Archiv:Verkehrsentwicklung

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Verkehrsentwicklung

Die Verkehrssituation des Aukrugs vor dem Bau dem B 430 - Karte: Angela Röber

Straßenverkehr

Kraftfahrzeuge auf der B 430 1963-93 in Tausend

Die Karte zeigt die Verkehrssituation Aukrugs vor dem Bau der B 430. Nach Norden und Süden führen relativ gut ausgebaute Landstraßen, aber die Ost-West-Verbindung Lübsche Trade hatte sich nicht weiterentwickelt. Sie war als „elender Sandweg", wie Georg Reimer sagte, nur eingeschränkt nutzbar. Seit 1877 wurde der Ost-West-Verkehr vorwiegend über die Eisenbahnlinie abgewickelt. Das änderte sich mit dem Bau der B 430 Ende der fünfziger Jahre. (Siehe dazu „Zum Bau der Bundesstraße 430").

Nun riß zunehmend die Straße den Verkehr an sich, wie die Verkehrszählungen eindrucksvoll zeigen. Die Graphik unten dokumentiert die rasante Zunahme des Straßenverkehrs. Fast alle Fahrzeuge, die Wasbek passieren, kommen an Aukrug vorbei oder biegen hier ab, ein Großteil in oder aus Richtung Itzehoe. Diese Abbieger erklären das geringere Verkehrsaufkommen auf der Höhe Hohenwestedt.

Tempo-30-Zonen

Seit Anfang der neunziger Jahre sind in allen Ortsteilen Tempo-30-Zonen eingerichtet worden, in Nebenstraßen zum Teil verbunden mit verkehrsberuhigenden Maßnahmen wie Fahrbahnverengungen und -aufwerfungen (Böker Stieg). In Bargfeld ist fast der gesamte Ort Tempo-30-Zone, in Böken unter anderem auch die Durchgangsader Böker Str. in erheblicher Länge. Nach einer Reihe verkehrsberuhigter Nebenstraßen mußte in Innien der Autofahrer ab 1994 auch in der Bargfelder Straße im Bereich des Ziegeleiweges im Interesse der Schulkinder den Fuß vom Gas nehmen. Die Tempo-30-Zonen vermindern den Verkehrslärm für die Anwohner und dienen vor allem der Sicherheit der Kinder. Für Fußgänger und Radfahrer sind sie ein Segen und insgesamt ein großes Plus für die Lebensqualität am Ort. Leider werden die Gebotsschilder häufig nicht beachtet, obwohl das Unfallrisiko durch zu hohes Tempo in Langsamfahrzonen bedeutend höher liegt als in Normalzonen.

Eisenbahnverkehr

Der alte Triebwagen

Die Bahnstrecke wurde unrentabel, und die veralteten Triebwagen, allgemein als Schlick- oder Anatolienexpress bezeichnet, waren kein Anreiz für Autofahrer, auf die Bahn umzusteigen.

Statt die Strecke besser auszubauen, reduzierte die Bundesbahn die Gleisanlagen. Am Bahnhof Innien muß nun umständlich rangiert werden, wenn sich zwei Züge begegnen, denn die Westweiche wurde herausgerissen. Als Mitte der achtziger Jahre die Stilllegung drohte, schlossen sich die Anliegergemeinden dem „Förderverein Öffentlicher Verkehr Schleswig-Holstein" an und kämpften um den Erhalt der Bahnstrecke. Die Verhandlungen zwecks Weiterführung der Bahn hatten Erfolg. 1993 übernahm die AKN den Fahrbetrieb mit etwas moderneren Triebwagen.

Allerdings vermißten viele Fahrgäste den „Komfort" der alten Ratterzüge: die Toilette. Es zeichnet sich ab, daß die AKN ab 1996 im Stundentakt fahren wird. Sie hat damit begonnen, alle Bahnübergänge mit Blinkanlagen oder Halbschranken zu versehen, die vom Zentralstellwerk Ulzburg aus gesteuert werden. Es ist zu bedauern, daß dies nicht schon viel früher von Seiten der Deutschen Bundesbahn geschehen ist. Dann hätte es den schweren Unfall am Übergang zum Hühnerkamp 1994 sicher nicht gegeben.

1994 wurde der Innier Bahnsteig erhöht, mit Auffahrten für Rollstuhlfahrer und einem Warte-Unterstand. Das mittlerweile zur Bauruine verkommene Bahnhofsgebäude soll abgerissen, ein Park- and Ride-Platz angelegt werden.

Die Gemeindevertretung Aukrug bildete 1990 den neuen Ausschuß Öffentlicher Personennahverkehr (Ausschuß ÖPNV), dessen Aufgabe es ist, ein tragfähiges Konzept für die Personenbeförderung im sowie von und nach Aukrug zu erstellen. Im Zuge der Privatisierung der Bundesbahn und ihrer Strecken sollte die Gemeinde die Bahnbrücken übernehmen und instandsetzen. Sie kann und will die immensen Kosten von zunächst 0,3 Mill. DM nicht tragen und klagte mit anderen Gemeinden zusammen beim Bundesverfassungsgericht gegen diese Zumutung.

Zum Schluß eine Rückblende ins Jahr 1960, in dem am 19. November ein Güterzug durch falsche Weichenstellung den Prellbock westlich des Bahnhofs überrollte. Die Lokomotive stürzte den Bahndamm hinunter. Lokführer und Heizer starben an der Unfallstelle.

Zum Bau der Bundesstraße 430

(aus den Aufzeichnungen von Paul Ratjen aus Homfeld)

Bis zum Jahre 1955 gab es anstelle der heutigen B 430 lediglich einen ausgefahrenen, staubigen Landweg zwischen Neumünster und Hohenwestedt. Die alten Pläne zum Straßenbau erläutert die Chronik von 1978. Über die Endphase 1953 bis 1958 soll hier berichtet werden, und zwar auf Grundlage der Aufzeichnungen des damaligen Homfelder Bürgermeisters Paul Ratjen, der sich sehr für dieses Projekt eingesetzt hat.

Der Streckenbau bis zur Itzehoer Chaussee

Der Stadt Neumünster war die schlechte Straßenverbindung von und nach Westen schon immer ein Dorn im Auge gewesen. So kam folgerichtig die erste Besprechung über den Chausseebau auf Einladung der Stadtverwaltung zustande, und zwar laut Protokollbuch der Gemeinde Homfeld am 18.2.1953 in der Gaststätte von Hermann Carstens in Böken. Die Bürgermeister der Aukrugdörfer nebst einigen Gemeinderatsmitgliedern ließen sich von zwei Herren aus Neumünster die Pläne der Stadt erläutern. Bis hin zur Itzehoer Chaussee betrugen die Baukosten 3,5 Mill DM. Abzüglich der 2,3 Mill. DM Landesmittel blieben für Neumünster und den Kreis Rendsburg noch 1,2 Mill. DM, wovon die Stadt 2/3 übernehmen wollte. Man kam gut voran, diverse Grogs ließen die Stimmung steigen und alles mündete in einträchtigen Gesang ein. Dabei leistete einer der Neumünsteraner, Johannsen hieß er, so Hervorragendes, daß Heinrich Strauß, der doch als guter Sänger bekannt war, vor Staunen den Mund nicht mehr zu bekam. 1956 war die Straße bis zur Itzehoer Chaussee fertig.

Der Weiterbau bis zum Boxberg

Am 9.1.1954 beriet die Homfelder Gemeindevertretung den Weiterbau über das örtliche Gelände. Nach altem Gesetz hatten die Gemeinden die Kosten für den Landerwerb zu tragen. Neumünster übernahm sehr entgegenkommend den halben Anteil. Dennoch lehnte der Gemeinderat eine eigene Kostenbeteiligung am 18.6.1956 ab. Zur nächsten Sitzung am 10.7.1956 erschienen dann die Spitzen der Kreisverwaltung (Landrat Jakobsen, Oberamtmann Hebbeln, Oberinspektor Rohwer und der Leiter des Kreisausschusses Knudsen). Es ging ja um eine möglichst rasche Fortsetzung der Trasse. Ein Streitpunkt war die Landesentschädigung für den Wegkörper der Lübschen Trade, auf dem die Straße verlaufen sollte. Man einigte sich auf 20 Pfennige für den Quadratmeter. Bürgermeister Ratjen wagte erst um 23 Uhr die Abstimmung, und mit 7 zu 2 Stimmen wurde der Bau der Straße und die Kostenübernahme für den Landerwerb angenommen. Der Bürgermeister bewog die beiden Gegenstimmen letztlich noch zur Stimmenthaltung. Zwischen 0,20 und 1,00 DM pro Quadratmeter bekamen die Landbesitzer. Die B 430 konnte also zügig bis etwa Höhe Heidehaus weitergebaut werden. Von da an gab es weitere Hindernisse.

Die weitere Entwicklung

Der Ortsteil Bucken behinderte den Weiterbau wie ein schwerer, unverrückbarer Felsblock. So mögen viele Dr. Block aus Bucken gesehen haben. Er hatte mit der neuen Straße nicht viel im Sinn, vielleicht sah er die rasante und unheilvolle Entwicklung des Straßenverkehrs mit ökologisch-kritischen Augen schon voraus. Auf jeden Fall wollte er die Straße wenn überhaupt, dann südlich von Bucken. Das Landesamt für Straßenbau und Wirtschaftsminister Börnsen persönlich kamen mit den Landbesitzern zu einer Konferenz auf Hof Bucken zusammen. Nachdem die Beteiligten ihre Standpunkte dargelegt hatten, wurde eine Pause eingelegt. Und nun vertraten sich Dr. Block, Minister Börnsen und die Herren vom Landesamt für Straßenbau ein wenig die Beine. Auf diesem berühmten „Gartenspaziergang" wurde die Sache im wesentlichen geregelt. Mit einem Jahr Verzögerung konnte die B 430 weitergebaut werden.