Archiv:Die letzten 100 Jahre in der Entwicklung der Landwirtschaft

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Die letzten 100 Jahre in der Entwicklung der Landwirtschaft

Die letztverflossenen 100 Jahre haben in der Landwirtschaft einen ungeheuren Fortschritt gebracht. Die allgemeinen Züge der Entwicklung dürften bekannt sein, aber es ist doch reizvoll, einmal die Frage zu untersuchen, wie sich dieser Fortschritt in unseren Dörfern widerspiegelt.

Die heutige junge Generation wird sich kaum ein Bild davon machen können, mit wie einfachen Mitteln der Betrieb eines Bauernhofes um 1850 aufrecht zu erhalten war. Alle Arbeiten, mit Ausnahme von Pflügen, Eggen und Einfahren, mußten in Handarbeit geleistet werden: Säen, Mähen, Harken, Dreschen, Buschhacken, Flachsbearbeitung, Spinnen, Melken, Buttern usw. Und dazu die einfachen, schweren Geräte: hölzernes Pfluggestell mit hölzernem Streichbrett und eiserner Schar, hölzerne Eggen mit Eisen- oder gar noch Holzzinken, schwerfällige hölzerne Eimer, hölzerne Rahmbütten (-Setten), handgeschmiedete Forken usw.

Seit etwa 1860 kamen allmählich einzelne Maschinen in der Landwirtschaft auf.

1. Das Hunderad.

Das Hunderad (2) zum Treiben des Butterkarrn. An der Außenseite der Küchenwand befand sich ein hölzernes Rad, das vom Erdboden bis an das Dach reichte. Es war etwa 50 cm breit, hatte an der Innen- und Außenseite etwa 1 m hohe Bretterverkleidung. Auf dem Innenrand waren Leisten angebracht. Eine verriegelte Tür führte hinein. Durch diese wurde der große Hofhund gelassen. Durch seine Bewegung setzte er das Rad in Bewegung. Die Achse des Rades führte durch die Küchenwand. In der Küche lag ein großer Felsen mit einer eingehauenen Rille, in die das Butterfaß paßte. Durch hölzerne Kammräder wurde die Drehung auf den „Plümper" übertragen, damit das Buttern erfolgen konnte. Noch um 1890 befand sich das Butterrad bei Glindemann in Böken, obgleich es seit der Gründung der Meierei 1886 außer Dienst gestellt war.

2. Der Göpel.

Der Göpel, der um 1870 hier eingeführt wurde, benutzte die Pferdekraft als Antrieb. Mit ihr kam die Dreschmaschine. Gleichzeitig löste die Staubmühle (der Weiher) das mühsame Reinigen des Korns durch Siebe oder Werfen mit der Handschaufel ab. Die alte, mit der Hand betriebene Häcksellade wurde durch die vom Göpel getriebene Häckselmaschine ersetzt. Noch um 1920 sah man auf entlegenen Höfen den Göpel, obgleich er nur noch selten in Gebrauch kam.

3. Die Pferdeharke.

Die Pferdeharke kam um 1870 in unsere Dörfer. Angeblich hatten Soldaten sie in Frankreich kennengelernt. Schmied Stammer in Bargfeld baute die ersten Pferdeharken im Aukrug mit hölzernem Rahmen und selbst geschmiedeten eisernen Zinken. Nun wurden Hungerharke und Heuharke nur selten gebraucht.

4. Die Dampfdreschmaschine.

Die Dampfdreschmaschine wurde 1886 zuerst im Landwirtschaftlichen Verein empfohlen. 1888 schaffte eine Genossenschaft eine an. Etwas später kam der Buschhacker dazu. Nun konnte man in Stunden das Dreschen, Hacken und Sägen erledigen, wozu man sonst Wochen gebraucht hatte. Nach Errichtung des E-Werks in Innien wurde die Dampfmaschine allmählich durch den Elektromotor ersetzt.

5. Der Kartoffelroder.

1874 berichtete Harms in Bünzen, daß er zum Kartoffelaufnehmen einen Pflug benutzt habe. Ob dieser eigens dazu hergestellt war, besagt das Protokoll nicht. 1913 probierte Claus Glindemann in Böken zwei Kartoffelroder, einen mit Stangensieb und einen mit Klauen. Sie befriedigten nicht. Die Pferdekraft reichte nicht aus. Nach 1920 kam der Roder mit Klauen recht in Aufnahme, bis er nach 1945 durch den Vorratsroder abgelöst wurde.

6. Die Sämaschine.

Das Säen wurde bis etwa 1900 durch die Hand erledigt. Der Breitsäer war hier nicht in Gebrauch. 1887 wurde ein Versuch mit der Drillmaschine gemacht, der sehr befriedigte. Es wurde empfohlen, daß der Landwirtschaftliche Verein eine Drillmaschine zum Verleihen beschaffen möchte. Aber erst ab 1900 wurde sie mehr und mehr eingeführt.

7. Die Mähmaschine

Unterm 22. 8. 1863 erhielten O. Schnoor, Kunstdrescher, und M. Stoldt, Wollspinner in Schenefeld, auf zehn Jahre ein Patent für die ganze dänische Monarchie auf die ausschließliche Anfertigung von Mähmaschinen (3) nach der von ihnen angegebenen Konstruktion. 1873 wurde im L. V. Innien behauptet, daß unser Boden für eine Mähmaschine zu locker sei. Doch wurde empfohlen, daß der Landwirtschaftliche Verein eine zur Probe kaufen sollte (nicht geschehen). Erst um 1890 kamen die Grasmäher in Aufnahme, die bald auch zum Kornmähen benutzt wurden, wie auch heute noch gelegentlich auf kleinen Betrieben. Der erste Ableger wurde 1903 in Bargfeld benutzt, der Selbstbinder 1910. Den ersten Mähdrescher probierte man 1953 in Bargfeld.

8. Heuaufzug und Heupuster.

Ersterer wurde 1927, letzterer ab 1935 gebraucht. Sie ersetzen das mühsame Abladen von Heu und Korn mit der Hand.

9. Die Ringelwalze.

Sie wurde von 1873 an von Stammer in Bargfeld gefertigt. Meistens wurde die aus einem dicken Baumstamm hergestellte glatte Walze gebraucht.

10. Der Doppelpflug.

Ein Doppelpflug wurde 1891 vom Landwirtschaftlichen Verein angeschafft. 1880 kaufte der erste Schleswig-Holsteinische Waldverband einen Untergrundpflug. Johannes Hölk auf Bucken hat ihn stark gebraucht. Er wurde von 6-14 Pferden gezogen und brach den Voßborrn bis auf 60 cm.

11. Trecker.

Der erste in der Landwirtschaft gebrauchte Trecker kam 1927. Heute gibt es kaum einen Bauernhof, der nicht den Trecker gebraucht. Dadurch ist der Pferdebestand stark zurückgegangen.

12. Mühlen.

Bis 1862 gab es nur die Wassermühle in Bünzen. 1863 wurde neben ihr eine in Thienbüttel abgebrochene Windmühle erbaut, die 1891 nach Mecklenburg verkauft wurde. 1878 wurde die Windmühle in Innien erbaut.

13. Melkmaschinen.

Bald nach der Währungsreform von 1948 wurden die ersten Melkmaschinen eingeführt.

14. Miststreuer.

Mitte der fünfziger Jahre kamen die Miststreuer in unsere Dörfer.