Archiv:Fischbrutanlage in Aukrug-Homfeld

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Zeitungsartikel aus der Hohenwestedter Zeitung (Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung) vom 15. Dezember 1983

Zeitungsartikel

Zeitungsartikel über die Einweihung der Fischbrutanlage in Aukrug-Homfeld

Donnerstag, 15. Dezember 1983
Hohenwestedter Zeitung

Lachs soll wieder heimisch werden

Salmoniden-Bruteinrichtung in Aukrug-Homfeld feierlich eingeweiht

Aukrug (hau) Die Wiedereinbürgerung und Bestandserhaltung von Lachsen, Meer- und Bachforellen im Stör- und Brahmaugebiet hat sich eine Arbeitsgemeinschaft zum Ziel gesetzt, deren Aukruger Mitglied Hartwig Hahn am Wochenende eine Salmoniden-Bruteinrichtung in Aukrug-Homfeld feierlich einweihen konnte.

Der Aukruger Landtagsabgeordnete Heinz-Wilhelm Fölster war als parlamentarischer Vertreter des Landwirtschaftsministers Flessner gekommen; weitere Ehrengäste waren der Präsident des Landessportfischerverbandes, Evert, Dr. Boysen vom Fischereiamt, Herr Dobbronz vom Sportfischerverband, Herr Carstens vom ALW Itzehoe, Bürgermeister Hans-August Jensen und weitere interessierte Gäste aus Aukrug und Umgebung.

Hartwig Hahn demonstrierte wie die laichfähigen Weibchen der Forellen und Lachse abgestreift werden und wie ihnen so der in der Natur harte Kampf, die mehrere Tausend Eier loszuwerden erleichtert wird. Die Eier mehrerer Weibchen wurden anschließend von zwei Männchen befruchtet. In einer Minute sei bereits "alles passiert"; jedes Ei hat einen Samen aufgenommen und sich geschlossen. Etwa 15 000 Eier reifen in einem Becken von etwa 50 x 50 cm heran, wozu sie absolute Ruhe benötigen. Die Brutrinnen werden dabei ständig von Frischwasser durchflutet.

Im Januar bis Februar schlüpfen die kleinen Fische aus den Eiern, die bis dahin sorgfältig gepflegt wurden. Im Frühjahr werden die Fische ausgesetzt. Sie bleiben etwa ein bis zwei Jahre in den heimischen Flüssen, bevor sie für etwa zwei weitere Jahre in der offenen See bis nach Island oder Grönland verschwinden. Erstaunlich ist, daß sie anschließend wieder den Weg in unsere Gewässer zurückfinden, wo sich der Kreislauf dann schließt.

Seinen Dank an MdL Fölster richtete Präsident Evert vom Landessportfischerverband für die Unterstützung dieser sinnvollen Maßnahme. Einen großen Wert maß er der Einführung der neuen Fischereiabgabe bei, durch die so sinnvolle Maßnahmen für den Artenschutz der Fische in Schleswig-Holstein bereits im ersten Jahr durchgeführt werden konnten. Neben der finanziellen Hilfe aus Mitteln der Fischereiabgabe dürfe aber auch die ehrenamtliche Arbeit, die zum Schutze der Gewässer und Fische landesweit geleistet werde, nicht vergessen werden. Ohne diesen persönlichen Einsatz wären Maßnahmen wie die Errichtung der Anlage von Hartwig Hahn undurchführbar.

MdL "Hajo" Fölster nahm dies bei seiner Rede im "Heidehaus" zum Anlaß, die Arbeit aller Sportanglervereine zu loben, die die beste Gewähr dafür gäben, daß die an sie verpachteten Gewässer stets in Ordnung und sauber sind. Erstaunt äußerte Fölster sich über die Verbesserung der Wasserqualität der Stör, in der Hartwig Hahn und seine Kollegen die Forellen und selbst einen Atlantischen Lachs für die Zuchtanlagen gefangen hätten. Als gebürtiger Stör-Anwohner aus Willenscharen kannte er die Stör noch als durch die Neumünsteraner Industrie bedingtes fischloses Gewässer.

Zur neuen Fischereiabgabe teilte auch Fölster mit, daß lediglich Verwaltungskosten einbehalten würden, der größte Teil jedoch zur Förderung der Fischerei verwendet werde. Insbesondere werden Besatzmaßnahmen von überörtlicher Bedeutung, Maßnahmen zur Verbesserung der fischereiliehen und ökologischen Verhältnisse der Gewässer, Schulung, Aus- und Fortbildung von Fischereiaufsehern und Ausbildern, Öffentlichkeitsarbeit für die Fischerei und die Bekämpfung von Fischkrankheiten durch die Mittel gefördert. Seinen Stolz verkündete Fölster darauf, daß in Aukrug mit dieser Anlage ein weiterer Schritt zur Stärkung des Bestandes im Aussterben bedrohter Lebewesen vollzogen worden sei.

Hartwig Hahn wies schließlich darauf hin, daß die Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses in der Bundesrepublik Deutschland ein nahezu einmaliger Vorgang sei. Es konnten bereits 5000 bis 6000 Eier abgestreift werden. In den nächsten zwei Jahren wird mit der Rückkehr der ersten Lachse gerechnet.


Text und Fotos: Holger Hauschildt

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