Archiv:Bebauung

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Bebauung

Genauso wie Wasserversorgung und Kanalisation geschieht auch die Bebauung im Gemeindegebiet nach einem einheitlichen Plan. Es darf also nicht jeder dort bauen, wo er gern möchte und gerade günstig einen Bauplatz bekommen hat, sondern nach einem besonderen, vom Kreis zu genehmigenden Bebauungsplan. Man hat den ursprünglichen Gedanken, besonders das Gelände an den Verbindungsstraßen zu den einzelnen Ortsteilen als Bebauungsgelände auszuweisen, um eine Zusammenbindung der getrennten Ortsteile zu erreichen, aufgegeben. Man will von den geschlossenen Ortskernen ausgehen, um einmal eine Zersiedelung der Landschaft zu vermeiden und sodann der Gemeinde die pflichtmäßige Zu- und Ableitung von Wasser, Abwasser und Strom sowie die Herrichtung von Straßen, Parkplätzen, Grünanlagen und Kinderspielplätzen zu ermöglichen.

So ist jede Bebauung genehmigungspflichtig. Ein Erschließungsvertrag regelt nicht nur die Erstellung aller Versorgungseinrichtungen, sondern auch die Obereignung der öffentlichen Flächen in das Eigentum der Gemeinde. Es wäre zu umständlich, mit jedem einzelnen Landbesitzer einzeln zu verhandeln.

Bei der beabsichtigten Besiedelung der sogenannten „Schmäkoppel", einer Fläche zwischen der L 121 (Straße nach Nortorf) und dem Böker Stieg von ca. 10 ha am Nordostrand des Ortsteils Innien, hat die Gemeinde einen Unternehmer gefunden. Bauingenieur Butenschön aus Gnutz hat das gesamte Areal von den verschiedenen Eigentümern aufgekauft und sich der Gemeinde gegenüber verpflichtet, es nach einem von Kreis und Land genehmigten Bebauungsplan mit Einfamilienhäusern zu bebauen. Der neue Eigentümer als Erschließungsträger ist durch einen Erschließungsvertrag über Umfang und zeitlichen Ablauf der Erschließungsarbeiten gebunden. Mit diesen Erschließungsarbeiten ist am 1. April 1978 begonnen worden.

Mit dem vertraglichen Abschluß über die Erschließung der Schmäkoppel zum Wohnungsbaugebiet ist nun auch die schon lange vorgesehene Aussiedlung des alten Gloy-Rohwerschen Bauernhofes Wirklichkeit geworden. So begrüßenswert das aus wirtschaftlichen Gründen auch immer sein mag, für die Gemeinde Aukrug bedeutet das Verschwinden dieses alten, besonders konstruierten, reetgedeckten Bauernhauses einen geschichtlichen Verlust. An dem Zusammentreffen der alten Landstraßen aus der Richtung Heinkenborstel und der Richtung Nortorf gelegen, bot das Haus mit seiner Schankstube in früheren Zeiten die erste Einkehrmöglichkeit für manchen erschöpften Wanderer und Fuhrknecht. Die gleichzeitige Unterhaltung einer Grützmühle war für die nähere und weitere Umgebung von Bedeutung. Das alte, tief zur Straße heruntergezogene Strohdach würde viel berichten können von den Lebensschicksalen derer, die in den vergangenen Jahrhunderten bis auf den heutigen Tag unter dem schützenden Dach Zuflucht und Geborgenheit gefunden haben. Nach wenigen Monaten werden moderne Abräummaschinen in kurzer Zeit Dach und Balken und damit auch die Seele dieses ehrwürdigen Zeugen einer vergangenen Zeit beseitigt haben, genauso wie man in nüchternem Zweckmäßigkeitsdenken das Jahrhundertdenkmal der Befreiungskriege, das weithin sichtbar im Kreuzungspunkt der genannten Straßen stand, den angeblichen Notwendigkeiten des Straßenverkehrs geopfert hat.

Kein Vorwurf soll erhoben werden, wohl aber ein Bedauern über das allmähliche Verschwinden der Erinnerungsträger früheren Denkens und Empfindens. Vielleicht wäre es aber möglich, den geschichtsträchtigen Namen Gloy der alten Stelle in die Bezeichnung des neuen Hofes hineinzunehmen, um damit ein Stück Geschichte zu erhalten.

In Böken und besonders in Bünzen sind ähnliche, wenn auch kleinere Bebauungsvorhaben durchgeführt oder noch in der Durchführung. Bargfeld und Homfeld erweitern sich durch moderne, geschmackvolle Wohnbauten.

Diese Entwicklung wird weitergehen. Das Bild der geschlossenen Dörfer mit den reetgedeckten niedersächsischen Bauernhäusern wird nach und nach verschwinden. Geschmackvolle Einfamilienhäuser werden die Dorfanlage aufgliedern und unseren Dörfern einen ganz anderen Charakter geben. Aukrug wird infolge seiner Nähe zu Neumünster und zur Autobahn dieser Entwicklung besonders ausgesetzt sein. Es wird darauf ankommen, wieweit seine Neubürger bereit sein werden, sich in die dörfliche Gemeinschaft zu integrieren, sich ihrer Lebensweise anzupassen und ihr zukunftsträchtige Impulse zu vermitteln. Manche alten Aukrüger werden das allmähliche Schwinden ihres gewohnten Dorfbildes gewiß bedauern, aber sie können auch eine Aufgabe für sich darin erkennen, ihre Lebensweise so überzeugend und anziehend darzustellen, daß die neuen Mitbürger gerne bereit sind, sich der nachbarschaftlichen Verbundenheit dörflichen Lebens hinzugeben. Nicht eine unpersönliche Schlafstatt darf der Aukrug werden, sondern eine lebendige, fortschrittliche Dorfgemeinschaft, deren Bewohner sich miteinander verbunden fühlen.