Arge Stör-Bramau

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Bruthaus der Arge Stör-Bramau in Aukrug-Homfeld
Im Bruthaus

Die Arge Stör-Bramau ist, wie ihr vollständiger Name besagt, eine Arbeitsgemeinschaft zur Wiedereinbürgerung und Bestandserhaltung der Lachse, Meer- und Bachforellen im Stör- und Bramaugebiet. Sie wurde 1983 von Hartwig Hahn aus Aukrug-Homfeld gegründet und kümmert sich seitdem um den Laichfischfang von Lachs und Meerforelle in den Flüssen Stör und Bramau[1].

Ausgangssituation

Lachs und die Meerforelle wären ohne die Arbeit der Arge in den von ihr betreuten Flüssen ausgestorben, da sie sich durch die in den 1950er- und 60er-Jahren durchgeführte Flurbereinigung und die damit verbundenen Gewässerbegradigunen nur unzureichend fortpflanzen konnten. Beide Fischarten waren bis zum 19. Jahrhundert ein wichtiger Teil der ursprünglichen Fischfauna in den Flüssen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versperrten die Menschen den Fischen durch Dämme und andere Querbauten in den Flüssen den Weg zu ihren angestammten Laichgebieten. Zusätzlich sorgten Gewässerverunreinigung sowie die Überfischung der Laichbestände dafür, dass die beiden Arten in Deutschland fast vollständig ausstarben. Inzwischen hat sich der Bestand deutlich erholt.

In der Stör galten Lachse bis Ende der 1970er Jahre als ausgestorben. Inzwischen hat sich auch hier der Bestand auch durch Renaturierungsmaßnahmen deutlich erholt. Die Angelvetreine haben mit verschiedenen Maßnahmen zur Bestandssicherung beitragen und immer wieder Jungfische aus eigener Aufzucht ausgesetzt. Vor allem das Elektrofischen und die Aufzucht im Bruthaus haben deutlich zur Erholung des Bestands beigetragen. [2] Auch wenn sich der Zustand der Gewässer durch Renaturierungsmaßnahmen verbessert hat, ist es immer noch nötig, den Bestand durch Nachzucht zu unterstützen.[3]

Organisation

Die Mitglieder, ca. 20 Angelvereine sowie die Wasser- und Bodenverbände, sind gleichzeitig die Träger der geförderten Projekte. Betreut werden 87 Flußkilometer mit einem Einzugsgebiet von 1.781 km². Bei normalen Verhältnissen werden Mitte Oktober bis Mitte Dezember 30 bis 60 Lachse gefangen, Größen ♀bis 97 cm, ♂ bis 120 cm, große Rogner (Weibchen) tragen bis zu 15.000 Eier. Diejährliche Brutauflage von Lachseiern beträgt ca. 120.000. Finanziert wird das Aufzuchtprogramm aus Mitteln der Fischereiabgabe des Landes Schleswig-Holstein. Die Arge selber erhält keine staatliche Förderung.

Geschichte

Schon vor Gründung der Arbeitsgemeinschaft führte Hartwig Hahn 1980 einen Lachsbesatz mit 4.400 schwedischen Sömmerlingen durch. 1983 wurde das erste Lachspärchen gefangen, 4.000 Eier abgestreift und die Brut im darauffolgenden Frühjahr ausgesetzt. 1984 wurde die Fischbrutanlage in Aukrug-Homfeld errichtet.[4]

Die Elterntiere werden ausschließlich im von der Arge betreuten Gebiet der Stör inklusive Nebenflüsse und Bäche sowie in der Bramau gefangen. Knapp 30 freiwillige Helfer leisten jedes Jahr von Oktober bis April etwa 2800 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Im Bruthaus werden die gefangenen Elterntiere abgestreift, und die gewonnenen Eier werden drei Monate lang in Brutrinnen ausgebrütet. Die Elterntiere werden nach dem Abstreifen wieder in ihr Herkunftsgewässer entlassen und steigen dann im darauf folgenden Jahr wieder zur Fortpflanzung in ihr Heimatgewässer auf. Die Brütlinge werden ebenfalls im Ursprungsgewässer der Elterntiere ausgesetzt, wo sie zwei Sommer lang bleiben, anschließend für zwei oder drei Jahre ins Meer abwandern, um dann selbst wieder als Elterntiere in ihr Heimatgewässer aufzusteigen.

Seit ihrer Gründung hat die Arge insgesamt circa 1,7 Millionen Lachseier und rund 20 Millionen Meerforelleneier erbrütet.

Lachsvater Hahn

Hartwig Hahn mit einem gefangenen Lachs

Wer kennt eigentlich „Lachsvater Hahn"? Aus dem Aukrug wahrscheinlich nur wenige! Dabei ist er in Fachkreisen sehr bekannt, nicht zuletzt durch Artikel in den Zeitschriften „Fisch und Fang", „Fischwaid", „Fliegen-Fischen" und „Schleswig-Holsteinische Jäger und Fischer". Fachleute aus dem In- und Ausland nennen Hartwig Hahn aus Homfeld nicht zu Unrecht den „Vater der Lachse". Er ist Gewässerwart des Kreissportfischerverbandes Neumünster sowie Gründer und Sprecher der „Arge Stör-Bramau".

Wenn man sich mit ihm unterhält, so ist deutlich zu merken: Er ist von seiner ehrenamtlichen Aufgabe begeistert. Nicht nur wegen der zunehmenden Gewässerverschmutzung verschwanden die Edelfische aus unseren Auen und Bächen, sondern vor allem durch die umfangreichen „Sanierungsmaßnahmen". Dadurch wurden die offenen Fließgewässer zum einen stark reduziert und zum anderen die Fließgeschwindigkeit derart erhöht, daß sich Laich und Brut nicht mehr halten konnten. Auch die Nahrung der Brut wurde in den deformierten Wasserläufen immer weniger. Dazu kommt, daß diese Fische Kieslaicher sind, also auf sauberen Kiesgrund angewiesen. Auch dieser ging hier immer weiter zurück. Deshalb war Hartwig Hahn Anfang der siebziger Jahre auf die Idee gekommen, diese Fischarten durch künstliche Fischzucht in Bruthäusern wieder einzubürgern. Die Methode geht auf das Jahr 1763 zurück. Damals wurde erstmals Bachforellen der Rogen entnommen und künstlich befruchtet. Seit 1877 werden Forellen in der Brutanstalt Alt-Mühlendorf ausgebrütet. Ganz neu ist dies Verfahren also nicht, mußte aber nun für Lachse und Meerforellen erprobt werden.

1974 wurde die erste Meerforellenbrut in unseren Gewässern ausgesetzt und 1980 waren die ersten erwachsenen Tiere in den Oberlauf der Stör zum Laichen zurückgekehrt. Hartwig Hahn dachte, was mit Meerforellen geht, muß auch mit Lachsen möglich sein. Die erste Partie Lachseier holte er aus Schweden, setzte die Jungfische aus und 1983 kamen die ersten Rückkehrer. 2017 wurde er für seine Arbeit im Natur- und Fischschutz mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.[5]

Google Impact Challenge

Mit dem Projekt Fischkennzeichnung und RFID Erkennung gewann die Arge im August 2018 ein Preisgeld in Höhe von 20.000 € bei der Google Impact Challenge. Das Geld wurde bis 2021 speziell für die Sicherung und Erfassung der Bestände von Lachs und Meerforelle mit der RFID-Technologie (englisch: radio-frequency identification - „Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen“) eingesetzt. Damit wurden die Fische mit Transpondern, wie sie auch bei Haustieren zur Identifikation eingesetzt werden, gekennzeichnet und können nun in den nächsten Jahren bei ihrer Rückkehr durch automatische Zähl- und Kontrollanlagen wieder erkannt werden. Die Arge möchte mit dem Forschungsprojekt feststellen, welche von den Elterntieren wann und wo wieder in das Gewässersystem aufgesteigen. Damit sollen Artenschutz, Bestandserhaltung und Wiederansiedlung der Lachse und Meerforellen langfristig nachweisbar dokumentiert und auswertet werden.

Der Aukruger Christoph Reill, der sich ehrenamtlich bei der Arge engagiert, hatte das Projekt ins Rennen geschickt. Unter fast 3000 Bewerbern wurde das Projekt ausgewählt und mit 99 weiteren in die Endrunde aufgenommen. Gemeinsam haben Arge und der Landesfischereiverband Schleswig-Holstein auf allen Kanälen die Werbetrommel gerührt und aufgerufen, für das Salmoniden-Projekt abzustimmen. Mit Erfolg: Das Projekt kam unter die besten 50.[6]

Siehe auch

Einzelnachweise