Ehemalige Handelsbetriebe in Aukrug

Aus Aukrug Geschichte Wiki
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Otto Carstens auf seiner letzten Verkaufstour

Die Liste ehemaliger Handelsbetriebe basiert auf der Chronik von 1995, die bereits einige Kurzdarstellungen von Aukruger Betrieben enthielt.

Otto Carstens

Postkarte Kolonialwarenhandlung Carstens in Bargfeld, Dorfstraße 20

Fast 50 Jahre Kolonialwarenhandel auf Rädern

Otto Carstens, 1898 in Böken geboren, ging dort zur Schule und arbeitete anschließend auf dem elterlichen Betrieb. Sein Berufstraum „Lehrer" wurde durch den ersten Weltkrieg vereitelt. Er erlebte den Krieg an der Westfront in Flandern, kam 1917 in englische Gefangenschaft, aus der er Weihnachten 1919 entlassen wurde. In den folgenden Jahren war er unter anderem Maschinenmeister für Dreschmaschinen und entwickelte sich zum Spezialisten im Torfstechen. 1921 wurde geheiratet. Nach zwei Aushilfsjahren als Briefträger arbeitete er bei einém Lebensmittelgroßhandel, für den er über Land fuhr.

Daraufhin eröffneten Otto und Dora Carstens 1929 in Bargfeld einen Kolonialwarenhandel. Erst mit dem Fahrrad, später mit dem eigenen Wagen, fuhr Otto durch Bargfeld und die Nachbardörfer. Er hat den zweiten Weltkrieg von Anfang bis Ende als Sanitäts-Feldwebel in Rußland miterlebt. Dora Carstens hat während dieser Zeit den Laden weitergeführt. Nach dem Kriege ist Otto wieder mit seinem Wagen, voll mit Lebensmitteln und Haushaltsartikeln, durch die Dörfer gefahren. Da das Geschäft in dieser Form noch bis 1977 geführt wurde, ist er allen Aukrugern als „Klein Karstadt" in guter Erinnerung. Er war immer sehr humorvoll.

Als er einmal Schwierigkeiten mit der Polizei hatte wegen Benutzung der großen Diele als Autogarage, meinte er: „Nachts stelle ich mein Auto unter den Apfelbaum". Otto Carstens war im Gemeinderat, in der Feuerwehr und Vorsitzender der Schweinegilde, ist auf Jagd gegangen und hat geangelt.

Seine Freizeitgestaltung bestand bis ins hohe Alter auch aus Holzsägen und -hacken, nach dem Motto: „Der nächste Winter kommt bestimmt".

Viehvermitttlung Wiese

Vieh wird im eigenen LKW abtransportiert

1994 konnte Hans Wiese auf 25 Jahre Viehvermitttlung für die Norddeutsche Fleischzentrale Hamburg (NFZ) zurückblicken.

Der Handel mit Schlachtrindern, Nutz- und Zuchtvieh, Schweinen und Ferkeln war in den letzten Jahren starken Veränderungen unterworfen. Die Rind- und Kalbfleischerzeu-gung ist stark zurückgegangen, die Schweinehaltung im Aukrug gänzlich eingestellt worden. Somit ist der Schweine- und Ferkelhandel tot.

Aufgrund der neuen Gegebenheiten hat die NFZ ein umfangreiches Konzept zur wettbewerbsgerechten Anpassung an den Markt beschlossen. Trotz der Strukturveränderungen in der Landwirtschaft hat Hans Wiese auch diese schwierigen Jahre gut überstanden.

Hans Michaelsen

Lebensmittel — Kohlen — Heizöl

Die Firma Hans Michaelsen mit Stammsitz in Böken hat sich aus kleinsten Anfängen heraus entwickelt. 1896 gründete Klaus Michaelsen eine Hökerei und Schrothandlung. Sein Sohn Hans übernahm die Firma 1928 und gliederte eine Kohlenhandlung an. Nach seinem Tode führten seine Frau Grete und die drei Söhne die Firma weiter. 1955 wurde in Innien ein Einzelhandelsgeschäft, das der A&O-Kette angehörte, eröffnet. Inzwischen wurden die Lebensmittelgeschäfte in Böken und Innien aufgegeben.

Kaufhaus Braasch

Kaufhaus Braasch (Innien in Holstein), undatierte Postkarte Nr. 4 von "Echte Fotografie". Aus der Sammlung von Margret Brüggen.

Das Geschäftshaus Hauptstraße 5 im Wandel der Zeiten: Wilhelm Ovens eröffnete dort 1893 eine Hökerei. Später übernahm Richard Braasch das Geschäft und baute das Haus um. In den dreißiger Jahren wurde es modernisiert und erhielt ein neues Gesicht, so wie es bis heute im wesentlichen erhalten ist. Es entwickelte sich unter dem tüchtigen Kaufmann Richard Braasch zu einem für die damalige Zeit großen Warenhaus, das alles führte, was auf dem Lande benötigt wurde: Lebens- und Genußmittel, Textilien, Leder- und Eisenwaren.

Das Zeichen oben an der Frontseite im Stil der dreißiger Jahre ist der Merkurstab (auch Hermesstab oder Heroldsstab genannt), das Zeichen des römischen Gottes Merkur bzw. des griechischen Hermes. Es ist das Symbol des Handels und der Kaufleute.

1965 zog die Firma Textil-Reese ein. Schneidermeister Klaus Reese war 1931 in Gnutz mit einem Stubenladen angefangen und hat die Firma, zuletzt mit seinem Sohn Hinrich, zu einem stattlichen Geschäft ausgebaut. 1981 wurde das fünfzigjährige Betriebsjubiläum gefeiert. Die Geschäftsräume beherbergen seit 1994 das Textilhaus Mode-Tanke.

Eisenwarenhandlung Fritz Kahl

Das Geschäft für Eisenwaren und Haushaltwaren in der Hauptstraße 19 bestand von 1948 bis 2009.

Kornhandel Johannes Behrens

(Hauptstraße 35 — dannach Getränkemarkt Butenschön, heute Jörg Klinkmann)

In dem Gebäude Hauptstraße 35 gründete Johannes Behrens 1896 eine Kornhandlung. Ab 1925 führte der Schwiegersohn Otto Struve die Firma fort. Der Firmenname blieb bestehen, erhielt nur den Zusatz „Getreide — Saaten — Dünger". 1953 übernahmen Hans Herbert und Ilse Rathjen (geb. Struve) den Betrieb. Eine Reinigungs-, Mahl- und Mischanlage wurde installiert, eigene Schrote hergestellt und verkauft. 1968 verstarb Hans Herbert Rathjen. Seine Frau führte das Geschäft bis 1975 weiter.

Seit 1984 beherbergten die unteren Räume einen Getränkemarkt. Heike und Hans Jürgen Butenschön boten hier ein großes Sortiment an Getränken an. Sie verliehen auch Gläser, Bänke, Tische usw. und zogen später mit dem Geschäft in das Einkaufszentrum am Raiffeisenturm (heutiges Gesundheitszentrum) um.

Viehhandlung Hartmut Senger

Hartmut Senger hat als junger Mann zusammen mit Johann Schröder den Viehhandel betrieben. Von ihm hat er den Umgang mit den Bauern und Schlachtern gelernt. Später war er selbständiger Viehhändler. Beim Durchblättern der Fotoalben zeigt sich, daß immer wieder das Verfrachten störrischer Kühe und Futterbullen eine spannende Angelegenheit war. Eine Zeitlang mußten Ferkel und Läufer, ja sogar Rinder, wegen der Maul- und Klauenseuche in der DDR per Flugzeug nach Berlin verfrachtet werden.

Hartmut Sengers Hobby war in jungen Jahren das Trabrennfahren. Mit Johann Schröders legendärem Wallach „Peter Belwin" hat er um 1950 viele erste Preise heimgeholt.

Aukrug Antik

Blick in den Antikladen Ecke Hauptstraße/ Heinkenborsteler Straße

Geführt von Jutta und Karl Kramer, besteht „AUKRUG ANTIK" seit 1977. Die Firma ist über Schleswig-Holstein hinaus bekannt und beliebt. Man findet, auf 1.500 qm liebevoll zusammengestellt, Sachen aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert. Es wird in eigener Werkstatt, ehemals die Tischlerei Greißel & Kniep, aufgearbeitet und restauriert.

AUKRUG ANTIK ist im umgebauten Bauernhaus von Claus Butenschön und das große Abhollager „Antik Magazin" im alten Dreschmaschinen-schuppen an der Badeanstalt eingerichtet. So wurden nicht mehr genutzte landwirtschaftliche Gebäude einer anderen Verwendung zugeführt. Den Geschäftsräumen angeschlossen ist Barbara Krauses „Alte Kaffeewirtschaft". Es wird täglich in einer gemütlichen, altertümlichen Atmosphäre frisch gebackener Kuchen angeboten.

Drogerie Jessen

Hans-Rudolf Jessen und seine langjahrige Angestellte Magdalene Boe

(Hauptstraße 8 — 1995 Jagd- und Angelbedarf Bajorat)

Der Drogist Hans Rudolf Jessen berichtet über die Entwicklung seines Geschäftes: In der schwierigen Zeit 1932 mit hoher Arbeitslosigkeit habe ich am 7. März in Innien eine Drogerie eröffnet. Am ersten Tag hatte ich 4,30 RM eingenommen, im ganzen Monat waren es dann 425,— RM. Langsam entwickelte sich das Geschäft und man war zufrieden. Meine Schwester führte den Haushalt und 1938 habe ich geheiratet.

Aber schon kam der Krieg. 1940 wurde ich zu den Sanitätern nach Neumünster eingezogen, das Geschäft wurde geschlossen. Im Krieg habe ich viel erlebt, kam am 10. Mai 1943 in Tunesien in englische Gefangenschaft, wurde aber im Oktober 1943 mit verwundeten Soldaten und Sanitätern durch das Rote Kreuz ausgetauscht. Nach acht Wochen Führer- und Genesungsurlaub mußte ich mich wieder bei den Sanitätern melden, kam 1945 wieder in Gefangenschaft und mußte als Sanitätsunteroffizier die Verwundeten weiter pflegen. Dann hatte ich das Glück, schon am 17. August entlassen zu werden.

Schon am 12. Oktober 1945 habe ich meine Drogerie wiedereröffnet. Zuerst war es schwierig, aber nach der Währungsreform 1948 ging es mit dem Laden bergauf. 1946 wurden zusätzlich zu den Drogerie-Artikeln auch Lebensmittel angeboten. Als erster Laden wurde unsere Drogerie 1967 zum SB-Laden umgebaut, ohne daß er seine traute „Tante-Emma-Laden-Atmosphäre" verlor, dank der „treuen Seele" Magdalene Boe aus Gnutz, die vierzig Jahre in unserer Familie beschäftigt war. Im 75. Lebensjahr, am 14. Mai 1984, habe ich mein Geschäft aufgegeben. Ich hoffe, daß man im Aukrug unsere Drogerie in guter Erinnerung behält.

Im gleichen Hause hatte Wilhelm Schlemper 1954 ein Jagdwaffengeschäft gegründet. Es bestand bis 1984. Dann eröffnete Wilhelm Bajorat das heute vorhandene Geschäft.

Parfümerie Aukrug

Die „Parfümerie Aukrug", Hauptstraße 2, wurde 1979 gegründet. Sie ist spezialisiert auf Fachkosmetik. Es werden kosmetische Gesichts- und Körperbehandlungen sowie Farb- und Stilberatung angeboten. Gruppen können Kurse in Hautpflege oder Schminktechnik buchen. Inhaberin ist Ursula Dreeßen, gelernte Drogistin und Kosmetikerin.