Segelflug Aukrug

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Segelflugplatz Aukrug

Vor der Gründung des Vereins Segelflug Aukrug wurde zunächst wurde versucht, den Segelflugverein dem TSV Aukrug anzugliedern. Dieser Plan musste nach dem Einspruch des Landesverbandes der Aerosportler aufgegeben werden. So fanden sich dann 11 Segelflugbegeisterte am 27. Mai 1973 in der Gaststätte Rübezahl in Aukrug-Böken zusammen und gründeten einen eigenständigen Segelflugclub. Dieser schuf das Segelfluggelände Aukrug auf dem der Flugbetrieb stattfindet.

Geschichte

Segelflieger aus dem Raum Hamburg (Kaltenkirchen, Norderstedt, Hamburg), die bisher auf Flugplätzen in Uetersen und Itzehoe geübt hatten, wollten aus privaten Gründen von dort weg und fanden 1973 durch Zufall Verbindung mit Hermann Carstens in Bünzen. Der übernahm es, dieser Segelfliegergruppe ein Gelände für die Herrichtung eines Flugplatzes pachtweise zur Verfügung zu stellen. Aus seinem eigenen Landbesitz und dem von Claus-Johann Harms, Ausbau Bünzen, wurde ein Areal von ca. 1000 m Länge und 100 m Breite eingeebnet, angesamt und zu einem Flugplatz für Segelflug mit Windenschlepp und einem Motorsegler hergerichtet. Der Platz liegt zwischen dem Ostrand von Bargfeld und der B 430, hat eine 30x15 m große Halle, die als Werkstatt und zur Unterstellung der Segelflugzeuge dient, verfügt über eine Spezialwinde mit Seiltrommel zum Start, einem Windmesser und Windrichtungsanzeiger. Die genaue Wetterlage für ausgedehnte Überlandflüge wird von dem Wetteramt in Hamburg eingeholt.

Der Verein verfügt über ca. 35 Mitglieder, 5 direkt aus Aukrug, die anderen aus der weiteren Umgebung (Kellinghusen, Neumünster, Bordesholm, Kiel und Raum Hamburg). 1. Vorsitzender ist Alfred Havenstein, Hamburg, 2. Vorsitzender Ernst Wilkerling, Hauptlehrer a. D., Aukrug, ein Senior des Segelflugs, der mit seiner Ausbildung noch in die Entstehung des motorlosen Fluges in den ersten Jahren nach dem 1. Weltkrieg auf der Rhön zurückreicht. (Der Segelflugsport ist in Deutschland entstanden, da im Versailler Vertrag von 1919 den Deutschen der Motorflug verboten war.)

Zehn Mitglieder sind Inhaber des Luftfahrscheins, d. h. voll ausgebildet. 14 bis 15 Mitglieder sind in der Ausbildung. Ihnen stehen vier Fluglehrer mit besonderer Ausbildungslizenz zur Verfügung. Um den „Luftfahrer-schein" zu erlangen, muß eine Prüfung abgelegt werden, für die 30 Flugstunden und ein 50-km-Überlandflug sowie Kenntnisse in Aerodynamik, Flugkunde, Meteorologie, Navigation und Luftrecht nachzuweisen sind.

Dem Verein gehören zwei Doppelsitzer für Schulungs- und Gastflüge und zwei Einsitzer. Fünf Leistungsflugzeuge befinden sich im Privatbesitz. Im Sommer, d. h. von März bis Oktober, ist vornehmlich Flugbetrieb und im Winter, d. h. von Oktober bis März, Instandsetzungsarbeit an den Maschinen im Werkstattraum der Halle. Geflogen werden darf nur am Wochenende, wenn der militärische Flugbetrieb ruht, denn der Flugplatz liegt in einer Übungsschneise der Luftwaffe. Nur einmal im Jahr gibt es eine amtliche Sondergenehmigung von 3 Wochen für Lehrgänge.

Der Segelflugsport ist eine sehr schöne Freizeitbeschäftigung, war aber bereits 1978 nicht ganz billig. Der monatliche Beitrag betrug monatlich 30 DM und 4 DM für jeden Flug. Da damit allein die Kosten für Platzpacht und Platzunterhaltung nicht aufgebracht werden konnten wurden kostenpflichtige Gastflüge angeboten. Jeder Gastflug kostete 10 DM; rund 80 Gastflüge wurden jeden Sommer durchgeführt.

Flugbetrieb

Aukrug aus dem Segelflugzeug betrachtet

Der Verein besitzt drei doppelsitzige und vier einsitzige Segelflugzeuge. Von einzelnen Mitgliedern kommen etwa noch zehn private Segelflugzeuge hinzu. Mit zwölf Fluglehrerinnen und Fluglehrern ist an allen Flugtagen für die Ausbildung des Nachwuchses für den Segelflug gesorgt.

Gestartet wird mit einer modernen Winde, deren 320 PS starker Dieselmotor die Flugzeuge über eine elektronisch gesteuerte Hydraulik in die Luft zieht.

Die Flugsaison beginnt in der Regel Anfang April und endet Ende Oktober. Der Flugbetrieb findet am Samstag, Sonntag und an Feiertagen statt. Seitdem der Luftraum über Aukrug nicht mehr durch die Bundeswehr eingeschränkt wird ist der Flugplatz auch unter der Woche geöffnet.

Im Verein kann jeder seine individuellen Schwerpunkte für das Segelfliegen setzen. Ohne Gewichtung stehen nebeneinander:

  • Flüge in Platznähe, um die herrliche Landschaft des Naturparks Aukrug zu betrachten.
  • "Spazierflüge" von einigen Stunden über Schleswig-Holstein.
  • Streckenflüge in Schleswig-Holstein, nach Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen etc. (der Vereinsrekord liegt bei 760 Kilometern).

Chroniktext 1995

Aber bis es soweit ist, daß ein junger Segelflieger oder eine Segelfliegerin — und davon gibt es inzwischen schon eine ganze Menge — „über Land gehen" kann und darf, bedarf es einiger Mühen. Die Ausbildung zum „Piloten” findet im überwiegenden Maße in den Vereinen statt, so z.B. bei uns im „Segelflug Aukrug e.V.", als Mitglied im „Deutschen Aero-Club".

Sechs ehrenamtliche Lehrer, inzwischen auch eine Segelflug-Lehrerin, bringen unseren Schülern im Laufe von zwei bis drei Flug-Saisons Theorie und Praxis des Segelfliegens bei. Nicht verschwiegen werden soll aber, daß nur eifriges „Dabeisein" und regelmäßiges Training Voraussetzung zum Erfolg ist, d.h. Abschluß mit A-, B-, und C-Schein und als Krönung die PPL-Lizens (private pilot license).

Jugendarbeit wird im „Segelflug Aukrug" ganz groß geschrieben. Neben dem Hangar, in welchem 10-15 Segelflugzeuge untergebracht werden können, befindet sich eine Reparatur-Werkstatt (natürlich mit einem zugelassenen Werkstattleiter) und ein Aufenthalts- und Schulungsraum für die Vereinsmitglieder. Inzwischen ist der Verein auf ca. 50 aktive und passive Mitglieder angewachsen, eine Zahl, die für die finanzielle Basis des Vereins erforderlich ist.

Wenn im „Segelflug Aukrug" auch noch „Oldtimer" zu finden sind, ja sogar noch mit Enthusiasmus geflogen werden (Grunau Baby II und Kranich III), so geht die Entwicklung eindeutig zum Kunststoff-Flugzeug hin. Diese Segelflugzeuge sind nicht nur „wartungsärmer", d.h. sie benötigen nicht so viel „Winterarbeit", sondern sind wesentlich leistungsstärker.

Was bedeutet heute „leistungsstark" im Segelflug? Zum einen unterliegen auch Segelflugzeuge voll den Bestimmungen des „Internationalen Luftverkehrs" — sie sind alle mit Funkgeräten ausgerüstet! —, müssen sich also bei Streckenflügen — und dies bedeutet „Leistung" —, sogenannten „Überlandflügen", den „Sichtflugregeln" unterwerfen. Streckenflüge — ohne Motor! — von mehreren hundert, ja über eintausend Kilometer — wohlbemerkt ohne Zwischenlandung an einem einzigen Tag — sind heute keine Seltenheit mehr.

Jedoch ist unsere Heimat „zwischen den Meeren" durch Seewindeinflüsse nicht ganz so ideal, so daß wir froh sind, wenn wir unsere Ziele von 50 bis 300 km pro Tag schaffen. Sollte im Tagesverlauf einmal die Thermik aussetzen, so ist jederzeit — und ohne Dramatik — eine (zugelassene) „Außenlandung" z.B. auf einem Acker möglich. Das Segelflugzeug wird dann von der Bodenmannschaft mit einem Hänger abgeholt, demontiert und in Aukrug wieder aufgerüstet.

Darüberhinaus gibt es zusätzliche Motivationen, wie die „DMST" (Deutsche Meisterschaft im Strecken-Segelflugzeug), bei der 1991 unsere Mitglieder Stefan Müller, Dag Pauschardt und Björn Pauschardt in der Landeswertung den 1. Platz belegen konnten! Beim ,Junioren-Vergleichsfliegen" in Lübeck hat unsere jüngste Pilotin Dyana Schildt den 1. Platz geschafft! Zu Pfingsten findet regelmäßig das „Baby-Treffen" Deutschlands statt, zuletzt 1991 in Aukrug! Hier kommen viele „Grunau-Babies" und andere Oldtimer zum freundschaftlichen Vergleichsfliegen, — sogar aus dem Ausland. Innerhalb des „Aukruger Ferienprogramms" hat das Segelfliegen mit Kindern bereits einen festen Platz!

Selbstverständlich sind wir alle glücklich, in landschaftlich so schöner Lage, — im „Naturpark Aukrug" —, auf den Wiesen von Hermann Carstens und Claus-Johann Harms unserem umweltfreundlichen Sport nachgehen zu können.

Dennoch pflegen wir nach Möglichkeit auch einmal andere Gefilde und andere Menschen kennenzulernen; wir halten ein „Fliegerlager" ab. Menschliche Begegnungen, besonders unter den Jugendlichen, sind wertvoll und bringen unter Fliegern keine Probleme. Dann geht die Fahrt, oft mit der gesamten Familie, und natürlich mit den Segelflugzeug-Anhängern am Auto, gen Süden, z.B. nach Frankreich oder im Jahr 1991/92 an die Schwäbische Alb nach Ellwangen. Hier kann sich dann in südlicher Thermik so richtig ausgeflogen werden — und wenn das Wetter einmal schlechter ist, gehts zu Erkundungen von Burgen, alten Städtchen und Museen.

Wenn den Segelfliegern auch manchmal der Ruf einer „elitären" Sportart vorausgeht, so sollte hier einmal sehr deutlich ausgesprochen werden, daß dem nicht so ist! Unsere Beiträge und Aufnahmegebühren liegen meist deutlich unter denen ver gleichbarer Freizeit-Sportarten. Der Schlepp an unserer Winde auf 300 bis teilweise 500 Meter Höhe kostet den Piloten ganze vier DM!

Natürlich „kostet" Segelfliegen etwas an anderer Stelle, — nämlich die Bereitschaft, in der Gemeinschaft mit den übrigen Segelfliegern Freizeit und Einsatzbereitschaft zu teilen. Segelfliegen ist ein Gruppensport, denn allein kommt keiner in die Luft! Dies ist aber auch das Schöne an diesem Sport. Alle anfallenden Arbeiten werden nach Möglichkeit von uns selbst erledigt. Das Fluggerät muß regelmäßig gewartet werden — es wird jährlich vom Luftfahrt-Bundesamt überprüft. Dazu gehören neben den Flugzeugen selbst deren Instrumente, Fallschirme, die Schlepp-Winde mit dem Seil, der Startwagen mit Ausrüstung, die Telefon- und Funkgeräte und manches mehr.

Im Winter wird zwar nicht geflogen, aber jedes Mitglied ist zu Winterarbeit verpflichtet. Dann werden alle Flugzeuge und das Zubehör wieder auf Vordermann gebracht — dies unter Aufsicht erfahrener Flieger —, die Halle, die Werkstatt und der Schulungsraum überholt und die Schulung durch unsere Segelfluglehrer für die Schüler durchgeführt. Welche Themen, glauben Sie, gehören wohl dazu? Es sind Fluglehre, Segelflugzeugkunde, Verhalten in besonderen Fällen, Instrumentenkunde, Meteorologie, Navigation, Luftrecht und schließlich Sprechfunkausbildung. Wen dies alles noch mehr interessiert, der ist immer gerngesehener Gast bei uns. Er kann an schönen Wochenenden auch einmal gegen eine kleine Spende mitfliegen oder sich vom Flugleiter, Segelfluglehrer oder Windenfahrer (auch das gehört zur Ausbildung) informieren lassen.

Text in 888 Jahre Aukrug

(von Elke Fuglsang-Petersen - Pressereferentin)

Zwar kann der Segelflug Aukrug e. V. auf eine nur vergleichsweise kurze Zeit des Bestehens zurückblicken. Nichtsdestotrotz gehört er aber seit seiner Gründung im Jahr 1973 zum beständigen Inventar der Gemeinde. Auf einer Fläche von ca. 10 Hektar, die dem Verein mittlerweile selbst gehört tummeln sich in den Monaten von April bis Oktober Segelflugpiloten, Flugschüler, Zuschauer und manch mutiger Besucher, um von der langen grünen Wiese in die Luft zu gehen. Der Verein hat zur Zeit etwas mehr als 50 Mitglieder, von denen viele in Aukrug und Umgebung leben.

Mit sieben Segelflugzeugen, von denen drei doppelsitzig sind, geht es bei gutem Wetter an Wochenenden und Feiertagen in die Höhe. Von oben gesehen ist der Naturpark Aukrug mindestens genauso schön wie am Boden, was einen leidenschaftlichen Segelflieger aber nicht davon abhält, auch weiter in die Ferne zu schweifen. Die Behauptung, Segelfliegerei sei ein Sport, mag auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen unglaublich klingen? Die lautlosen Piloten werfen ja nicht mit Bällen oder laufen um die Wette um den Flugplatz. Auch kommen sie nicht so leicht ins Schwitzen wie beispielsweise ein Leistungsschwimmer. Segelflieger stellen sich aber durchaus sportlichen Wettkämpfen, auf Landes- und Bundesebene sowie innerhalb des eigenen Vereins. Sogar auf internationaler Ebene gibt es diverse Möglichkeiten seine fliegerischen Leistungen sportlich zu vergleichen. Ohne Motor und nur mit den Kräften der Natur haushaltend geht es darum hoch, weit und schnell zu fliegen. Die sportlichen Leistungen des Segelflug Aukrug e. V. lassen sich in geflogenen Kilometern messen. Rund 20.000 Kilometer kommen jährlich zusammen. In guten Jahren können es auch deutlich mehr sein. Es werden Durchschnittsgeschwindigkeiten berechnet, und an jedem Sommerwochenende werden die Ergebnisse in einer Ligawertung mit denen anderer Vereine verglichen. Sogar Flugschüler, die noch keine Lizenz haben, können sich beispielsweise im Präzisionsfliegen und Ziellanden messen. Einige reisen zu Wettbewerben, aber auch über heimischem Terrain werden Erfolge erzielt. Landesweit steht der Segelflug Aukrug e.V. immer mit auf den oberen Plätzen der Ranglisten und ist damit in Luftfahrtkreisen gut bekannt und angesehen.

Natürlich kommt neben der Fliegerei auch die Geselligkeit nicht zu kurz, denn Segelfliegen ist ein Gemeinschaftssport. Um ein Flugzeug in die Luft zu bringen bedarf es einer Reihe von Helfern, nicht zuletzt dem Windenfahrer, der auf der einsameren Seite des Flugplatzes geduldig unsere international bekannte Winde IRMA (irrsinnige Maschine) bedient. Er oder sie ist dort allein verantwortlich für die weltweit einzigartige dieselhydraulische Maschine und die 1000 Meter Stahlseil, mit denen die Flugzeuge in die Luft gezogen werden.

Wenn nach einem langen Flugtag am Abend der Grill angeheizt wird und Heldengeschichten am Lagerfeuer erzählt werden, sind nicht nur die Piloten sondern alle am Flugbetrieb Beteiligten stolz auf ihre ehrenamtliche Tagesleistung. Und was passiert in den langen Wintermonaten? Wenn im November die Flugzeuge nicht mehr am grauen Himmel unterwegs sind, wird es Zeit sie in der vereinseigenen Werkstatt für die nächste Saison flott zu machen. Flugschülern werden nun in den theoretischen Grundlagen des lautlosen Gleitens unterrichtet, und wenn Pilotinnen und Piloten mit ihren Familien beim alljährlichen Grünkohlessen die Saison ausklingen lassen, Ehrungen ausgesprochen werden und so das Jahr noch einmal Revue passiert, freuen sich alle miteinander schon auf den nächsten Frühling, wenn es wieder heißt: „Seil straff, fertig und frei!“ Denn wie jeder weiß, ist unter den Wolken der Himmel grenzenlos!

Der Aukruger Segelflugverein freut sich auf den 888-jährigen Geburtstag der Gemeinde. An Himmelfahrt sind wir Gastgeber für die Kirchen in und um Aukrug und Anfang Juli beteiligen wir uns an den Festlichkeiten im Ortskern. Wer mehr wissen möchte ist herzlich eingeladen, einmal auf dem Segelfluggelände vorbeizuschauen und vielleicht sogar ein wenig Höhenluft zu schnuppern?

Siehe auch