Archiv:Von der feuer- und diebessicheren Geldkiste zum modernen Banktresor

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Von der "feuer- und diebessicheren Geldkiste" zum modernen Banktresor

Raiffeisenbank Innien - Das 1954 erbaute Geschäftshaus
Amtsvorsteher Claus Gloy, Innien
Hufenstelle des Amtsvorstehers a.D. Claus Gloy, Innien
Raiffeisenbank Innien Lagerhaus mit Silobetrieb

Am 7 .2.1896 fand in Innien auf Veranlassung des damaligen Amtsvorstehers Cl. Gloy, Innien, eine Versammlung statt, zu der der Wanderlehrer des Verbandes der schleswig-holsteinischen landwirtschaftlichen Genossenschaften als Gast geladen war. Er sollte bei der geplanten Gründung einer Spar- und Darlehnskasse entsprechende Hilfestellung leisten.

Doch bevor wir über den Gründungsakt selbst berichten, muß die Frage erörtert werden, ob denn für eine neue „Bank“ oder „Sparkasse“ wirklich ein Bedürfnis vorlag. Seit l869 bestand in Innien für die fünf Aukrugdörfer eine „Spar- und Leihkasse“ als private Sparkasse.

Sie hielt ursprünglich monatlich einmal - später wöchentlich einmal - sog. Kassenstunden ab, nahm Spareinlagen entgegen und lieh gegen hypothekarische Sicherstellung langfristig Gelder aus. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens genügte sie mit dieser Art ihres "Geschäftsbetriebes" durchaus den Bedürfnissen der Bevölkerung unserer Dörfer. Die zunehmende Wirtschaftsintensität in Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Gewerbe hatte aber inzwischen zu einem stärkeren Geldumschlag geführt, dem die Sparkasse später nicht mehr gewachsen war. Es genügte nicht, nur wöchentlich einmal Geschäftsstunden abzuhalten. Man mußte täglich mit seiner Bank in Geschäftsverbindung treten können. Demzufolge mußte auch die Möglichkeit gegeben sein, außer dem bei der Sparkasse üblichen Spareinlagen- und Hypothekengeschäft den laufenden Rechnungsverkehr zu betreiben, um die täglich anfallenden Gelder einer sofortigen Verzinsung zuzuführen und um für vorübergehende Wirtschaftsbedürfnisse auch kurzfristig Kredite entleihen zu können. Die ländliche Wirtschaft forderte einen modernen Bank- und Zahlungsverkehr. Das galt nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für Handwerk, Handel und Gewerbe. Für alle Bevölkerungsgruppen hatte ein größerer Geldumschlag Platz gegriffen. Allein die Gründung der drei Meiereigenossenschaften in Bargfeld, Homfeld und Innien und die damit in Verbindung stehende Intensivierung der Milchwirtschaft gab in geldwirtschaftlicher Hinsicht dazu Anlaß, daß das monatlich anfallende Milchgeld zu einer stetig fließenden Einnahmequelle wurde, aus der für viele Betriebe alle anfallenden Ausgaben gedeckt werden mußten. Auch die Schweinemast, die in unseren Aukrugdörfern schon frühzeitig eine starke Ausbreitung gefunden hatte, brachte einen schnelleren Umschlag der investierten Betriebsmittel· ganz abgesehen davon, daß dieser Ausbau der Veredlungswirtschaft eine größere Kreditbereitschaft der mit der Landwirtschaft in Verbindung stehenden Spar- und Kreditinstitute erforderte. Nicht umsonst sprach man zu jener Zeit in vielen Versammlungen unseres landwirtschaftlichen Vereins von einer Kreditnot, die dafür verantwortlich gemacht wurde, daß dringend notwendige Umstellungs- und Verbesserungsmaßnahmen nicht durchgeführt werden konnten, weil deren Finanzierung auf unüberwindliche Schwierigkeiten stieß.

Diese Kreditnot mußte behoben werden.

Deshalb hatte Claus Gloy zu der eingangs erwähnten Versammlung zwecks Gründung einer Spar- und Darlehnskasse eingeladen. Er vertrat mit allem Nachdruck und aus innerer Überzeugung die Auffassung, daß für die Dörfer des Aukrugs, für den Bereich des landwirtschaftlichen Vereins an der Bünzenerau, in Ergänzung zu der seit fast dreißig Jahren arbeitenden Spar- und Leihkasse eine dem laufenden Bank- und Zahlungsverkehr dienende Spar- und Darlehnskasse völlig unentbehrlich sei. Beide Institute sollten in keiner Weise untereinander konkurrieren. Ein friedliches Miteinander sei möglich und auch notwendig. Da zu der Zeit in allen Teilen der Provinz genossenschaftliche Spar- und Darlehnskassen errichtet wurden und in Verbindung damit immer wieder die Frage der Konkurrenzsituation zu den bäuerlichen privaten Spar- und Leihkassen auftauchte, verfaßte Claus Gloy, der als Vorsitzender der Spar- und Leihkasse gleichzeitig den Vorsitz im Vorstand der neuen Spar- und Darlehnskasse übernommen hatte, ein Flugblatt, in dem er seine Auffassung über die gegenseitige Ergänzung der beiderseitigen Aufgabengebiete mit überzeugenden Worten darlegte. Das Flugblatt wurde auf Veranlassung des Verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften e.V., Kiel, des heutigen Raiffeisenverbandes Schleswig-Holsetin und Hamburg e.V., Kiel, zu Tausenden von Exemplaren gedruckt und in allen Versammlungen der landwirtschaftlichen Vereine verteilt.

Claus Gloy gelang es auf diese Weise, das hier und da in einzelnen Dörfern bestehende Vorurteil gegen neu zu gründende Spar- und Darlehnskassen zu überwinden und vorhandene Bedenken abzubauen. Er leistete damit einen wesentlichen Beitrag für die Förderung der Entwicklung unseres schleswig-holsteinischen genossenschaftlichen Kreditwesens. Da durch die Gloy'sche Aktion der Name unseres Heimatdorfes in alle Kreise der Provinz hinausgetragen wurde, dürfte es wohl angebracht sein, den Inhalt des Flugblattes hier an dieser Stelle unserer Chronik in vollem Wortlauf abzudrucken:

“Privat-Sparkassen und Spar- und Darlehnskassen. Von Amtsvorsteher C. Gloy, Innien.

Man hört oft die Meinung, daß die sog. Raiffeisenschen Spar- und Darlehnskassen Konkurrenzunternehmungen der Privatsparkassen sind. Mitunter ist dies der Grund, daß man von der Gründung einer Spar- und Darlehnskasse absieht, nur um, wie man sagt, die Privatsparkasse nicht zu schädigen. Wir können diese Ansichten nicht theilen, sondern glauben vielmehr, daß beide Institute an einem Ort und in einem Kirchspiele recht gut vereint wirken können, weil sie gegenseitig ihre Thätigkeit ergänzen W1d so im Stande sind, den Wohlstand ihrer Mitglieder zu fördern. Die Praxis hat uns in dieser Hinsicht gelehrt, daß unsere eben ausgesprochene Meinung keineswegs eine falsche ist, denn an hiesigem Orte besteht außer der Privatsparkasse seit Februar 1896 auch eine Spar- und Darlehnskasse. Nachstehende Ausführungen sollen beweisen, wie beide Institute vorzüglich neben und miteinander wirken können, und mit dazu helfen, das Vorurtheil gegen die Spar- und Darlehnskassen zu beseitigen.

Die hiesige Sparkasse ist aus dem hiesigen landw. Verein hervorgegangen, steht jedoch in Folge gerichtlicher Anforderung als Privatkasse da. Die Leitung hat stets in Händen solcher Bauern gelegen, die für Gemeinsinn Interesse bekundeten.

Ebenfalls ist die hiesige Spar- und Darlehnskasse ein Kind des landw. Vereins. Bei der Wahl des Geschäftsführers der letzteren wurde dem Geschäftsführer der Sparkasse dieser Posten für die Darlehenskasse übertragen.

Dieses Vorgehen hat sich als sehr gut bewiesen, denn die Darlehens- und Sparkassen stehen sich einander nicht als Konkurrenten gegenüber, sondern sind vielmehr bei richtiger Handhabung sehr geeignet, sich gegenseitig zu ergänzen. Während die Sparkasse, die ruhigen, für längere Zeiträume festgelegten Kapitalien oder Schulden in sich aufnimmt, ist die Darlehnskasse für die flüchtigeren, auf kürzere Zeiträume berechneten Geldverhältnisse berufen. Zumeist wird letztere in Anspruch genommen, um die in dem Wirthschaftsbetriebe der Mitglieder sich im Laufe der Zeit ergebenden Geldanforderungen auszugleichen, sei es um laufende Schulden prompt zu zahlen oder sei es um vorhandene Summen eine Zeit lang gegen Zinsen sicher unterzubringen. Für beide Fälle würde eine Privat-Sparkasse doch nicht auf die Dauer leistungsfähig sein.

Ferner sind noch andere Fälle denkbar, wo ebenfalls die· Wirksamkeit der Sparkasse nicht ausreicht. Ein Kapitalist z.B. kommt in die Lage, von seinem bei der Sparkasse belegtem Kapital einen Theil zu kündigen. Soll nun diese Summe auf kürzere Zeit, vielleicht nur für Monate oder für 1 oder 2 Jahre als Aushülfe dienen, so wäre es dem Geschäftsführer der Sparkasse oftmals gewiß erwünscht, wenn das Kapital unberührt bliebe und könnte der Betreffende ein die Darlehnskasse verwiesen werden.

Weiter liegen Fälle vor, wo müssig liegende Kapitalien der Sparkasse zugeführt werden, die sonst zurückbehalten würden, um eventl. unvorhergesehenen Anforderungen damit abzufinden. Sind die Inhaber solcher Kapitalien Mitglieder der Darlehnskassen, dann können sie niemals in Verlegenheit kommen und somit kann die Summe bei der Sparkasse schon eher belegt werden, als dieses sonst der Fall gewesen wäre.

Solche und ähnliche Verhältnisse liegen mehr vor und kann bei vernünftiger und umsichtiger Leitung der Sparkasse nur Vortheil aus einer Spar- und Darlehnskasse für erstere erwachsen.

Selbst wenn die Sparkasse. in momentaner Verlegenheit um eine Geldsumme ist könnte der Fall eintreten, daß ein Mitglied der Darlehnskasse 'durch diese der Sparkasse die Summe rasch zur Verfügung stellen kann, wodurch dann letzterer ein sonst verloren gegangener gut fundirter Schuldposten erhalten bleibt.

Beide Kassen b e stehen hier nebeneinander und arbeiten in gegenseitiger Ergänzung für das Gemeinwohl der hiesigen Gegend.

Die Spar - und Darlehnskassen sind besonders zur Hebung de:r Landwirthschaft berufen, und es wird dahin kommen , daß rnan nach Jahren die betehenden Spar- und Darlehnskassen als einen Gradmesser für die Intelligenz der Gegenden unseres Landes ansehen kann.“

Abdruck aus I/1899 des "Landw. Wochenblattes"

Damit dürfte hinreichend bewiesen sein, daß für die Neugründung tatsächlich ein unabwendbares Bedürfnis bestand. Die Versammlungen verlief in voller Einmütigkeit. Vorstand und Aufsichtsrat wurden wie folgt besetzt:

Vorstand

Vorsitzender: Claus Gloy, Innien

Stellvertreter: C.W. Glindemann, Böken

Geschäftsführer: H. Jargstorff, Innien

Aufsichtsrat

E. Rieckers, Homfeld

M.D. Ratjen, Bargfeld

J. Harms, Bünzen

Zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates wurde in der ersten Aufsichtsratssitzung M.D. Ratjen, Bargfeld, gewählt.

In der Gründungsversammlung traten der Genossenschaft 22 Mitglieder bei. Am Ende des ersten Geschäftsjahres waren es 53.

Vier Jahre später - Ende 1900 - betrug die Bilanzsumme, das im Geschäftsbetrieb arbeitende Kapital, schon fast 100.000 M. Dabei muß erwähnt werden, daß die Spar- und Darlehnskasse keinerlei Spareinlagen entgegennahm. Sie finanzierte sich ausschließlich aus den von den Mitgliedern eingezahlten Einlagen in laufender Rechnung, die allerdings damals mit 3 1/4 % verzinst wurden, und den von der genossenschaftlichen Geldausgleichsstelle, der 1895 gegründeten Schleswig-Holsteinischen Landesgenossenschaftskasse in Kiel, bereitgestellten Krediten.

Der Spareinlagenverkehr blieb - der Gloy'schen Auffassung entsprechend - bei der privaten Sparkasse konzentriert. Wenn die Spar- und Darlehnskasse dennoch schon 1900 über ein Betriebskapital von rd. 100.000 M verfügte, so zeigt dieser Hinweis, daß ein beachtliches laufendes Geldgeschäft betrieben wurde. Allein in der laufenden Rechnung waren im Jahre 1900 338.187 M an Einzahlungen geleistet, und der geldliche Umsatz dieses Geschäftsjahres stellte sich auf rd. 900.000 M. Nur 11 der damals vorhandenen 107 Spar- und Darlehnskassen hatten einen Umsatz von mehr als 1 Million Mark. Die Spar- und Darlehnskasse Innien war in ihrer geschäftlichen Entwicklung durchaus auf dem rechten Wege. Sie gehörte zur Zeit der Jahrhundertwende schon zu den größeren genossenschaftlichen Dorfbanken unserer Provinz. Das ergibt sich auch noch aus einer anderen Vergleichszahl: 1900 betrug der geldliche Umsatz in Innien je Mitglied 13.430 M; im provinziellen Durchschnitt erzielten 107 Spar- und Darlehnskassen einen Umsatz von 9.723 M je Mitglied. Auch in den nachfolgenden Jahren konnten diese imponierenden Vergleichswerte in der Relation zu der Entwicklung der übrigen Spar- und Darlehnskassen durchaus gehalten werden. 1901 war der Umsatz schon auf mehr als 1 Mill. M. angestiegen.

In einem Bericht, den Amtsvorsteher Claus Gloy unter dem 8.1.1899 an die Direktion der Landwirtschaftskammer Kiel einreichte, fanden wir folgende Bemerkungen, die uns ebenfalls bestätigen die junge Spar- und Darlehnskasse sich durchaus im Sinne der Erwartungen ihrer Mitglieder entwickelte:

"Die seit einigen Jahren hier errichtete Spar- und Darlehnskasse findet immer mehr Anerkennung und Benutzung, und es kann nicht fehlen, daß diese Kassen sich mit der Zeit überall, besonders wo bäuerliche Wirtschaften vorherrschend sind, einbürgern werden.“

Diese Hoffnung des Vorsitzenden hat sich - auch über einen längeren Zeitraum betrachtet - durchaus erfüllt. Das zeigen die der Jahresbilanz 1912 entnommenen Zahlen. Dabei kommt es uns in erster Linie darauf an, nachzuweisen, daß die Spar- und Darlehnskasse der Aukrugdörfer, die nach dem Beschluß auf der Gründungsversammlung freiwillig auf das Spareinlagen- und Hypothekengeschäft verzichtete, in der Gemeinsamkeit mit den übrigen 357 Spar- und Darlehnskassen der Provinz trotz der Einschränkung ihrer Geschäftsfunktionen einen hervorragenden Entwicklungsstand erreicht hat. Das ergibt sich aus einem Vergleich der wichtigsten Bilanz- und Umsatzpositionen unserer Aukruggenossenschaft zu den entsprechenden Durchschnittswerten aller Spar- und Darlehnskassen in der Provinz und im Reich.

Spar- und Darlehnskasse Innien 1912
Zahl der Mitglieder 179
Bilanzsumme 179.281
davon Spareinlagen -
davon Einlagen in laufender Rechnung 156.457
Kredit bei der LGB Kiel 12.335
Reserven 6.945
Geschäftsguthaben 1.760
Gesamtumsatz 10.495.027
Ausleihungen in laufender Rechnung 165.952
Gewährte Darlehen -

Beginnen wir unseren Betriebs- und Leistungsvergleich mit dem geldlichen Umsatz, der doch wohl als das untrüglichste Kennzeichen einer laufenden Inanspruchnahme der Genossenschaft durch die Mitglieder gewertet werden darf:

1. Der Umsatz (10.495.027 M ) entsprach einem Umsatzbetrag je Mitglied von 58.631 M.

Umsatz je Mitglied im Durchschnitt aller 357 Spar - und Darlehnskassen unserer Provinz 27.194 M ; im Reichsgebiet 5.564 M .

Dazu zwei weitere Vergleichszahlen:

Umsatz je Spar- und Darlehnskasse :

a ) in Schleswig-Holstein 1.775.407 M

b) im Reichsgebiet 504.934 M .

Es gab 1912 in Schleswig-Holstein nur zwei Spar- und Darlehnskassen, die den Umsatz der Genossenschaft der Aukrugdörfer überschritten.

2 . Von dem fremden - und dennoch im Gebiet der Aukrugdörfer erfaßten Betriebskapital sind ausgewiesen :

a ) Spareinlagen -

b) Einlagen in laufender Rechnung 156.457 M

zusammen: 156.457 M

in der Provinz je Spar- und Darlehnskasse

a) Spareinlagen 93.985 M

b ) Einlagen in laufender Rechnung 28.223 M

zusammen: 122.208 M

Trotz des Verzichts auf das Spargeschäft war die dorfeigene Betriebskapitalgrundlage überdurchschnittlich gut. Auf die Zahl der Mitglieder bezogen, betrugen die Einlagen in laufender Rechnung:

a) in Innien 870 M je Mitglied

b) in der Provinz 432 M je Mitglied

c) im Reich 324 M je Mitglied

3. In diesem Zusammenhang interessiert die Frage, ob etwa fehlende Spareinlagen durch einen erhöhten Kredit bei der Landesgenossenschaftsbank, der Zentralkasse der schleswig-holsteinischen Spar- und Darlehnskassen, ersetzt worden sind?

a ) Schulden der Spar- und Darlehnskasse Innien bei der LGB 12.235 M.

b ) Schulden aller Spar- und Darlehnskassen der Provinz bei der LGB je Kasse 29.836 M.

d) Schulden aller Spar- und Darlehnskassen des Reiches bei den Zentralkassen je Kasse 41.991 M.

Der Verzicht auf die Hereinnahme von Spareinlagen hat also nicht dazu geführt, daß die Spar- und Darlehnskasse Inniens ich stärker als andere Genossenschaften bei der Zentralkasse verschuldete. Im Gegenteil, der dort in Anspruch genommene Kredit lag unter den Durchschnittsbeträgen in der Provinz und im Reich.

Sicherlich war es für die Gründer der Spar- und Darlehnskasse ein Risiko, von Anfang an auf das sonst im ländlichen Bankenverkehr aus Rentabilitäts- und auch aus Liquiditätsgründen so interessante und begehrenswerte Spargeschäft zu verzichten. Der Beschluß erfolgte aber unter dem Aspekt der Vermeidung eines Konkurrenzkampfes zweier bäuerlicher Spar- und Kreditinstitute , die durch die Selbsthilfe der Dorfbewohner ins Leben gerufen worden waren und durch die Solidarhaft aller Mitglieder getragen wurden . Hier sollte das Miteinander beider Geschäftsbetriebe von vornherein fest begründet werden. Und das ist - wie wir an den Zahlengegenüberstellungen gesehen haben - durchaus gelungen; zum al in der Besetzung der Verwaltungsorgane beider Institute keine wesentlichen Unterschiede vorhanden waren und auch die Geschäftsführung in einer Hand lag. Beide Einrichtungen waren "Kinder" des landwirtschaftlichen Vereins, dessen Führung sich in jeder Weise um die Förderung des Sparsinns wie auch um eine ausreichende Kreditversorgung der Mitglieds betriebe bemühte.

Diese günstige Entwicklung der Genossenschaft ist wohl in erster Linie der besonderen Initiative des Vorsitzenden Claus Gloy zu verdanken. Wenige Jahre nach der Gründung wurde Gloy in den Aufsichtsrat der Schleswig-Holsteinischen Landesgenossenschaftsbank, Kiel, gewählt, dem er bis 1929 - mehr als 30 Jahre lang – angehörte. 1904 wählte der Verbandstag der schleswig-holsteinischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, Kiel, ihn in eine Kommission, die den Auftrag übernommen hatte, ein Konzept für eine möglichst einfache Gestaltung der Geschäftsführung ländlicher Spar- und Darlehnskassen zu entwerfen. Überall war sein Rat gefragt und seine Mitarbeit notwendig. Über die weitere geschäftliche Entwicklung der Spar- und Darlehnskasse zu berichten, kann nicht Aufgabe dieser Chronik sein; wohl aber sei abschließend vermerkt, daß Claus Gloy' s Saat reiche Frucht getragen hat. Seine Genossenschaft gehört auch heute noch - 82 Jahre nach der Gründung - zu den größeren ländlichen Kreditgenossenschaften unseres Landes mit einem Bilanzvolumen von 16,3 Mill. DM, davon 14,6 Mill. DM Einlagen und einem Warenumsatz von mehr als 3,3 Mill. DM. Neben den bankmäßigen Aufgaben betreibt die Spar- und Darlehnskasse in Fortsetzung des "Landwirtschaftlichen Konsumvereins für Innien und Umgegend" ein bedeutsames Warengeschäft. Umfangreiche Lagerhallen und ein gut 500 t Getreide fassender Siloturm - übrigens ein neues und sehr markantes Wahrzeichen unseres Aukrugs - sind die äußeren Kennzeichen dieser genossenschaftlichen Betriebssparte.

Von 1896 bis 1924 war Claus Gloy Vorsitzender des Vorstandes der von ihm gegründeten Spar- und Darlehnskasse Innien. Von 1897 bis 1921 war er Mitglied des Verbandsausschusses des Verbandes der schleswig-holsteinischen landwirtschaftlichen Genossenschaften e. V., Kiel, dessen Präsident, Freiherr von Heintze, in seinem Nachruf darauf hinweist, daß der Verstorbene als Verbandsausschußmitglied tatkräftig an dem Aufbau unserer heimischen Genossenschaftsorganisation mitgearbeitet und sich um die Förderung der Genossenschaften, insbesondere der Spar- und Darlehnskassen, große Verdienste erworben habe. Am 16. Mai 1928 wurde Claus Gloy durch Verleihung der Freiherrn von Heintze Medaille geehrt .

32 Jahre lang gehörte er als Mitglied dem Aufsichtsrat der Schleswig-Holsteinischen Landesgenossenschaftsbank e. G. m. b. H., Kiel, an. Ein verdienstvoller überzeugter Genossenschafter, dessen segensreiches Wirken weit über die Grenzen des Aukruges hinausgriff.