Jürgen Friedrich Ahrens

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Jürgen Friedrich Ahrens
Titel der Erstausgabe

Jürgen Friedrich Ahrens (* 2. Oktober 1834 in Sarlhusen; † 14. Juli 1914 in Malente) war ein deutscher Lehrer und Heimatdichter.

1834 in Sarlhusen geboren, wuchs er in Bünzen als Sohn eines Brennmeisters auf. Knappe wirtschaftliche Verhältnisse im Elternhause, in dem sechs Kinder zu versorgen waren (der Lohn betrug neben Kost und Familienwohnung wöchentlich 2,—Mark, später 3,— Mark), machten es erforderlich, daß Jürgen Friedrich als Hütejunge mitverdienen mußte. Für die Schule blieben wöchentlich nur zwei halbe Tage (die „Sommerschule")!

Sein Trieb zu geistiger Tätigkeit war nicht zu hemmen. Ahrens wurde Lehrer mit Hilfe von einigen Bauern, die ihm mit Geld beistanden. Seine Schrift „Unnerköster" ist ein treffliches Zeitbild aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als er seine Präparandenzeit in Langwedel, Hüttenwold, Ehndorf, Neumünster und Altona durchlebte und die Ausbildung im Lehrerseminar Segeberg erfuhr. Ahrens war Lehrer an verschiedenen Orten des Landes, darunter Itzehoe, und Hauptlehrer in Kiel, von 1879 an hauptamtlicher Direktor der Gewerbeschule in Kiel. Er war lange Jahre Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerbelehrerverbandes. Manches andere Ehrenamt hatte er zu bekleiden.

Ahrens verfaßte Bücher für Fortbildungs- und Gewerbeschulen, schrieb über die Verwendung von Maschinen in Betrieben, über die Lehrerbildung, die Erziehung zum selbständigen Arbeiten der Schüler, Werkunterricht, Wanderfahrten, über Schleswig-Holsteinische Geschichte und was sonst den Lehrer angeht. Manches nette Verslein entschlüpfte seiner Feder; die Gedichtsammlung „Feldblom" ist köstlich zu lesen.

Als Ahrens 1903 seinen Abschied nahm, hatte er die Kieler Gewerbeschule in 30 Jahren so aufgebaut, daß die Zahl der Lehrkräfte von 9 auf 80, die Klassen von 10 auf 88 und die der Schüler von 273 auf 2336 gestiegen war.

„Du lehrst miendag keen Rieden!" hatte ihm als Kind ein Bauer zugerufen, als er mit einem Pferd nicht zurechtkommen konnte. „Un lehrt heff ick dat doch, wenn ok op en anner Perd!" schrieb er an seinem Lebensabend; er starb am 14. Juli 1914. Jürgen Friedrich Ahrens hat der Bünzer Schule eine Bücher- und Geldstiftung vermacht. Das kleine Kapital ist leider durch zwei Geldentwertungen zerschmolzen.

Werke

  • Feldbloom. Plattdeutsche Gedichte. Richter, (Hamburg 1874); IV, 132 S.
  • mit Klaus Groth und Willem Schröder: Festgrüsse den Mitgliedern und Freunden des Plattdeutschen Vereins zu Leipzig. Dargebracht am 6. Jan. 1875. Leipzig 1875; 19 S.
  • mit Daniel Bartels, August Bielfeld und anderen: Plattdeutsche Gedichte zum Deklamiren. Hamburg 1876; III, 176 S.

Schummerstunn

Wi schön is doch de Schummerstunn, 
Wenn ünnern Abn drömt de Hunn, 
Un oppen Abn de Appeln
brad Un all Mann rundrüm sitt un staht.

Uns Vadder denn ut Brennhus keem, 
Un von de Wand de Piep sik nehm, 
Un sett in'n Lähnstohl sik un smök, 
Dat ganz de Döns na Petum rök.
Am meisten harre wi doch Pläsier, 
Wenn mal de Snider bi uns weer. 
De seet denn inne Schoppstunn ok 
In'n Lähnstohl achtern Abn un rok.

Wat de lütt Kerl voll Düntjens steek! 
De kunn vertelln de ganze Wek, 
He harr in' Rügg so'n lütte Knoll, 
Se sä'n, de weer bet baben voll.

„Klassnider, nu vertell mal wat, 
Wi hebbt langn keen Geschichten hadd!"
Un he vertell von braken Schäp, 
Von Ulenspegels Künst und Knep.

Dat mak uns Görn unbanni Spaß, 
Denn in't Vertelln weer he en Bas; 
Un dat is seker, menni Korn
Wat afspill, güngn dar ni verlorn.

Doch dar kämmt Modder inne Dör 
Mit Licht un mit de Lamp darher 
Un seggt: „So, Jungns, nu stramm an't Bok,
Mein Gott, wat is de Döns voll Rok!"

,Ja Modder, dat is ni umsunst, 
Klassnider mak hier blauen Dunst", 
Sä Vadder, güng na't Brennhus rut, 
De schöne Schummerstunn wer ut.

Bald harre wi denn de Böker fat, 
Klassnider sett sik opp de Lad. 
Un trock dat Beenwark ünnert Lief 
Un nei denn wedder stramm un stief.

De Lad stunn von de Wand ni wid, 
Dat Licht, dat dröp em von de Sid, 
Denn spel as Schatten an de Wand 
Sin Kopp, sin Knast, sin Arm, sin Hand.

Doch rascher as de Schummerstunn 
De Tied, de schöne Tied verswunn, 
Klassnider slöppt all inne Eer 
Un ok de Olen sand ni mehr.

Un doch de schöne Schummertied 
Spelt as en Drom so hell un blid, 
Wenn se ok gar to gau  verswunn, 
Noch ümmer in min Schummer-stunn.

Literatur

  • Eintrag „13 Ahrens, Jürgen Friedrich“ in: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1829 bis 1866 / gesammelt u. hrsg. von Eduard Alberti. Erste Abtheilung: A-L. Kiel, Maack, 1867, S. 5
  • Eintrag „Ahrens, Jürgen Friedrich“ in: Lehrer als Schriftsteller. Handbuch der schriftstellernden Lehrer, mit Biographien und Angabe ihrer litterarischen Erzeugnisse / zs.gest. von H. Kühn. Leipzig: Siegismund & Volkening, 1888, S. 6
  • Eintrag „Ahrens, Jürgen Friedrich“ in: Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 1. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S. 38, linke Spalte.
  • Heinrich Lund: Jürgen Friedrich Ahrens in: Die Heimat, Kiel, 1914, 24, Nr. 10
  • Wischer, Fritz: Jürgen Friedrich Ahrens as Dichter in: Moderspraak 21 (1934) 10, S. 149–151
  • Köster, Klaus: Jürgen Friedrich Ahrens in: Moderspraak 21 (1934) 10, S. 148
  • Heinrich Asmus, Werner Hauschildt, Peter Höhne: Fortschreibung der „Geschichte des Aukrugs“ ab 1978 und Nachträge, Aukrug 1995

Siehe auch