Archiv:Familie Michaelsen in Böken

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Familie Michaelsen in Böken. Zusammenstellung der Familie Michaelsen in Böken (Abschrift von Jürgen Ruddat). Erstellt von Hermann Michaelsen (Lehrer aus Schönwalde), ca. 1928.

I. Johann Magelsen

Der älteste nachweisliche Vorfahr ist:

I. Johann Magelsen in Burg i. D. Er war verheiratet mit Gret M. geb. Bargfeldt. Beider Geburts- und Todesjahr habe ich nicht auffinden können. Ihr Sohn ist:

II. Hinrich Magelsen

II. Hinrich Magelsen, geb. 1735 in Burg i. D. Er ist nach Böken verzogen und verheiratete sich dort am 3. November 1769 mit Antje Fresen, der Tochter des Johann Frese und der Lenke Fresen, geb. Siebken vom jetzigen Besitz der Ww. Glindemann. Hinrich war wahrscheinlich in den ersten Jahren seiner Ehe Arbeitsmann. Durch Kaufbrief vom 26.4.1784 und Amtskonsenz vom 25.10.1785 kaufte er den halben Besitz des 1/2 Hufners Hartwig Reimers in Böken mit Wohnhaus und Scheune und " was drin niet- und nagelfest " ist, für den Kaufpreis von 1050 M. 1000 M werden gleich bezahlt, 50 M zu Pfingsten I786. Der Antritt erfolgte Pfingsten 1786. 600 M lieh er sich von Heinrich Popp in Nindorf und 100 M Pfingsten 1786 von Jürgen Beckmann in Böken zu 4 % Zinsen, zahlbar in den Pfingstgeldtagen eines jeden Jahres. An Beschlag war vorhanden: 2 Pferde,1 Kuh, 1 Starke, 2 Kälber, 1 Blockwagen, 1 Pflug, 1Egge.

Es waren folgende Ländereien vorhanden:

Altenkamp, Vierth, Bockhorst, Rühmlandsbarg, Weddelstücken, Scharmoor, Kreuzkamp, Vorm Mitbek, Rundensichen, Beim Ollenkamp, Rümwiese, Krambehrsgrund, Mastbrook, Kleiner Mitbek, Rethbrook, zusammen 4 Tonnen 208 Ruthen Wiesen, 16 Tonnen 82 Ruthen Ackerland und 6 Tonnen 89 Ruthen Heide und Moor.

Hinrich Michelsen (der Name Magelsen hat sich nach dem Totenregister der Nortorfer Kirche schon mindestens 1806 in Michelsen verwandelt) starb als Verlehntsmann am 1.6.1820 an Altersschwäche. Seine Frau folgte ihm bald an 10. 2.1821. Er hatte 6 Kinder, von denen ihn 5 überlebten:

  1. Johann, geb.1772, gest.19.1.1836. Er war blödsinnig und verwachsen.
  2. Jochim, (S.unter III a ),
  3. Hinrich, (S.unter lII b),
  4. Anna, geb.1778, verheiratet mit Claus Warnsholz in Poyenberg,
  5. Marike, geb.1780, verheiratet mit Timm Ohrt in Böken,
  6. Magdalena, geb.1785. Sie starb am 17.3.1810 bei der Geburt eines unehelichen Kindes Marie. Das Kind starb 14 Tage später.

III.a. Jochim Michelsen (1774)

III.a. Jochim Michelsen, Hufner in Böken, geb.1774. Er verheiratete sich am 15.11.1803 mit Engel Schnäde aus Gnutz, der Tochter des Kätners Ehler Schnäde und seiner Ehefrau Gretje, geb.Kühl.

Jochim Michelsen übernahm die väterliche Hufe in Größe von 24 Steuertonnen durch Kauf - und Überlassungsvertrag vom 15.10.1803 (die Unterschriften lauten merkwürdiger Weise Hinrich Michgels und Jochim Magehlsen) für 1400 M Courant, 200 M zahlt er bar. Die protokollierten 600 M von Hinrich Popp in Nindorf und 50 M von Claus Jargstorff werden übernommen. An seinen blödsinnigen Bruder Johann und an seine Sohwestern Anna, Marike und Magdalena hat er je 50 M und an seinen Bruder Hinrich 100 M zu zahlen. Die restlichen 250 M werden mit 4 % jährliche Zinsen eingetragen. Durch Vertrag vom 27.11.1824 leiht er 200 M von dem unmündigen Sohn Hans des verstorbenen Insten Hans Hallers in Bargfeld. An Beschlag war bei Übernahme des Besitzes vorhanden: 2 Pferde, 2 Kühe, 2 Kälber, Wagen, Pflüge, Eggen und sonstiges Acker- und Baugerät. Seinen Eltern hatte Jochim auf Lebenszeit folgendes Verlehnt zu leisten:

Als Wohnung die Stube rechter Hand im großen Hause nebst Küche und Kammer, das vorderste Fach auf dem Boden, den Kleefstall zu Schafen und Schweinen und den Kuhstall linker Hand im Hause, an Ländereien ein Stück Kohlhofsland, Wiesen- und Ackerland. Ferner hat er seinen blödsinnigen und verwachsenen Bruder Johann lebenslänglich im Hause zu behalten und vollkommen zu unterhalten. Falls die Eltern in 8 Jahren sterben, muß er seiner Schwester Marike ein vollständiges Bett liefern. Jochim Michelsen starb am 23.5.1847. Er hatte 9 Kinder, zwei überlebten ihn nur. Die meisten starben sehr klein, drei im Jahre 1814 an den Masern, als diese Krankheit in Böken über 30 Kinder dahinraffte.

  1. Hinrich, geb. 14.5.1804, gest. 15.4.1814
  2. Ehler, geb. 26.2.1806, gest. 20.4.1806
  3. Anna, geb. 6.8.1807, gest. 5.4.1814
  4. Abel, geb. 11.2.1810, gest. 8.9.1829 an Nasenbluten
  5. Margaretha, geb. 11.2.1812, gest. 19.3.1825
  6. Marike, geb. 28.6.1814, gest. 19.3.1825
  7. Jochim (S. unter IV)
  8. Catharina, geb. 7.1.1819, gest. 21.1.1823
  9. Engel, geb. 21.12.1822, verheiratet mit Claus Wohlers in Mörel

III.b. Hinrich Michelsen

III.b. Hinrich Michelsen, Inste in Böken, geb. 1776, gest. 15.12.1841, verheiratet mit Frauke geb. Brauer, geb. 1785, gest. 5.4.1841. Beide starben an Auszehrung. Einen eigenen Besitz hat Hinrich Michelsen nie gehabt. Er hatte 8 Kinder, 4 überlebten ihn. Auch ihm starben 1814 zwei Kinder an den Masern.

  1. Hinrich, geb. 5.7.1810, gest. 17.4.1814
  2. Magdalene, geb. 13.12.1812, gest. 26.4.1814
  3. Claus, geb. 8.2.1815, gest. 25.12.1822
  4. Anna, geb. 10.8.1817 Beide sind 1841 beim Tode des Vaters noch unverheiratet.
  5. Margaretha, geb. 27.1.1820
  6. Hinrich, geb. 4.4.1823, später Schuhmacher in Schleswig
  7. Johann Jochim, 15.12.1825, gest. 2.12.1832
  8. Catharina, geb. 5.8.1829.

IV. Jochim Michaelsen (1816)

IV. Jochim Michaelsen, ¼ Hufner in Böken, geb. 19. 8.1816. (Bei ihm tritt zum ersten Male der Familienname in seiner jetzigen Form auf). Er heiratete 1843 Anna Dorothea Kaack aus Böken von dem jetzigen Besitz der Ww. Glindemann. Seine Frau brachte ihm in die Ehe an Efferten 3 Betten, 2 Koffer, 1 Kleiderschrank, 1 Chatulle, 6 Brettstühle, 2 Tische und Küchengerät, an barem Gelde 523 Reichsbanktaler 32 Rechsbankschilling. Jochim Michaelsen übernahm den väterlichen Besitz durch Ab- und Antretungskontrakt vom 21.9.1843 zu Martini 1844 für 1600 .M Courant mit allen Lasten und Abgaben und einer Bankhaft von 86 Reichsbanktalern 38 2/5 Schillingen. 564 M Courant und 94 M Courant waren von dem Hufner und Bauernvogt Claus Reimers in Innien geliehen. Für die Schwester Engel wurden 300 M Courant eingetragen. Ihr hatte er bei Ihrer Verheiratung einen guten Koffer, 4 gedrechselte Brettstühle, 1 Spinnstuhl, 1 Lehnstuhl und 6 Säcke zu liefern. Die übrige Aussteuer wollten die Eltern liefern. Wenn die Eltern aber vorher sterben, soll Engel folgende Sachen bekommen:

Von den Koffern den kleinsten, die vorhandene Lade J. E. S. 1803, 2 neue vollständige mit Federn gestopfte Betten mit Überzügen und zu jedem Bett 4 Kissen, 6 heedene und 4 flächsene Laken, 2 flächsene und 2 heedene Handtücher, die Butterkarne, 1 Grützbütte, 1 blechernen Leingießer, 1 Hechel, 1 Kratzbank, 1 zinnerne Kanne,1 blecherne Kaffeekanne, 1 Lichtform, 1 Schafschere, 1 Preßeisen, Mangelholz mit Knippel, 1 Kaffeemühle,1 großen eisernen Grapen, 1 Wassereimer, 1 Klapptisch, 1 Schrank, 1 Rechtbank, 1 Waschbalje, 1 Mehlsieb, 1 Rahmststande, 1 eiserner Dreifuß, 1 eiserne Röste; seinen Eltern muß er folgendes Verlehnt leisten: An Wohnung die alte Verlehntswohnung nach der Ostseite mit Kammer und

Feuerherd an derselben Seite, an Ländereien ein Stück Gartenland, das auch gut bedüngt werden muß, an Naturalien zu Martini 3 Tonnen guten trockenen Roggen und 2 Tonnen reinen trockenen Buchweizen, zu Michaelis 2 Tonnen spätreife Kartoffeln, 2 Tonnen andere gute Kartoffeln und 2 Spint Erbsen, zu Neujahr ¾ Schwein in einem Stück nebst dem vierten Teil vom Flomen, 400 Pfund trockenes Roggenstroh, wöchentlich 6 Kannen Buttermilch, täglich 1 Kanne süße Milch, jährlich 22 M Taschengeld. Ferner sind ein Gänsestall zu stellen, 2 Schafe zu gräsen, Feurung zu liefern, das Korn zur Mühle zu fahren und Grütze und Mehl zurückzubringen, zum Backen Bescheid zu sagen und zum Reinigen und Trocknen der Spinnwaren Platz zu geben, die Schulspanndienste abzunehmen, freies Wasserschöpfen und Fuhrwerk für den Kirchenbesuch, Arzt und Prediger zu stellen. Von dem Beschlag ist ein recht ausführliches Verzeichnis vorhanden. Es heißt dort wörtlich: Jochim Micheelsen übernimmt sämtliche Ländereien und Gebäude mit allem, was „ erd-, niet-, mauer- und nagelfest ist“, Backofen ohne Haus mit allem dieser Hufe gebührenden Freiheiten und Gerechtigkeiten, aber auch mit den Abgaben und Lasten, Lieferungen und Leistungen. Ferner: 2 Pferde, 3 milchgebende Kühe, 1 Starke, 9 Schafe, 2 Schweine, 1 Gans, 1 Pferdegeschirr, 1 beschlagener Wagen, 1 Blockwagen, Wagenkörbe und Stühle, 1 Pflug, 1 Pflugkettelegge mit eisernen, 2 mit hölzernen Zinken, 1 Häckerlingslade mit Messer, 1 Himptenmaß, 2 Kornsieben, 12 Kornsäcke, 1 Kohlensieb, 30 Kohlensäcke, 1 Axt, 1 Beil, 1 Buschmesser, Kuhlen- und Plackentorfgerät, 2 Schiebkarren, 3 Gras- und Kornsensen, 2 Heidsensen, 1 Kornharke, 4 Heuharken, 2 Mistforken, 4 Heu- und Garbenfurken, 1 Heuharke, 2 Ascher, 1 Schaufel, 1 Kohlenschaufel, 1 Backtrog, 1 Mehlbütte, 1 Salzbütte, 1 Schrank, 2 Wassereimer, 1 Lade J. M. G. 1803, 1 Tranktonne, 2 Dreschflegel, 1 Futterkrippe, Vorder - und Hinterrepen und Bindebäume, 1 aufgemachtes und mit Federn gestopftes Bett mit Überzügen und 2 Kissen.

Anne Dorothea Michaelsen starb am 27.9.1856. Der Ehe entstammen 5 Töchter:

  1. Magdalena, geb.22.7.1846, gest. 1889, verheiratet mit Jochim Brandt, Arbeiter in Bargfeld, Bünzen und Böken.
  2. Margarethe, geb.1.9.1848, gest. im Oktober 1918,verheiratet mit Christian Kühl, Schmied und Bauernvogt in Thienbüttel.
  3. Anna Elisabeth, geb.22.4.1850, gest. im April 1917, verheiratet mit Jochim Schneede, Hufner in Gnutz.
  4. Catharina, geb.9.2.1853, gest.1923, verheiratet mit Christian Hansen, Zimmermann und Kätner in Mörel, (eine Tochter von Christian Hansen in Mörel ist Anna, verheiratet mit dem Chausseewärter Wilhelm Peters in Innien. Deren älteste Tochter ist Grete. (Siehe unter VI.e.).
  5. Maria, geb. 10.7.1856, gest. 5.7.1857.

Für die Kinder waren Jochim Kaack, Hufner in Böken und Detlef Rathjen in Bargfeld die gerichtlich bestellten Vormünder. Mit ihnen schloß der Vater wegen der Erbschaft der Töchter am 28. 3.1857 einen Abfindungsvertrag für den Fall einer zweiten Ehe. Er verpflichtet sich, die Kinder bis zu ihrer Konfirmation „sowohl in gesunden als in kranken Tagen mit allen erforderlichen Lebensbedürfnissen an Essen, Trinken und Kleidungsstücken unentgeltlich zu versorgen, in Krankheitsfällen Ihnen Pflege, Medicin und den Arzt unentgeltlich zu verabreichen, selbige auch zum Schul- und Kirchenbesuch fleißig anzuhalten, sie im Christentum gewissenhaft erziehen zu lassen und zur Konfirmation jedem ein Ehrenkleid zu geben.“ Er verpflichtet sich ferner, unter Verpfändung seiner sämtlichen Habe und Güter, Insonderheit seiner in Böken belegenen Viertelhufe mit Zubehör seinen vorbenannten Kindern als Aussteuergegenstände und zwar jedem der selben zu ihrer Verheiratung, oder wenn sie es sonst bedürfen, zu geben:

(Im Original fehlt leider eine Seite)

(...) preußisch Courant und 300 Taler für die Instandsetzung der Verlehntskate. Außerdem hatte der Käufer der Witwe ein Verlehnt auf Lebenszeit zu leisten: Wohnung in der Kate ohne die kleine Stube, Küche und Kammer; jedoch durfte diese Nebenwohnung nicht von einem Mieter mit einem geräuschvollen Handwerk, z. B. von einem Weber besetzt werden. An Ländereien ein Stück Gartenland, die Wiese Krambehrsgrund und 3 Stücke Ackerland a 85 Quadratruthen zu 1/4 Tonnen Aussaat Roggen, jedes Frühjahr ein frisches Stück aus den Koppeln, die im Sommer mit Dresch gepflügt waren. Ferner waren zu liefern 3 Tonnen Roggen a 212 Pfund und 2 Tonnen Buchweizen, 800 Pfund Roggenstroh, 4000 Soden Torf, Heide zu Streu und Kartoffelhaufen, Stall für eine Kuh, 8 Wochen lang täglich eine halbe Kanne süße und wöchentlich 2 Kannen Buttermilch und 1 Pfund Butter, Weide für 2 Schafe mit Lämmern. Der Käufer muß das Korn nach der Mühle liefern, Grütze und Mehl zurückholen, zum Backen rechtzeitig Bescheid sagen, Platz zum Reinigen und Trocknen der Spinnwaren geben, die Verkäuferin jährlich 2 mal zur Kirche fahren und bei Bedarf Prediger und Arzt holen. Neben der Verlehntskate war noch ein Brunnen zu graben. Bis 1898 wohnte Margaretha M. in der Kate und bezog das aufgeführte Naturalverlehnt. Dann wurde sie kränklich und bedurfte der Hilfe. Sie zog zu ihrem in Böken wohnenden Sohne Claus und verbrachte bei ihm ihren Lebensabend. An Verlehnt bezog sie in den letzten Jahren 200 M. Am 28.5.1902 starb sie und wurde auf dem Friedhofe in Innien begraben.

V.a. Jochim Hinrich Michaelsen

V.a. Jochim Hinrich Michaelsen, Streckenwärter a. D., geb. am 18.2.1858 in Böken. Er war die letzten Schuljahre Kuhhirte und Pferdejunge bei Jakob Reimers in Innien. Nach seiner Konfirmation diente er als Knecht nacheinander bei Ehler Rickert in Homfeld, Jakob Reimers in Innien und Christian Hinz in Bargfeld. Seiner Militärpflicht genügte er von 1879 - 1882 beim Infanterie Regiment (...?...)

Nach seiner Entlassung war er mal eine zeitlang als Knecht bei Reimers in Fitzbek, um dann 1883 als Bahnarbeiter zur Bahnmeisterei in Nortorf zu gehen.1886 verheiratete er sich mit Margarethe Göttsche aus Nortorf. 1891 wurde er Streckenwärter und wohnte in Nortorf. 1895 wurde er nach Krogaspe versetzt. Er wohnte dort in einem kleinen Hause fest am Bahndamm, einige Kilometer vom eigentlichen Dorfe entfernt. Im Tag- oder Nachtdienst betreute er während vieler Jahre die Strecke von Aspe bis Neumünster. Pflichttreu hat er sein Amt bis zu seiner Pensionierung versehen. Gerne hat er die Mehrarbeit, die durch die Beamtenknappheit während des Krieges verursacht war, in den Jahren 1914 - 1918 auf sich genommen. Drei Söhne und ein Schwiegersohn standen vorm Feind. Seine treue, stets rührige Lebensgefährtin, die gute Tante Greten, starb ihm leider schon im Januar 1923 an der Zuckerkrankheit. Im Mai desselben Jahres wurde er in den wohlverdienten Ruhestand gesetzt. Er zog zu seiner einzigen Tochter nach Schülp b. Nortorf. Er hatte 7 Kinder, 5 leben noch jetzt:

  1. Grete Else, geb. 24.10.1887 in Nortorf, verheiratet in erster Ehe mit dem Maurermeister Claus Ehmke in .Krogaspe, gefallen als Maschinengewehrführer in Frankreich. 2. Ehe mit dem Maurer Christian Reese in Schülp b. Nortorf.
  2. Hinrich Claus Christian (Siehe unter VI a),
  3. Hans Detlef (Siehe unter VI b),
  4. Johannes Hermann (Siehe unter VI c)
  5. Helene, geb. 28.1o.1900, gest. 8.3.1908,
  6. Hermann Johannes, geb. 23.5.1904, gest. 31.12.1904,
  7. Ernst (Siehe unter VI d).

V.b. Claus Detlef Michaelsen

V.b. Claus Detlef Michaelsen, Höker, Schrothändler und Kätner in Böken, geb. am 12.11.1860 in Böken. Gleich nach dem Tode seines Vaters kam er als Kuhhirte zu seinem Onkel nach Gokels. Dann war er 2 Jahre bei seinem Schwager Christian Kühl in Thienbüttel. Die letzten Jahre seiner Schulzeit verlebte er bei seiner Mutter in Böken. Er erlernte das Maurerhandwerk bei Glindemann in Nortorf und arbeitete als Geselle bei Göttsche in Tappendorf und August Möller in Wasbek. Schon früh machte er sich mit Markus Steuermann in Böken selbständig. Im Dezember 1895 heiratete er Helene Glöy aus Böken, geb. 20.3.18??. Bald darauf kaufte er von dem Schlachter Johann Staben ein Haus mit einer kleinen Scheune. In den nächsten Jahren hat er an den beiden Gebäuden noch manches gebaut, bis sie zu ihrer jetzigen Beschaffenheit gelangt sind. Er betrieb eine kleine Hökerei und später auch noch eine Schrothandlung. Daneben bewirtschaftete er seine Länderei­en. Das Maurerhandwerk gab er im Laufe der Jahre ganz auf. Durch seine und die Arbeit und Sparsamkeit seiner Frau hatte er sich ein ansehnliches Vermögen erspart, so daß er sich 1914 in Innien ein schönes Haus bauen konnte. Dort wollte er seinen Lebensabend verbringen. Doch der große Krieg mit seinen Folgen nahm auch ihm sein Vermögen. So blieb er auf seinem Besitz. Einen Teil seiner Ländereien hatte er schon verkauft. Das Haus in Innien wurde in der Inflationszeit an den Landmann Hans Prieß in Innien verkauft. Wie so viele Sparer mußte auch er von vorne anfangen. Leider starb ihm seine allzeit rührige Lebensgefährtin schon am 13. 7.1924. Mit dem 2.11.1928, dem Hochzeitstage seines Sohnes, legt er die Verantwortung in die Hände seines einzigen Erben. Er hatte nur einen Sohn, Hans Johannes (Siehe unter VI.e.)

V.c. Hans Johannes Michaelsen

V.c. Hans Johannes Michaelsen, Schuhmachermeister in Innien, geb. am 18. 2.1863 in Böken. Auch er diente wie seine beiden älteren Brüder der als Kuhhirte bei seinem Schwager Christian Kühl in Thienbüttel und bei Jakob Reimers in Innien. Die letzten Schuljahre war auch er bei seiner Mutter in Böken, Nach seiner Konfirmation erlernte er das Schuhmacherhandwerk bei Jakob Bielfeldt in Neumünster von 1878 - 1882. Eine rosige Zeit hat er dort nicht verlebt. Bei einer Arbeitszeit bis 10 Uhr abends war das Essen oft recht knapp bemessen. Dann ging's oft mit hungrigem Magen unters Dach in die nächtliche Behausung. Doch hatte er einen guten Schuhmacher als Lehrherrn. Zu seiner Lehrzeit wurde noch sämtliches Fußzeug vom kleinsten Babyschuh bis zum gröbsten Stiefel mit der Hand angefertigt. Der erste Schuhladen in Neumünster mußte wegen Mangel an Absatz das Geschäft nach kurzer Zeit aufgeben. 1883 war er ein halbes Jahr schwer erkrankt und lag im Krankenhause in Neumünster. 1883 ging er als Geselle nach Hamburg. Seiner Militärpflicht genügte er von 1884 - 1886 beim 2. Hanseatischen Infanterie Regiment Nr.76 in Lübeck. Gern erzählt er von diesen Jahren. Gleich nach seiner Entlassung nahm er zum zweiten Male Arbeit in Hamburg. 1892 erlebte er dort alle Schrecken der Cholera, die ihn schließlich auf dringendes Bitten seiner Mutter zum Verlassen Hamburgs trieb. In besonders schrecklicher Erinnerung blieben ihm der 27. und 28. August mit über 1000 Toten täglich. Auch in dem Hause, in dem er arbeitete, starben 2 Personen in kurzer Zeit. Von 1893 - 1894 arbeitete er bei Petersen u. Fuhlendorf in Neumünster, bis er sich am 26.11.1894 in Innien als selbständiger Schuhmacher niederließ. Er übernahm von Markus Mester vollständig die Schuhmacherei und wohnte dort auch bis 1896. Dann baute er sich selbst ein kleines Haus. Am 5.8. 1896 heiratete er Helene Kreutz, die Tochter des Schmieds und Kätners Christian Kreutz in Böken, geb. am 2. 9.1871. Die Frau griff tapfer mit zu und verdiente durch Nähen. Das Geschäft blühte, schon 1891 konnte ein Ladengeschäft eingerichtet werden. 1913 kaufte er den Schweinestall und ein Stück Land von dem früheren Besitz des Landmannes Claus Carstens in Innien. Das war das einzige, was sie von ihrem in langen Jahren mühsam erarbeiteten und ersparten Vermögen durch die Inflationszeit retten konnten. Doch haben auch sie nach der “wilden Zeit“ das Geschäft wieder auf die alte Höhe gebracht. Trotz seines vorgerückten Alters besitzt Hans Michaelsen noch einen goldigen Humor, der ihm schon über manche Hindernisse des Lebens hinweggeholfen hat. Ihren Söhnen sind beide liebevolle treusorgende Eltern gewesen, so daß sie für den jüngsten in der knappsten Zeit die Ausbildung zum Lehrer ermöglichten. Leider fehlt dem Vater der Nachfolger in seinem Geschäft, da beide Söhne einen andern Beruf wählten. Er hatte 3 Söhne, von denen 2 leben:

  1. Christian Jochim (Siehe u. VI f)
  2. Heinrich Detlef, geb. 6. 6.1899, gest. 30. 6. 1899,
  3. Hermann Claus (Siehe u. VI g)

VI.a. Heinrich Claus Christian Michaelsen

VI.a. Heinrich Claus Christian Michaelsen, Zollbetriebsassistent in Hamburg, geb. 22. 5.1890 in Nortorf. Er besuchte in Krogaspe die einklassige Volksschule unter dem Lehrer Nikolaus Petersen. Ostern 1905 wurde er von dem Pastor Meyforth in Nortorf konfirmiert. Dann war er einige Jahre in seinem Heimatdorfe als Landwirt tätig. Am 9.10.1908 trat er als 2jährig - Freiwilliger beim Lauenburgischen Feldartillerieregiment Nr. 45 in Altona - Bahrenfeld ein. Am 26. 9. 1910 wurde er zur Reserve beurlaubt. Bis zum Ausbruch des Krieges war er herrschaftlicher Kutscher in dem damals an erster Stelle stehenden Luxusfuhrwesen von J. A. Schlüter Söhne in Hamburg. Am 16.6.1913 verheiratete er sich mit der Tochter Berta des Maschinisten Wen in Redebas in Vorpommern.

Über seine Teilnahme am großen Kriege und seine Erlebnisse lasse ich ihn selbst sprechen:

"Am 3. Mobilmachungstage erfolgte meine Einberufung als Reservist und noch am selben Tage ging‘s mit der Eisenbahn nach dem bekannten Lockstedter Lager. Dort wurde von dem 9. Feldartillerieregiment in Itzehoe das Reserve Regiment Nr.17 neu gebildet. Als Bestandteil des 9. Reserve Korps unter General Böhn wurden wir zunächst nach Nordschleswig zur Sicherung der dänischen Grenze befördert. Inzwischen waren die aktiven Truppen schon weit über die Grenze in Frankreich hinein marschiert, und eine Festung nach der anderen war bezwungen. Schon dachten wir, daß wir überhaupt keine Verwendung mehr auf dem Kriegsschauplatz finden würden. Aber es kam schnell anders. Am 23. 8. 1914 wurde unser Regiment mit dem Ziele Westfront auf dem Bahnhof in Tingleff verladen. Im Eiltempo ging‘s nach Belgien. Hier wurden wir am 25.8.1914 in Ternade ausgeladen. Inzwischen waren auch die andern Regimenter des 9. Reserve Korps eingetroffen, und wir bewegten uns noch am selben Tage auf Löwen zu.

Hier habe ich die geschichtlich bekannten Straßen- und Franktireurkämpfe mit gemacht und meine erste Feuertaufe erhalten. Danach marschierten wir, dauernd von Franktireurkämpfen aufgehalten, auf die Festung Antwerpen zu und waren gerade bei der Vorfestung Aerschot angelangt, als unser Armeekorps auf höheren Befehl in Eilmärschen vom nördlichen Belgien nach Frankreich mußte. Die erste Armee unter v. Kluck war nämlich in siegreichen Kämpfen bis 50 km vor Paris gedrungen und stand jetzt in Gefahr, von feindlichen Truppen auf dem rechten Flügel umgangen zu werden. In Gewaltmärschen von 50 - 70, ja 100 km täglich eilten wir zur Hilfe. Nach einem 10-tägigem Marsche, auf dem wir noch dauernd durch Angriffe der Belgier aufgehalten wurden, stießen wir am 15.9. zum ersten Male mit den Franzosen zusammen in der Schlacht von Noyon. Hier kämpfte unser Korps gegen eine 2 1/2fache Übermacht, aber nach 3 Tagen schwerer verlustreicher Waldgefechte konnten wir den Franzosen eine Niederlage beibringen. Da nun unsere Offensive zum Stillstand gekommen war, gingen wir zum Stellungskampf über, nachdem wir den Umgehungsversuch vollständig abgewehrt hatten. In der Gegend von Noyon und Roye lag ich dann noch von Oktober 1914 bis zum Herbst 1915. Verschiedene Durchbruchsversuche der Engländer und Franzosen wurden hier abgeschlagen. Im Herbst 1915 kamen wir nach der schwer umkämpften Lorettohöhe und ich habe dort mit meinem Regiment etwa ein Jahr gelegen und hart gekämpft. Als Erfolg muß noch die Einnahme der Gieseler Höhe am 22. 5. 1916 erwähnt werden.

Während bei Noyon nur Feldgeschütze und ein starkes Kaliber verwendet wurden, mußten an der Lorettohöhe außerdem noch 5 andere großkalibrige Geschütze bis zum 38 cm Schiffsgeschütz in Funktion treten, um nur diese Linie zu halten. Man hatte hier denn auch buchstäblich tagtäglich die „Hölle auf Erden". Die Kämpfe machte ich mit bis zu meiner Erkrankung am 14.7.1916. An diesem Tage kam ich in ein Kriegslazarett bei Douais in Frankreich. Dort wurde ich an den Folgen eines im Felde zugezogenen Leidens, nämIich an einem Magen-, Leber- und Bauchspeicheldrüsengeschwür operiert. Meine Krankheit war sehr schwer. Aber dank der aufopfernden Pflege der Schwester sowie der Kunst der Ärzte und meiner guten Konstitution genaß ich und konnte im September 1916 mit einem Lazarettzuge nach Deutschland transportiert worden. Nach einem achtwöchigen Aufenthalt in Wolfenbüttel bei Braunschweig wurde ich, wenn auch nur an 2 Stöcken gehend, nach meinem Ersatztruppenteil in Itzehoe entlassen. Hier wurde ich 6 Monate kriegsunbrauchbar geschrieben und am 31. 3. 1917 mit einer 20%igen Rente entlassen.

Auf Vermittlung der Hamburger Kriegsbeschädigtenfürsorge wurde ich zum 30. November 1917 als Depotschreiber bei der Hamburger Baudeputation eingestellt. Am 1.12.1917 wurde ich wieder einberufen, zunächst zum Ausbildungspersonal des Rekrutendepots des Ersatz Regiments Nr.76 in Hamburg. Auf ein Gesuch kam ich zu meiner Stammwaffe, der Feldartillerie, am 10.12.1917 als "garnisonverwendungsfähig“ zur Garnisonbatterie des Ers. Regt. F. A. R. Nr. 45 nach Bahrenfeld. Von hier erhielt ich den Posten eines Kommandoführers und Futtermeisters von 8 Fahrern und 16 Pferden im Artilleriedepot in Schenefeld bei Hamburg. Diesen Posten hatte ich bis zum Ausbruch der Revolution inne. Da eilten alle Fahrer zu Muttern, und ich mußte meinen Kram alleine machen. Am 14.12.1918 wurde ich endgültig aus dem Militärverhältnis entlassen, behielt jedoch meinen Posten als Futtermeister und blieb als Vertragsarbeiter bei der Abwicklungsstelle des Artilleriedepots in Altona. Später trat ich zum Reichsvermögensamt über und verblieb dort bis zur Auflösung des Fuhrparks am 30.11.1921“.

Heinrich Michaelsen versuchte es dann wieder mit dem Kutscher im Privatfuhrwesen. Seine zerstörte Gesundheit erlaubte ihm diese Beschäftigung nicht lange. Von der Rentenabteilung des Kriegsministeriums erhielt er den Anstellungsschein für den Unterbeamtendienst. Nach Ablegung der erforderlichen Vorprüfungen wurde er von der Eisenbahnbehörde und der Zollbehörde vornotiert.

Am 10.2.1923 erfolgte seine Einberufung bei der Zollabteilung des Landesfinanzamtes Unterelbe als Zollwachtmeister auf Probe (Amtsgehilfendienst). Am 17.9.1924 wurde er zum Zollwachtmeister und am 1.12.1924 zum Zolloberwachtmeister befördert. Am 1.4.1927 wurde er 6 Monate auf Probe in den Zollbewachungsdienst abgeordnet. Daraufhin erfolgte am 1.10.1927 die Beförderung zum Zollbetriebsassistenten am Zollamt Entenwärder. Ab 17.10.1928 ist er im Begleitungsdienste bei dem Zollamte Meyerstraße tätig. Er hat einen Sohn und eine Tochter:

  1. Walter, geb. 14.11.1913,
  2. Ilse, geb. 14.7.1917.

VI.b. Hans Detlef Michaelsen

VI.b. Hans Detlef Michaelsen, Betriebswerkvorsteher in Saßnitz auf Rügen, geb. am 26. 9.1892 in Nortorf. Er besuchte die einklassige Volksschule in Krogaspe. Von 1908 - 1911 erlernte er in Nortorf das Schlosserhandwerk. Bald nach Beendigung der Lehrzeit ging er zur Marine. Die Leidenszeit eines Rekruten verbrachte er in Wilhelmshaven. Nach 5 Monaten kam er auf die " Westphalen " und später auf "Friedrich Carl". Dann kam der Krieg. Hans M. war zunächst auf einem in Cuxhaven stationierten Minensuchboot. Den größten Teil des Krieges war er auf dem U - Boot U.C. 58, das 18 Minen und 8 Torpedos mit führte.

Bis 1917 waren sie in Libau stationiert und hatten regen Anteil an der Einnahme der Insel Oesel. Dann hatten sie ihren Stand hart an der englischen Küste. 1918 kam er auf die Steuermannsschule in Kiel, die er nach der Revolution mit dem Deckoffizierspatent verließ. Mit den Revolutionshelden konnte er sich nicht befreunden. Er warf manche Aufstände im Vaterlande, so in Bremen und Berlin, mit nieder. Seit dem 15.10.1920 ist er bei der Eisenbahnbehörde beschäftigt. Er brachte es nacheinander zum Lokomotivheizer, Lokomotivführer und schließlich zum Betiebswerkvorsteher. Er war zunächst in Stargard in Pommern, jetzt ist er in Saßnitz auf Rügen am Fährbetrieb nach Trelleborg beschäftigt. Er verheiratete sich am 2.10.1920 mit Adele Kabel aus Kiel. Er hat einen Sohn, Hans Jochen Hermann, geb. 2.1.1922.

VI.c. Johannes Hermann Michaelsen

VI.c. Johannes Hermann Michaelsen, Tiefbautechniker in Berlin ­Charlottenburg, geb. am 9.7.1896 in Krogaspe. Schon vor seiner Schulzeit kam er zu seinem Onkel Claus Michaelsen in Böken ( S. unter V. b.). Von seinem 6. Lebensjahre an besuchte er die einklassige Volksschule seines Heimatdorfes mit gutem Erfolge. Er selbst schreibt davon: „Ich besuchte die Schule mehr zur Freude meines Lehrers als meiner geplagten Eltern. Besonders meine Mutter hielt es für nötig, mir öfter die Hosen stramm zu ziehen, wenn ich den Nachhauseweg nicht finden konnte und lieber mit meinen Kameraden in Wald und Busch umherstreifte.“ Ostern 1912 verließ er die Schule und trat bei dem Zimmermeister C. H. Stieper in Nortorf in die Lehre. Bei Ausbruch des Krieges führte seine Firma Aufträge für die Heeresverwaltung, z. B. den Bau von Gefangenenlagern, aus. Doch auch er mußte zu den Waffen. Ich lasse ihn selbst reden:

„Im September 1915 wurde ich beim Jägerbataillon Nr. 9 in Ratzeburg eingezogen. Das Morden nahm kein Ende. Nach einer Ausbildungszeit von 9 Monaten rückte ich mit 200 Kameraden ins Feld zum Res. Jägerbataillon Nr.18. Dies lag damals in den Karpathen. Nach 7tägiger Fahrt erreichten wir unseren Bestimmungsort und nach weiteren 3 Marschtagen das Bataillon, wo es gleich hieß: Sturmgepäck (Mantel, Zeltbahn) fertig machen. Nachdem wir auf die einzelnen Kompanien verteilt waren, setzten wir uns wieder in Marsch und kamen abends 7 Uhr bei strömendem Regen bei der Kompanie an. Essen gab es nicht mehr. Die hatten nämlich selber nichts. Unser Gepäck sollte am nächsten Tage mit Tragtieren nachgebracht werden. Doch es kam anders wie so manches Mal im Leben. Notdürftig wurden die Zelte aufgeschlagen und wir legten uns schlafen. Die Müdigkeit übermannte uns doch, obwohl das Wasser unter das Lager lief. Nachts um 1 Uhr war Wecken, und, o-Schreck, wir waren am Boden festgefroren. Der Regen war in Schnee und Eis übergegangen. Das war am 15.9.1916. Fertig machen und vorwärts ging es, immer bergauf und über Höhenkämme. Um 4 Uhr setzte unsere Artillerie ein zu einem Vorbereitungsfeuer, das jedoch viel zu kurz lag. Es gab bei uns gleich einige Volltreffer, so daß ich dachte: Na, wenn du deine Mutter wiedersiehst, hast du Glück. Nach verschiedenen Leuchtsignalen wurde das Feuer weiter vorgelegt. Um 5 Uhr hatten wir uns so weit vorgearbeitet, daß wir zum Angriff übergehen konnten. Der nur schwach mit kampffähigen russischen Truppen besetzte Graben wurde im Handstreich genommen und der Graben gleich für die andere Front umgearbeitet. Doch die Freude sollte nicht lange dauern, nach kaum einer halben Stunde wurden die russischen Reserven in 10 - 12 Linien heran geführt, so daß an ein Halten nicht zu denken war. Unser Gepäck haben wir nie mehr zu sehen bekommen, und es waren doch so schöne Sachen von Muttern dabei. Nach 14tägigen beiderseitigen Sturm- u. Gegenangriffen hatten wir uns endlich festgebissen und der Stellungskrieg begann. Nun wurde für den Winter eingerichtet und Blockhäuser gebaut. Am 23.11.1916 wurde ich durch Minensplitter am Halse verwundet. Nach dreitägiger Fahrt im Panjewagen kamen wir an die Bahnstation und weiter nach Maramaroscziget ins Kriegslazarett. Anfang Januar kam ich zur Genesungskompanie und nach einiger Zeit zur Krankensammelstelle Kopilas - Fuß zum Barackenbau. Im Juli 1917 begann der Vormarsch durch die Bukowina, und ich mußte wieder zu meiner Truppe. Bis Ende September machte ich den Vormarsch mit und erhielt das Karpathenabzeichen. Dann wurden wir nach der italienischen Front verladen.

Während der 10tägigen Fahrt im Güterwagen bekam ich starke Rheumatimus, daß ich nicht mehr sitzen und gehen konnte. In Agram wurde ich ausgesetzt und kam ins Lazarett. Mitte Dezember war ich wieder in Ratzeburg. Im Februar ging's zu meinem Feldtruppenteil in Lothringen. Am 26.3.1918 wurden wir hinter Cambrai in die Offensive eingesetzt. Am 1. Mai wurde ich vor Amiens durch Granatsplitter am Oberschenkel verwundet, ich kam jedoch nur bis zum Feldlazarett. Im Juni kam ich wieder zur Kompanie und erhielt das E. K. II unter gleichzeitiger Ernennung zum Gefreiten. Am 15. 7.1918 war der große Marneübergang bei Dormans. Jedoch mußten wir nach 4 Tagen der Übermacht wieder weichen, und heimlich verzogen wir uns wieder auf die andere Seite. Der klägliche Überrest kam nach Sedan in Ruhe und dann nach der Champagne (St. Souplet ), wo im September der große Angriff der Franzosen einsetzte. Hier wurde ich zum Oberjäger befördert. Bei einem Gasangriff habe ich wohl etwas viel geschluckt und mußte bis Mitte Oktober ins Lazarett. Darauf habe ich noch an den Rückzugsgefechten am Oisekanal teilgenommen. Am 11.11.1918 um 11 30 Uhr ruhten die Waffen, und um 2 Uhr begann der Rückmarsch über Maubeuge, Namur, Lüttich, Malmedy, Münstereifel, Bonn, Siegen, Kassel nach Han. Münden, von dort mit der Bahn nach Ratzeburg, wo ich Ende Januar entlassen wurde."

Von Okt. 1919 - August 1922 besuchte Johannes M. die Staatliche Tiefbauschule in Rendsburg. Nach bestandenem Examen kam er für die Fa. Habermann und Guckes nach Münster in Westphalen zum Bau einer großen Schleppzugschleuse von 250 m Länge. Ende September 1924 wurde er nach Fürstenberg a. d. 0. versetzt, ebenfalls zum Bau einer Schleuse. Dort wurden in 7 Tagen 10000 cbm Beton hergestellt. Inzwischen baute er für die Fa. Bussing in Braunschweig eine Autohalle von 30 m Länge und 100 m Breite. Seine nächste und jetzige Baustelle war Berlin. Beim Bau einer Untergrundbahn leitet er am Alexanderplatz die Haussicherungsarbeiten. Er verheiratete sich mit der Gastwirtstochter Klara Görring aus Fürstenberg an der Oder.

VI.d. Ernst Joachim Michaelsen

VI.d. Ernst Joachim Michaelsen, Hausdiener in Hamburg, geb. am 20. 2.1917 in Krogaspe. Wie seine Geschwister besuchte er die Volksschule in seinem Heimatdorfe. Er erlernte das Schuhmacherhandwerk bei seinem Onkel Hans Michaelsen in Innien und bei Reimers in Nortorf. Da er in seinem Berufe keine Arbeit finden konnte, ist er seit September 1926 als Hausdiener bei dem Landesfinanzamt Unterelbe.

VI.e. Hans Johannes Michaelsen

VI.e. Hans Johannes Michaelsen, Kaufmann in Böken, geb. am 23.9.1903 in Böken. Er besuchte 3 Jahre die Volksschule seines Heimatdorfes, dann das Gymnasium in Neumünster, das er Ostern 1920 mit der Obersekundareife verließ. Von Ostern 1920 - 1923 war er Lehrling in dem großen Kolonialwarengeschäft von J. H. Raasche in Itzehoe. In der Inflationszeit schwenkte er für eine kurze Zeit zum Bankfach über. Bis zum Tode seiner Mutter war er wieder Kaufmann bei Schütt und Kracht in Neumünster. Dann mußte er zu seinem Vater ziehen und das Geschäft leiten. Heute, den 2.11.1928, verheiratet er sich mit Grete Peters, der Tochter des Chausseewärters Wilhelm Peters und seiner Frau Anna, geb. Hansen. (Ergänzung: am 24.12.1930 Sohn Wilhelm-Claus (Willi) geboren, am 8.3.1934 Hans Joachim geboren, Sohn Hans-Peter geboren)

VI.f. Jochim Christian Michaelsen

Vl.f. Jochim Christian Michaelsen, Telegraphenarbeiter in Innien, geb. am 21.6.1898 in Innien. Er besuchte dort die zweiklassige Schule bis 1914. Dann war er als Landwirt bei dem Nachbar Hinrich Glindemann und dessen Schwager Johannes Jargstorff in Innien. Eben 18 Jahre, mußte auch er zu den Fahnen eilen. Über seine reichen Kriegserlebnisse lasse ich auch ihn selbst zu Worte kommen:

„Am 28.11.1916 wurde ich zum Gardekorps nach Berlin einberufen. Meine Ausbildung bei der 2. Ersatz Maschinengewehrkompanie des Gardekorps in Pätz bei Berlin dauerte nur bis Pfingsten 1917. Dann ging's mit 30 Mann zum Lehr - Inf. Regt. an die Westfront. Nachdem wir den 3 Kompanien des Regiments zugewiesen waren, kamen wir sofort bei Cambrai in eine ruhige Stellung. Alle Tage fiel mal ein Schuß. Ende Juli wurden wir abgelöst und wir kamen zurück in die Etappe.

Ein Eisenbahnzug stand bereit, und ehe wir an uns versahen, war alles verladen. Das Ziel wußte niemand. Aber nach einigen Stunden Bahnfahrt hieß es bei den Alten: Richtung Flandern! Also nach der schlimmsten Stellung der Westfront. Abends wurden wir ausgeladen und am nächsten Tage eingeteilt. In der Ferne hörten wir ein schweres Trommelfeuer. Schon am Abend ging's im strömendem Regen dem Kanonendonner entgegen, und bald waren wir mitten dazwischen. Dem Angriff des Engländers am nächsten Morgen mußten wir unter großen Verlusten weichen. Das Regiment war vollständig aufgelöst, von 27 Maschinengewehren im Regiment waren nur noch einige vorhanden. Es wurden neue Truppen eingesetzt, und wir wurden nach Baden verladen. Bald wieder neu aufgefüllt ging's nach Elsaß. Im Herbste saßen wir wieder in Flandern einige Tage im schlimmsten Dreck, dann für kurze Zeit an die holländische Grenze in Ruhe. Doch wir wurden bald wieder gejagt, der Engländer war in der sogenannten Tankschlacht bei Cambrai durchgebrochen. Nach einigen Tagen waren wir wieder aufgelöst. Es gab neuen Ersatz, und wir hatten von Ende November 1917 bis zum 19. März 1918 Ruhe. Abends zogen wir bei Cambrai in Stellung. Unsere Division hatte das Sommegebiet zugeteilt bekommen. In der Nacht auf den 21.3.1918 setzte von unserer Seite das Vernichtungsfeuer ein, und im Morgengrauen ging‘s zum Angriff über. Alles klappte gut, nur am Abend gab‘s noch schwere Brocken. Am nächsten Morgen war alles zum Schwei­gen gebracht. Nun ging's unaufhaltsam vorwärts, das ganze Sommegebiet hindurch, bis wir auf die feindliche Verstärkung stießen. Da war Schluß. Wir wurden abgelöst, aber Ruhe gab es nicht. In 9 Tagesmärschen gelangten wir wieder nach Flandern. Sofort zogen wir vor dem Kemmelberg in Stellung, den wir nach 8 Tagen stürmen sollten. In 14 Tagen nicht zur Ruhe gekommen, erfolgte am 18. 4. 1918 der Sturmangriff. Am Nachmittag war der Kemmel nach blutigem Kampf in unserm Besitz. Ein zweiter Angriff nach 8 Tagen klappten nicht mehr, wir waren total erschöpft. Danach Ruhestellung in Lothringen. Der Juli kam heran, eine neue Offensive war geplant, der Durchbruch auf Paris sollte geschehen. Meine Division fand ich nach einem 14tägigen Urlaub in der Champagne. Ich wurde dem Regimentsstab zugeteilt. Unser Regiment hatte den Kannettberg zu stürmen. Der ganze Plan war aber verraten, es hieß vom Divi= sionsstab. Der Angriff klappte gut, weil der Franzmann seine Truppen in die Reservestellung zurückgezogen hatte, da gab es Gegenfeuer, und wir mußten aufgeben. Nun kam die Zeit des Rückzuges. Wir kamen in die großen Sandsteinhöhlen bei Laon in Ruhe. Bald war in der Champagne dicke Luft. Wir kamen in Eilmärschen an die Bahn und wurden ohne Bagage verladen. Unter schwerem Artllleriefeuer landeten wir bei Machholt. Nach ein paar Tagen griff der Franzmann an, und im Nu war er in unserer Stellung. Mein Gewehr hatte 2 Tote, ich war schwer verwundet, die übrigen kamen heil in französische Gefangenschaft. Nach 24 Stunden fanden mich die Franzosen, und ich wurde von meinen eigenen Kameraden zurückgetragen. Mit den Worten: Hier ist es aber gut, ich habe eben Tauben mit Reis gehabt, empfing mich der eine. Im Feldlazarett wurden meine Wunden untersucht, es war reichlich ein Dutzend, darunter Knie- und Halsschuß. Nach 8 Tagen brachte uns ein Lazarettzug nach Paris ins Hospital St. Maurice. Dort wurde man mal wieder Mensch. Alles war sehr sauber. Von den 300 deutschen Kameraden waren die meisten bald geheilt, und sie kamen in das nicht sehr begehrte Gefangenenlager. Nach einem halben Jahre war auch ich geheilt. Von dem Sammellager Etampes kamen wir nach 14 Tagen zu Aufräumungsarbeiten an die uns allen bekannte Front. Wir mußten zunächst Wohnbaracken für die französische Bevölkerung, die nach und nach zurückkam, bauen. Das war eine gute Arbeit. Eine Zeitlang war ich bei einem Sprengkommando, wo wir die Aufgabe hatten, die Blindgänger zu suchen und auf einen großen Haufen zu tragen. Dann mußten wir wieder Schützengräben zuschütten.

So ging der Sommer dahin und immer wurde noch nicht von unserer Auslieferung gesprochen. Wir streikten daraufhin, erreichten aber nichts. So wurde es Weihnachten. Ende Januar kam, da hörten wir, daß wir im März zurück kämen. Doch es ging noch schneller. Am 18.1.1920 bekamen wir endgültigen Bescheid, daß wir in einigen Tagen ausgeliefert würden. Nach etwa 20 km Marsch kamen wir bei Amiene an die Bahn. Dort fand noch eine Besichtigung durch einen französischen General statt, damit keiner zerlumpt nach Deutschland käme. Bei Herbesthal erreichten wir endlich deutschen Boden. Aber immer standen wir unter französischer Bewachung, die uns erst in Düsseldorf verließ. Von dort ging‘s nach Paderborn in ein Heimkehrerlager. Wir wurden als Zivilist eingekleidet. An den ersten Tagen des Februar war ich wieder bei meinen Lieben."

Christian M. konnte sich sehr schwer von seinem Wunsch, Landwirt zu werden, trennen. Da seine Eltern aber ihr Geld in der Inflationszeit verloren hatten, mußte er einen andern Beruf ergreifen. Leider konnte er sich nicht zu dem Handwerk seines Vaters entschließen. Er ging als Telegraphenarbeiter zur Postbehörde. Als solcher führt er noch jetzt ein unruhiges Wanderleben. Er verheiratete sich 1925 mit Anna Langmaack, der Tochter des Postboten a.D. Harder Langmaack und seiner Ehefrau Anna, geb. Kreutz, geb. 27.1.1904. Er hat eine Tochter, Anna Magdalena, geb. 30.8.1925. (Ergänzung: Elli, geb. 15.11.1931)

VI.g. Hermann Claus Michaelsen

VI.g. Hermann Claus Michaelsen, Lehrer, geb. 27.10.1904 in Innien. Er besuchte von 1911 - 1914 die zweite Klasse der Volksschule seines Geburtsortes und von 1914 - 1920 die 1. Knaben – Mittelschule in Neumünster. Er wählte den Lehrerberuf und trat Ostern 1920 in die 2. Klasse der Präparandenanstalt in Oldesloe ein. Von 1822 – 1925 besuchte er das Seminar in Rendsburg. Nach seiner Lehrerprüfung war er wie so viele Junglehrer stellungslos. Das 1. Jahr war er bei dem Schweinehändler Sibbert als Schreibgehilfe und vom Juli 1926 bis zum 1.10. auf dem Katasteramt in Hohenwestedt. Seit Oktober 1927 leitet (...???...)

Ergänzungen in der digitalen Version (Stand 13. September 2022)

  • Unter VI.e. bei Hans Michaelsen nach Information von Frank Michaelsen ergänzt: Sohn Hans-Peter ergänzt, Hans Jochen korrigiert in Hans-Joachim und Willi in Wilhelm-Claus.