-Detlef Ratjen war jahrelang Vorsitzender der Landesjagdverbandskreisgruppe Rendsburg-West und Mitglied des Prüfungsausschusses. Hans-Helmut Rathjen gehörte dem Ausschuß an. Wie die Bezeichnung Hegering schon andeutet, ist Hege und Pflege von Natur und Wild das allererste Anliegen des echten Waidmanns.

So haben die Bargfelder Jäger 1990 den Aukruger Umweltpreis erhalten und ihn stellvertretend für alle Aukruger Jäger in Empfang genommen. Diese haben ohne viel Aufhebens in sämtlichen Gemarkungen Aukrugs mit wenig Zuschüssen Biotope, Knicks und Wildäcker angelegt. Ferner wurde eine große Anzahl Bäume und Feldsträucher gepflanzt. Die Jäger nehmen jedes Frühjahr auch an den Aufräumungsarbeiten in den einzelnen Ortsteilen und in der Feldmark teil. Auch heute noch steckt in jedem guten Jäger ein tüchtiger Schuß Romantik und Idealismus. Wie sonst könnte er so viel Freizeit in der Natur verbringen und immer wieder neue Kraft für die Erhaltung der Natur und ihrer Geschöpfe aufbringen.

Alte Jagdgebräuche

Treibjagd im Aukrug 1924 — vorne links: Wachtmeister Mäder; am Tisch, rechtes Kopfende: Johannes Rathjen (genannt „Hannes Deutschland"), an seiner rechten Seite am Tisch Claus Harms (genannt „Claus Europa")

Wer meint, daß er nach der schriftlichen und mündlichen Jägerprüfung inclusive der Schießprüfung schon ein Jäger sei, irrt sich. Nach althergebrachter Jägersitte muß er nach erfolgreicher Jagd und dem anschließenden „Schüsseltreiben" (in den Schüsseln ist meist Erbsensuppe mit Würstchen) vom Jagdherrn oder Jagdleiter den Jägerschlag erdulden.

Jeder Jäger versucht seine Kugel möglichst auf das „Blatt" anzubringen. Abgezirkelte Blattschüsse kommen nicht häufig vor, denn auch bei der grünen Zunft fallen die Meister nicht vom Himmel.

Hat einer während der Jagd grobe Fehler gemacht, werden diese durch das Jagdgericht kritisiert. Gegen sein Urteil gibt es keinen Einspruch. Am Ende jeder Verhandlung oder Rede im Kreis der Jäger steht der alte Waidmannsspruch:

Das ist des Jägers Ehrenschild,
Daß er treu beschützt und hegt sein Wild, 
Waidmännisch jagt, wie sich's gehört, 
Den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

Treibjagd

Früher war die Treibjagd ein Dorffest. Aber wenn die Jagdstrecke voraussichtlich geringer ist als die Zahl der Schützen und Treiber zusammen, wird auf sie verzichtet. So ist es heutzutage wegen des zurückgegangenen Niederwildbestandes, und zu Weihnachten oder Neujahr fehlt dann eben der übliche Hasenbraten.

Revier und Wild

Zwei Aukruger Hirsche „erlegt" - Einen drei bis vier Jahre alten 2 b Rothirsch (10-Ender) erlegte Rainer Koopmann in der Gemeindejagd Bünzen. Der Zufall wollte es, daß noch ein Damhirsch auf dem Rasen aufgebaut werden konnte. Dieser Damhirsch wurde auf der B 430 von einem LKW erfaßt.

Wild war in älteren Zeiten in unsern Wäldern reichlich vorhanden, aber die Jagd war den Bauern strengstens untersagt. Die Brüchregister der Amtsrechnungen berichten aber oft von unerlaubtem Schießen der Bauern. Die Jagd war ein Recht des Grundherrn, bei uns des Rendsburger Amtmanns und des Klosters Itzehoe. Die Bauern hatten die Verpflichtung, die Schützen von Rendsburg oder Itzehoe abzuholen, die Treiber zu den Klopfjagden zu stellen und Schützen und erlegtes Wild fortzuschaffen. Hatten die klösterlichen Bauern keine Schützen gehabt, so mußten sie 1 Mk Jagdgeld zahlen". Diese Jagden waren für die Bauern wertvoll, solange noch Wölfe auf unseren Feldern vorhanden waren.

Alle Reviere des Aukrugs umfassten Mitte der 1990er Jahre zusammen 5.049 Hektar und wwaren in 17 Bezirke aufgeteilt.

Damwild

Damwild gab es 1990 in Bargfeld, Romfeld, Tönsheide, Waldhütten und Wiedenborstel. Letzteres hat das älteste Wildgatter in Schleswig-Holstein mit 180 Stück Damwild und 18 Stück Muffelwild. In freier Wildbahn gehen sich Rot- und Damwild aus dem Wege. Rotwild ist ruhig und heimlich, Damwild dagegen unruhig und polterig.

Hasen

Um 1800 hatte Böken die beste Hasenjagd im Amte Rendsburg. Durch die Extensivierung und günstige Witterung hatte der Bestand an Hasen 1990 wieder zugenommen, kam aber bei weitem nicht an den vergangener Zeiten heran. Die Verluste gingen auf das Konto von Seuchen, Witterung, zunehmendem Raubwild und Insektenbekämpfungsmitteln. Das Raubwild wie Füchs, Wiesel, Marder und Dachs nahm zu. Wurden z.B. 1983/84 26 Füchse geschossen, so waren es 1991/92 65 Stück. Der Uhu ist wieder im Aukrug, den Roten Milan sieht man öfter, den Kolkraben hört man vermehrt und die Habichte sind auch nicht weniger geworden.

Hirsche

Georg Reimer berichete 1959, dass man seit einigen Jahren Hirsche auf den Feldmarken sichtete. Es waren Streifer, die vom Haaler Gehege nach den Segeberger Forsten wechseln. An Hirschwild wurden 1991/92 nur ein Rothirsch, zwei Schmaltiere und ein Wildkalb geschossen, ferner ein Damhirsch und ein Damschmaltier. 1983/84 z.B. waren 41 Stück Rotwild zum Abschuß freigegeben worden, um die Verbiß-, Schäl- und Fegeschäden in Grenzen zu halten.

Rehwild

Im Jagdjahr 1991/92 betrug der Bestand an Rehwild 384 Stück, davon 213 weibliche Tiere.

Wildschweine

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich wieder Wildschweine im Amte spüren, obgleich man jahrelang keine gesehen hatte. 1809 wurde eins im Haaler Gehege geschossen (26). Noch um 1830 kamen sie vereinzelt vor. Um 1900 wurden im eingehegten Waldhütten Wildschweine gehalten. Gelegentliche Ausbrecher wurden auf den angrenzenden Feldmarken geschossen. Ausgebrochene Wildschweine siedelten sich im Schierenwald am Lockstedter Lager an. Nach 1945 belästigten sie unsere Feldmarken stark. Keine Kartoffelmiete war vor ihnen sicher. Seit 1954 findet man keine Spuren mehr von ihnen.

Das Schwarzwild hat sich in den letzten Jahren vermehrt. Die Jäger müssen aufpassen, daß es nicht zur Plage wird. Andrerseits ist es eine Freude, wenn man eine Bache mit ihren Frischlingen beobachten kann. 1991/92 wurden 40 Schwarzkittel erlegt, 17 allein auf der Böker Feldmark; 1983/84 waren es insgesamt nur sieben Stück.

Wölfe

Durch die Jagdverordnung von 1736 wurden Prämien für erlegte Wölfe und Raubvögel ausgesetzt. Noch 1806 ließen sich in den Ämtern Neumünster und Rendsburg vereinzelt Wölfe sehen. Der letzte Wolf in Holstein soll 1820 vor den Toren Hamburgs geschossen sein.

Probleme der Jägerschaft

Da wäre zunächst einmal der Kraftfahrzeugverkehr zu nennen. Das Auto jagt kräftig mit. Pro Jahr werden allein in Aukrug um die 60 Stück Rehwild überfahren, dazu kommt eine erhebliche Anzahl anderer Tiere, Niederwild, Igel, Haustiere und Vögel — all die plattgefahrenen Kröten und Frösche nicht zu vergessen. Hunde- und Katzenhalter sollten sich zu Herzen nehmen, daß ihre Lieblinge draußen in der Natur wieder zu Räubern werden. Viele Haustiere werden zur Urlaubszeit ausgesetzt. In den letzten zehn Jahren wurden hier jährlich 60 bis 80 wildernde Katzen erschossen! Die Dunkelziffer der streunenden Katzen ist noch viel höher.

Das mehr oder minder laute Geschrei über Wildschaden gibt es heute kaum noch, denn Jäger und Landwirte, wenn sie denn keine Jäger sind, arbeiten meist zusammen, zumal die einheimischen Jäger hier noch in der Überzahl sind. Wildschaden ist natürlich ein Ärgernis, das wird auch unbedingt von den Jägern anerkannt, er wird geschätzt und bezahlt.

Wildäcker werden angelegt und Elektrozäune installiert (siehe Golfplatz), so daß sich die Schäden in Grenzen halten. Und schließlich sind es ja die Jäger, die für einen artgerechten Wildbestand zu sorgen und ein Überhandnehmen des Wildes zu verhindern haben.

In der Nachkriegszeit hatte man viel mit Wilddieben zu tun. Das für den Jäger und Naturfreund Grausamste und Schändlichste waren die Fallen und Schlingen, in denen sich die Tiere zu Tode quälten. Ungeliebt war natürlich auch die Jagdausübung der Besatzungstruppen. Weniger durch Gesetze und Verordnungen, sondern vielmehr durch intensive Hege und Pflege hat sich der Wildbestand später sehr schnell erholt.

Siehe auch