Archiv:Amtliche Einrichtungen

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Amtliche Einrichtungen

a) Postamt Aukrug

Die Gemeinde Aukrug hat ein selbständiges Postamt. Es wird vom Postverwaltungsamt Neumünster betreut. Vorher war es längere Zeit ein Zweigpostamt von Hohenwestedt. Die postalischen Einrichtungen im Aukrug haben sich im Laufe der Zeit vielfach verändert. Der Landwirtschaftliche Verein an der Bünzau, der so viel für den Fortschritt im Aukrug getan hat, hat 1879 den Antrag auf Errichtung einer Postverbindung gestellt, der 1881 die Eröffnung einer Postagentur zur Folge hatte (S. 147). Es wurde vermutlich ein Zimmer im Hause des Webers Markus Brüggen angemietet (heute Hauptstraße Nr. 8), das bis zur Errichtung des jetzigen Postgebäudes als Postraum gedient hat. Markus Brüggen ist der erste Postagent gewesen. Das Wohnzimmer rechts vom Flur war die Poststube, die noch bis vor kurzem an einem schalterartigen Einbau in der Stubentür nachzuweisen war. Links vom Flur war ein kleiner Manufakturladen, der heute noch als Laden für ein Waffen- und Jagdgerätegeschäft dient.

Als Markus Brüggen 1901 starb, übernahm seine unverheiratete Tochter Magdalene die Postagentur. Sie hatte schon die Telegraphieverbindung zu übernehmen und mehrere Briefträger für die Postsendungen an die übrigen Aukrugdörfer sowie Heinkenborstel, Wiedenborstel und Meezen abzufertigen, dazu auch schon den anlaufenden Telefondienst zu besorgen. Briefträger waren damals der Bruder Heinrich Brüggen, Johannes Stühmer, Jürgen Thun, Harder Langmaack. Infolge der wirtschaftlichen Entwicklung wuchs auch der Postverkehr, so daß sich die kleine Agenturstelle in der Wohnstube als zu eng erwies.

Die Postdirektion veranlaßte daher den unternehmungsfreudigen Bauunternehmer Friedrich Sibbert aus Innien, auf eigene Rechnung ein Gebäude zu errichten, das dem damals üblichen Poststil gemäß und zugleich in der Lage war, die räumlichen Voraussetzungen für die Aufnahme und Abwicklung des Postverkehrs zu erfüllen.

Es gehörte zu jener Zeit zu den Gepflogenheiten der Postverwaltung, sich in kleineren Orten ihre Häuser privat bauen zu lassen und die darin benötigten Räume langfristig anzumieten. 1908 wurde das jetzige Postgebäude errichtet. Über der Eingangstür war der Reichsadler angebracht und darunter in großen Lettern: „Kaiserliche Post". Aus der Agentur wurde nun ein selbständiges Postamt. Es wurde geleitet von dem Postmeister Hellmann, der nach dem 1. Weltkrieg den Postdienst verließ und zur neu gegründeten Finanzbehörde überwechselte. In der Neuordnung des Postwesens zu Beginn der Weimarer Republik wurde aus dem selbständigen Postamt wieder eine Agentur, die 1923 August Jensen als Postagent übernahm.

August Jensen kam aus Schafstedt, war dort Mühlenverwalter gewesen und im Kriege schwer verwundet. Auf Grund eines Zivilversorgungsscheines erhielt er die Möglichkeit, sich um eine Postagentur zu bewerben und entschied sich für die freigewordene Stelle in Innien. Im Zuge der Umorganisation wurden nun in den Dörfern Poststellen eingerichtet, die die Postsachen im Dorf annahmen und verteilten.

In Bünzen war die Poststelle bei Hinrich Harms, in Böken bei Heinrich Hein (daher der Name Poststraße in Böken), in Bargfeld bei Ida Rathjen und in Homfeld bei Frl. Diekgräf.

Der sehr kränkliche und schwer gehbehinderte August Jensen übernahm auf Verwendung des Amtsvorstehers Gloy die Kassenführung der Spar- und Darlehnskasse, richtete in dem Zimmer neben dem Postraum mit Eingang von der Seite des Hauses den Bankraum ein und erwarb das Grundstück. Die Krankheit des allgemein geachteten Postagenten verschlimmerte sich, so daß Frau Jensen die Verwaltung der Postagentur übernehmen mußte. Das waren für beide schwere Jahre! Als nach Beendigung des Krieges die beiden Söhne Kurt und Hans-August gesund zurückkehrten, konnte für die Eltern Entlastung eintreten, indem Kurt Jensen den Postdienst und Hans-August Jensen die Geschäftsführung der Spar- und Darlehnskasse übernahm. Der Vater ist dann bald gestorben, und der Sohn hat noch einige Jahre die Postagentur geführt, bis er sich zur weiteren Ausbildung für den gehobenen Postdienst versetzen ließ.

Zu gleicher Zeit erfolgte eine Umorganisation des hiesigen Postwesens. Die Poststellen in den Dörfern wurden aufgehoben, Meezen und Heinkenborstel abgetrennt und die Agentur wieder zum selbständigen Postamt gemacht, das Neumünster unterstellt wurde. 1956 übernahm Posthauptsekretär Hermann Jonas die Leitung. In seiner Amtszeit wurde eine wesentliche Modernisierung und Erweiterung der Posträume vorgenommen. Während dieser Zeit machten hier die im ganzen Aukrug bekannten und geschätzten Postschaffner „Chrischan" Michaelsen, Max Brüggen, pensioniert 1972, Enkel des ersten Postagenten Markus Brüggen, Heinrich Staben, Emil Lemke und der Ostflüchtling Gustav Witt Postdienst.

Es dürfte die Feststellung interessant sein, daß die Familie Brüggen mit Markus, Magdalene, Heinrich und schließlich Max fast 90 Jahre im Dienst der Post im Aukrug gestanden hat. Nach der 1976 erfolgten Pensionierung von Hermann Jonas, der 20 Jahre das Postamt geführt hat, übernahm Posthauptsekretär Heinz Juska die Leitung. Schalterbeamter wurde Postbetriebsassistent Wolfgang Harms. Landzusteller sind die Posthauptschaffner Otto Staben und Dietrich Bracke, Ortszusteller Postarbeiter Friedrich Nottelmann, und zum Postamt gehört als Raumpflegerin Frau Annelene Nottelmann.

Neuerdings wird die Anlage des Fernmeldedienstes aus den Räumen des Postgebäudes herausgenommen und in ein neu errichtetes Fernmeldedienstgebäude an der Itzehoer Straße verlegt. Die Wartung dieser technischen Anlage geschieht von der Fernmeldezentrale in Heide.

So hat auch auf postalischem Gebiet die Gemeinde Aukrug Anteil an dem technischen Fortschritt unserer Zeit. Allerdings ist die gemütlich-romantische Einrichtung von früher, durch die die Post das Eintreffen des Postzuges von Hohenwestedt gegen 20.30 Uhr abends die Innier Jugend zu einem regelmäßigen Treffpunkt am Bahnhof veranlaßte, heute nicht mehr vorstellbar. Manche benutzten dabei die Möglichkeit, ihre Post durch den Einwurfschlitz im Postwagen noch loszuwerden. Der Kundendienst der Post war damals vorbildlich, ging er doch so weit, daß der Beamte erst noch vernehmlich ausrief, ob jemand da sei, der Briefe mitgeben wolle, bevor er dem Fahrdienstleiter bedeutete, das Zügele abfahren zu lassen. Andere benutzten diese Feierabendgelegenheit zum Anlaß geselliger und auch wohl „liebevoller" Begegnung. Ein Ausschnitt aus dem Dorfleben jener Zeit, „als Großvater die Großmutter nahm"!

b) Bahnstation Innien

Die Gemeinde Aukrug hat eine Bundesbahnstation Innien. Man konnte sich nach der Gründung der Gemeinde Aukrug nicht mit der Regierung und der Bundesbahn einigen, ob und von wem die von der Bundesbahn geforderte „Umstellungsgebühr" von der Bezeichnung „Innien" auf die Bezeichnung „Aukrug" in Höhe von mehr als 30 000 DM bezahlt werden müßte. Gerade im anlaufenden Fremdenverkehr ist das eine mißliche und zu Irrtümern führende Angelegenheit. Da der Bestand der ganzen Strecke Neumünster — Heide gefährdet ist, wird einstweilen mit einer befriedigenden Regelung nicht zu rechnen sein.

Die jetzige Station Innien ist der Hauptdienststelle Hohenwestedt unterstellt; der Bahnhofsvorsteher in Hohenwestedt ist Dienstvorgesetzter. Örtlicher Leiter ist der Fahrdienstleiter Dieter Schumacher im Range eines Obersekretärs. Zum Stationspersonal gehören ein weiterer Fahrdienstleiter und 2 Schrankenwärter. Alle vier stehen im Beamtenverhältnis.

Die Bedeutung der Bahnstrecke für den Personen- und Güterverkehr auf der Strecke Neumünster — Heide ist stark reduziert. Frachtstückgut, Reisegepäck, Expreßgut und Viehverladung sind bereits stillgelegt. Bei Massengütern ist nur der Empfang noch gewährleistet (Kartoffelwaggons der Firma Hermann Carstens). Das Bahnpersonal ist infolgedessen kaum ausgelastet und wegen der Unsicherheit der Verhältnisse enttäuscht.

Die Zahlen im Schüler- und Berufsverkehr sind nicht zurückgegangen, im Gegenteil; vermindert hat sich nur der Fernreiseverkehr.

Die Strecke bleibt daher zu personalaufwendig. Man rechnet damit, daß diese Station allmählich auf einen Ein-Mann-Betrieb verringert und schließlich der Personen- und Lastverkehr auf der ganzen Strecke von der Schiene auf die Straße umgestellt wird. Das wäre eine Entwicklung, die der Zeitauffassung des Individualverkehrs und der privatwirtschaftlichen Forderung nach Gesundschrumpfung entspräche. Wo es aber zu Streckenstillegungen kommen soll, protestiert die Bevölkerung. Man will den Rückhalt der Schiene nicht entbehren, auch wenn man sich ihrer im Augenblick nur wenig bedient und sie dadurch unrentabel macht. Wie dieses bundesweite Ringen zwischen Schiene und Straße eines Tages entschieden wird, ist im Hinblick auf unsere Gemeinde nach den jetzigen Gegebenheiten nicht zu sagen. Vor 100 Jahren war der Aukrug stolz darauf, einen Anschluß an den damals modernen Schienenverkehr zu haben; heute muß die Gemeinde darum bangen und würde ihn gerne behalten.

In früheren Zeiten wurde der Aukrug von der Eisenbahn gut bedient. Nur noch die Älteren von uns werden sich an den „Bünzer Bahnhof, amtl. „Bünzer Weiche" erinnern, eine Gleisanlage in der Nähe von Frahms „Helenenhof", an der Güterwagen halten konnten, um damals die Ausbauten von Elberfelder und Bökerfeld mit Dünger und anderen Massengütern zu versorgen und Massengüter, z. B. Kartoffeln, wieder abzufahren. Lange Zeit nach dem 2. Weltkrieg sind auch große Mengen von Bahnschotter dort abgeladen, mit denen man 15 bis 20 km Wege ausgebaut hat. — Heute schon vergessen!