Amt Rendsburg

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Das große Amt Rendsburg, das bei der Landesteilung von 1544 zum königlichen Anteil kam, bestand aus den sechs Kirchspielvogteien Raumort, Jevenstedt, Nortorf, Hohenwestedt, Schenefeld und Kellinghusen. Sitz des Amtmanns war bis ins 17. Jahrhundert das Schloss in Rendsburg.[1]

Historische Beschreibung

Dieses in seiner Mitte ziemlich waldreiche Amt liegt im nördlichen Theile Holsteins auf dem Rücken des Landes und ist das größte im Herzogthume. Es erstreckt sich von dem Dorfe Rade südlich der Eider in einer Ausdehnung von fast 6 Meilen südlich bis an den Flecken Kellinghusen, und von etwa 5 1/2 Meilen von Westen nach Osten von Holstenniendorf an der Dithmarscher Gränze bis nach Krogaspe an der Neumünsterschen Amtsscheide. Obwohl das Amt nicht ganz arrondirt ist, bildet es doch in seinem Haupttheile einen zusammenhängenden District und dieser gränzt im Norden an die Eider, das Rendsburger Stadtgebiet und an das Gut Schirnau; im Osten an die Güter Steinwehr, Cluvensiek, Osterrade, Emkendorf und an das Amt Bordesholm; im Süden an das Amt Neumünster, die Güter Sarlhusen, Breitenburg, Drage, Mehlbek und Krummendiek, an Gebietstheile des Klosters Itzehoe, an die Wilstermarsch, die Vogtei Sachsenbande (Amt Bordesholm) und an einige zur Stadt Wilster und zum Gute Hanerau gehörige Grundstücke; im Westen an Süderdithmarschen und das Gut Hanerau. Theile der sehr zersplitterten Kirchspielvogtei Kellinghusen sind umschlossen von den Aemtern Segeberg, Neumünster, den Gütern Drage, Sarlhusen und Breitenburg und dem Kloster Itzehoe. Theile von Amtsdörfern gehören der Stadt Rendsburg oder zu den Gütern Emkendorf, Cronsburg, Breitenburg und Drage, und Theile derselben Güter sowie zum Kloster Itzehoe gehörige Pertinenzien sind dagegen mannichfach vom Amte eingeschlossen.

Das Amt Rendsburg hat sich aus den zu der alten Vogtei Rendsburg gehörigen Kirchspielen gebildet, welche durch die Schauenburger Landestheilungen zu einem Ganzen verbunden wurden, insbesondere durch die Theilung unter den Söhnen Gerhards I. in der Theilung von 1544 unter dem Oldenburgischen Hause fiel es dem Herzoge Johann dem Aelteren zu, kam nach dessen Tode aber wieder an den König Friedrich III. und ist seitdem immer Königlich geblieben. Durch die Theilungen unter dem Oldenburgischen Hause sowie später bei Auflösung des Schleswiger Domcapitels kamen einige nördlich der Eider gelegene Dörfer zu dem Amte, welche aber durch das Patent vom 16. März 1853 wieder dem Amte Hütten einverleibt wurden. In den Jahren 1704 bis 1717 ist auch das ehemalige Gut Haale wieder mit dem Amte verbunden und bei Anlegung des Eider-Canals sind die zu diesem Zwecke erworbenen Grundstücke südlich des Canals bis zum Flemhuder-See unter das Amt gelegt.

Das Amt zerfällt in folgende sechs Kirchspielsvogteien, die aber den wirklichen Kirchspielen keineswegs immer entsprechen. Der Amtmann wohnt in Rendsburg und hat die gewöhnlichen dem Oberbeamten obliegenden Geschäfte. Auch wohnt daselbst der Actuar sowie der Amtsverwalter, welcher Hebungsbeamter ist. Für die 6 Kirchspielvogteien sind 5 Kirchspielvögte angestellt. Die Kirchspielvogteien Raumort und Jevenstedt haben einen gemeinschaftlichen Kirchspielvogt. Die Kirchspielvögte sind Ortspolizeiofficianten, haben die Hebungen zur Ablieferung an den Amtsverwalter und führen die Lageregister. Für das ganze Amt sind ein Hausvogt und ein Branddirector angestellt. Die Commünen werden durch 9 Kirchspielsgevollmächtigte und mehrere Bauervögte vertreten. Die Kirchspielvogteien Raumort, Nortorf und Schenefeld haben jede zwei, die übrigen aber nur einen Kirchspielsgevollmächtigten. Haale bildet eine besondere Commüne, an deren Spitze der Bauervogt steht, der aber an der Vertretung des Amtes mit den übrigen Kirchspielsgevollmächtigten keinen Antheil nimmt. Das hiesige Dinggericht bestand vormals aus 32 Mitgliedern, ist aber seit langer Zeit um die Hälfte vermindert. Zu den Dingvögten werden keine Hufner sondern Käthner genommen. Das Amt hatte bisher ein Areal von circa 155.000 Tonnen oder circa 15 1/2 Quadratmeilen (51.715 Steuertonnen); jetzt nach Abtretung der nördlich der Eider gelegenen Dörfer ist es circa 14 1/2 Quadratmeilen groß. Der Steuerwerth beträgt 11.426.961 Thaler 45 Reichsbankschilling Reichsmünze. Im Amte sind 12 geschlossene Königliche Gehege, welche ein Areal von 3.224 Tonnen 186 Ruthen (à 300 Quadratruthen), haben. Es steht zur ordinairen Pflugzahl für 473 15/16, zur extraordinairen Pflugzahl für 512 199/400 Pflüge. Die Einwohnerzahl betrug 1845: 22.129, allein einschließlich der damals noch zum Amte gehörigen nördlich von der Eider gelegenen Dörfer, deren Volkszahl mit circa 2.000 Einwohner nunmehr abgerechnet werden muß. Von jenen 22.129 Einwohnern ernährten sich 8.615 von der Landwirthschaft und 1.957 waren Grundbesitzer. Der Boden des Amtes ist ein kräftiger Mittelboden, doch hin und wieder auch sehr leicht und reich an Waldungen und Mooren. Die in der Mitte des Amtes belegenen holzreichen Dörfer, wie Bargstedt, Holtorf, Luhnstedt, Niendorf und so weiter werden die Walddörfer, im Gegensatz zu den in den nördlichen Kirchspielen gelegenen sogenannten Raumdörfern genannt. Brandversicherungssumme 1853: 5.912.450 Thaler Reichsmünze.

a) Die Kirchspielvogtei Raumort.

Diese Vogtei liegt südlich von der Eider, rund um Rendsburg. Ihr Areal mit den Rendsburger und Jevenstedter Parcelenländereien (562 Steuertonnen) betrug sonst 13.065 Steuertonnen; die ordinaire Pflugzahl 78 2/3 Pflüge, die extraordinaire Pflugzahl 124 9/10 Pflüge. Die einzelnen Dorfschaften sind nicht speciell zur Pflugzahl angesetzt. Allein durch das Patent vom 16. März 1853 ist dieser Bestand der Vogtei etwa auf die Hälfte reducirt, da die nördlich der Eider gelegenen Pertinenzien derselben dem Amte Hütten beigelegt sind. Nur über die nördlich der Eider gelegenen Ländereien des ehemaligen Rendsburger Vorwerks ist in dem Patent nichts entschieden; jedoch sind dieselben später als den Behörden des Amtes Hütten untergeben betrachtet. Da dieselben jedoch in der Topographie von Schleswig noch keinen Platz haben finden können, so sind sie im speciellen Theil der vorliegenden Topographie mit aufgenommen. Die Einwohnerzahl der Kirchspielvogtei wird nach Abzug der schleswigschen Dörfer circa 3.691 betragen. Die Vogtei hat mit der Kirchspielvogtei Jevenstedt einen gemeinsamen Kirchspielvogt, der in Rendsburg wohnt. Das Kirchdorf Jevenstedt selbst gehört zur Vogtei Raumort.

b) Die Kirchspielvogtei Jevenstedt.

Sie liegt südlich von der Kirchspielvogtei Raumort, und hat nur eine geringe Ausdehnung; ihr Areal beträgt 4.043 Steuertonnen; die ordinaire Pflugzahl 19 2/3 Pflüge, extraordinaire Pflugzahl 30 7/10 Pflüge. Die einzelnen Dorfschaften sind nicht zur speciellen Pflugzahl angesetzt. Der Kirchspielvogt ist der der Vogtei Raumort. Volkszahl: 1.700.

c) Die Kirchspielvogtei Nortorf.

Sie bildet den östlichen Theil des Amtes und umfaßt einen weiten, südlich noch wenig angebauten District; sie ist mit verschiedenen Besitzungen des Klosters Itzehoe und des Guts Emkendorf vermischt; außerdem gehören zu ihr die ringsum von der Kirchspielvogtei Hohenwestedt und Kellinghusen eingeschlossenen Halbhufen Bucken. Der Kirchspielvogt wohnt in Nortorf. Areal: 13.719 Steuertonnen. Ordinaire Pflugzahl 116 Pflüge, extraordinaire Pflugzahl 122 97/200 Pflüge. Die einzelnen Dorfschaften sind nicht speciell zur Pflugzahl angesetzt. Volkszahl: 3.905.

d) Die Kirchspielvogtei Hohenwestedt.

Diese Vogtei liegt etwa in der Mitte des Amtes und ist von Hügeln und zahlreichen Hölzungen durchschnitten. In derselben liegen zerstreut Pertinenzien des Gutes Drage und des Klosters Itzehoe. Der Kirchspielvogt wohnt in Hohenwestedt. Areal: 6.221 Steuertonnen. Ordinaire Pflugzahl: 69 Pflüge, extraordinaire Pflugzahl: 74 185/200 Pflüge, bei den einzelnen Ortschaften ist die letztgenannte Pflugzahl angeführt. Volkszahl: 3.686.

e) Die Kirchspielvogtei Schenefeld.

Diese Vogtei macht den westlichen Theil des Amtes Rendsburg aus und zieht sich an einigen Stellen mehrere Meilen, an andern kaum eine halbe Meile breit bis an die Gränze Dithmarschens und von der Eider bis an die Wilstermarsch. Der Boden ist sandig und an vielen Stellen nur leicht. Die Vogtei ist mit manchen Pertinenzien, besonders des Gutes Drage untermischt. Areal: 10.559 Steuertonnen. Ordinaire Pflugzahl: 93 1/3 Pflüge, extraordinaire Pflugzahl: 95 169/300 Pflüge. Letztere ist bei den einzelnen Dorfschaften mit Wegfall der großen Brüche angeführt. Volkszahl: 4.606.

f) Die Kirchspielvogtei Kellinghusen.

Diese Vogtei bildet den südlichsten Theil des Amtes Rendsburg und liegt zum Theil getrennt von dem Amte; sie besteht aus verschiedenen sehr ungleichartigen Theilen. Die Stör fließt durch die Hauptstrecken derselben. Die Vogtei enthält guten Boden und nicht unbedeutende Waldungen; zu ihr gehört der größte Theil des Fleckens Kellinghusen, in dem der Kirchspielvogt wohnt. Areal: 4.108 Steuertonnen. Ordinaire Pflugzahl: 31 2/3 Pflüge, extraordinaire Pflugzahl: 49 36/100 Pflüge; diese letzte Pflugzahl ist bei den einzelnen Ortschaften bemerkt. Volkszahl: 2.541.[2]

Einzelnachweise

  1. Herzogtum Holstein bis 1867, Abt. 104: Amt Rendsburg
  2. Das Amt Rendsburg in der Topographie der Herzogthümer Holstein und Lauenburg, des Fürstenthums Lübeck und des Gebiets der freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck (1856), Seite 74