Schlacht bei Bünzen

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Einer der drei „Dithmarscher Berge"

Waldemar Jury Moritz hat den Stand der aktuellen Forschungen zur Schlacht bei Bünzen anlässlich der 850-Jahr-Feier im Jahr 1978 aufbereitet:

Liest man das Kapitel über die Schlacht bei den Dithmarsischen Bergen bei Georg Reimers Geschichte des Aukrugs, das auch in der 2. Auflage unverändert gedruckt wurde, so entsteht ein lebhaftes Schlachtbild vor Augen. Mit ein wenig Phantasie kann man sich leicht vorstellen, wie die Dithmarscher den Kampf mit den Holsteinern aufnehmen und aufgerieben werden. Zweifel an der Schlacht können schon deswegen kaum auftauchen, weil man doch das Datum zu glauben kennt: 17. Juli 1317.

Allem Anschein nach hat diese Schlacht aber nie stattgefunden. Überprüft man die Quellen, so stellt man fest, dass aus den zeitgenössischen Quellen zweierlei hervorgeht: Sie wissen über eine Schlacht zwischen Holsteinern und Dithmarschern bei den Dithmarsischen Bergen östlich Bünzen nichts zu berichten; sie betonen vielmehr, dass die Dithmarscher mit ihrer Beute erfolgreich nach Hause gelangten.

Die Nachricht über die Schlacht müssen wir daher kritisch überprüfen. Der Presbyter Bremensis, der als erster von dieser angeblichen Schlacht berichtet, lebte etwa 100 Jahre später, nämlich ca. um 1450. Es bleibt rätselhaft, woher er die Information über eine Schlacht bei Bünzen im Jahr 1317 bezog. Vom Presbyter Bremensis wissen wir aber, dass er eine starke Abneigung gegen die Dithmarscher hatte und dass er es bei anderen Gelegenheiten nicht so genau mit dem historischen Detail nahm. Die Ausführungen in seiner Chronik müssen daher mit Vorsicht betrachtet werden. Er kann die Schlacht schlicht erfunden haben.

Zweifel an dem Bericht des Presbyter Bremensis über die Bünzer Schlacht tauchen auch deswegen auf, weil er auf das beliebte Motiv des sich bewegenden Waldes zurückgreift, der in Wirklichkeit aus getarnten Soldaten bestand. Dieses Motiv finden wir u.a. später in Shakespeare's Macbeth . In der ersten Szene des 4. Aktes wird Macbeth prophezeit, er werde nie besiegt, bis der große Wald bei Birnam zum Schloß Dunsinane emporsteige. Als sich Macbeth später auf Schloss Dunsinane befindet, meldet ihm ein Soldat, der Wald bei Birnam fange an zu gehen. Macbeth, der dem Soldaten anfangs die Meldung nicht glaubt, muss sich davon überzeugen, dass es stimmt: Die gegnerischen Truppen hatten sich im Wald bei Birnam versteckt und rücken nun, mit Sträuchern getarnt, gegen das Schloss vor.

Wir müssen daher hinsichtlich der Schlacht bei Bünzen im Jahr 1317 davon ausgehen, dass es keinen zeitgenössischen Beleg für diese Schlacht gibt und dass der ca. 200 Jahre später auftauchende Hinweis nicht glaubwürdig genug ist. Die Schlacht bei Bünzen: historische Wahrheit, Legende oder Erfindung? Wir wissen es nicht.

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